Eine Verkehrslinie ist die Verbindung mehrerer geographischer Orte, die regelmäßig durch öffentliche Verkehrsmittel wie Eisenbahn, Straßenbahn, Oberleitungsbus, Omnibus, Seilbahn, Schiff oder Flugzeug im Rahmen der Personen- und/oder Güterbeförderung bedient werden. Dies geschieht täglich oder an bestimmten Betriebstagen in der Regel mehrmals. Hierbei setzt sich zunehmend die Einführung eines Taktfahrplans durch. In einem Liniennetz stellt die Linie die kleinste für den Fahrgast sichtbare Einheit dar, jede Linie verbindet dabei mindestens zwei Haltestellen, in diesem Fall auch Endhaltestellen, Wendehaltestellen oder kurz Endstellen beziehungsweise Wendestellen genannt, zuzüglich der sogenannten Zwischenhaltestellen oder Unterwegshaltestellen. Findet die Beförderung mit einer öffentlichen Aufzugsanlage statt, so befinden sich Anfangs- und Endpunkt einer Linie direkt übereinander.
Eine Linie ist nicht zu verwechseln mit einer Strecke, beispielsweise Eisenbahnstrecke, die lediglich den Fahrweg darstellt und durchaus von mehreren Linien befahren werden kann oder auch von gar keiner Linie. Umgekehrt kann eine Linie mehrere Strecken befahren. Es können auch zwei oder mehrere Linien zusammengefasst und durchgehend befahren werden, dann ist zwischen einem Wagen- oder Zuglauf und der einzelnen Linie zu unterscheiden. Der Zuglauf – im Nahverkehr oft als Kurs bezeichnet – ist für den Betreiber die maßgebende Verwaltungseinheit.
In der Schweiz wird der Begriff Linie in der Bedeutung des französischen Begriffs la ligne de chemins de fer auch synonym für eine Eisenbahnstrecke gebraucht.Art. 17 der Eisenbahnverordnung (EBV) vom 23. November 1983 (Stand 18. Oktober 2016) lautet: „Bahnlinien sind für eine ausgeglichene Fahrgeschwindigkeit zu trassieren. …“ bzw. in der französischsprachigen Fassung: „Le tracé des lignes de chemins de fer sera choisi de manière à permettre une vitesse de marche régulière. …“ In Österreich werden analog dazu z. B. die Bezeichnungen Pottendorfer Linie und Vorortelinie benutzt. Vor der Ära des Individualverkehrs hießen die Omnibus- und Oberleitungsbuslinien im öffentlichen Nahverkehr Automobillinien.Zum Beispiel spricht die Wiener Zeitung Der Fremdenverkehr in ihrer Ausgabe vom 20. September 1908 von „Staatlichen Automobillinien im Erzgebirge“, für deren Bereitstellung die Bezirksregierungen zuständig waren.
Linienverlauf Je nach Linienverlauf in Bezug auf den zentralen Ort und das Streckennetz unterscheidet man Pendellinie (zwischen zwei Stationen pendelnd), auch Shuttle, Shuttlebus bzw. Shuttlezug genannt. Radiallinien Durchmesserlinien Tangentiallinien Rundlinien (in eine Richtung) Ringlinien (in beiden Richtungen) Besondere Linienformen sind beispielsweise sogenannte Tennisschläger- oder Schleifenlinien, bei denen an einem oder beiden Linienenden der Linienweg mittels einer sogenannten Häuserblockschleife das Zielgebiet erschließt.
Eine weitere Besonderheit stellen Zubringerlinien dar, die ausschließlich den Verkehr zu einem bestimmten Ziel, zum Beispiel einem Flughafen, beziehungsweise zurück befördern.
Buslinien können, vor allem in ländlichen Gebieten, zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedliche Streckenführungen haben, um zu den dann jeweils besonders nachgefragten Gebieten wie beispielsweise Schulen, Betriebe oder Wohngebiete besser anzubinden.
Teilen und Zusammenfügen Eine Verkehrslinie kann betrieblich geteilt werden, zum Beispiel bezüglich ihrer Endpunkte, dann unterscheidet man entsprechend verschiedene Zuggruppen dieser Linie. Unabhängig davon können Züge einer Bahnlinie, vor allem Triebwagenzüge, unterwegs gestärkt (Anhängen von Einheiten), geschwächt (Abhängen von Einheiten) oder geflügelt (geteilt) werden. Dabei entstehen unterschiedliche Zugläufe einer Linie. Wenn nur einzelne Wagen andere Ziele haben als der Hauptteil eines Zuges, handelt es sich um Kurswagen.
