mini|hochkant|Wappen der Kastner von Amberg

Die Kastner von Amberg (oft auch Castner oder Chastner geschrieben) waren eine im Nordgau ansässige bayerische Eisengewerke- und Adelsfamilie, die eine Vielzahl an Hammerwerken und Hofmarken besaß. Zum Hauptsitz der Familie wurde der Hammer Unterschnaittenbach, der von 1398 bis 1748 im Besitz der Familie war; weitere wechselnden Besitzungen befanden sich u. a. in Neumühle bei Amberg, Rosenberg bei Sulzbach, Holzhammer bei Schnaittenbach oder in Schellhopfen bei Pleystein. Diese Familie war etwa 300 Jahre lang führend im Amberger Eisenhandel, sie besaß neben Eisenhämmern auch Erzgruben und zuletzt auch Bleierzbergwerke. Sie standen in enger Verbindung zur Familie Plecher, mit der sie Castner und Plech gründeten.

In Amberg standen ihre Mitglieder in hohem Ansehen, sie waren im Rat der Stadt vertreten und stellten oftmals Bürgermeister. Sie wurden berühmt durch ihre Stiftungen an Kirchen und auch für verarmte Mitbürger. Aus dem Kapital ihrer 1433 gegründeten Stiftung „Reiche Almosen“ wurden jahrhundertelang 54 Hausarme gespeist.

Geschichte Der Name Kastner leitet sich von der Amtsbezeichnung eines mittelalterlichen Rentbeamten her. Es gab in Bayern mehrere Adels- und Patrizierfamilien mit dem Namen Castner oder Kastner; aufgrund der Wappen können diese nicht immer miteinander verwandten Familien aber voneinander unterschieden werden. Die Kastner von Hainsbach und Haindling hatten ihren Stammsitz im Gericht Pfaffenberg. Ihr Lehen stammte vom Kloster St. Emmeram. Der letzte dieser Familie war der „edl und vest“ Gabriel zu Hainsbach und Haindling und Motzing († 1565). Als Kastner von Pilsting wird „der edl weiss“ Heinrich Kastner zu Pilsting im 15. Jahrhundert in Urkunden des Klosters Aspach genannt. Der Conrad Kastner von Nappurg war königlicher Landschreiber in Amberg und hat im Auftrag von König Rupprecht III. erfolgreich bei Königin Margarethe von Dänemark und deren Großneffen Erich für Pfalzgraf Johann um die Hand der Katharina von Pommern-Stolp, Tochter des Herzog Wartislaw VII. von Pommern-Stolp, angehalten. Die Tochter des Hans Castner von Pechhofen heiratete 1442 den Friedrich Castner von Schnaittenbach. Die Castner zu Mauheim stammten aus Straubing und wurden erst 1708 von Kaiser Joseph I. geadelt.Otto Titan von Hefner; Gustav Adelbert Seyler: Die Wappen des bayerischen Adels. Repro. J. Siebmacher’s großes Wappenbuch. II. Band. Nürnberg 1856 Band 22. Bauer & Raspe, Neustadt an der Aisch, 1971, ISBN 3-87947-022-7, Abgestorbene bayerische Geschlechter.

Im Folgenden sollen die Kastner von Amberg bzw. die später nach ihrem Stammsitz so benannten Kastner von Schnaittenbach dargestellt werden. Der erste urkundlich in der Oberpfalz nachgewiesene Castner hieß Conrad Castner von Sulzbach. Dieser hatte 1306 eine Kerzenstiftung von jährlich 1 Pfund Pfennige für die Kirche St. Georg in Amberg getätigt, 1320 stiftete er eine Brotspende für die Armen von Sulzbach. Die Witwe Anna (Frau des Friedrich Castner der Ältere) von Amberg unterstützte diese Stiftung 1390 durch die Überlassung einer Gült von jährlich 4 Maß Korn. Conrad Castner hatte vier Kinder: Rüdiger, Erhard, Cuntzel und Heinrich. Rüdiger wird 1338 als Marchard der Kirche von Sulzbach genannt, 1368 erhält ein Rüdiger Castner diverse Lehen in Sulzbach und Höflarn, die er von den Truchsessen von Holnstein kaufte. Heinrich wurde Pfarrer zu Hahnbach. Da die Amberger Witwe Anna die Stiftungen dieser Castner unterstützt hat, ist von einer familiären Beziehung auszugehen, auch wenn diese im Detail nicht bekannt ist.

