Die Apatin-Kaposvarer-Operation () war beim Kampf um Ungarn eine Angriffsoperation der 3. Ukrainischen Front und Einheiten der sowjetischen Donau-Flottille, welche beim Angriff auf Budapest zur Unterstützung der 2. Ukrainischen Front vom 7. November bis 10. Dezember 1944 durchgeführt wurde. Sie führte zum Zurückdrängen der deutsch-ungarischen Truppen im südlichen Teil von Transdanubien und verschlechterte die Lage der Achsenmächte im südwestlichen Vorfeld von Budapest. Die Kämpfe, an denen auch jugoslawische Einheiten teilnahmen, wurden in der dortigen Militärgeschichte als „Schlacht um Batina“ bezeichnet.
Vorgeschichte Am 29. Oktober 1944 begann die 2. Ukrainische Front unter Marschall Malinowski mit 39 Schützen- und 3 Luftlande-Divisionen, 3 Panzer-, 2 mechanisierte- und 3 Kavallerie-Korps sowie einer Panzerbrigade die Schlacht um Budapest. Die 2. Ukrainische Front verfügte über etwa 760.000 Mann, 4.833 Geschütze und Pak, 868 Panzer und Selbstfahrlafetten sowie 1.300 Flugzeuge. Die gegenüber stehende deutsch-ungarische Heeresgruppe Süd unter Generaloberst Frießner verfügte über 35 Divisionen, darunter 7 Panzer- und 4 motorisierte Divisionen sowie 3 Brigaden. Das von Hitler zur Festung erklärte Budapest war durch die Achsenmächte in Erwartung der sowjetischen Angriffe stark befestigt worden. Die deutsch-ungarische Abwehr im sowjetischen Hauptangriffsfeld lag bei der Armeegruppe Fretter-Pico (deutsche 6. und ungarische 3. Armee). Die deutsche 8. Armee deckte den rechten Flügel der 6. Armee und die bei Debreczen dezimierte ungarische 2. Armee war in das noch wenig umkämpfte südliche Transdanubien verlegt worden.
Wie bei den deutschen Divisionen waren die sowjetischen Einheiten durch die zwei Monate andauernden Kämpfe stark dezimiert. Die durchschnittliche Anzahl der Schützendivision lag nur mehr bei etwa 5.600 Mann. Bei der 3. Garde-Luftlande-Division kämpften nur mehr 3.316 und bei der 68. Garde-Schützendivision 7.586 Soldaten, während die reguläre Stärke bei der Gardeinfanterie mit 10.670 Mann und bei den Luftlandedivisionen mit 9.380 Mann festgelegt war. Es sollte beachtet werden, dass dieser Zustand, ebenso wie bei den deutsch-ungarischen Großverbänden für das letzte Kriegsjahr durchaus die Regel darstellte.
Nach der sowjetischen Eroberung des Banat und Syrmiens und der Verdrängung der noch in Serbien stehenden deutschen Truppen über die Drina war die 3. Ukrainische Front von der Stawka zur Deckung der in Richtung Budapest vorrückenden Südflanke der 2. Ukrainische Front vorgesehen. Die Stawka kam schnell zur Ansicht das die 2. Ukrainische Front nach den schweren Verlusten in der Debrecener Operation kaum in der Lage wäre, Budapest alleine zu erobern. Auf Druck Stalins sollte auch die 3. Ukrainische Front unter Marschall Fjodor Tolbuchin von Süden her eine Umfassung durchführen, um die ungarische Hauptstadt schneller einzunehmen. Tolbuchins Truppen hatten die Belgrader Operation gerade erfolgreich beendigt, sollten jetzt nach Norden umgruppiert werden um die Donau zu überqueren und dann Budapest von Süden und Westen umfassen.
Deutsche Verteidigung Zunächst bestand die deutsche Verteidigung am rechten Ufer der Donau aus der Panzer-Grenadier-Division Brandenburg (von der Mündung der Drau bis Batina) und der 31. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division (von Batina bis Baja) unterstützt von 25 Batterien und 30 Panzer. Dieser Abschnitt wurde von der Korpsgruppe Felmy gehalten, später übernahm die 2. Panzerarmee mit dem LXVIII. Armeekorps (General der Infanterie Müller) die Führung. An ungarischen und kroatischen Hilfstruppen waren das 11. Reserve-Regiment, das 39. Regiment des 16. Grenzer-Regiments, das 9. Regiment, das Grenzer Bataillon 54 und ein Feldgendarmerie-Bataillon verfügbar. Bis Mitte November trafen weitere Verstärkungen ein: die bosnische 13. SS-Gebirgsdivision „Handschar“, Teile 1. Gebirgsdivision, 118. Jäger-Division, Reste des Festungs-Regiments Belgrad, 44. und 71. Infanterie-Division, Reste der 92. motorisierten Brigade und andere Verbände mit etwa 60.000 Mann und 200 Geschützen.
