mini|hochkant|Victor Klemperer (1952).Er konvertierte 1912 zum Protestantismus. Entsprechend der Rassegesetzgebung der NS-Zeit wurde er als Jude behandelt und verfolgt.

Die folgende Liste von jüdischen Persönlichkeiten der Stadt Dresden enthält, nicht vollständig und ohne jede Wertung, bekannte jüdische Persönlichkeiten, die mit der Stadt Dresden in Verbindung stehen. Die Liste ist eine Zusammenstellung aus verschiedensten Publikationen und ergänzt die nicht systematisch geführte :Kategorie:Person des Judentums (Dresden). Aufgenommen wurden auch Persönlichkeiten, die nur zeitweise in Dresden gelebt haben, jedoch für das Leben in der Stadt von Bedeutung waren. Orientierung sind dabei die Relevanzkriterien. Aufgenommen wurden kurze Biogramme, sie sind auch den jeweils verlinkten Artikeln entnommen.

Vorbemerkungen In Dresden gibt es, wie in den meisten deutschen Städten, keine durchgehende Geschichte einer jüdischen Gemeinde. Die erste bekannte Judenordnung stammt von 1265, mithin lebten zu diesem Zeitpunkt Juden in der Stadt, auch die erste Synagoge existierte dort. Es existierte kein Getto, gleichwohl lebten die Dresdner Juden vor allem im Gebiet um den heutigen Neumarkt. Nach einem Pogrom 1349, ihrer Enteignung 1411 und der Vertreibung aus der Stadt 1430 hatte bis zum Ende des 17. Jahrhunderts kein Jude mehr einen festen Wohnsitz in Dresden.

1697 ließ August der Starke gegen den Widerstand des Rates eine Wiederansiedlung zu und ernannte 1708 seinen ersten Hofjuden (Issachar Berend Lehmann), was einen Neubeginn für die jüdische Gemeinde bedeutete: 1705 lebten 15, 1734 109 und 1746 schließlich 891 Juden in Dresden. 1838 wurde die erste jüdische Gemeinde in Dresden wieder zugelassen, 1838–1840 die Sempersche Synagoge errichtet. Erst 1867 durften sich überall in Sachsen Juden ansiedeln, eine volle Gleichstellung mit allen bürgerlichen Rechten gelang aber erst 1904: 1867 lebten 870, 1905 schließlich 3510 Juden in Dresden.

Am Ende der Weimarer Republik lebten in Dresden etwa 5000 Juden als geachtete Mitglieder der Gesellschaft, die jedoch in ihrer Gesamtheit oder als Personen trotzdem antisemitischen Anfeindungen, gerade in Dresden, ausgesetzt waren. Ab 1933 setzte der Isolationsprozess ein, zum Zentrum jüdischen Lebens in Dresden wurde fortan die Synagoge mit Schule und Ausreisestelle, bis sie in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 niedergebrannt wurde. Die ersten Deportationen erfolgten 1942 nach Riga, in der Folge gingen mindestens zehn Transporte aus Dresden nach Theresienstadt sowie ein Transport nach Auschwitz. Für diesen Prozess, der vielfach zynisch „Entjudung“ genannt wurde, war gerade in Dresden Gauleiter Martin Mutschmann mit seinen untergebenen NS-Dienststellen verantwortlich, die sich ihrerseits durch besondere Härte auszeichneten oder auch auszeichnen wollten.

Die letzten 174 (von ehemals rund 5000) in Dresden verbliebenen Juden (unter ihnen Henny Brenner, Willy Katz, Victor Klemperer und Siegfried Lewinsky) sollten ab Mitte Februar 1945 trotz ihrer „Mischehen“ nach Theresienstadt deportiert werden. Für den ersten Transport, der am 16. Februar 1945 stattfinden sollte, wurde Victor Klemperer durch den Vorstand der jüdischen Gemeinde beauftragt, die „Briefe“, die zur Gestellung für einen „auswärtigen Arbeitseinsatz“ aufforderten, persönlich zuzustellen. Victor Klemperer gehörte nicht den für diesen „Arbeitseinsatz“ „Verpflichteten“ an und nahm diese in den Vormittags- und Mittagsstunden des 13. Februar 1945 vor. Dabei bestand Gewissheit, dass sich dieses Schicksal Tage später wiederholen würde, bis alle noch in Dresden lebenden Juden aus der Stadt abtransportiert waren.Victor Klemperer: Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten - Tagebücher 1942–1945. Aufbau, Berlin 1995, S. 657–661. ISBN 3-351-02340-5.

Wenige Stunden später, in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 fanden die ersten zwei von vier Angriffswellen auf Dresden statt, am 14. und 15. Februar zwei weitere, womit wegen der verheerenden Zerstörungen der Transport am 16. Februar 1945 nicht stattfand, wie auch kein weiterer mehr Dresden verließ.

