Die Marineakademie „Nikola Jonkow Wapzarow“ (gebräuchliche Transliteration Vaptsarov und Vaptzarov, ) befindet sich in Bulgarien in der Stadt Warna. Absolventen dienen in der bulgarischen Marine, arbeiten in der bulgarischen Handelsmarine und als Spezialisten in der maritimen Industrie in der ganzen Welt. Die Marineakademie ist:
Die älteste technische Bildungseinrichtung in Bulgarien: Gründung am 9. Januar 1881; Gründungsmitglied der International Association of Maritime Universities; Mitglied der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation; Partnerhochschule im EU-Programm „Erasmus Plus“; Partnerhochschule im EU-Programm „MarTEL Plus“ („Leonardo Da Vinci“); Eingetragen in die Weiße Liste der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation; Eingetragen in Lloyd’s Register: Zertifikat ISO 9001:2000 für alle Studienfächer.
Geschichte Die Marineakademie ist die älteste technische Bildungseinrichtung in Bulgarien. Die Entwicklung begann mit mehreren selbständigen Einrichtungen als Vorläufer der gegenwärtigen Fakultäten, Sektionen, Lehrstühle und Fachhochschulen im Rahmen der Marineakademie.
Erste Jahrzehnte Die Grundlagen der maritimen Ausbildung in Bulgarien wurden in der Stadt Russe an der Donau durch Rundschreiben №7/16 Januar 1881 des Kriegsministeriums des Fürstentums Bulgarien geschaffen, in dem mitgeteilt wird, dass mit Wirkung ab 9. Januar 1881 die Marineakademie gegründet wurde.Staatliches Militärhistorisches Archiv, F. 1, op. 1, ae. 24 (bulgarisch).
mini|Marineakademie Warna. mini|Kapitänleutnant Alexander Konkewitsch, erster Befehlshaber der Bulgarischen Marine und Gründer der Marineakademie. mini|Der erste Leiter der Marineakademie Diplom-Ingenieur Podporutschik Pawel Alexejewitsch Maschnin. Die Gründung geht auf Initiative von Kapitänleutnant Alexander Konkewitsch zurück. Er war „Befehlshaber der Marine und der See-Liegenschaften“, wie die offizielle Bezeichnung der Bulgarischen Marine im neunzehnten Jahrhundert lautete.Assen Kozhuharov: Portretat na kapitan-leytenant Aleksandar Konkevich. In: Istorichesko badeshte. 2012. Nr. 1–2, S. 232–237 (bulgarisch). Erster Leiter der Marineakademie ist Diplom-Ingenieur Podporutschik Pawel Maschninwww.naval-acad.bg vom Korps der Marine-Mechaniker, der diese Position bis März 1882 innehatte.Assen Kozhuharov und N. Emelin: Pavel Mashnin – edin ot osnovatelite na balgarskia voenen flot (1879 g.). In: Minalo. 2010. Band 4, S. 4–9 (bulgarisch).
Die Marineakademie war mit der Aufgabe betraut, Mechaniker und Maschinisten für die Königliche Marine auszubilden. Ab 1883 findet man zusätzlich die Bezeichnungen „Mechaniker-Schule“, „Technische Schule“ und „Mechaniker-Klasse“, der Status blieb aber unverändert und die erfolgreiche Ausbildung von technischen Fachkräften für die Bulgarische Marine und für die Handelsflotte wurde fortgesetzt. Absolventen der Marineakademie nahmen 1885 am Serbisch-Bulgarischen Krieg teil und bekamen Auszeichnungen.Staatliches Militärhistorisches Archiv, F. 1042, op 1. a.e. 3, l. 159, 55–56. Alfavitna kniga za voynitsi, 1896 g (bulgarisch).
Durch Reformen des „Ministeriums für nationale Aufklärung“ Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Entwicklung von Bildungseinrichtungen, auch in der maritimen Ausbildung, gefördert. In der Folge wurde die Marineakademie 1892 umgebaut und in „Marineschule für Unteroffiziere“ umbenannt, an der Fach-Spezialisten als Bootsmann, Rudergänger, Feuerwerker (Schiffsartillerist), Minenleger und Mechaniker/Maschinist ausgebildet wurden. Im selben Jahr wurde auch das erste Abschlusszeugniswww.naval-acad.bg der „Alma Mater“ der MarineVMM – №344 – 1959, ed. list. (bulgarisch). ausgestellt.Das war die Bezeichnung für das Diplom im 19. Jahrhundert
mini|Das Diplom des Absolventen Chadschipantelejew aus dem Jahre 1892 ist das bislang älteste bekannte Diplom der Marineakademie.
Im Jahre 1893 wurde in der Stadt Russe der erste „Interimskurs für Marine-Wissenschaften“ für die Ausbildung von Marine-Offizieren gegründet. In diesem Sinne fungiert die Marineschule von 1881 als Grundlage für die Marineakademie und als Vorbild für die heutige Fakultät für Ingenieurwissenschaften,Fakultät für Ingenieurwissenschaften und der Interimskurs von 1893 als Vorbild für die heutige Fakultät für Nautik.