Die 3. Ukrainische Front Die Truppen der 3. Ukrainischen Front begannen Ende Oktober mit der Umgruppierung von Belgrad zur Mündung der Drau in die Donau. Bis Anfang November wurden Teile der 57. Armee sowie das 18. Panzerkorps (etwa 130 Panzer) und starke Artillerie-Formationen im Raum Sombor konzentriert. Das Kommando der 3. Ukrainischen Front begann mit Vorbereitungen zur Offensive in Richtung auf Stuhlweißenburg (Székesfehérvár), um die Budapester Gruppierung aus dem Südwesten zu umgehen und sie im Zusammenwirken mit der 2. Ukrainischen Front zu vernichten. Luftunterstützung leistete die 17. Luftarmee. Das zuerst verfügbare 75. Schützenkorps marschierte zusammen mit der 7., 8. und 12. jugoslawischen Brigade auf 130 Kilometer Front am linken Donauufer zwischen Bačka Palanka, Sombor und Baja auf. Auf der linken Flanke des Korps südlich von Apatin wurde die 299. Schützen-Division bereitgestellt, im Norden westlich des Dorfes Bezdan das Schützen-Regiment 734 der 233. Schützendivision und die jugoslawische 8. Brigade. Um die Truppenstärke Tolbuchins zu verstärken, war seiner Front auch die 4. Gardearmee aus der Reserve der Stawka übertragen worden, die allerdings erst Mitte November vollständig konzentriert werden konnte. Erst am 22. November wurde die 4. Garde-Armee durch das 31. Garde-Schützenkorps verstärkt, das von der 46. Armee abgegeben wurde.K. Ungvary: Schlacht um Budapest, Herbig 2006, S. 34 Ende November trat auch das 5. Garde-Kavalleriekorps zur 3. Ukrainischen Front, das aber erst am 8. Dezember bei Mohács über die Donau nachgeführt wurde.Kriegstagebuch des 5.Garde-Kavallerie-Korps, S. 190 Zusammen zählte die Front etwa 205.300 Mann, als Hilfstruppen wurde im Lauf der Operation auch die proletarische 51. Division der Jugoslawischen Befreiungsarmee herangezogen.
mini|Der jugoslawische General Peko Dapčević mit General Wladimir Shdanow, Kommandeur des 4. mechanisierten Korps
57. Armee (General Michail Nikolajewitsch Scharochin) 75. Schützenkorps, Generalmajor Adrian Sacharowitsch Akimenko (74., 233., 236., 299. Schützendivision und 32. Garde-mechanisierte Brigade) 64. Schützenkorps, Generalmajor Iwan Kondratjewitsch Krawtzow (73. Garde-, 19. und 52. Schützendivision, Reserve: 113. Schützendivision) ab 25. November: 6. Garde-Schützenkorps, Generalleutnant Stepan Iljitsch Morosow (10. Garde Luftlande-, 20. Garde- und 195. Schützendivision) Reserve: jugoslawische 51. Division (General Peko Dapčević) 18. Panzerkorps, General Pjotr Dmitrijewitsch Goworunienko (110., 170. und 181. Panzerbrigade)
ab 22. November: 4. Gardearmee (General Iwan Wassiljewitsch Galanin) 31. Garde-Schützenkorps, Generalmajor Sergei Antonowitsch Bobruk (4., 34. und 40. Garde-Schützendivision) 20. Garde-Schützenkorps, Generalmajor Nikolai Birjukow (5. und 7. Garde-Schützendivision) 21. Garde-Schützenkorps, General Pjotr Fomenko (62., 69. und 41. Garde-Schützendivision)
Reserve: 5. Garde-Kavalleriekorps, Generalleutnant Sergei Iljitsch Gorschkow (11. und 12. Garde- und 63. Kavalleriedivision); am 8. Dezember der 57. Armee unterstellt.
