Dörte Eißfeldt (* 1950 in Hamburg) ist eine deutsche Künstlerin mit Schwerpunkt Fotografie, Video und Film.

Leben Eißfeldt studierte von 1970 bis 1976 Kunstpädagogik, Freie Kunst und Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste HFBK Hamburg und schloss ihr Studium bei Gerd Roscher mit einer Videoarbeit zum Paragrafen 218 ab. Sie absolvierte ein Referendariat und unterrichtete zwischen 1978 und 1981 als Kunsterzieherin an einem Hamburger Gymnasium. Danach verließ sie den Schuldienst, um sich auf ihre künstlerische Arbeit zu konzentrieren. Parallel war sie in der Lehre an der HFBK Hamburg, an der FHG Pforzheim und am Salzburg College tätig. Von 1990 bis 1991 war sie Professorin für Fotografie an der Universität Mainz, 1991 folgte ihre Berufung an die HBK Braunschweig als Professorin für Freie Kunst mit Schwerpunkt Fotografie, die sie bis 2016 innehatte. Neben ihrer Lehre verfolgte Eißfeldt ihr eigenes, überwiegend fotografisches Werk, das sie zwischen den Polen Film und Malerei verankert. Dörte Eißfeldt ist mit dem Filmemacher und Musiker Theo Janßen verheiratet. Ihr Sohn, Jan Philipp Eißfeldt (Jan Delay), kam 1976 zur Welt. Dörte Eißfeldt lebt in Neuenkirchen (Mecklenburg-Vorpommern) und Hamburg.

Lehre Mit der Professur von Dörte Eißfeldt wurde 1991 an der HBK Braunschweig im Bereich Freie Kunst eine Klasse für Fotografie fest etabliert, welche die kontinuierliche Arbeit auf diesem Gebiet innerhalb der Freien Kunst ermöglichen sollte. Eißfeldts Lehre verfolgte die Auseinandersetzung mit dem Fotografischen, angelehnt an theoretische Diskurse zur Fotografie, wie sie über die poststrukturalistischen Ansätze u. a. von Roland Barthes und Rosalind Krauss vertreten wurden. Neben medienspezifischen Aspekten ging es in Eißfeldts Lehre um die Grundlagen der fotografischen Materie, um Licht, Schicht und Chemie. Zudem förderte sie das interdisziplinäre Arbeiten ihrer Studenten zwischen den Medien und Sparten.Vgl. Melanie Rick: Mannigfaltige Einzigartigkeit. In: Klasse.Buch. Kehrer Verlag, Heidelberg/Berlin, 2014. Sie initiierte im Kontext der HBK Braunschweig Kooperationen, Ausstellungen und Publikationen, auch gemeinsam mit ihrer Klasse, wie die Vortragsreihe Zugänge zu einer Oberfläche (1993), die Ausstellung xi im Museum für Photographie Braunschweig (2006) und Kairo. Offene Stadt (2012), in Zusammenarbeit mit dem Kurator Florian Ebner. Zu ihrem Ausscheiden aus der Hochschule gab sie 2014 die Publikation Klasse.Buch mit 64 Positionen der Klasse Eißfeldt heraus. Zu den Absolventen ihrer Klasse gehören unter anderem Florian Wüst, Andrea Geyer, Christine Biehler, Matthias Langer, Sascha Weidner, Nadine Decker, Birte Henning, Ingo Mittelstaedt, Samuel Henne, Lisa Domin, Alexandra Heide, Johanna Daab, Jan Paul Evers, Susann Dietrich und Christian Retschlag.

Werk Mitte der 1970er Jahre wandte sich Dörte Eißfeldt, ausgehend von Malerei und Film, vermehrt der Fotografie zu. Dieses vereint für sie die Zeitlichkeit der Bildprozesse von Film und Video mit dem dauerhaft fixierten Bild der Malerei. Ihre Fotografie beschreibt die Künstlerin selbst als „eine Kunst der drei Kammern und drei Körper“.Vgl. Dörte Eißfeldt: Der Körper der Fotografie. Text im Künstlerbuch POL. Nazraeli Press, München 1992. Sie nimmt damit auf den von ihr stets mehrstufig praktizierten Prozess der fotografischen Bildschöpfung Bezug, der sowohl sinnliche, technische als auch rezeptionsästhetische Aspekte vereint. Eißfeldts Arbeiten beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Formen von Sequenz und Montage, die sie in der Dunkelkammer mit verschiedenen Belichtungs- und Entwicklungsverfahren realisiert. Motive aus ihrem Alltag und ihrem unmittelbaren Umfeld bilden hier zumeist das Ausgangsmaterial ihrer ersten Werkgruppen, wie für Große Liebe (1980), Kleine Schwenks (1983), Essen und Trinken (1984–1986) sowie Perfect Worlds (1987).