Gleichwohl jagte die Gestapo nach den Überlebenden. Mit Ausnahme der Bewohner des „Judenhauses“ Sporergasse 2, also das ehemalige Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde, die bei den Angriffen ums Leben kamen, gelang es allen anderen dieser Hetzjagd zu entkommen und an verschiedenen Orten zu überleben.Die Zahlenangaben in der Literatur differieren. Für diesen Text wurden sie entnommen aus: Annette Rehfeld-Staudt: Stationen der Judenverfolgung in Sachsen. Auf der Website der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung online, abgerufen am 3. Juni 2018

Im Mai 1945 lebten nurmehr 41 Juden in Dresden, 1946 112. Zu DDR-Zeiten bestand die Gemeinde nur aus wenigen Dutzend zunehmend älter werdenden Mitgliedern, welche durch Auswanderung und Tod auch zunehmend kleiner wurde (1953: 100, 1989: 50). Erst seit 1990 ist ein stetiges Wachstum, vor allem durch die Zuwanderung jüdischer Menschen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zu verzeichnen.

A Paul Adler; geb. 4. April 1878 in Prag; gest. 8. Juni 1946 in Zbraslav bei Prag; Schriftsteller, Journalist und Übersetzer, u. a. Gustave Flaubert und Camille Lemonnier, lebte von 1912 bis 1921 und von 1923 bis 1933 in Hellerau, veröffentlichte im Zeitraum 1914–1916 seine Hauptwerke Elohim, Nämlich und Die Zauberflöte, floh 1933 in die Tschechoslowakei, überlebte versteckt den Holocaust in der Nähe von Prag. Heinz-Joachim Aris; geb. 7. Mai 1934 in Dresden; gest. 24. März 2017 in Dresden; Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, 2002–2016 Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden. Helmut Aris; geb. 8. Mai 1908 in Dresden; gest. 22. November 1987 in Dresden; Präsident des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR. Berthold Auerbach; geb. 28. Februar 1812 in Nordstetten; gest. 8. Februar 1882 in Cannes; lebte von 1849 bis 1859 in Dresden, gab hier u. a. die Dramen Andreas Hofer, Der Wahrspruch und den Roman Neues Leben heraus. Familie Arnhold, Bankiersfamilie, darunter besonders: Georg Arnhold (Vater von Hans, Heinrich und Kurt Arnhold); geb. 1. März 1859 in Dessau; gest. 25. November 1926 in Innsbruck; seit 1875 Bankkaufmann, seit 1881 Mitinhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold, mit dieser wesentlicher Finanzier Dresdner Unternehmen, 1908 Mitbegründer des Sächsischen Esperanto-Instituts, 1925 Ehrensenator der Technischen Hochschule Dresden, stiftete 1926 das nach ihm benannte Arnholdbad. Hans Arnhold (Bruder von Heinrich und Kurt Arnhold); geb. am 30. Mai 1888 in Dresden; gest. am 8. September 1966 in Lausanne; deutsch-amerikanischer Bankier, Teilhaber im Bankhaus Gebrüder Arnhold, übernahm dessen Berliner Repräsentanz, 1931 federführend an der Partnerschaft mit dem Bankhaus S. Bleichröder, Berliner Teil 1938 „arisiert“, Flucht nach Paris und 1939 in die USA, baute die New Yorker Dependance von Arnhold & S. Bleichroeder zum neuen Stammsitz des Unternehmens auf, Kunstsammlung und Bibliothek 1941 vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg konfisziert (nurmehr Teile vorhanden), Haus eignete sich Reichswirtschaftsminister Walther Funk 1939 an, nach 1945 Offiziersclub, seit 1998 das Hans Arnhold Center der American Academy in Berlin. Heinrich Arnhold (Bruder von Hans und Kurt Arnhold, Vater von Henry H. Arnhold); geb. am 22. Juli 1885 in Dresden; gest. am 10. Oktober 1935 ebenda; Bankier, Sammler, Mäzen, Esperantist, 1908 Mitorganisator des 4. Esperanto-Weltkongresses in Dresden, seit 1910 Teilhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold, 1911 bis 1914 1. Vorsitzender des Sächsischen Esperanto-Bundes, ab 1912 bedeutende Sammlung an moderner Kunst und eine umfangreiche Sammlung an Meißner Porzellan, Mitbegründer der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Technischen Hochschule Dresden und deren Ehrensenator, 1935 Tod nach mehreren Schlaganfällen. Henry H. Arnhold (Sohn von Heinrich Arnhold); geb. 15. September 1921 in Dresden; gest. am 23. August 2018 in New York City; deutsch-US-amerikanischer Bankier, Sammler und Mäzen, 1936 in ein Schweizer Internat, 1940 in Norwegen, verhaftet, kam frei, über Schweden und Kuba in die USA, studierte an der University of California in Los Angeles, trat in die Investmentbank Arnhold & S. Bleichroeder ein, 1960 deren Chairman, Präsident der Arnhold Foundation (Tierschutz, Bildung und Kunst), Mitglied (u. a.) des American Council on Germany und des National Committee on American Foreign Policy, unterstützte Wiederaufbau der Frauenkirche, Bau der Neuen Synagoge und die Kunstsammlungen Dresden, an der Palucca Schule Dresden Stiftung des Esther-Arnhold-Seligmann-Stipendium, Besitzer einer der weltweit wichtigsten Privatsammlungen Meißner Porzellans der Jahre bis 1750, 2011 Ehrensenator der Technischen Universität Dresden, erhielt 2013 den Sächsischen Verdienstorden. Kurt Arnhold (Bruder von Heinrich und Hans Arnhold, Vater von George Gerard Arnhold); geb. 29. April 1887 in Dresden; gest. 9. September 1951 in São Paulo, Brasilien; deutsch-brasilianischer Bankier, promovierte 1913 in Leipzig, seit 1914 Teilhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold, musste unter demütigenden Bedingungen ab 1935 das Bankhaus „arisieren“, 1938/1939 mit Familie über Schweiz und Niederlande nach Großbritannien, von dort nach Brasilien, die gerettete Arnhold-Bibliothek wurde von seinem Sohn George Gerard Arnhold dem Ev. Kreuzgymnasium in Dresden geschenkt. George Gerard Arnhold (Sohn von Kurt Arnhold); geb. 6. August 1918 in Dresden; gest. 31. Juli 2010 in São Paulo, Brasilien; deutsch-brasilianischer Unternehmer, Sammler, Mäzen, Präsident des Fördervereins der Dresdner Philharmonie, schenkte die Arnhold-Bibliothek dem Ev. Kreuzgymnasium in Dresden. Max Arnhold; geb. 17. April 1845 in Dessau; gest. 4. Dezember 1908 in Dresden; Bankier (1875 Gründer des späteren Bankhauses Gebrüder Arnhold) und Freimaurer. Paul Aron; geb. 9. Januar 1886 in Dresden; gest. 6. Februar 1955 in New York City; Pianist, Komponist, Regisseur, Dirigent und Übersetzer, gründete 1921 die Konzertreihe „Neue Musik Paul Aron“ auf, 1927 das „Neue Dresdner Trio“, 1933 Flucht in die Tschechoslowakei, 1939 nach Kuba, 1941 in die USA.

