mini|Ben Gold (ca. 1946) Benjamin Gold (* 8. September 1898 in Bessarabien; † 24. Juli 1985 in North Miami Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Arbeiterführer.

Allgemein mini|hochkant=1.5|Eine Gruppe Pelzarbeiter während eines Streiks.In der ersten Reihe, Zweiter von links, der 14 Jahre alte Ben Gold (1912).

Ben Gold war Mitglied der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) und führte die Internationale Pelzarbeitergewerkschaft International Fur Workers Union an. Von 1937 bis 1955 war er Präsident der Internationalen Vereinigung der Pelz- und Lederarbeiter International Fur and Leather Workers Union (IFLWU). Im Jahr 1924 wurde Gold wegen seiner Aktivitäten im Namen der CPUSA im Kürschnerbund von seinem Posten suspendiert. 1925 wurde er wieder eingesetzt und zum Vorsitzenden des New Yorker Kürschner-Vorstandes ernannt (New York Furriers’ Joint Board). In seine tätige Zeit fielen die, großteils auch militanten, Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern der Pelz-, Leder- und Textilindustrie und korrupten Gewerkschaftsführungen und für Verbesserungen der teils äußerst schlechten Arbeitsbedingungen gegenüber den Unternehmen in den 1920er und 1930er Jahren, die letztlich erfolgreich waren.

Das ehemalige Zentrum der amerikanischen Pelzindustrie und weltbedeutende Pelzviertel befand sich in New York in den vier Häuserblöcken zwischen der 24. und der 31. Straße. Durchquerte man noch Mitte des 20. Jahrhunderts nachmittags diese Gegend, so sah man hier tausende, sich drängende Pelzarbeiter. 1950 hieß es dazu: „Das sind die Männer und Frauen, die die gepflegte, elegante Winterkleidung herstellen, die in den Schaufenstern modischer Avenues jeder Stadt gezeigt wird. Und das sind die Männer und Frauen, deren inspirierende Kämpfe und großartige Errungenschaften auf der ganzen Welt bekannt sind“.Philipp S. Foner: The Fur and Leather Workers Union. S. VII.

Persönliche Biografie Ben Gold wurde am 8. September 1898 als Kind von Israel und Sarah Gold, geb. Droll in Bessarabien geboren, einer Provinz des Russischen Reiches. Sein Vater war Uhrmacher und Juwelier, der aktiv in der revolutionären Bewegung tätig und Mitglied des lokalen jüdischen Selbstverteidigungskorps war, Institutionen, die in vielen Städten als Vorsichtsmaßnahme gegen Pogrome der antisemitischen Schwarzen Hundertschaften bestanden. Auch sonst war seine Familie durchdrungen vom Kampf gegen Unterdrückung. Seine Schwester beteiligte sich an der revolutionären Studentenbewegung, verschiedentlich wurde sie bei Demonstrationen gegen „zaristische Tyrannei“ zusammengeschlagen („beaten and crippled“). Forner schrieb dazu: „Der junge Knabe lernte bald die Bedeutung des gefürchteten Klopfens an der Tür mitten in der Nacht durch die zaristische Polizei kennen, und den Horror der Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung“.

Im Jahr 1908 ging Israel Gold nach New York, 1910 konnte er seine Familie nachholen. Der damals 12-jährige Ben nahm verschiedene Jobs an, um seine Familie zu unterstützen. Er arbeitete in Kartonfabriken, Modegeschäften und stellte Taschenbücher her. Ein Freund der Familie nahm ihn schließlich in dem Pelzgeschäft Agines & Son in der Bleecker Street auf. Im Jahr 1912 trat der 14-Jährige der sich gerade bildenden Kürschnervereinigung Furriers Union of the United States and Canada bei, die ihren Namen ein Jahr später in International Fur Workers Union of the United States and Canada (IFWU) änderte.

