Die DEL-Saison 2005/06, die am 8. September 2005 begann, war die 12. Saison der Deutschen Eishockey Liga. Die letzten Vorrundenspiele fanden am 12. März 2006 statt, der Deutsche Meister Eisbären Berlin konnte seinen Titel am 17. April verteidigen. Die Kassel Huskies stiegen hingegen nach einer Niederlage in der Play-down-Runde gegen Aufsteiger Füchse Duisburg in die 2. Bundesliga ab.
Voraussetzungen Teilnehmer Klub Standort Vorjahr Play-offs↑Play-downs↓ Augsburger Panther Augsburg 7. Viertelfinale↑ Eisbären Berlin Berlin 2. Deutscher Meister↑ DEG Metro Stars Düsseldorf 10. – EV Duisburg „Die Füchse“ Duisburg Aufsteiger Gewinner↓ Frankfurt Lions Frankfurt 1. Halbfinale↑ Hamburg Freezers Hamburg 8. Viertelfinale↑ Hannover Scorpions Hannover 12. – ERC Ingolstadt Ingolstadt 5. Halbfinale↑ Iserlohn Roosters Iserlohn 11. – Kassel Huskies Kassel 14. Verlierer↓ Kölner Haie Köln 4. Viertelfinale↑ Krefeld Pinguine Krefeld 9. – Adler Mannheim Mannheim 6. Vizemeister↑ Nürnberg Ice Tigers Nürnberg 3. Viertelfinale↑
Modus und Regelwerk Die Saison 2005/06 war die vorerst letzte der DEL mit sportlichem Absteiger. Das sollte ab der Saison 2006/07 für Planungssicherheit der Clubs und Sponsoren sorgen. Daher war es vor allem für die kleineren und weniger finanzkräftigen Vereine wichtig, die Play-downs am Ende der Saison nicht zu verlieren.http://www.hockeyweb.de/del/del-ab-2006-2007-ohne-auf-und-abstieg-8596 Ein potenzieller Aufsteiger musste sich ab der folgenden Saison sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich und infrastrukturell für die DEL qualifizieren. Diese Regelungen, die in einem Kooperationsvertrag zwischen DEL, Eishockeyspielbetriebsgesellschaft und Deutschem Eishockey-Bund festgelegt wurden, lösten auch bei den Fans einiger DEL-Vereine Proteste aus.
Im Gegensatz zum sportlichen Abstieg wurde die umstrittene Auslegung der IIHF-Regel 554c nicht abgeschafft. Auch weiterhin mussten die Referees auf eine Zwei-Minuten-Strafe entscheiden, wenn ein Spieler den Puck über die Bande schoss. Keine Veränderung wurde auch bezüglich des Ausländerkontingents beschlossen. Jeder Club durfte weiterhin zwölf ausländische Spieler lizenzieren, jedoch nur elf pro Partie einsetzen.
Die bestehende Vorschrift, dass das dunkle Trikot Heimtrikot sein musste, wurde ab der Spielzeit 2005/06 nicht mehr so streng gehandhabt. Jedes Team musste zu Saisonbeginn melden, welches Trikot vor eigenem Publikum getragen werden sollte. Die Auswärtsmannschaft musste sich dann darauf einstellen.
Die Förderlizenz-Regelung wurde gegenüber der Vorsaison nicht verändert. Wie zuvor konnten deutsche Feldspieler, die nach dem 1. Mai 1982 geboren wurden, und deutsche Torhüter, die am 1. Mai 1980 noch nicht auf der Welt waren, mit Förderlizenz zu einem Team in einer unteren Liga geschickt werden, um dort Spielpraxis zu sammeln. Jeder DEL-Mannschaft war es vorgeschrieben, mindestens vier solcher Spieler unter Vertrag zu haben.
Sportliches Die Gehaltsobergrenze, die vor der Saison von NHL und NHLPA vereinbart worden war, war verantwortlich dafür, dass die Clubs der DEL ungewöhnlich wenige neue Spieler aus Nordamerika verpflichteten. Denn sie zwang die NHL-Franchises dazu, eher auf preiswertere Spieler zu setzen, sodass Spieler, die schon bei DEL-Clubs auf der Beobachtungsliste standen, doch in Nordamerika blieben, um auf eine Chance in der NHL zu warten. Bis zum 1. August 2005 hatten die Vereine der DEL erst vier Spieler aus Nordamerika verpflichtet (Michel Périard, Lonny Bohonos, Mathieu Darche, Jason Holland). Zu Beginn der Saisonvorbereitung fehlten den Hamburg Freezers noch drei Plätze in den ersten beiden Sturmformationen, die Eisbären hatten gar zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen neuen Spieler unter Vertrag. Dabei waren in der Saison zuvor noch 22 NHL-Spieler in Deutschland aktiv gewesen.
