Gottow ist ein Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.
Geografische Lage Gottow liegt südwestlich des Gemeindezentrums und ist im Wesentlichen von weiteren Ortsteilen der Gemeinde umgeben. Im Norden ist dies Schöneweide, gefolgt – im Uhrzeigersinn – von Schönefeld, Dümde, Stülpe, Jänickendorf, der Stadt Luckenwalde sowie dem Ortsteil Woltersdorf. Der überwiegende Teil der Gemarkung ist bewaldet oder wird landwirtschaftlich genutzt. Das Hammerfließ und der Flotte Graben fließen in nordwestlicher bzw. nordöstlicher Richtung durch den Ort. Zum Ortsteil gehört der westlich gelegene Wohnplatz Moldenhütten, auch Moldauershütten vormals genannt. Er wird vom Lausebach und Eiserbach in Süd-Nord-Richtung durchquert. Seit frühester Zeit gehört der UnterhammerDiazöse Berlin der Katholischen Kirche (Hrsg.): Amtlicher Führer durch das Bistum Berlin, 22. Auflage, Buchverlag Germania, Berlin 1938, S. 135–378. ebenso zu Gottow.
In der älteren Forschung wurde der Eisenhammer wiederholt mit einem in mittelalterlichen Quellen belegten Ort Gottow oder Gotthow gleichgesetzt, der im Besitz der Bischöfe von Brandenburg gestanden haben soll. Nach Darstellungen des 19. Jahrhunderts soll dieser Ort bereits im 12. Jahrhundert in den Besitz des Bistums Brandenburg gelangt sein und im 13. und 14. Jahrhundert ein befestigtes Haus der Bischöfe umfasst haben. Diese Gleichsetzung ist jedoch problematisch. Es bestehen erhebliche Zweifel, ob der mittelalterlich belegte Ort mit dem späteren Eisenhammer identisch ist. Insbesondere ist die Überlieferung lückenhaft, und eine durchgehende Kontinuität zwischen dem angeblich bedeutenden bischöflichen Sitz und dem frühneuzeitlichen Hammerwerk lässt sich nicht nachweisen. Es ist denkbar, dass es zu einer Verwechslung mit einem gleichnamigen Ort gekommen sein könnte, der im Bereich der Elbe bei Elbenau liegt.Peter P. Rohrlach: Ältere Ortsnamenbelege und das Problem ihrer Zuordnung im alten Kreis Jüterbog-Luckenwalde In: Friedrich Beck, Klaus Neitmann (Hrsg.): Brandenburgische Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Lieselott Enders zum 70. Geburtstag, 1997, S. 12–15.
Geschichte 15. Jahrhundert Das Dorf wurde erstmals im Jahr 1421 indirekt durch das Eisenwerk (Hammer) erwähnt, als von einer Grenze biß in den hammer zcur Gottow berichtet wurde. Der in der Literatur gelegentlich zu findende Hinweis auf eine Grenzfenste der Bischöfe von Brandenburg an der Havel bezieht sich auf eine ehemalige Burg Gottau, die sich in Schönebeck (Elbe) befand. Die Kolonistensiedlung und Hammerwerk entstand vermutlich auf einer mittelalterlichen Wüstung; urkundliche Belege hierfür fehlen jedoch bislang. Allerdings existiert eine Karte aus dem Jahr 1781, auf der eine Eintragung Am alten Schloß verzeichnet ist, das sich 600 Meter nordwestlich in der Hammerfließ-Niederung befunden haben soll. Gottow gehörte zu dieser Zeit bis 1478 den Herren von Torgau aus Zossen. Für wenige Jahre waren die von Stein Besitzer (1478–1490), anschließend übernahm im Jahr 1490 das Amt Zossen das Dorf.