B Henoch Barczyński; geb. 15. Dezember 1896 in Łódź, gest. 14. März 1941 (?) in Tomaszów Mazowiecki; polnischer Maler, Grafiker und Illustrator, studierte 1921–26 in Dresden, 1940 oder Anfang 1941 im Ghetto von Tomaszów umgekommen. Bernhard Beer; geb. 20. Juli 1801 in Dresden; gest. 1. Juli 1861 in Dresden; erster Gemeindevorsteher der 1837 gegründeten Jüdischen Religionsgemeinde zu Dresden, Gelehrter und Gründer des Moses-Mendelssohn-Vereins. Otto Bernstein; geb. am 13. November 1887 in Posen, gest. im Frühjahr 1943 in Auschwitz; Theaterschauspieler und Regisseur, ab 1924 an verschiedenen Dresdner Theatern (‚Neues Theater‘, ‚Die Komödie‘ und Albert-Theater) tätig, 1926 in Dresden erste Regiearbeit, 1933 entlassen, ging nach Entlassung nach Berlin, 1943 gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Auschwitz deportiert. Eduard Bendemann; geb. 3. Dezember 1811 in Berlin, gest. am 27. Dezember 1889 in Düsseldorf; Maler (einflussreicher Vertreter der Düsseldorfer Malerschule), Medailleur, Hochschullehrer (1838–1859 in Dresden, ab 1859 in Düsseldorf), in Dresden Lehrer von Felix Schadow. Margit Bokor; geb. am 1. Juni 1905 in Losonc, Königreich Ungarn, gest. am 9. November 1949 in New York City; ungarische Opernsängerin (Sopran), 1930–1933 an der Semperoper engagiert, 1933 entlassen, 1939 Flucht nach den USA, konnte ihre Karriere an den großen Häusern in New York und Rio de Janeiro fortsetzen. Familie Bondi, Bankiersfamilie, darunter besonders: Joseph Bondi; geb. 23. Juni 1818 in Dresden, gest. 11. Juni 1897 ebenda; Jurist, Bankier, einer der ersten jüdischen Schüler der Kreuzschule, 1853 Dresdner Bürgerrecht, nach Verschmelzung Mitinhaber des Bankhauses Bondi & Maron, Börsenvorstand, 1861–1893 Gemeindevorsteher, 1891 Königlich Sächsischer Kommerzienrat.