mini|300px|Stadt Hirschau (2023) mini|300px|Kaolingruben bei Hirschau (2023) mini|300px|Hirschau, Kaolingruben, Monte Kaolino (2023) Hirschau ist eine Stadt im Landkreis Amberg-Sulzbach (Regierungsbezirk Oberpfalz) in Bayern; sie zählt zur Metropolregion Nürnberg, der Regionalplan Oberpfalz-Nord weist Hirschau zusammen mit der nur wenige Kilometer östlich liegenden Nachbarstadt Schnaittenbach als Unterzentrum aus. Das Wirtschaftsleben ist von Unternehmen geprägt, welche die umfangreichen Kaolinvorkommen abbauen. Darüber hinaus hat die Firma Conrad Electronic dort ihren Sitz.

Das Stadtbild ist geprägt von der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, deren Anfänge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, und dem Rathaus, das um 1490 errichtet wurde. Im Stadtkern sind zahlreiche weitere historische Gebäude erhalten, wie das Pflegschloss oder das Gasthaus Goldener Hirsch. Überall von der Stadt aus sichtbar ist der nur etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegende Monte Kaolino, eine aus rund 35 Millionen Tonnen Quarzsand der benachbarten Kaolingruben bestehende Halde, die Freizeitmöglichkeiten bietet.

Hirschau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Hirschberg gegründet. Nach dem Aussterben dieses Adelsgeschlechtes im Jahre 1305 ging Hirschau an die Wittelsbacher über und wurde damit bayerisch, von einem kurzen neuböhmischen Intermezzo im 14. Jahrhundert abgesehen.

Geographie Geographische Lage Hirschau liegt an der Bundesstraße 14 Nürnberg–Prag, etwa 20 km nördlich der A 6 Amberg–Heilbronn und etwa 15 km westlich der A 93 Regensburg–Hof. Die Stadt liegt etwa 70 km östlich von Nürnberg mittig zwischen den kreisfreien Städten Amberg und Weiden in der Oberpfalz. Zwei Kilometer von Hirschau entfernt befindet sich die Kleinstadt Schnaittenbach.

Gemeindegliederung Gemeindeteile mini|Ortsteile der Stadt Hirschau Es gibt 24 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Zusätzlich wird in verschiedenen Quellen der Weiler Dienhof, knapp 600 Meter nördlich des Kricklhofs gelegen, als Gemeindeteil der Stadt Hirschau angeführt. Die Schwärzermühle und der Scharhof hingegen fehlen in manchen Aufstellungen.

Gemarkungen Es gibt neun Gemarkungen, von denen sich fünf über die Gemeindegrenzen hinweg auf das Gebiet von Nachbargemeinden erstrecken. Gemarkungs- und Gemeindeverzeichnis auf http://vermessung.bayern.de./

mini|Gemarkungen in der Stadt Hirschau

Gemarkungs-nummer Gemarkung Flächeha Gemeindeteile Karte 4476 Ehenfeld 1465,27 Ebenhof, Ehenfeld, Hölzlmühle, Kindlas 40px|alt= 4493 Forst 126,43 Waldmühle (bis 1938, jetzt Gemarkung Hirschau) 40px|alt= 4475 Großschönbrunn 332,45 Krickelsdorf 40px|alt= 4490 Hirschau 2237,93 Hirschau, Waldmühle (bis 1938 zur Gemeinde Forst) 40px|alt= 4465 Massenricht 1163,51 Hummelmühle, Massenricht, Obersteinbach, Rödlas, Träglhof, Untersteinbach 40px|alt= 4489 Mimbach 309,86 Burgstall, Krondorf 40px|alt= 4491 Scharhof 75,98 Sargmühle, Scharhof 40px|alt= 4502 Steiningloh 890,36 Mittelmühle, Schwärzermühle, Steiningloh, Urspring, Urspringermühle 40px|alt= 4503 Weiher 891,23 Kricklhof, Weiher 40px|alt= 9 Gemarkungen Gemeinde Hirschau 7493,02 24 amtlich benannte Gemeindeteile 40px|alt=

Nachbargemeinden An das Gemeindegebiet der Stadt Hirschau grenzen im Süden die Gemeinde Freudenberg, im Osten die Stadt Schnaittenbach sowie die Gemeinde Kohlberg (Landkreis Neustadt an der Waldnaab), Freihung im Norden und Westen sowie Gebenbach und Hahnbach im Westen.

Geologie mini|hochkant=1.3|Blick auf Hirschau vom Monte Kaolino Zwischen den Gemeindeteilen Massenricht und Ehenfeld verläuft in Nordwest-Südost-Richtung die sogenannte Freihunger Störung; ihr entlang wurden Gesteinsschichten um bis zu 1500 Meter herausgehoben, wodurch die zirka 88 Millionen Jahre alten Gesteine der Oberkreide bei Ehenfeld direkt neben die etwa 280 Millionen Jahre alten Ablagerungen des Rotliegend gelangten, auf denen Massenricht, Rödlas und Träglhof liegen.

