Johann (Hans) Heinrich Bürmann (* 1754 in Köln; † 21. Juni 1817 in Mannheim)Bürmann, Johann Heinrich. In: Guido Walz (Red.): Der Brockhaus Mannheim: 400 Jahre Quadratestadt: das Lexikon. Brockhaus, Leipzig 2006, ISBN 3-7653-0181-7, S. 58. war ein deutscher Mathematiker und Lehrer.
Leben Heinrich Bürmann war der Sohn des hessischen Hauptmanns und später österreichischen Magazinchefs Wilhelm Anton Bürmann. Bevor er Lehrer wurde, arbeitete er zehn Jahre lang in kaufmännischen Kontoren.Friedrich Walter: Geschichte Mannheims. Band 2, Verlag der Stadtgemeinde, Mannheim 1907, S. 75. 1790 kam er nach Mannheim und unterrichtete Mathematik und Handelswissenschaften am dortigen Erziehungsinstitut von Johann Jakob Winterwerber (1753–1805). Seine Versuche, sich selbstständig zu machen, scheiterten zunächst am Widerstand von Winterwerber, stattdessen gab er stundenweise Unterricht. Trotz auswärtiger Alternativen blieb Bürmann in Mannheim, da seine Ehefrau von dort stammte. 1796 gründete er eine Handelsschule, die ab 1803 „Handlungsakademie für erwachsene Jünglinge“ hieß.Adolf Kistner: Die Pflege der Naturwissenschaften in Mannheim zur Zeit Karl Theodors. Mannheimer Altertumsverein, Mannheim 1930, S. 68. An der Akademie wurden Rechenkunst, Buchhaltung, handelsmännische Korrespondenz, Wechselrecht und Warenkunde sowie deutsche, französische, italienische und englische Sprache gelehrt. Im August 1803 kaufte Bürmann in Mannheim ein Haus (C 3, 19), in dem er seine Schule unterbrachte. 1806 wurde er Vater eines Sohnes.
Bürmanns Handelsschule war kein Erfolg beschieden. Neben der zu dieser Zeit allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage in Mannheim bereitete ihm die Konkurrenz Probleme. Winterwerber war zwar zwischenzeitlich in Konkurs gegangen, aber andere Anbieter von Handelslehrkursen wie Herz Löb Sinzheimer und Simon Löb Neugaß entzogen ihm Schüler. Bürmann versuchte bei der Regierung gegen die Zulassung dieser jüdischen Lehrer vorzugehen, was aber nur kurzzeitig Wirkung zeigte. Zudem litt sein Ruf unter aufkommenden Anschuldigungen, die er 1807 durch einen Zeitungsartikel zu entkräften versuchte, in dem er unter anderem versicherte, regelmäßigen Unterricht zu erteilen und keine Geschenke anzunehmen. Im gleichen Jahr drohte er mit seinem Weggang nach Paris, woraufhin 60 Kaufleute Mannheims eine Eingabe an den Großherzog richteten mit der Bitte, ihn durch einen Zuschuss zum Bleiben zu veranlassen. Dieser wurde nachgekommen und Bürmann wurde per Dekret vom 5. September 1808 der Titel eines großherzoglich badischen Direktors der Handelsakademie verliehen. Als solcher erhielt er ein Gehalt von 1000 Gulden, später ergänzt um Naturalbesoldung. Die Lage der Schule verbesserte sich jedoch nicht, so begann das Schuljahr 1808 mit drei Schülern statt der erwarteten 60. Eine mögliche Vereinigung der Handelsakademie mit dem Lyceum lehnte 1809 die Lyceumskommission, welche in ihrer Begründung die Bedeutung einer Handelsschule verkannte, entschieden ab.
Wissenschaftlich betätigte Bürmann sich im Feld der Kombinatorik und trug zur Entwicklung der symbolischen Sprache der Mathematik bei. Er entdeckte die verallgemeinerte Form der Lagrangeschen Inversionsformel. Diese reichte er 1798 zusammen mit einem weiteren Aufsatz beim Institut National des Sciences et Arts ein, woraufhin sich Joseph-Louis Lagrange und Adrien-Marie Legendre mit seiner Formel beschäftigten und positiv darüber berichteten. Sie fand als „Bürmann’sche Reihe“ in Lehrbüchern Erwähnung. Einige Forschungsergebnisse Bürmanns wurden in dem von Carl Friedrich Hindenburg herausgegebenen Archiv der reinen und angewandten Mathematik, Heft 8, und in dessen zweiter Sammlung combinatorisch analytischer Abhandlungen veröffentlicht. Bürmann, der laut einigen Quellen zeitweilig einen Lehrauftrag in Heidelberg hatte, kannte auch den Erfinder Karl Drais. Er regte ihn dazu an, sich mit dem Dualsystem und binärer Kodierung von Sprache zu beschäftigen.Hans-Erhard Lessing: Technologen an der Universität Heidelberg. In: Semper Apertus. Sechshundert Jahre Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 1386–1986. Band 2. Springer, Berlin, Heidelberg 1985, S. 121 (online).
Bürmann erlitt im Februar 1816 einen Schlaganfall und starb am 21. Juni 1817. Seine Handelsschule wurde geschlossen und sein Haus in Mannheim 1818 versteigert.
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