Oft ist es auch sinnvoll, zwei oder mehrere Linien miteinander zu verbinden. Beispielsweise kann ein sternförmiges Stadtbusnetz aus Radiallinien bestehen, die alle im Stadtzentrum enden. Jeweils zwei Linienäste lassen sich dann, flexibel je nach Bedarf, zu einem Wagenlauf zusammenfassen. Bei Bahnlinien kann es sinnvoll sein, zwei ähnlich frequentierte Linien zu verbinden, aber die bekannten Einzelbezeichnungen und möglicherweise Namen beizubehalten (Beispiel: die Regionalbahnen „Ravensberger Bahn“ und „Lipperländer“ in NRW). Auch im Abend- oder Wochenendverkehr (bei geringer Nachfrage) werden mehrere Linien zusammengefügt. Dann entstehen oft Ringlinien.
Linienbezeichnungen mini|Halle an der Saale: das Fahrtziel wurde (vorn) sowie die Fahrtstrecke (seitlich) angegeben, jedoch existierte anfangs noch keine Linienbezeichnung Zu Beginn des öffentlichen Linienverkehrs gab es zunächst keine eindeutigen Linienbezeichnungen. Es wurden nur das jeweilige Fahrtziel respektive die beiden Endstationen sowie gegebenenfalls wichtige Zwischenstationen mittels Schildern angegeben. Nicht überall wurden die Schilder gewechselt, bei manchen Betrieben war bei den früher üblichen Zweirichtungsfahrzeugen vorn das eigentliche Fahrtziel angeschrieben, hinten aber die Endhaltestelle der Gegenrichtung.
In anderen Fällen gab es zwar in einem Ort mehrere Linien, diese wurden jedoch von verschiedenen Unternehmen betrieben, sodass eine Unterscheidung der Fahrzeuge schon anhand der Außenlackierung in den jeweiligen Unternehmensfarben möglich war. Oder es gab keine Streckenabschnitte, die von zwei Linien gleichzeitig bedient wurden, sodass keine direkte Verwechslungsgefahr bestand. In wieder anderen Fällen unterschieden sich die Linien bereits durch die Traktionsart wie Dampfstraßenbahn, Pferdebahn oder elektrische Straßenbahn eindeutig voneinander.
Die zunehmend erweiterten Liniennetze machten jedoch in aller Regel die Einführung fester Linienbezeichnungen (oder zunächst auch -symbole) notwendig, wenn auch teilweise nur betriebsintern und nicht am Fahrzeug angeschrieben. Im Laufe der Jahre kristallisierten sich dabei verschiedenste Bezeichnungskonzepte heraus. Dennoch existieren auch heute noch ÖPNV-Linien ganz ohne Linienbezeichnung, meist wenn ein Unternehmen nur eine einzige Verbindung betreibt.
Einfarbige Kennzeichnung Zu den ältesten Linienkennzeichnungen gehören einfarbige – meist kreisrunde – Liniensignale, also zum Beispiel eine weiße, gelbe, rote, grüne, graue, blaue, violette oder braune Linie. Als eine der ersten Straßenbahngesellschaften führte die Neue Berliner Pferdebahn 1878 anlässlich der Eröffnung einer zweiten Linie ein solches System ein. Fortan war die im Vorjahr eröffnete erste Route die weiße Linie und die neue Route die grüne Linie. In Mainz bezeichnete man die Dampfstraßenbahn in Anlehnung an die vier Farben der Elektrischen inoffiziell auch als schwarze Linie. Im Gegensatz dazu hatte Nürnberg auch offiziell eine schwarze Linie, die als Pferdebahn betrieben wurde. Einer der größten Nachteile dieses Systems ist die begrenzte Anzahl möglicher Farben, weshalb es sich für größere Verkehrsnetze nicht eignet. Jedoch besteht die Möglichkeit Farben doppelt zu vergeben, sofern es Linien gibt, die keine Berührungspunkte haben oder zumindest keine gemeinsamen Haltestellen benutzen. So gab es beispielsweise 1892 bei der Straßenbahn München, drei weiße und drei grüne, aber nur je eine rote, blaue und gelbe Linie.
Die auch Farbscheiben oder Linienscheiben genannten Signale unterschied man dabei in Tagessignale aus Blech mit Ölfarbanstrich und Nachtsignale bzw. Nachtscheiben aus Farbglas. Letztere sicherten auch bei Dunkelheit die Erkennbarkeit der Linien und wurden auch als Signallaternen bzw. Signallampen bezeichnet.
