Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Oktober 1989.
Tagesgeschehen Sonntag, 1. Oktober 1989 Kopenhagen/Dänemark: In Dänemark können gleichgeschlechtliche Paare ab heute amtlich eine Partnerschaft eintragen lassen. Dänemark ist das erste Land weltweit, das diese Möglichkeit anbietet; die Eintragung ist allerdings nicht der Ehe gleichgestellt. Prag/Tschechoslowakei: Wenige Stunden, nachdem tausende Ausreisewillige aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) vom Gelände der bundesdeutschen Botschaft mit Reisebussen zu Flüchtlingszügen gebracht wurden, welche sie über das Gebiet der DDR in das Land Bayern transportieren, sind bereits circa neue ausreisewillige DDR-Bürger auf das Gelände der bundesdeutschen Botschaft gelangt. Sie hoffen auf eine Ausreise „in den Westen“.
Montag, 2. Oktober 1989 mini|150px|FuBK-Testbild Mainz, München/Deutschland: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme ARD und ZDF strahlen zum ersten Mal das ARD-Mittagsmagazin aus und schließen damit die Lücke zwischen dem Vor- und dem Nachmittagsprogramm, die sie bis gestern visuell mit der Ausstrahlung des FuBK-Testbilds überbrückten. Das vom Bayerischen Rundfunk produzierte ARD-Mittagsmagazin soll im täglichen Wechsel mit dem ZDF-Mittagsmagazin gesendet werden. Wien/Österreich: Der Unternehmer Udo Proksch wird auf dem Flughafen Schwechat beim Versuch der Einreise erkannt und festgenommen. Im Rahmen eines Versicherungsbetrugs soll er 1977 den Tod von sechs Seeleuten des versenkten Massengutfrachters Lucona in Kauf genommen haben. Der Sprengstoff stammte aus dem Bestand des Bundesheers.
Dienstag, 3. Oktober 1989 Berlin/Deutschland: Erich Honecker (SED), de facto Staatsoberhaupt der DDR, ordnet die Schließung der Grenze des Landes zur Tschechoslowakei an. Bisher waren pass- und visafreie Ausreisen möglich. Um 21.02 Uhr wird ein Reisezug von der deutsch-tschechoslowakischen Grenze nahe Bad Schandau zurück nach Dresden geführt, weil Insassen die Wagentüren vor den diensthabenden Grenzbeamten verriegelten. Dresden/Deutschland: Bei der Durchfahrt von Flüchtlingszügen mit DDR-Bürgern, denen der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland Hans-Dietrich Genscher am 30. September in der bundesdeutschen Botschaft in der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag mitteilte, dass ihre Ausreise in die Bundesrepublik möglich sei, versuchen circa 800 Personen, zum abgeriegelten Hauptbahnhof und in die Sonderzüge zu gelangen. Die Volkspolizei drängt die Menschen zurück und nimmt bei den daraufhin ausbrechenden Krawallen eine unbekannte Anzahl an Personen fest.
Donnerstag, 5. Oktober 1989 Oslo/Norwegen: Für seine Bemühungen um ein demilitarisiertes und unabhängiges Tibet wird Tenzin Gyatso, der als Dalai Lama die Führungsperson im tibetischen Buddhismus verkörpert, den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten.
Freitag, 6. Oktober 1989 miniatur|hochkant|Fackelzug der FDJ in Berlin zwischen Brandenburger Tor und Marx-Engels-Platz am Abend des 6. Oktober 1989 anlässlich des 40. Jahrestages der DDR Olten/Schweiz: Der Hilfsarbeiter Werner Ferrari gesteht zum Teil die ihm zur Last gelegten Morde an elf Kindern. Insgesamt wurden in der Schweiz seit 1979 über 20 Kinder entführt beziehungsweise ermordet und in den Medien etablierte sich das Schlagwort von den 1980er Jahren als „dunkles Jahrzehnt der Schweiz“.
