Die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Mikołajki ist ein Bauwerk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Gotteshaus war bis 1945 Pfarrkirche für das evangelische Kirchspiel im ostpreußischen Nikolaiken. Heute ist es gottesdienstliches Zentrum der Gemeinde Mikołajki in der polnischen evangelisch-augsburgischen Diözese Masuren.

Geographische Lage Mikołajki liegt inmitten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, etwa 20 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Mrągowo () in der Masurischen Seenplatte. Durch die Stadt verläuft die polnische Landesstraße 16 (einstige deutsche Reichsstraße 127), an deren Nordseite sich im Zentrum die Kirche befindet.

mini|Blick in den Altarraum der Kirche mini|Blick zur Orgelempore Kirchengebäude Bereits 1522 war eine Kirche (wohl der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet) in NikolaikenNikolaiken bei GenWiki, um 1535 wurde sie erwähntGebäude in Nikolaiken bei ostpreussen.net. Sie brannte beim Tatareneinfall 1656 nieder. Der Nachfolgebau war eine Fachwerkkirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 139, Abb. 673–674. Im Jahr 1768 fertigte der Orgelbaumeister Johann Christoph Ungefug aus dem ostpreußischen Lyck () die Orgel auf der Westempore.

Im Jahr 1839 war die Kirche so baufällig geworden, dass sie abgerissen werden musste. 1840 wurde bereits der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt, und in den Jahren bis 1842 entstand ein neoromanischer Saalbau im Rundbogenstil. Es handelte sich dabei um einen dreischiffigen massiven Bau nach einem Entwurf der Schinkel-Schule. Im November 1842 fand die Einweihung statt. Der Turm wurde erst 1880 errichtet.

Das Innere der Kirche hat in seinem Mittelschiff ein kassettiertes Tonnengewölbe. Die Seiten über den Emporen sind flach, sie weisen klassizistische Stilmerkmale auf. Altar und Kanzel sind als Kanzelwand übereinander angeordnet. Über der Kanzelwand befindet sich ein Gemälde von Pfeiffer aus Königsberg (Preußen) mit symbolischen Darstellungen von Gebeten unter dem Kreuz von 1934. Das Geläut der Kirche bestand ursprünglich aus zwei Glocken.

An der Ostwand der Kirche sind Porträts der Pfarrer Albert Pomian Pesarovius († 1696) und Andreas Kowalewski († 1725) zu sehen.

mini|hochkant|Bronzetafel am Sockel der Christus-Statue Aus jüngster Zeit stammt die Christus-Statue vor der Kirche. Es handelt sich um eine Stiftung des Franciszek Czudek, der von 1995 bis 2007 Pfarrer an der Kirche war. Am unteren Sockel sind wie auf zwei Seiten eines Buches biblische Jesusworte in eine Bronzetafel eingeschrieben: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“. „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich“.

Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1868, erbaut von Johann Rohn oder von Orgelbauer Ferdinand Scherweit. 1945 wurde sie von einem unbekannten Orgelbauer umgebaut, in den 1990er Jahren wurde das Werk überholt. Auf zwei Manualen und Pedal sind 18 Register anspielbar.Orgelverzeichnis: Mikołajki, Evangelische Pfarrkirche

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Eine Kirche bestand in Nikolaiken bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 501. Die Reformation fasste hier relativ früh Fuß. Ab beginnendem 17. Jahrhundert taten hier sogar zwei evangelische Pfarrer gleichzeitig Dienst.Friedwald Möller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 103. Die Kirchengemeinde Nikolaiken gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Sensburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 1925 zählte sie 5021 Gemeindeglieder, die in einem weitflächigen Kirchspiel wohnten. Das Patronat war früher königlich, zuletzt oblag es den staatlichen Behörden.

Heute ist die Pfarrei () Mikołajki in die Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen eingegliedert. Ihr zugeordnet ist die Filialkirche in Ukta (Alt Ukta).

Im Pfarrhaus in Nikolaiken fanden die Gespräche statt, die zur Gründung der Bekennenden Kirche in Ostpreußen führten. Pfarrer war seinerzeit Paul Czekay.Regina Rüter-Czekay: Paul Czekay – Letzter deutscher Pfarrer in Nikolaiken. In: Masurische Storchenpost, Juni 2012, S. 31.