Gold wurde ein aktives Mitglied der CPUSA. In den späten 1940er Jahren stieg er dort in wichtige Positionen auf. Er besuchte im Winter 1930–1931 für kurze Zeit das Lenininstitut in Moskau (mit einer Abteilung für höhere Bildung, das die Werke von Wladimir Lenin lehrte) und war von 1936 bis 1948 Mitglied des Zentralkomitees der CPUSA.Gold versa United States. 237 F.2d 764 (1956).Harold Cammer: Taft-Hartley and the International Fur and Leather Workers Union. In: Ann Fagan Ginger and David Christiano (Hrsg.): The Cold War Against Labor. Berkeley, Calif., Meiklejohn Civil Liberties Institute, 1987. ISBN 0-913876-20-8.Ex-Red Accused Gold. Associated Press, 25. Februar 1954.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Arbeiterführer lebte Gold in der New Yorker Bronx, zu der Zeit noch ein Wohnviertel der Mittelschicht. Hier kandidierte er auch 1928 erfolglos als Richter; er erhielt eine der niedrigsten Stimmenzahlen in der Geschichte der New Yorker Gerichtswahlen.Subcommittee to Investigate the Administration of the Internal Security Act and Other Internal Security Laws. Committee on the Judiciary. United States Senate. Guide to Communist Tactics Among The Unemployed. A Staff Study Prepared for the Subcommittee to Investigate the Administration of the Internal Security Act and Other Internal Security Laws of the Committee on the Judiciary. 87. Cong, 1 sess. Washington, D.C., U.S. Government Printing Office, 1961.

Während seines ganzen Lebens schrieb Gold Kurzgeschichten auf Jiddisch, die oft mit Arbeitsbeziehungen und jüdischen Einwanderern zu tun hatten. Seine letzte fiktionale Arbeit war The Storm in Riverville, 1972 veröffentlicht. Es ist eine semi-fiktive Darstellung von Textilarbeitern in den 1920er Jahren, ihr Kampf gegen das organisierte Verbrechen und ihr Versuch, eine 40-Stunden-Woche zu erkämpfen. Seine Memoiren veröffentlichte er 1984.

Ben Gold verbrachte seinen Ruhestand in Florida. Er starb am 24. Juli 1985 in seinem Haus in North Miami Beach, Florida.Ben Gold. In: New York Times, 25. Juli 1985. Er hinterließ seine Ehefrau Sadie Gold, geb. Algus. Ihr Vater war Harris J. Algus († 1922), „progressiver“ Vorsitzender des New York Joint Boards.Philip S. Foner: The Fur and Leather Workers Union, S. 436/437 Bildseite.

Arbeitskampf der Pelzarbeiter mini|Protestmarsch der Bekleidungsarbeiter (New York, zwischen 1915 und 1920) Im Alter von 13 Jahren kam Ben Gold in die Pelzbranche. Im Jahr 1911 arbeitete er für eine Saison als „Operator“ (Pelzmaschinen-Näher) bei Board & Hauptmann für einen Wochenlohn von 9 Dollar, zu der Zeit der einzige Beschäftigte in der Familie. Als man 1912 in der Pelzbranche anfing zu streiken, war der jetzt gerade einmal 14 Jahre alte Gold stellvertretender Leiter der Firma Pike & Rabinowitz. Er wurde ein aktiver Streikteilnehmer, ständig mit den Streikposten zusammen, welche die Geschäfte patrouillierten. Zusammen mit Kollegen schlief er in der Nähe des Ladens, damit nachts kein Streikbrecher hinein oder heraus konnte. In dieser Zeit bekam er Kontakt zu Mitgliedern der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA). Der Junge war aufnahmebereit für deren Ideen, mehrere seiner Schwestern waren bereits in der Cloak and Dressmakers Union aktiv. Er arbeitete jetzt bei Kaufmann & Oberländer und bildete sich nebenbei in der Manhattan Preparatory School fort, in der nicht realisierten Absicht, einmal die juristische Fakultät zu besuchen.

Während der frühen Jahre der Kürschner-Gewerkschaft beteiligte er sich an vielen Mitgliederaktionen gegen Korruption und Bürokratie innerhalb dieser. 1916 trat er der SPA bei. Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das „Gangstertum“ und die Bürokratie in der Union trat er erstmals als militanter Anführer eines zwölfwöchigen Ausstands der Pelzarbeiter im kanadischen Montreal auf, wo er zuvor mehrmals Kürschnerfreunde der Familie besucht hatte, ohne dass er dort überhaupt beschäftigt war.