Samstag, 7. Oktober 1989 Berlin/Deutschland: Als Ehrengast wohnt das De-facto-Staatsoberhaupt der Sowjetunion Michail Gorbatschow der Militärparade anlässlich des 40. Gründungstags der Deutschen Demokratischen Republik bei. Er legt seinem Gastgeber Erich Honecker, de facto Staatsoberhaupt der DDR, nahe, dem sowjetischen Beispiel für Erneuerung und mehr Transparenz zu folgen. Im Politbüro artikuliert Gorbatschow: „Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“ Fast identisch äußert er sich gegenüber Journalisten des bundesdeutschen Rundfunkveranstalters ARD. Dakar/Senegal: Die 1982 aus den Ländern Senegal und Gambia gebildete Konföderation Senegambia wird aufgelöst. Der unmittelbare Anlass ist die Frage, ob die Ämter des Präsidenten und des Vizepräsidenten des Staatenbunds zwischen beiden Ländern rotieren sollen. Der Senegal ging auf diesen Vorschlag nicht ein und kündigte als Antwort diverse Vereinbarungen der Konföderation auf. Plauen/Deutschland: Mit der Sonnabendsdemonstration findet in der DDR zum ersten Mal seit Juni 1953 eine regierungskritische Großdemonstration statt, die nicht von den Sicherheitskräften aufgelöst werden kann. Die rund Demonstranten fordern u. a. die Demokratisierung des Landes. Schwante/Deutschland: Etwa 40 Personen aus dem Umfeld der Evangelischen Kirche gründen die Sozialdemokratische Partei in der DDR. 1946 wurde die ursprüngliche Sozialdemokratische Partei Deutschlands in der Sowjetischen Besatzungszone, in Ost-Berlin erst 1961, mit der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereinigt. Der Schritt wurde damals kontrovers diskutiert. Nach Auffassung der SED ist Sozialdemokratie in sozialistischen Gesellschaften nicht notwendig, da die so genannte „Arbeiterklasse“ ohnehin die Macht ausübt.
Sonntag, 8. Oktober 1989 Bregenz/Österreich: Bei der Wahl zum Vorarlberger Landtag entscheidet sich zum zehnten Mal in Folge die absolute Mehrheit der Wähler für die ÖVP. Die SPÖ erhält mit rund 21,3 % ihr schlechtestes Resultat seit 1949. Des Weiteren gewinnt die FPÖ drei Mandate hinzu und der Grünen Alternative Vorarlberg gelingt mit zwei Mandaten der Einzug ins Parlament.
Montag, 9. Oktober 1989 Berlin/Deutschland: Zum ersten Mal veröffentlicht eine von der DDR-Regierungspartei SED kontrollierte Zeitung eine kritische Stellungnahme eines Mitglieds des SED-Zentralkomitees, als der Schriftsteller Hermann Kant in der Jungen Welt befindet, das Schlechteste an der DDR sei, dass es sie „so wie derzeit gibt“. Bonn/Deutschland: Die Bundesrepublik und die Volksrepublik Polen vereinbaren die Umschuldung von 2,5 Milliarden D-Mark, die Polen der BRD aus Krediten der Jahre 1986 bis 1988 schuldig ist. Die Frist zu deren Rückzahlung wird bis 1997 verlängert. Leipzig/Deutschland: Der 1988 abgesetzte Pfarrer Christoph Wonneberger lässt von einer Menschenrechtsgruppe und deren Freunden seinen mit einer versteckten Druckmaschine -fach vervielfältigten Aufruf zur Gewaltfreiheit bei der heutigen Montagsdemonstration verteilen. Auswärtige Sicherheitskräfte und Demonstranten füllen zusätzlich zu den Leipzigern die Straßen. Als die Teilnehmer des Friedensgebets die Nikolaikirche verlassen, beginnt die regierungskritische Demonstration in Gegenwart der bewaffneten Staatsmacht. Ab 18.00 Uhr läuft im Radiosender „Leipziger Stadtfunk“ wiederholt ein Aufruf zu Besonnenheit, den drei Politiker und drei Prominente verfassten. Leipzig/Deutschland: Circa 70.000 Menschen umrunden den Innenstadtring. Sie rufen „Neues Forum zulassen“, um ihre Forderung nach einer politischen Opposition auszudrücken, sowie „Auf die Straße, schließt euch an“, damit die Zögerlichen ihre Angst vor den Repressalien der Diktatur überwinden, sowie „Keine Gewalt“, da u. a. die Rote Armee, die Nationale Volksarmee, das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei zu den Waffen greifen könnten. Sie rufen „Wir sind das Volk“, weil in einer Demokratie die Herrschaft in den Händen des Volkes liegt und nicht nur in denen einer politischen Partei, die Judikative, Legislative und Exekutive kommandiert. Sie bewältigen die Strecke um die Innenstadt, ohne dass die Sicherheitskräfte eingreifen. Eine friedliche Revolution in der DDR scheint möglich zu sein. Karasjok/Norwegen: König Olav V. eröffnet die parlamentarische Vertretung des Volks der Samen, das „ordentlige Sametinget“. Ein weiteres samisches Parlament existiert in Finnland. Stockholm/Schweden: Den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin werden in diesem Jahr die Amerikaner John Michael Bishop und Harold Elliot Varmus für ihre Forschungen zu retroviralen Onkogenen erhalten.