Neben der Freihunger Störung verläuft die Luhe-Linie in ost-westlicher Richtung über das Gemeindegebiet von Hirschau. Sie trennt die Hirschau-Schnaittenbacher Senke vom Kohlberger Höhenrücken.Stefan Glaser, Gertrud Keim, Georg Loth, Andreas Veit, Barbara Bessler-Veit, Ulrich Lagally: Geotope in der Oberpfalz. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Augsburg 2007, ISBN 978-3-940009-92-0, S. 86.

Kaolin

mini|Kaolinabbau in Hirschau durch die Amberger Kaolinwerke Eduard Kick GmbH & Co. KG Auf dem Gemeindegebiet der Stadt Hirschau befinden sich umfangreiche Kaolinlagerstätten. Das Kaolinrevier Hirschau-Schnaittenbach ist das größte Kaolingebiet Deutschlands, in dem bereits seit 1833 in Schnaittenbach und seit 1901 in Hirschau Kaolin-Bergbau betrieben wird.

Das Kaolin wird industriell abgebaut. In der Kaolinindustrie arbeiten einige hundert Menschen, sie ist also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Hirschau. Die Rohstoffreserven reichen noch für einige Jahrzehnte. Neben der bereits seit langem laufenden Rekultivierung wurde für das gesamte Revier ein Nachfolgenutzungskonzept erarbeitet, nach dem die Umgestaltung der großen Tageabbaue in eine Seenlandschaft erfolgen soll.

Früher wurde das Kaolin vor allem für die Porzellanherstellung verwendet. Die Kaolinvorkommen sind auch der Grund für die einst gutgehende Porzellanindustrie in der Oberpfalz, in Oberfranken und Böhmen. Größter Abnehmer für das Kaolin ist die Papier- und Keramikindustrie. Jedoch auch zur Glasfaserherstellung und als Füll- und Pigmentstoff wird das produzierte Material verwendet.

Topographie Gelände Von den 7496 ha der Fläche der Stadt Hirschau sind 3343 ha bewaldet, 2978 ha werden landwirtschaftlich genutzt. Siedlungen stehen auf 525 ha, 320 ha dienen der Verkehrsinfrastruktur.

Der größte Teil des Gemeindegebietes liegt im Norden des Oberpfälzischen Hügellandes. Ein kleiner Teil des Gebietes ist dem Vorderen Oberpfälzer Wald zuzuordnen. Durch das Gemeindegebiet von Hirschau verläuft also die Grenze zwischen zwei geologischen Haupteinheit, nämlich der Haupteinheit Oberpfälzisch-Obermainisches Hügelland und der Haupteinheit Oberpfälzisch-Bayerischer Wald.

Da von den Einzelblättern 1:200.000 zum Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands das Blatt 154/155 Bayreuth nicht erschienen ist, existiert für den Nordteil des Oberpfälzischen Hügellandes keine Feingliederung.Dietrich-Jürgen Manske: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 164 Regensburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1981, S. 53–54. → Online-Karte (PDF; 4,8 MB).

Das Gemeindegebiet wird durchzogen von der Hirschau-Schnaittenbacher Senke auf knapp über . Der niedrigste Punkt des Gemeindegebiets ist der Abfluss des Ehenbachs in das Gemeindegebiet der Stadt Schnaittenbach bei . Nördlich der Senke erhebt sich der Kohlberger Höhenrücken, auf dem sich der Ortsteil Massenricht mit seinen ehemaligen Gemeindeteilen befindet. Der höchste Punkt im nördlichen Gemeindegebiet ist der Rödlasberg mit . Im Süden der Senke erhebt sich das Naabgebirge auf über . Der Punkt, an dem das Gemeindegebiet der Stadt Hirschau, das Gebiet der Gemeinde Freudenberg und das Gemeindegebiet von Schnaittenbach am Hang des Rotbühl aufeinander treffen, liegt bei .

Gewässer Gewässer nehmen 153 ha des Gemeindegebiets der Stadt Hirschau ein. Ein kleiner Teil im Norden des Gemeindegebiets entwässert über die Vils, der Rest über Ehenbach und Fensterbach in die Naab.

Die größten Gewässer befinden sich im Stadtgebiet Hirschau. Der 3,34 ha große Schindelweiher befindet sich an der Staatsstraße 2238 am Ortsausgang von Hirschau Richtung Amberg. Der Kreuzweiher, ebenfalls an der Staatsstraße 2238 am Ortsausgang von Hirschau Richtung Amberg und der Moosweiher zwischen der Bundesstraße 14 und der Staatsstraße 2123 sind jeweils etwa 3,0 ha groß.