Zwischen 1981 und 1985 entstanden neben den fotografischen Arbeiten drei experimentelle 16-mm-Kurzfilme. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete sie nahezu ausschließlich im Medium Fotografie, wobei sie das gesamte analoge Instrumentarium des Mediums nutzte, um komplexe fotografische Verfahren anschaulich zu machen: Das fotografische erzeugte Bild soll sich, durch sein Motiv gesehen, auch immer selbst ‚porträtieren’.Vgl. Dörte Eißfeldt, zitiert in: Wildniß. Ausstellungsbroschüre hrsg. von der Alfred Erhardt Stiftung, Berlin 2015. Mit diesem Ansatz gehörte sie in den achtziger Jahren zu den wenigen deutschen Künstlern, die einen Diskurs über das fotografische Medium im Werk selbst thematisierten.

Erste Einzelausstellungen, unter anderem in der Fotogalerie des Museums Folkwang Essen (1982), in der PPS Galerie F.C. Gundlach Hamburg (1986) sowie im Badischen Kunstverein Karlsruhe (1987) machten das Werk der Künstlerin zunächst einem nationalen Publikum bekannt. Wachsende internationale Aufmerksamkeit erhielt sie mit dem ersten Preis für „Junge Europäische Fotografen“ der Deutsche Leasing AG (1985) sowie mit ihren Beteiligungen bei wichtigen Themenausstellungen, wie Reste des Authentischen, kuratiert von Ute Eskildsen, im Museum Folkwang Essen und dem ICP New York (1988) und der Fotovision im Sprengel Museum Hannover (1988) mit Folgestationen in Wien und Zürich. Zu ihren frühen Serien gehören Generator (1987/1988) und Schneeball (1988), die beide zum ersten Mal 1988 im Kunstverein Hamburg unter der Regie dessen Leiters Egon Vester gezeigt wurden.

Während Dörte Eißfeldt ihr Werk vorwiegend im Feld der analogen Schwarzweißfotografie kontinuierlich weiter entwickelt, arbeitete sie wiederholt auch über längere Zeiträume an Farbserien, wie „Eißherbst“ (1998 bis 2009). Für diese etwa 200 Bilder umfassende Serie nutzte sie Naturmotive, um mit überlagertem Filmmaterial, manipulativen Eingriffen in den Aufnahmeprozess sowie durch die automatisierten Entwicklungsverfahren von Discountlaboren zu malerisch artifiziellen Bildergebnissen zu gelangen. Ebenso nutzte Eißfeldt unorthodoxe Entwicklungsverfahren in der eigenen Dunkelkammer, experimentierte mit Fotoglas und anderen spezifischen Bildträgern, so dass ihre Arbeiten, wenngleich sie auch in Serien entstehen, überwiegend unikate Werke sind. Der Technik- und Paradigmenwechsel der digitalen Fotografie ab Mitte der 1990er Jahre vollzog sich im Werk Dörte Eißfeldts ebenso, und es entstanden neben rein digitalen Serien vor allem hybride Bildschöpfungen, die aus der Kombination zwischen analogen und digitalen Arbeitsprozessen resultieren. Mit digitaler Videotechnik entstanden außerdem visuelle Untersuchungen an der Schwelle zwischen stehendem und bewegtem Bild, unter anderem die Videos Wellengang (2001) und Sunset Suite (2003).

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Museum Folkwang, Essen Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Bibliothèque Nationale, Paris, Musée d‘Art Moderne, Paris, Musée de la Photographie Européenne, Paris; Museum of Modern Art, New Yorkhttps://www.moma.org/artists/7848

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 2026: Archipelago, C/O Berlin 2016: HotLittleMama, Thebais-Ausstellungsraum, Köln 2015: Wildniß, Alfred-Erhardt-Stiftung, Berlin 2008: Cumulus, Palais für aktuelle Kunst, Kunstverein Glückstadt 2006: dog.god, Marstall Ahrensburg, Stormarn 2004: Taumelkäfer, Kunstverein Wolfenbüttel 1996: Touch 3, St. Petri, Lübeck 1994: Siegfried, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 1992: Surface, Les Ateliers Nadar, Marseille Dörte Eißfeldt, Fotoraum Fleetinsel, Galerie Elke Dröscher, Hamburg 1990: Das Mal und Triptychon Altarbild, Kunst-Station Sankt Peter, Köln 1989: Versuch der Ausstellung eines Tieres, Galerie Fotohof Salzburg 1988: Kraftfelder–Erkundungen im nahen Bereich, Kunstverein Hamburg Perfect Worlds, Goethe-Institut, Wanderausstellung 1987: Lichtmontagen und Werkprozesse, Kunstverein Karlsruhe 1986: Transitorium, PPS Galerie FC Gundlach, Hamburg 1985: Fotografien–Montagen, Galerie zum Hof, Kunstverein Pforzheim 1982: Arbeitshefte von unterwegs, Fotogalerie Museum Folkwang, Essen