16. Jahrhundert Aus dem Jahr 1506 ist die Existenz einer Mahlmühle am Hammerfließ auf Vnsem hammer daselbst zu Gottow überliefert, die der kurfürstliche Hammermeister mit einem Rad errichten durfte. Diese Mühle bei dem Nitzschenhammer soll 1538 Hans Kohlhase überfallen haben. 1547 errichteten die Brandenburger Herrscher am Hammerfließ einen Grenzzaun, Landwehr genannt. Eine Zollstation entstand, die den Warenfluss zwischen dem Erzbistum Magdeburg im Westen, dem Kurfürstentum Brandenburg im Norden und dem Kurfürstentum Sachsen im Osten regeln sollte. Der Hammer erschien 1583 mit einer eigenen Hütung und Trift, einer Windmühle sowie einer Wassermühle in den Akten. Er erbrachte zusammen 17 Taler und 28 Groschen Zinsen. Gottow kam vor 1594 bis 1672 in den Besitz der von Hake, war allerdings vor 1646 bis nach 1649 im Pfandbesitz der von Otterstedt und 1649 im Pfandbesitz der von Liepe. In diesen Jahren wechselte die Schreibweise von Gottoischen Hammers halben im Ambte Zoßen Bey Schöneweyde gelegen im Jahr 1594 zu Nietzschen Hammer, wonet Ditterich von Hacken drofen in den Jahren 1594/1597 und zu auff dem Gottauischen Hammer, Vndt an die Ambts Zoßensche grentze im Jahr 1642.
17. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg fiel der Hammer bis auf eine Wassermühle nahezu wüst. Die Akten berichten, dass der Rittersitz „in einem Haufen“ liege und das Brauhaus sowie der Weinberg wüst seien. Im Jahr 1652 war der Hammer lediglich mit zwei Männern besetzt. Die von Hake als Eigentümer gestatteten im Jahr 1655 einem Kostknecht, auf den Flächen einige Schafe weiden zu lassen. Wenig später übergaben sie 1672 dem Hauptmann von Kratz aus Ziesarden Hammer mit Gebäuden, Krug, Kruggerechtigkeit, allen Buden, Braupfannen und Braugeräten, der Schäfereigerechtigkeit, Wasser- und Windmühle, Fischerei, Weinbergen, Kohl-, Baum- und Hopfengärten. Er wollte 1676 eine Schneidemühle errichten lassen, verkaufte die Flächen jedoch 1682 wieder. Aus den Flächen siedelten sich bis 1682 insgesamt 11 ½ Kossäten sowie ein Krüger an.
18. Jahrhundert Im Jahr 1727 lebten im Dorf ein Krüger, zwei Hufner sowie zwei Kossäten; es gab eine Schäferei bei Scharfenbrück. Für 1738 sind fünf Kossäten überliefert, ebenso 1745. Neben einem Vorwerk gab es eine Schäferei, eine Wassermühle mit zwei Gängen sowie eine Schneidemühle und einen Teerofen. Die Gemarkung war 13 Hufen 15 Morgen (Mg) und 136 Quadratruten (QR) groß. Eine Statistik aus den Jahren 1749/1750 berichtet von diesem Vorwerk mit einer Größe von 593 Mg 3 QR: 405 MG 136 QR Acker, das sich auf 141 Mg Gutland, 60 Mg Mittelland und 204 Mg 136 QR Schlechtland unterteilen ließ. Darauf wurden je 4 Wispel Roggen, 2 Wispel 2 Scheffel Gerste, 20 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Erbsen, 1 Scheffel Wicken und 2 Scheffel Leinsamen ausgesät. Die Fläche bestand weiterhin aus 81 Mg 64 QR Wiese und 5 Mg 163 QR Gartenland, auf denen 34 Stück Kühe, 17 Stück Güstevieh sowie 400 Schafe gehalten wurden. Die Kossäten betrieben außerdem Schweine- und Federviehzucht. Es gab außerdem ein Paar und einen einzelnen Einlieger. Eine Statistik aus dem Jahr 1750 führte für Gottow das königliche Vorwerk und die Schäferei, fünf Kossäten (darunter einen Schulzen), eine Mahl- und Schneidemühle, eine Wassermühle, zwei Büdner, zwei herrschaftliche Familienhäuser, ein Familienhaus mit sechs Stuben und 13 Feuerstellen sowie 35 Mg Wiese auf.