Klima Hirschau liegt in der warmgemäßigten Klimazone (effektive Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger: Cfb). Das ganze Jahr über gibt es deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,9 °C. Jährlich fallen durchschnittlich etwa 650 mm Niederschlag.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete Im Stadtgebiet von Hirschau gibt es die Landschaftsschutzgebiete Hirschau-Nord (LSG-00125.11) Hirschau-Süd (LSG-00125.04) mini|Geotop 371G004: Monte Kaolino bei Hirschau und die Geotope Aufschlüsse westlich von Kricklhof (371A021) Kaolingruben bei Hirschau-Schnaittenbach (371A022) Ehemalige Glassandgrube nördlich von Atzmannsricht (371A034) Monte Kaolino bei Hirschau (371G004)

Geschichte Entstehung und erste urkundliche Erwähnung Laut einer Sage verdankt Hirschau seine Entstehung einem böhmischen König Wenzel. Allerdings ist der heilige Wenzel gemeint, der im frühen zehnten Jahrhundert lebte, Herzog, nicht aber König war und im bayerischen Nordgau keinerlei Besitzungen hatte. Der Ursprung der Stadt ist vielmehr in der Zeit zu suchen, in der die Grafen von Grögling-Hirschberg im Besitz des Umlandes waren. Zwar ist keine Gründungsurkunde vorhanden, doch lässt sich auf Grund der Ähnlichkeit des Wappens der Stadt Hirschau mit dem der Grafen von Hirschberg sagen, dass Hirschau seinen Ursprung den Grafen von Hirschberg verdankt. Auch der ungefähre Zeitraum der Entstehung Hirschaus lässt sich festlegen. Die Umgebung von Hirschau lag schon vor 1050 im Herrschaftsbereich der Grafen von Sulzbach. Die Tochter Sophie des Grafen Gebhard III. von Sulzbach war mit Graf Gerhard I. von Dollnstein und Grögling († 1170) verheiratet und brachte ihm die Grafschaft Sulzbach mit. Sein Sohn Gebhard III. († 1232) nannte sich seit 1205 von Hirschberg (nach damaliger Schreibart „Hirzberg“Joseph Moritz: Stammreihe und Geschichte der Grafen von Sulzbach München 1833, S. 284 (online verfügbar auf Google Books).). Das Geschlecht der Grafen von Hirschberg war bis zu seinem Erlöschen 1305 im Besitz Hirschaus. Somit scheint die Annahme berechtigt, dass die ersten Anfänge der Siedlung im 13. Jahrhundert lagen.Der Landkreis Amberg-Sulzbach, mediaprint infoverlag, Mering 2011, 6. Auflage, S. 42.

mini|Urkunde vom 23. April 1271, auf der Hirschau erstmals erwähnt wurde Am 23. April 1271 wurde Hirschau erstmals urkundlich erwähnt, als die Grafen Gebhard, Rapoto IV. und Diepold von Murach ihren Besitz in den Ämtern Schwandorf, Nabburg, Lengenfeld, Amberg, in der hirschbergischen Stadt Hirschau sowie zwischen Vils, Naab und dem Ehenbach an Herzog Ludwig den Strengen verkauften.Anna Schiener: Kleine Geschichte der Oberpfalz. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2011, S. 56.Joseph Moritz: Stammreihe und Geschichte der Grafen von Sulzbach. München 1833, S. 361 ff. (online verfügbar auf Google Books).Kommission für bayerische Landesgeschichte, bearbeitet von Georg Leingärtner: Historischer Atlas von Bayern. Heft 24, München 1971, S. 13 (online verfügbar auf digitale-sammlungen.de).

Durch den Herrschaftswechsel der Muracher Güter war Hirschau in unmittelbare Nachbarschaft zu den Wittelsbachern gerückt. Als Ludwig der Strenge um das Jahr 1291 auch die Herrschaft über Sulzbach an sich bringen wollte, setzte er durch, dass Graf Gebhard VII. von Hirschberg für den Fall eines kinderlosen Todes ihm und seinen Söhnen den größten Teil der Grafschaft Sulzbach, insbesondere Sulzbach, Werdenstein, Pfaffenhofen, Ammerthal, Hirschau, Ehenfeld und Rosenberg, vermachte. Da Gebhard mit diesen Gütern anscheinend bereits anderweitige Verfügungen getroffen hatte, war der Anlass zu Streitigkeiten gegeben. Im Januar 1293 wurde in Neuburg an der Donau eine Einigung erzielt. Am 3. März 1293 bestätigte Graf Gebhard dem Herzog Ludwig die früher eingegangenen Abmachungen mit dem Unterschied, dass die Wittelsbacher anstatt der mittlerweile anderweitig verlehnten Burg Ammerthal das Dorf Ehenfeld erhalten sollten.Joseph Moritz: Stammreihe und Geschichte der Grafen von Sulzbach München 1833, S. 310 (online verfügbar auf Google Books).