Im Jahr 1919, im Alter von 21 Jahren, wurde Gold von New Yorker Kürschnern in den New Board of Directors gewählt, einem Rat von Kürschnergewerkschaften, dessen Zuständigkeit für ganze Stadt New York galt. Im September desselben Jahres schloss er sich der neugegründeten Kommunistische Arbeiterpartei Amerikas (Communist Labor Party of America) an, welche sich von der SPA abgespalten hatte und die sich später mit der Kommunistischen Partei Amerikas (Communist Party of America) zur CPUSA vereinigte.

Als Gold im Jahr 1923 auf einer Gewerkschaftsversammlung auf der von einem Arbeiter vorgetragene Forderung der Diskussion eines bevorstehenden Abkommens zwischen Gewerkschaft und Arbeitnehmern bestand, ließ ihn deren Vorsitzender Kaufman vor den Augen seiner Kollegen von Schlägertrupps mit Stühlen, Keulen unter Zuhilfenahme von Messern brutal zusammenschlagen, so dass er zwei Wochen im Krankenhaus lag. Zwischendurch kam es zudem noch zu einer Verhaftung Golds durch die Polizei. Etliche andere Arbeiter, darunter auch Frauen, wurden ebenfalls verletzt. Das alles führte endgültig zu einem Wendepunkt der Pelzarbeiter im Verhältnis zum Gewerkschaftsapparat, der „Kaufman Machine“, und man beschloss, sich ebenso militant zur Wehr zu setzen.Philip S. Foner: The Fur and Leather Workers Union, S. 130–135.

In einem massiven Streik der New Yorker Kürschner im Jahr 1926 übernahm Gold die Führung. Es kam zu einer Aussperrung von 8500 Arbeitern, auf den die Gewerkschaften mit einem Generalstreik von 12.000 Pelzarbeitern reagierte. 10.000 Arbeitnehmer gingen bei einer Demonstration auf die Straße, Streikposten verhinderten, dass Arbeitswillige in die Betriebe gingen. Die Polizei reagierte mit Schlägertrupps und es fuhren Autos mit hoher Geschwindigkeit in die Menge, um die Streikposten zu zerschlagen. Erst als Gold die Öffnung der Streikposten anordnete, konnte die Ordnung wiederhergestellt werden. 125 Arbeiter wurden verhaftet. Die Reaktion der Polizei war so brutal, dass ein Stadtmagistrat der Polizeibehörde später eine „unangemessene Nötigung“ der streikenden Arbeiter vorwarf.Fur Workers Quit Jobs This Morning. In: New York Times, 16. Februar 1926.

Ben Gold gelang es, sich mit dem Pelzgroßhändler Motty Eitingon von der Eitingon Schild Company zu einigen und damit die bisher beidseitigen starren Fronten aufzubrechen. Da aber dabei nicht die Interessen sämtlicher Arbeiter berücksichtigt wurden, insbesondere nicht die der zahlreichen jüdischen Pelzarbeiter mit ihrer Forderung nach einem arbeitsfreien Sabbat, kam es nicht zu einem allgemeinen Arbeitsfrieden. Gold geriet dabei in erhebliche Auseinandersetzungen mit radikaleren Gewerkschaftsführern, seine Teilnahme an einer Gewerkschaftsveranstaltung konnte nur durch massive Proteste der Mitglieder erreicht werden. Am 22. Mai 1926 füllte eine Massenversammlung den neu gebauten Madison Square Garden, sie war das größte Arbeitertreffen, das bis dahin in der Stadt abgehalten wurde. Gold verurteilte Gewerkschaftsführer, die nicht anwesend waren, und erklärte, dass der Gewinn der 40-Stunden-Arbeitswoche in New York City zu einer landesweiten Bewegung führen würde, welche die Grenzen der Nation überwinden würde. Am 11. Juni 1926 wurde ein neuer Vertrag mit den Arbeitgebern abgeschlossen. Er sah die 40-Stunden-Fünf-Tage-Woche vor, ein Ende der Überstunden von Dezember bis August, eine Bezahlung für anderthalb Überstunden in der Zeit von September bis November, eine 10-prozentige Lohnerhöhung, 10 bezahlte Feiertage und ein Subunternehmerverbot.