Eine moderne Anwendung findet das Prinzip der einfarbigen Linienkennzeichnung beispielsweise bei der Metro Lissabon (Blau, Gelb, Grün und Rot), beim Seilbahnnetz La Paz (Rot, Gelb, Grün usw.), bei der Sheffield Supertram (Blau, Gelb und Violett), bei der Straßenbahn Dublin (Grün und Rot), bei der Tyne and Wear Metro (Gelb und Grün), bei der Metro Chennai (Blau und Grün) oder bei der Straßenbahn Salt Lake City (Blau, Grün und Rot).
Mehrfarbige Kennzeichnung mini|Zweifarbiges Liniensignal in Berlin Um auch Liniennetze mit einer zweistelligen oder hohen einstelligen Linienanzahl abdecken zu können, setzten sich in größeren Städten schon bald nach Einführung der Linienfarben zwei-, teils auch dreifarbige Symbole durch. Dadurch vervielfachten sich die Darstellungsmöglichkeiten. Hierbei waren die Signalscheiben meist hälftig geteilt – wobei senkrechte, waagerechte und diagonale Teilungen vorkamen. Eine weitere beliebte Form waren senkrecht, waagerecht und diagonal ausgeführte Balken, die im Kontrast zur Hintergrundfarbe der Signalscheibe standen. In Berlin waren beispielsweise – zusätzlich zu den weiterhin verwendeten einfarbigen Signalen – unter anderem folgende Kombinationen aus zwei Farben anzutreffen:
Neue Berliner Pferdebahn: 30px 30px 30px 30px 30px 30px 30px
Straßenbahnen der Stadt Berlin: 30px 30px 30px
Südliche Berliner Vorortbahn: 30px 30px
Typisch für bestimmte Farbkombinationen waren dabei Spitznamen wie Papageienlinie für eine Linie mit rot-grüner Signalfarbe oder Spinat mit Ei für eine grün-gelbe Linie.Heiner Jung: Die Einführung der Liniennummern bei der Straßenbahn in Berlin auf www.diegeschichteberlins.de
Geometrische Symbole Ergänzend beziehungsweise alternativ zu den ein- und zweifarbigen Liniensignalen verwendeten insbesondere große Netze oft farbige geometrische Symbole wie Balken, Kreuze, Kreise, Halbkreise, Viertelkreise, Dreiecke, Vierecke, Rauten oder Sterne. Mit ihrer Hilfe konnten noch einmal deutlich mehr Linien unterschieden werden. Eine weitere gängige Variante war die sogenannte Viertelteilung ähnlich einem Kreisdiagramm, das heißt zwei dunkle und zwei helle Flächen die in der Mitte zusammentreffen. In Leipzig beispielsweise wurde die mit einem weißen Stern gekennzeichnete Linie nach Markkleeberg im Volksmund als Sternbahn bekannt, bis heute erinnert die Gaststätte »Zum weißen Stern« – vor der sich die Endstelle befand – an das frühere Liniensymbol.»Zwirnsrolle« und »Sternbahn« auf www.eisenbahnwelt.de
Bei der Straßenbahn Wien wurde ein solches geometrisches System schon 1874 eingeführt.www.tram.at Die Symbole sind dort später auch als Hieroglyphen-Signale bekannt geworden. Mit ihrer Hilfe sollte insbesondere auch Analphabeten die Unterscheidung der verschiedenen Routen ermöglicht werden. Ferner wies Wien als Hauptstadt des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn eine beträchtliche Anzahl von Einwohnern aus den Kronländern auf, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren.Das Liniensystem der Wiener Straßenbahn auf www.vef.at
Die New York City Subway unterscheidet in ihrem Netz zwischen regulären Linien, die überall halten (local), und beschleunigten Linien, die an bestimmten Stationen durchfahren (express). Unter bestimmten Liniennummern werden dabei beide Dienste parallel zueinander angeboten, wobei die local-Züge mit einem Kreis und die express-Züge mit einer Raute (englisch: diamond) gekennzeichnet sind. Bei LED-Anzeigen leuchten die Kreise grün und die Rauten rot. Ältere Wagen wie die im Anschluss auf dem Foto gezeigten »Redbird« hatten rote »EXP«- und grüne »LOCAL«-Lampen an der Front.
Römische Zahlen mini|Die Linie I der Berliner Ostbahnen