Am Interimskurs nahmen Offiziere teil, die die Militärakademie in Sofia absolviert hatten, um spezielle Marineausbildung zu bekommen, sowie bulgarische Schüler ausländischer Marineschulen ohne erreichten Abschluss.Assen Kozhuharov: Za obuchenieto i karierata na morskia ofitser Dimitar Karamazhdrakov. In: Voennoistoricheski sbornik. 2009. Band 1, S. 39–43 (bulgarisch). Die Absolventen des Interimskurses legten Prüfungen ab, und erlangten die Befähigung eines Marine-Offiziers.
mini|Lehrbücher 1903
Die nächste Entwicklungsstufe begann Anfang des 20. Jahrhunderts, als 1900 unter der Leitung von Leutnant Todor Solarow die Verlegung nach Warna stattfand. Todor Solarow begründete die Notwendigkeit der Vertiefung der Ausbildung, so dass die Marineakademie durch Gesetzesbeschluss der Volksversammlung im Jahre 1904 zur ersten Technischen Fachhochschule wurde. Die Studiendauer wurde auf sechs Jahre verlängert. Im Jahre 1906 wurden dann auch die ersten Abschlusszeugnisse ausgestellt.www.naval-acad.bg; Assen Kozhuharov: Atestatite i zrelostnite svidetelstva na Morskoto uchilishte (1892–1946 g.). In: Istoricheski pregled. 2012. Band 1–2, S. 115–135 (bulgarisch). Das erste, speziell für die Zwecke der Marineakademie entworfene Gebäude wurde 1910 gebaut.
mini|Lehrbücher 1905–1910
Die in der Stadt Russe verbliebenen Einrichtungen wurden in die „Fachhochschule für Minenleger und Mechaniker/Maschinisten“ integriert, mit einer Studiendauer von vier Jahren und mit studiumbegleitendem Praktikum, wobei die ersten zwei Jahre auf die Wehrpflicht angerechnet wurden. Nach vorübergehender Schließung im Jahr 1909 wurde sie dann 1912 wegen des gestiegenen Bedarfs der Königlichen Marine an technischen Fachkräften neu strukturiert, und in „Fachhochschule für Spezialkräfte“ umbenannt, die der neu gegründeten „Ausbildungssektion“, später in „Marine-Ausbildungssektion“ umbenannt, unterstellt wurde.
mini|Lehrbücher und Entlassungsschein 1911|alternativtext=
Die „Fachhochschule für Spezialkräfte“ wurde zwar formell bereits im Jahre 1912 gegründet, aber erst im Jahre 1913 wurde die erste Klasse von 34 Studenten zugelassen. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurden zusätzlich zu den ursprünglich vorhandenen Sektionen Minenleger/Elektrotechnik, Mechaniker/Maschinisten und Rudergänger kurzfristig auch die zwei neuen Sektionen Taucher resp. Radiotelegrafie gegründet.
Die Studiendauer betrug vier Jahre. Die „Fachhochschule für Spezialkräfte“ gilt als Vorbild für die gegenwärtige moderne Fakultät für postgraduales StudiumFakultät für postgraduales Studium sowie für das „Berufskolleg für Unteroffiziere“.
Bereits ab 1912 befanden sich im Rahmen der „Ausbildungssektion“ die „Fachhochschule für Spezialkräfte“ und die „Maschinenschule der Königlichen Marine“. mini|„Draski“ – Torpedoboot, 1907–1920 Während der Balkankriege und des Ersten Weltkrieges (1912–1918) beteiligten sich Absolventen der „Ausbildungssektion“ an Minenlege- und an Minenräum-Maßnahmen, am Angriff durch das bulgarische Torpedoboot „Draski“ () auf den türkischen Kreuzer HamidiyeAssen Kozhuharov: Za kakvo svidetelstva lichniyat arhiv na edin zabraven vazpitanik na Morsko uchilishte? In: Godishnik na Voennomorskia muzey. 2008, S. 85–94 (bulgarisch). am 8. November 1912, an der Landung in Baltschik, Kawarna und Kaliakra, sowie an den Gefechten in Baltschik am 13. Dezember 1916. Ihnen gebührte auch die Ehre, die neue Technik in der Marine als MarinefliegerAssen Kozhuharov: Lettsite-piloti ot parvata chetvart na minalia vek v Almanaha na vazpitanitsite na Morsko uchilishte. In: Morski nauchen forum. 2008, S. 161–168. T5 (bulgarisch). und als Besatzung des ersten bulgarischen U-Boots zu meistern.T. Petrov, A. PANAYOTOV und P. ZHECHEV: Nagradni znatsi i znachki, noseni ot balgarskite podvodnichari. S. BM TREYD, 2009, S. 10 (bulgarisch).Assen Kozhuharov: Balgarskite ofitseri-podvodnichari prez Parvata svetovna voyna. In: Godishnik na Voennomorskia muzey. 2009, S. 110–120 (bulgarisch). alternativtext=|mini|„Draski“ – Torpedoboot, Nationales Marinemuseum, Warna, Bulgarien mini|Historische Uniform
Zu diesem Zeitpunkt begann man, zusätzlich Deutsch und Französisch zu unterrichten, und Offiziers-Anwärter unter den Absolventen wurden an die Accademia Navale (Italien, 1914)Assen Kozhuharov: Za balgarite – vazpitanitsi na italianskoto voennomorsko uchilishte v Livorno. In: Strategii na obrazovatelnata i nauchna politika. 2011. Band 2, S. 164–181 (bulgarisch). und später an die Marineschule Mürwik (Deutschland 1916–1918)Assen Kozhuharov: Vazpitanitsite na Mashinnoto uchilishte pri Flota na Negovo Velichestvo, uchili vav Voennomorskoto uchilishte „Myurvik“ v grad Flensburg prez Parvata svetovna voyna. In: Voennoistoricheski sbornik. 2008, S. 31–38 (bulgarisch). geschickt (vgl. Bulgarische Seeoffiziersanwärter an der Marineschule Mürwik.)