Dienstag, 10. Oktober 1989 Luxemburg/Luxemburg: Die neun fraktionslosen Parlamentarier der Abgeordnetenkammer versperren am ersten Sitzungstag des Parlaments die Treppe zum Plenarsaal und fordern eine Gleichbehandlung mit fraktionsgebundenen Mandatsträgern. Dabei kommt es zu Handgreiflichkeiten. Das Präsidium des Parlaments lässt die Treppe letztlich von der Polizei räumen.
Mittwoch, 11. Oktober 1989 Athen/Griechenland: Premierminister Tzannis Tzannetakis (Nea Dimokratia) tritt zurück, nachdem der Koalitionspartner Synaspismos die Zusammenarbeit gut drei Monate nach dem Start aufkündigt. Es wird voraussichtlich noch in diesem Jahr zur Neuwahl des Griechischen Parlaments kommen. Stockholm/Schweden: Der Norweger Trygve Haavelmo wird in diesem Jahr „für seine Formulierung der wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen der Ökonometrie“ den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten.
Donnerstag, 12. Oktober 1989 Athen/Griechenland: Nach der Aufkündigung der Regierungskoalition durch das Bündnis Synaspismos sowie dem Rücktritt des Premierministers Tzannis Tzannetakis von der Partei Nea Dimokratia wird eine Übergangsregierung mit dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs Ioannis Grivas an der Spitze gebildet. Die meisten Kabinettsmitglieder sind parteilos. Stockholm/Schweden: Der Kanadier Sidney Altman und der Amerikaner Thomas R. Cech werden in diesem Jahr den Nobelpreis für Chemie erhalten. Die Stiftung ehrt ihre Entdeckung der katalytischen Eigenschaften von Ribonukleinsäure, welche in Lebewesen das Bindeglied zwischen genetischen Informationen und Proteinproduktion ist. Der Nobelpreis für Physik wird in diesem Jahr an den Amerikaner Norman Ramsey, den Deutsch-Amerikaner Hans Georg Dehmelt und den Deutschen Wolfgang Paul für ihre Weiterentwicklungen der Atomspektroskopie verliehen.
Samstag, 14. Oktober 1989 Kailua-Kona/Vereinigte Staaten: Beim Ironman Hawaii verteidigt die in Südafrika lebende Athletin Paula Newby-Fraser ihren Titel aus dem Vorjahr im Wettbewerb der Frauen. Bei den Männern lässt erstmals Mark Allen aus den Vereinigten Staaten die gesamte Konkurrenz hinter sich und besiegt im so genannten „Iron War“ () den sechsfachen Champion Dave Scott. Im knapp über acht Stunden andauernden Rennen trennen die Konkurrenten nur wenige Sekunden.trinews.at, Stefan Leitner: trinews.at, Stefan Leitner: Santiago/Chile: Bei der ersten demokratischen Wahl des Präsidenten nach Einleitung der so genannten „Transition in Chile“ im Oktober 1988 erhält mit Patricio Aylwin von der Koalition der Parteien für die Demokratie ein ehemaliger Unterstützer des seit 1973 diktatorisch regierenden Präsidenten Augusto Pinochet die meisten Stimmen. Das langjährige Staatsoberhaupt selbst trat bei der Wahl nicht an, da sich die chilenische Bevölkerung in einem Referendum 1988 gegen eine Verlängerung der Regierungszeit von Pinochet aussprach.
Sonntag, 15. Oktober 1989 Frankfurt am Main/Deutschland: Der tschechoslowakische Essayist und Menschenrechtler Václav Havel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Taschkent/Sowjetunion: Nach einem Aufruf der panturkistischen Vereinigung Birlik, die sich für den Erlass eines Sprachgesetzes engagiert, versammeln sich Menschen in der Hauptstadt der Usbekischen SSR, um für den Vorrang der Usbekischen Sprache vor der Russischen Sprache zu demonstrieren.
Dienstag, 17. Oktober 1989 mini|175px|Durch das Erdbeben in Kalifornien beschädigte Brücke Santa Clara County/Vereinigte Staaten: Durch ein Erdbeben der Stärke 7,1 Ms mit Epizentrum nahe dem Berg Loma Prieta bei San Francisco, Kalifornien, sterben 58 Menschen, etwa weitere Personen werden verletzt.
Mittwoch, 18. Oktober 1989 mini|150px|Raumsonde Galileo