Ab 1396 wird ein weiterer Conrad Castner als Landschreiber und später als Landrichter zu Amberg genannt. Im Auftrag von König Rupprecht III. hielt er zusammen mit Johann dem Hadmar, Herr von Laber, und Hans Truchseß von Baldersheim erfolgreich bei Königin Margarethe von Dänemark und deren Großneffen Erich für Pfalzgraf Johann um die Hand der Katharina von Pommern-Stolp, Tochter des Herzog Wartislaw VII. von Pommern-Stolp, an. Am 2. August 1407 bestätigte König Ruprecht zu Heidelberg diese Abmachung. Ein Ruprecht Castner erscheint in der Funktion eines Landschreibers ab 1413, 1399 hatte er dieses Amt in Nabburg ausgeführt, 1410 war er Landschreiber und Sigler zu Neunburg vorm Wald und 1415 Landschreiber von Amberg. Für ein erworbenes Gut zu Ratenberg erhielt er von König Rupprecht am 27. Dezember 1402 einen Wappenbrief und am 26. Januar 1413 einen für Wolfringen. Er und der bereits genannte Conrad führten dasselbe Wappen. Beide können aber genealogisch nicht genau eingeordnet werden.

mini|Schloss und Hofmark Wolkering Als erster Kastner von Amberg wird 1311 als Zeuge bei einer Schenkung an die Gotteshäuser in Amberg ein weiterer Conrad Castner genannt. 1342 erscheint er (oder sein gleichnamiger Sohn) bei einem Wasserprozess mit seinem Schwiegersohn Chunrat dem Sleicher. Conrad Castner hatte drei Söhne (Conrad, genannt der Purzer, Ulrich, genannt der Bauer, und Heinrich) sowie zwei Töchter, eine war mit einem Schweinkendorffer verheiratet, die andere mit Chunrat dem Sleicher. Conrad und Heinrich erließen 1334 ein Vermächtnis an das Spital zu Amberg, wofür am St. Georgstag ihrer und ihrer Familie mit einer Messe gedacht werden sollte. Heinrich wird in einer Urkunde vom 4. Juni 1340 als Gläubiger des Pfalzgrafen Rupprecht genannt.

1349 wird Hans Castner I. († 1383) als Siegelzeuge erwähnt. In diesem Jahr stiftet er und seine Frau Osanna (vermutlich eine geb. Schoderl) einen Hof in Paulsdorf für eine Messe in St. Georg zu Amberg. U. a. stand der Hammer Neumühle bei Amberg in seinem Eigentum, vermutlich war er sogar der Gründer dieses Werkes. 1354 erwarb er von seinem Schwager Friedrich Schoderl das Gut Wappersdorf. Er war Mitglied des Rates von Amberg, Kirchenverwalter von St. Georg und Spitalpfleger. Er betätigte sich hauptsächlich als Eisengroßhändler und Geldverleiher; in dieser Funktion müsste er des Öfteren gegen säumige Schuldner vorgehen. Da er ohne Leibeserben verstarb, ging sein Besitz an seine Ehefrau Osanna über, welche seine Geschäfte fortführte. Diese trat mit dem Hammer Neumühle 1387 der Oberpfälzer Hammereinigung bei. Sie hatte eine größere Stiftung für die Stefansmesse bei St. Martin für ihren verstorbenen Gatten und sich getätigt. Nach dem Tod der Osanna (vermutlich † 1395) kam der Hammer Neumühle an die Nachkommen des Friedrich Castner dem Älteren, vermutlich dem älteren Bruder des Hans Castners.

mini|Schloss Holzhammer (2010) 1383 erscheint ein Hans Castner II. der Jüngere († 1419) mit seinen Brüdern Georg und Urban. Dieser nannte sich noch Castner von Amberg. Auch er war ein angesehener Mann und saß im Rat der Stadt Amberg, war Spitalverwalter und vermutlich auch Bürgermeister. Er besaß 1397 den Hammer Schellhopfen, kaufte 1394 den Holzhammer und 1398 von Pfalzgraf Ruprecht dem Jüngeren den Hammer Unterschnaittenbach und erhielt von diesem einen Hammerbrief. Dieses Werk blieb 350 Jahre im Besitz der Familie. Von dem Holzhammer machte er eine Dotation von 400 Gulden. Mit seinem Bruder Jörg und seinem Vetter Fritz war er 1405 an einer Bergbaugesellschaft am Culmen im Amt Waldeck beteiligt. 1406 verkauft er an Urban den Winczer „unser beyder Arztgrub auf dem Arztberg zu Amberg“. 1416 erwarb er die Hofmark Gärbershof bei Amberg. Er kann als Begründer der Stiftung „Reiches Almosen“ gelten, denn er bestimmte eine Dotation von 400 fl, die dann sein Sohn Gregor 1436 als Grundstock für das „Reiche Almosen“ festsetzte.