Im 18. Jahrhundert entdeckten Geologen in der Region Erz. Später führt dazu eine amtliche schriftliche Quelle aus, „der Gottower Eisenstein ist der beste“.J. A. Demian (Hrsg.): Größtenteils nach eigner Ansicht und aus zuverlässigen Quellen. Statistische Darstellung der Preußischen Monarchie, Verlag Carl August Stuhr, Berlin 1817, S. 219. Infolge der Entdeckung gründete sich 1753 die Königlich Preußische Eisenhütte Gottow, die am 1. Mai 1754 mit dem ersten Hochofen den Betrieb auf dem Hammer aufnahm. Das königliche Hüttenamt (Oberbergamt) übernahm die Geschäfte und ließ eine Mahlmühle umbauen, die aus Raseneisenstein das begehrte Material produzierte. Aus diesem wurden unter anderem Waffen für den Siebenjährigen Krieg produziert. Diese wurde 1757 von österreichischen Truppen zerstört, aber bereits 1760 wiederaufgebaut. 1764 kam ein Betrieb hinzu, der Zain herstellte. Der bisherige Besitzer der Schneidemühle, Dalchow, erhielt 1753 als Entschädigung die Erlaubnis, beim Hüttenwerk eine Windmühle anzulegen. Wenig später siedeln acht Familien auf dem neu angelegten Eisenhammer (1754). Im Jahr 1764 entstand ein weiterer Hammer, in dem Nägel produziert wurden. 1765 kam es über die Qualität der Gottower Kugeln zu einem eher taktisch gesprägten Streit zwischen verschiedenen Offizieren. Ein Minister v. Hagen erklärte, „das Gottow’sche Eisen sei so schlecht gewesen, dass erst durch ein zweites Schmelzen zum Munitionsguß brauchbar gemacht worden könne“.Im Ministerium für Handel und Gewerbe (Hrsg.): Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen im Preussischen Staate, Statistischer Theil, Band 43, Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn (vormals Ernst & Sohn|Ernst & Korn), Berlin 1895, S. 89–90. Ein Major v. Holzendorff relativierte dies dann, die Hälfte der aus brandenburgischer Produktion sei unbrauchbar. Unabhängig von der Eisenproduktion wurde das Vorwerk nach wie vor landwirtschaftlich genutzt: Dort wurden 1766 insgesamt 51 Stück Rindvieh, 400 Schafe und 30 Schweine gehalten. Die vier Kossäten erhielten laut einer Erbverschreibung im Jahr 1769 je 12 Mg 480 QR Äcker und 6 Mg Wiese. 1775 entstand in der Nähe der Siedlung eine Pechhütte; Gottow bestand zu dieser Zeit aus dem Dorf mit Vorwerk, Eisenhütte und Hammer; die Einwohner wurden vom Pfarrer aus Jänickendorf seelsorgerisch betreut. Erstmals erschien die Schreibweise Gottow. Eine Statistik aus dem Jahr 1782 führte fünf alte Kossäten auf (darunter den Setzschulzen), vier neue Kossäten, 15 Büdner, sechs Paare und fünf einzelne Einlieger. Das Hüttenvorwerk war 417 Mg 91 Mg groß: 304 Mg 147 QR Acker, 102 21 QR Wiesenwachs, 6 Mg 83 QR Wiesen im Acker, 4 Mg 20 QR Garten. Dort wurden 3 Wispel 2 Scheffel Metzen Roggen, 2 Wispel 3 Scheffel 15 Metzen Gerste, 17 Scheffel 9 Metzen Hafer, 6 Scheffel 8 ½ Metzen Erbsen, 2 Scheffel 10 Metzen Wicken und 1 Scheffel 7 Metzen Leinsamen ausgesät. Es gab dort weiterhin vier Pferde, 15 Zugochsen, 26 Kühe, zwei Bullen und 450 Schafe. Im Jahre 1788 wird ein Gottowschen TeichStatistisch-Topographische Beschreibung der Kurmark Brandenburg, 1. Teil, Gedruckt und verlegt durch Johann Friedrich Unger, Berlin 1788, S. 120. (Digitalisat) genannt, der vom Dümder Fließ gespeist dem Hüttenwerk dient. Für 1791 wurde von zehn Kossäten, 15 Büdnern, elf Hausleuten oder Einliegern und einem Müller berichtet; die Einwohner betrieben 29 Feuerstellen.
19. Jahrhundert