Verlauf Erste Phase 7. bis 19. November mini|Batina nach den Kämpfen Die sowjetische 57. Armee begann auf Befehl General Scharochins ohne die volle Truppenkonzentration erreicht zu haben, am 7. November die Überquerung der Donau. Für den Übergang im Bereich von Mohács wurden 8 Divisionen (19., 74., 113., 233, 236. Schützen-, 20. und 73. Gardeschützen- sowie 10. Luftlande-Division) und die 32. Garde-mechanisierte Brigade samt mehrere Artillerieeinheiten bestimmt. Insgesamt waren für die erste Angriffsphase rund 90.000 Soldaten und etwa 1.200 Geschütze unter Führung des 75. Schützenkorps unter General Akimenko versammelt. In der Nacht vom 6. auf den 7. November überquerten zwei Bataillone das Schützen-Regiments 360 (74. Schützen-Division) die Donau bei Apatin und errichteten einen ersten kleinen Brückenkopf. In der gleichen Nacht konnten die Bataillone des Schützen-Regiment 109 4 km nordwestlich davon einen weiteren Brückenkopf von 2 km Breite und 1,5 km Tiefe errichten.
Am Beginn der Operation verlegte das Hauptquartier des deutschen LXVIII. Armeekorps nach Baranja, dem mit der Abwehr beauftragten Generalkommando unterstanden alle Einheiten zwischen Baja bis zur Mündung der Drau. Die im Raum Osijek stehende Kampfgruppe Kübler (Teile 1. Gebirgsdivision) und die 118. Jäger-Division überqueren darauf das linke Ufer des Drau um die „Division Brandenburg“ zu verstärken. Die Deutschen reagierten zusätzlich mit der Heranführung der 92. motorisierte Grenadier-Brigade, des Artillerieregiments 668 und des 13. Bataillon der bereits dezimierten 13. SS-Division „Handschar“, die ab 8. November eintrafen. Die ersten Versuche der 223. Schützendivision, in der Nacht des 8. November die Donau bei Batina zu überqueren, scheiterten. Mit dem Effekt der Überraschung konnte sich die 57. Armee bis 9. November in westlichen Donau-Brückenköpfen bei Apatin und Batina festsetzen. Am 10. November hatte das OKW den Befehlsbereich der Heeresgruppe F (GFM von Weichs) nach Norden bis Baja erweitert, da die Heeresgruppe Süd nordöstlich von Budapest zu stark beansprucht wurde. Die Verteidigung wurde symbolisch der ungarischen 2. Armee übertragen. In der Nacht hatten sich die sowjetischen Truppen in einem weiteren Brückenkopf bei Batina, 15 Meilen nördlich von Apatin etabliert. Die Verteidigungslinie verlief vor den dominierenden Höhen 169, 205, 206 und 209 und am Bahnhof Batina.
Am 13. November traf das 64. Schützenkorps und die jugoslawische 51. Proletarische Division im Brückenkopf ein. Zwei Bataillone des Schützen-Regiments 703 und zwei Bataillone der jugoslawischen 12. Brigade mit 31 Geschützen verstärkten die Truppen im Brückenkopf. Am 14. November setzten die deutschen Truppen mit Unterstützung von Artillerie zum Gegenangriff an, ihre Angriffe auf die Dörfer Topol-Zmajevac-Kneževo wurden aber zurückgeschlagen. Die den Sowjets im Raum Sombor als Reserve verfügbare 19. und 113. Schützendivision wurden sofort zur Abwehr eingesetzt. Die bereits abgekämpfte 12. Brigade wurde durch die frische 7. Brigade abgelöst. Die Situation im Brückenkopf blieb kritisch, die Deutschen setzten starke Gegenangriffe an und verhinderten weitere sowjetische Fortschritte. Die 73. Garde-Schützendivision und die 7. Brigade, die mit Kampfhandlungen zur Erweiterung des Brückenkopfes begonnen hatten, stießen auf hartnäckigen Widerstand.
Als Mitte November die Hauptkräfte der 3. Ukrainischen Front nach Norden umgruppierten, verlegte auch Marschall Tolbuchin sein Hauptquartier von Belgrad nach Baja an die Donau. Bis zum 15. November sollte die sowjetische Offensive die Linie Bátaszék-Tetesh-Bolman erreichen, zudem war geplant das 6. Gardekorps und die 32. Garde-mechanisierte Brigade zum Durchbruch in Richtung Pécs (Fünfkirchen) und Nagykanizsa anzusetzen. Im Rahmen des neuen Operationsplans wurde dem 75. Schützenkorps auch die 236. Schützendivision und die jugoslawische 8. Brigade zugeführt, die in den Apatiner Brückenkopf verlegt wurden.