Eigentlich standen nach den Play-downs der vorherigen Saison die Kassel Huskies als Absteiger fest. Sie rückten aber für die Grizzly Adams Wolfsburg nach, denen die DEL-Gesellschafterversammlung wegen einer zu kleinen und maroden Halle die Lizenz entzogen hatte. Diese Unsicherheit in Bezug auf die Frage des Absteigers und Unstimmigkeiten in der Führungsriege führten dazu, dass fast alle Leistungsträger der Huskies des letzten Jahres schon vor Lizenzerteilung bei Konkurrenten unterschrieben hatten (z. B. Daniel Corso und David Gosselin in Frankfurt, Brian Swanson und Christian Laflamme in Nürnberg, Kirk Furey in Iserlohn sowie Stephan Retzer in Mannheim) und nur wenig Zeit bestand, einen Kader zu formen.
mini|SAP-Arena in Mannheim Nach Hamburg, Köln, Hannover, Krefeld, Nürnberg und Ingolstadt war Mannheim der siebte DEL-Standort, der in den letzten Jahren eine Multifunktionsarena erhielt: Die SAP Arena fasst knapp 14.000 Zuschauer und wurde Austragungsort der Eishockey-Weltmeisterschaft 2010.
Negativ auf die DEL wirkte sich auch der Abstieg der Nationalmannschaft aus, denn im Gegensatz zu den Frankfurt Lions vor einem Jahr waren die Eisbären Berlin nicht mehr für den IIHF European Champions Cup qualifiziert. Dagegen folgten sie der Einladung des HC Davos zum renommierten Spengler Cup, den sie mit zwei Punkten Rückstand auf Sieger Team Canada als Dritter abschlossen.
Wirtschaft mini|DEL-Profi-Referee Rick Looker mit Premiere-Logo, dahinter (verdeckt) das Zeichen der Gelben Seiten auf der Bande Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Etat der 14 Mannschaften um 5 % auf 69,8 Mio. € gesteigert werden. Der DEL stand – verglichen mit Handball und Basketball – eine hohe Summe an TV-Geldern vom Pay-TV-Sender Premiere (195.000 €/Club) zur Verfügung. Die Eliteligen der anderen beiden Sportarten erhielten nur einen Bruchteil davon. Als Hauptsponsor der Liga warben die Gelben Seiten in jedem Stadion an der Bande sowie auf den offiziellen Internetpräsenzen der Clubs mit einem DEL-Gelbe-Seiten-Doppellogo. Die Schiedsrichter liefen in den letzten Monaten der Spielzeit mit einem Premiere-Schriftzug auf dem Rücken auf. Etat-Übersicht der DEL-Clubs 2005/06 Club Etat 2005/06 Veränderunggegenüberdem Vorjahr Zuschauerschnitt(Kalkulation) tatsächlicherZuschauerschnitt2005/06 Veränderunggegenüberdem Vorjahr Augsburger Panther 3,3 Mio. € +0,3 Mio. € 3.800 3.727 −638 Eisbären Berlin 6,5Geschätzt; laut Eishockey NEWS – Sonderheft DEL 2005/2006, S. 8. / 4.400 4.339 −90 DEG Metro Stars 6,2 / 5.400 6.601 +639 EV Duisburg 3,5 +1,5 2.500 2.489 +993 Frankfurt Lions 4,5 +0,4 5.000 6.319 −100 Hamburg Freezers 7,1 +0,1 9.500 10.810 −1.037 Hannover Scorpions 3,8 / 5.500 5.538 +827 ERC Ingolstadt 5,2 +0,2 3.800 4.112 −48 Iserlohn Roosters 2,7 +0,2 2.800 3.475 −215 Kassel Huskies 3,7 +0,2 4.000 4.245 +393 Kölner Haie 6,5 / 10.000 12.511 +276 Krefeld Pinguine 4,0 +0,5 5.100 4.391 +294 Adler Mannheim 8,0 +1,3 8.000 11.056 +5.918 Nürnberg Ice Tigers 4,8 +0,1 5.350 5.038 −132
Die Adler Mannheim lösten damit die Hamburg Freezers wieder als Etat-Krösus ab. Schlusslicht dieser Rangfolge blieben die Iserlohn Roosters. Das Budget des EV Duisburg erfuhr angesichts des Aufstiegs fast eine Verdoppelung, die Adler planten aufgrund der Mehreinnahmen durch die SAP-Arena mit mehr Geld. Die Krefeld Pinguine hatten die finanzielle Krise nach der Meisterschaft 2003 mittlerweile wieder einigermaßen verdaut und erhöhten den Etat um eine halbe Million Euro. Die starke Saison der Frankfurter, die durch den erneuten Einzug ins Halbfinale gekrönt wurde, brachte dem Meister von 2004 eine Etat-Erhöhung von 400.000 Euro. Insgesamt brachten die Clubs zur Saison 2005/06 eine neue Rekordsumme von knapp 70 Millionen Euro auf.
Vorrunde Die Vorrunde wurde als Doppelrunde ausgespielt, so dass jeder gegen jeden vier Partien austrug.
September 2005 Am 8. September 2005 begann die zwölfte Spielzeit der DEL mit der Partie der Adler Mannheim gegen die DEG Metro Stars.