mini|alt=Paradeeingang des Hauptgebäudes der Maschinenschule der Königlichen Marine bis 1916. Maßstab 1: 100. Autor des Modells: Architekt Stojan Stamow.|Paradeeingang des Hauptgebäudes der Maschinenschule der Königlichen Marine bis 1916
An der „Maschinenschule der Königlichen Marine“ selbst zeichneten sich inzwischen bahnbrechende Veränderungen ab: Nach einem kurzen Qualifizierungskurs einer ausgewählten Gruppe von Absolventen wurde im Jahre 1917 der erste Offiziersjahrgang verabschiedet.K. Kolev: 120 godini Morsko uchilishte: hronika na edna vekovna traditsia. VVMU, 2001 (bulgarisch). Der Umzug in das Gebäude des heutigen Aquariums im Meeresgarten fand 1918 statt.
Nach Kriegsende wurde die Ausbildung in der bulgarischen Marine neu strukturiert. Die Ausbildungssektion übernahm die Leitung aller Ausbildungseinrichtungen, aus denen die moderne Marineakademie hervorgegangen sind.
Im Zeitraum 1919 bis 1920 wurde der „Lehrgang für Offiziere“ (Nachfolger des Interimskurses) nicht nur erfolgreich abgeschlossen, sondern die Absolventen bekamen zum ersten Mal aufgrund des Ministerratdekrets Nr. 6/1. Juni 1920 das Zertifikat für abgeschlossene Marine-Hochschulspezialausbildungold-www.naval-acad.bg „gemäß dem vollen Programm des Marinekorps in St. Petersburg“. Hochschuldiplome wurden auch Hörern aus früheren Lehrgängen des Kurses verliehen.Assen Kozhuharov: Za nachaloto na vissheto voennomorsko obrazovanie v Bulgaria. In: Voennoistoricheski sbornik. 2009, S. 14–23 (bulgarisch). Später wurde der Lehrplan erheblich verbessert. Auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen wurden im Jahr 1925 bzw. 1928 Lehrgänge für Nautik eingerichtet, in denen Offiziersanwärter nach mehrjähriger Ausbildung in Theorie und Praxis nun Zeugnisse für eine abgeschlossene Marine-Hochschulspezialausbildung bekamen.Assen Kozhuharov: Edin pochti zabraven prepodavatel na Morsko uchilishte. In: Voennoistoricheski sbornik. 2006, S. 67–70 (bulgarisch). Unter den Absolventen waren auch viele junge Offiziere der „Marine-Küstenpolizei“, wie die offizielle Bezeichnung der bulgarischen Marine im Rahmen des Neuilly-Vertrages lautete, sowie nautische Offiziere im Sinne der Bezeichnung „Kapitän auf großer Fahrt“ im Dienste der „Bulgarischen Dampfschifffahrthandelsgesellschaft“ als Vorgänger der „Bulgarischen See-Flotte AG“ bzw. der Firma Navibulgar.Assen Kozhuharov: Balgarskata voennomorska obrazovatelna sistema spored lichnia arhiven fond na kapitan Georgi Dyulgerov. In: Istoricheski pregled. 2009, S. 215–224 (bulgarisch).
Maschinenschule der Marine Im Frühjahr 1921 wurde die „Königliche Marine“ gemäß Friedensvertrag von Neuilly aufgelöst. Da allerdings die Maschinenschule bei Inkrafttreten des Friedensvertrags von Neuilly bereits seit einem Jahr nicht mehr dem Kriegsministerium unterstellt war, wurde sie in „Maschinenschule der Marine“ umbenannt.