Am 25. November 2017 wählte die in Mikołajki tagende Diözesansynode Pfarrer Paweł Hause aus Kętrzyn (Rastenburg) zum Bischof der Diözese Masuren. In der Kirche zu Mikołajki wurde er am 17. Februar 2018 vom leitenden Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Jerzy Samiec, in sein Amt eingeführt.Website der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (polnisch)

Kirchspielorte In das Kirchspiel Nikolaiken waren bis 1945 mehr als zwanzig Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze eingepfarrt:Der * kennzeichnet einen Schulort.

Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Name Geänderter Name1938 bis 1945 PolnischerName Bartlowo Barteln Barlewo Lucknainen Łuknajno Diebowen Dommelhof Dybowo Nachtigallshöhe Doschen Dosie Neu Schaden Nowe Sady Heydebruch Bagienko Neuwalde Wioska *Isnothen Iznota *Prawdowen Wahrendorf (ab 1929) Prawdowo Julienthal Lelek *Schaden Stare Sady Karlshorst Pszczółki Schöneberg Stawek Klonn Zwerghöfen Klon *Selbongen Zełwągi Kulinowen Waldesruh Kulinowo *Talten Tałty Lissuhnen Lisunie *Wosnitzen Julienhöfen Woźnice *Lubjewen Grünbruch Lubiewo Zymowo Winterau (ab 1929) Cimowo

Pfarrer An der evangelischen Pfarrkirche in Nikolaiken bzw. Mikołajki amtierten – zeitweise gemeinsam – als Geistliche:

Jacob Willamowius, ab 1572 Jacob Mieskowski, bis 1625 Nicolaus Cichowius, bis 1625 Albert Pomian Pesavorius, 1625–1696 Gregor Grigowius, bis 1657 Christian Grogowius, 1657–1667 Johannes C. Podbiercki, 1660–1669 Johannes Carolus, 1668 Johann Pomian Pesavorius, 1669–1685 Jacob Moncowius, 1685–1690 Christian Alexius, 1690–1710 Andreas Kowalewski, 1693–1725 Georg Christoph Madeicka, 1710–1728 Jacob Nicolowius, 1726–1728 Carl Friedrich Freymann, 1728–1749 Martin Ambrosius, 1728–1757 Gottfried Richter, 1749–1757 Georg Wilhelm Jerzembski, 1755–1807 Johann Friedrich Fleischer, 1757–1783 Johann Theodor Stern, 1776–1782 Johann Friedrich Gizycki, 1783–1809 Johann Rutkowski, 1805–1817 Heinrich Gotthard Raabe, 1810–1829 Michael Spekovius, 1817–1824 Carl August Maletius, 1824–1832 Gottlieb Skupch, 1829–1835 Heinrich Ludwig Taurek, 1832–1844 Johann Carl Brzoska, 1835–1861 Julius Carl H. Stechern, 1845–1859 Otto Czygan, 1859–1888Angehöriger des Corps Masovia Johann Zbrzesny, 1861–1888 Karl Georg F.B. Rothe, 1888–1889 Ernst Otto Robert Trinker, 1889–1898 Gustav Eberhardt, 1890–1895 Karl Alwin E. Grundies, 1895–1910 Karl Traugott Remus, 1898–1899 Robert Karl J. Radtcke, ab 1899 Max Zacharias Ebel, 1900 Hermann Carl Otto Baatz, 1901–1926 Heinrich J.F. Schibalski, 1903–1904 Paul Otto Adolf Erwin, 1910–1913 Gerhard Woytewitz, 1924–1928 Otto Kowalzick, 1927–1933 Hans Jacobsen, 1929–1933 Paul Czekay, 1933–1945 Gerhard Modersitzki, ab 1939 Heinz Bachler, 1943–1945 Władysław Pilch-Pilchowski, 1946–1985 Franciszek Czudek, 1995–2007 Bogusław Juroszek, seit 2008

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen Nikolaikens aus der Zeit vor 1945 sind erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 88–89; sowie dazu: Berichtigungen und Ergänzungen, Berlin 2001, S. 7. Taufen: 1693 bis 1722, 1727 bis 1944 Trauungen: 1757 bis 1784, 1789 bis 1816, 1828 bis 1944 Begräbnisse: 1765 bis 1944.

Außerdem liegen zahlreiche Namensverzeichnisse zu den Amtshandlungen vor.

Für die Zeit nach 1945 werden die Kirchenbücher im Pfarramt in Mikołajki geführt und aufbewahrt.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Erbaut in den 1840er Jahren Evangelische Kirche Mikolajki Kategorie:Bauwerk des Rundbogenstils in Polen Mikolajki Mikolajki