Gruppenausstellungen 2020: Wolfgang Schulz und die Fotoszene um 1980 – Fotografie neu ordnen, Museum für Fotografie Berlin 2019: Wolfgang Schulz und die Fotoszene um 1980 – Fotografie neu ordnen, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 2019: 1000 Wirklichkeiten – 100 Jahre GDL/DFA, Haus der Photographie, Deichtorhallen, Hamburg 2015: Blue Light is Scattered, Apartimentum, Hamburg 2015: Große Herbstausstellung, Kunstverein Hannover 2012: Kairo. Offene Stadt, Museum für Photographie Braunschweig Orte, Places, Endroits…Wenn Künstler fotografieren, Städtische Galerie Kubus und Galerie vom Zufall und vom Glück, Hannover 2009: Veto – Zeitgenössische Positionen in der Deutschen Photographie, Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg Zeigen – eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle, Berlin Ein loses Kontingent von Welt, Klasse Eißfeldt im Dialog mit der Photographischen Sammlung, Museum für Photographie, Braunschweig 2006: Die Liebe zum Licht. Fotografie im 20. und 21. Jahrhundert, Kunstmuseum Celle, Städtische Galerie Delmenhorst, Museum Bochum 2003: Zeitgenössische Deutsche Fotografie, Stipendiaten der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Museum Folkwang, Essen Von Körpern und anderen Dingen. Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert, City Gallery Prague, Deutsches Historisches Museum, Berlin, Moskauer Haus der Fotografie, Museum Bochum 1999: Tomorrow forever, Kunsthalle Krems und Museum Küppersmühle, Duisburg 1997: Coming of Age, White Columns, New York Allemagne, Années 80, Maison Européenne de la Photographie, Paris 1996: So it was – a territory in mourning, Recontres de la Photographie, Arles 1994: Deutsche Kunst mit Photographie–die 90er, Kunstverein Wolfsburg 1993: Kunstfotografie der 90er, Fototage Frankfurt, Rheinisches Landesmuseum, Bonn 1992: Barkenhoffstipendiaten, Barkenhoff-Stiftung Worpswede, Kunsthalle Bremen, Städtische Galerie Kubus Hannover, Stadtmuseum Halle Women behind the Camera, Goethe-Institut, London, Cambridge, Manchester, Glasgow Beyond the Portrait, Derby Photofestival Minimal Relics, Zoologisches Museum Amsterdam, Naturhistorisches Museum Rotterdam 1991: 10 Jahre Deutscher Kunstfonds, Kunstverein Bonn 1990: Herzsprung, Haus am Waldsee, Berlin, Kunstverein Wilhelmshaven, Instituto Allemand und Circulo Bellas Artes, Madrid 1989: L’invention d’un art, Centre Pompidou, Paris Herbstsalon, DuMont Kunsthalle, Köln Focus ’89, Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Dortmund 1988: Inszenizacje – Inszenierungen, Stara Galeria ZPAF, Warschau, Galeria Foto-Medium-Art, Breslau, Museum Archeologiczne, Danzig, Galeria ZPAF, Krakau, Galeria Arsenal, Posen Fotovision, Sprengel Museum, Hannover, Kunstraum im Messepalast, Wien, Museum für Gestaltung, Zürich Materia Prima, FRAC, Marseille 1987: Können Bilder denken? Kunstverein Lingen 10 deutsche Fotografinnen, Goethe Institute, weltweit 1986: Reste des Authentischen–Fotobilder der 80er Jahre, Museum Folkwang, Essen, International Center for Photography, New York 1984: Fotografie, Video und Installation – Aus der Leere des Raumes, Ratherstraße 25, Düsseldorf 1982: Le portrait comme paysage, Rencontres Internationales, Arles Bilder im Versuchsfeld, Versuchsfeld, Hamburg 1981: Stadt & Land, Fotogalerie Glasherz, Köln und Gummersbach

Stipendien und Auszeichnungen (Auswahl) 1999: Projektstipendium für Publikation Montage, Deutscher Kunstfonds, Bonn 1992: Niedersächsisches Künstlerstipendium 1990: Arbeitsstipendium Deutscher Kunstfonds, Bonn 1989: Stipendium der Künstlerstätte Schloss Bleckede 1988: Stipendium der Barkenhoff-Stiftung, Worpswede 1985: 1. Preis für „Junge Europäische Fotografen“, Deutsche Leasing AG, Frankfurt am Main. 1985: Stipendium „Zeitgenössische Fotografie“ der Krupp-Stiftung, Museum Folkwang, Essen 1981: Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks, Arles und Bonn

Künstlerbücher und Monographien (Auswahl)