Team der Stunde in der Anfangsphase dieser DEL-Saison waren klar die Hannover Scorpions, die die ersten sechs Saisonspiele alle gewinnen konnten und schon hier einen wichtigen Grundstein zum späteren Erreichen der Play-offs legten. Ein guter Saisonstart gelang auch den Frankfurt Lions, die in den ersten neun Spielen 21 Punkte holten, ganz im Gegensatz zu den Hamburg Freezers, die nach vier von acht Spielen zu Saisonstart (1., 2., 6. und 8. Spieltag) sogar Tabellenletzte waren. Das lag unter anderem an den nicht zufriedenstellenden Leistungen der Paradereihe mit Benoît Gratton, François Fortier und Marc Beaucage lag. Ab dem 30. September lief es besser, was sich in acht Heimsiegen in Serie widerspiegelte.
Am 23. September verletzte sich der Goalie der Kölner Haie, Oliver Jonas, sodass der damals erst 19-Jährige Thomas Greiss eine Chance im Tor der Haie erhielt, die er zu nutzen wusste. Der Youngster war nicht nur, während Jonas nicht spielfähig war, ein guter Vertreter, sondern etablierte sich auch danach als Nummer-1-Goalie. Vier der ersten fünf Spiele der Duisburger gingen verloren, der Start verlief einigermaßen durchwachsen, wurde durch zwei Niederlagenserien im Dezember und Januar aber noch getoppt. Nur fünf Siege aus den ersten 20 Spielen wiesen auch für die Kassel Huskies den Weg von Anfang an in den Tabellenkeller. Viele kurzfristig verpflichtete Spieler mussten sich erst an das DEL-Niveau gewöhnen.
Einen hervorragenden Start in die DEL erwischte der später auch zum „Rookie des Jahres“ (bester neuer Spieler) gewählte Michael Wolf (Iserlohn Roosters). Allein im Heimspiel gegen die Eisbären Berlin erzielte Wolf 3 Treffer (Endstand: 9:6). Ernst Höfner, Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, lobte ihn nach der Saison so: „Er war schon immer dynamisch, ein Kämpfer, gab 100 %. Jetzt macht er auch noch seine Tore.“ Außerdem sei er als einziger deutscher Liga-Neuling auf Anhieb Leistungsträger geworden.Eishockey NEWS – Sonderheft Stars des deutschen Eishockeys, März/April/Mai 2006, S. 15. Zum zweitbesten Rookie wurde der Duisburger Michael Waginger gewählt, der wie Wolf erst in relativ spätem Alter (26, Wolf war 24) aus der 2. Bundesliga in die höchste deutsche Spielklasse wechselte und dort gleich wichtige Aufgaben in seiner Mannschaft bekam. In Anbetracht solcher Erfolge setzte die DEL das Förderlizenz-Alter zur Saison 2006/07 von bisher 23 auf 25 Jahre.
Ende des Monats September absolvierte Mirko Lüdemann noch sein 600. DEL-Spiel.
Oktober 2005 Anfang Oktober musste das Spiel der Nürnberg Ice Tigers gegen die Adler Mannheim abgesagt werden, da ein Eismeister in der Arena Nürnberger Versicherung beim Bohren der Löcher für die Tore eine Kühlleitung beschädigt hatte, sodass gesundheitsgefährdendes Ammoniak austrat. Die Ice Tigers kamen für die 5.000 € Reisekosten der Mannheimer auf.
Gleichzeitig bekam der EV Duisburg ein arges Torhüter-Problem, als sich der Stammtorwart Patrick Koslow beim Pokalspiel in Düsseldorf durch bengalisches Feuer am Auge verletzte, woraufhin die Füchse Patrick Ehelechner aus Mannheim ausliehen. Ein 9:6-Sieg der Roosters leitete eine Serie von vier Niederlagen in Serie bei den Eisbären Berlin ein, der Tiefpunkt der Saison beim deutschen Meister, der sich zum Ende hin enorm steigerte. Vier Niederlagen in Folge setzte es im Oktober auch für die DEG, die in dieser Spielzeit nie wieder öfter direkt hintereinander verloren. In Mannheim wurden zu dieser Zeit die Pressekonferenzen nach dem Spiel abgeschafft und durch einen sogenannten „Open-Locker-Room“ ersetzt. Journalisten konnten sich nach dem Spiel in den Mannschaftskabinen die Äußerungen der Beteiligten zum Spiel anhören.
Am 12. Spieltag begann für die Augsburger Panther eine 13 Spiele andauernde Niederlagenserie. Einen Spieltag später gab es dann einen Wechsel an der Tabellenspitze der DEL – der ERC Ingolstadt stieg auf den ersten Platz auf und verließ ihn erst am 50. Spieltag wieder. Der Oktober war der wahrscheinlich erfolgreichste Monat der Vereinsgeschichte für die Ingolstädter, denn auf sieben Siege kam nur eine Niederlage. Für die Nürnberg Ice Tigers begannen Ende des Monats erfolgreiche Wochen mit 20 von 24 möglichen Punkten.