Sein Sohn Gregor († 1444) dürfte ein kranker Mann gewesen sein, der sich nicht in der Lage sah, seinen Besitz zu verwalten. So verkaufte er 1419 den Holzhammer an Perchtold Ödenberger aus Amberg und überließ der Hammer Unterschnaittenbach seinem Vetter Friedrich, Sohn des Paulus Castner. 1430 verkaufte er auch den Hammer Neumühle, der vermutlich wegen Schulden von seinem Vetter Hans dem Jungen an ihn übergegangen war, an seinen Vetter Heinrich.

Der Vater des Gregor hatte noch die beiden Brüder Georg (Jörg) und Urban. Von dem Georg († 1408/10) ist wenig bekannt; er scheint Eisenhändler gewesen zu sein. Er hinterließ eine Tochter und den Sohn Hans III. Dieser hatte von seinem Onkel Hans II. hohe Geldbeträge geliehen und musste ihm dafür seine Besitzungen, darunter auch den Hammer Neumühle (der von der Osanna Castnerin an ihn gekommen war), überlassen. 1413 wird er als Verweser des Spitals zu Amberg aufgeführt. Näheres über ihn ist nicht bekannt.

Ein weiterer Bruder war Urban Castner († 1409/10), diesem wurden am 29. März 1390 vom Bischof Johann I. von Regensburg der Hammer Althohenburg, der zuvor eine Mühle war, zu Erbrecht übergeben. Er erscheint mehrmals als Kläger und Beklagter in Prozessen über Geldforderungen. Seine Witwe Margarete und ihr Sohn Peter verkaufen am Sankt Andreastag 1410 eine halbe Erzgrube auf dem Erzberg an den Hansen den Alharten. Der Sohn Peter († um 1423) betrieb den Hammer Hohenburg, war Bürger von Amberg und erwarb auch größere Waldbestände des Klosters Ensdorf zum Abkohlen. 1412 musste er wegen Schulden sein Haus in Amberg als Pfand versetzen, und da er seine Schuld nicht einlösen konnte, kam es an den Fritz Scharlinger. Er wird noch öfter in Gerichtsprozessen als Beklagter genannt. Er scheint ohne Nachkommen verstorben zu sein und damit war diese Seitenlinie des Kastners beendet.

mini|Hammer Rosenberg (2016) Friedrich Castner der Ältere († zwischen 1370 und 1375) war Ratsmitglied und Bürgermeister von Amberg. Er besaß den Hammer Rosenberg und errichtete 1366 den Hammer Holzhammer. Von ihm ist nur sein Sohn Paulus (* um 1340, † 1378) bekannt, der in zweiter Ehe mit einer Anna, vermutlich von Hirschberg († um 1390), verheiratet war (über die erste Ehefrau ist nichts bekannt, aber aus dieser Ehe entstammte der Sohn Friedrich). Auch er ist im Rat der Stadt. Das Paar hatte drei Kinder, der Sohn Hans wird 1405 als Pfarrer von Theuern genannt († 12. Juni 1408), die Tochter Anna († 1412) war mit einem Otto Gewandschneider verheiratet und der Sohn Friedrich aus erster Ehe setzt die Familienlinie fort. Da beim Tod ihres Vaters diese Kinder noch minderjährig waren, gingen die Hammerwerke vorerst an Dritte über.

Eine prägende Person wurde dieser Friedrich Castner der Jüngere (* um 1360, † vor 1430), ein Sohn des Paulus. Er beschäftigte sich vorwiegend mit dem Eisenhandel. Neben dem im Jahre 1420 von seinem Vetter Gregor erhaltenen Hammer Unterschnaittenbach hat er auch den Hammer Neumühle von seiner Tante Osanna inne. Auch er war im Rat der Stadt Amberg, war Spitalverwalter, seit 1403 Kirchenpfleger von St. Martin und seit 1414 Bürgermeister von Amberg. In erster Ehe war er mit Agnes Schmidin von Laman verheiratet, sie verstarb früh († 1393) und die Ehe war kinderlos. Seine zweite Gattin war Katharina Giesser, Tochter des Jordan Giesser, Münzmeister von Amberg († vor 1439). Kurz zuvor hatte sie dem Kloster Engelthal 100 rheinische Goldgulden für einen ewigen Jahrtag mit gesungenem Vigil- und Seelenamt für ihren verstorbenen Gatten und alle Angehörigen der Familien Kastner und Giesser gestiftet.