mini|Ostflügel Forderglauchaus mit Haupttor (rechts: Areal des Witwenpalais) mini|Renaissance-Treppenturm (Oberteil um 1840 aufgesetzt) zwischen Nordanbauten und Ostflügel mini|Schlosshof Forderglauchau, Blick nach Osten, 2015 Schloss Forderglauchau wird die zur Stadt Glauchau hin erbaute Erweiterung des Schlosses Hinterglauchau genannt. Das Schloss entstand von 1524 bis 1534Laut Infotafel am Schloss von 1527–1534. im Stil der Frührenaissance. Es gilt daher als ältester Renaissance-Schlossneubau im mitteldeutschen Raum.Wolf-Dieter Röber: Burgen und Schlösser. In: Autorenkollektiv, u. a. Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler und Wolf-Dieter Röber: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Beiträge zu Geschichte des muldenländischen Territoriums und der Grafschaft Hartenstein unter den Bedingungen der schönburgischen Landesherrschaft. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, , S. 19–36, hier: Unterkapitel Schloss Forderglauchau, S. 32. Schloss Forderglauchau bildet zusammen mit Schloss Hinterglauchau eine in Sachsen einzigartige Doppelschlossanlage (Schlösserkomplex).

Lage und Zugang Beide Glauchauer Schlösser befinden sich auf dem Schlossberg, der vor der Ostseite von Schloss Forderglauchau durch den sogenannten Kurzen Graben vom Stadtberg bzw. der Stadt (Altstadt, Innenstadt, historisch hier Rechtstadt genannt) abgetrennt wird. Der Schlossberg befindet sich am rechtsseitigen/östlichen Talhang der Zwickauer Mulde. Beide Schlösser sind durch einen Halsgraben vor dem Ostflügel von Schloss Hinterglauchau voneinander getrennt. Im Süden wird der Schlossberg von der Schlucht Hirschgrund/Hirschgraben und im Nordosten von der wohl natürlichen Schlucht Mühlberg geschützt. An Südseite, Nordseite und Westseite fällt der Schlossberg steil ab. Schloss Hinterglauchau befindet sich auf dem westlichen Ende (Bergsporn) des Schlossberges, Schloss Forderglauchau auf dem Ostteil des Schlossberges. Schloss Forderglauchau kann über drei steinerne Bogenbrücken und zwei Toranlagen betreten werden. Schloss Hinterglauchau kann nur über den Hof von Schloss Forderglauchau über eine steinerne Bogenbrücke über seinen Halsgraben hinweg betreten werden. Außerdem gibt es für Schloss Hinterglauchau noch einen unterirdischen Zugang („geheimer“ Gang) vom Hirschgrund aus und eine Pforte zum Berggarten am südlichen Hang zum Hirschgrund.

Schreibweise des Namens Forderglauchau „Forderglauchau“ (mit F) ist die historisch gewachsene und in seiner Historie zumeist gebrauchte Schreibweise für dieses Schloss und die einst zugehörige Herrschaft. „Forderglauchau“ wird daher als Eigenname betrachtet und in dieser Schreibweise seit der DDR-Zeit streng beibehalten. Vereinzelt wurde das Schloss auf alten Postkarten der 1920er- bis 1940er-Jahre auch als „Vorderglauchau“ betitelt. Das Heft 3 der Schriftenreihe des Museums und der Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau schreibt dazu im Jahr 1981: „Forderglauchau mit F zu schreiben leitet sich von der alten Schreibweise vergangener Jahrhunderte, die von den Schönburgern sanktioniert wurde und sich bis heute noch erhalten hat, ab.“Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau (Hrsg.): Schriftenreihe. Heft 3. Stadt Glauchau, 1981, S. 31 (Nr. 7) (Hinweise zur Schreibweise von „Forderglauchau“ mit F).

Aus dem Jahre 1644 ist eine Inventarliste des „Fördern Schlosses“ erhalten. Nach dem Bau des vorderen Schlosses 1527–1534 wurden die beiden Schlösser noch bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts als „förder(es) Schloß“ und „hinter(es) Schloß“ betitelt. Wohl erst nach 1900 bürgerten sich die Namen Forderglauchau/Vorderglauchau und Hinterglauchau ein.

Geschichte von Schloss und Herrschaft Ernst II. von Schönburg (1486–1534), erwähnt als „Ernnst Herre von Schonburgk zu glauchaw vnd Waldenburg“,Der Innungsbrief der Glauchauer Weber von 1528. In: Schriftenreihe. Heft 2. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1980, S. 2. ließ es 1524 bis 1534 durch den aus Komotau stammenden Steinmetz und Bildhauer Andreas Günther († 1541/42) auf dem Gelände der Vorburg von Burg Glauchau (dem späteren Schloss Hinterglauchau) errichten.Anke Neugebauer: Andreas Günther von Komotau. Ein Baumeister an der Wende zur Neuzeit. Bielefeld 2011. Notwendig wurde die Erweiterung durch die gestiegene Hofhaltung. Im gleichen Zeitraum wurde auch das vorhandene hintere Schloss (später Hinterglauchau genannt) umgebaut. Im Jahre 1603 erfolgten Erneuerungsarbeiten an Forderglauchau.Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, , Kap. Schloss Forderglauchau, S. 31. Das Aussehen Forderglauchaus wird durch den zweigeschossigen Ostflügel mit zahlreichen Zwerchhäusern geprägt. Er knickt nach Norden hin von seiner bisherigen Achse ab. Zwischen dem Nordflügel und dem Ostanbau („Ostflügel“) befindet sich ein sechseckiger Treppenturm, der 1840 erhöht wurde. Sein Abschluss wird von sechs Giebeln mit Pilastergliederung und Voluten begrenzt und von Halbkreisbögen bekrönt. Durch eine Erweiterung um zwei Gebäudeteile am nordwestlichen Teil erhielt das Schloss im Jahre 1799 seine jetzige Form als Dreiflügelanlage. Die Gewände von Fenstern, Toren, Türen und Giebeln wurden teilweise aus rotem Rochlitzer Porphyr gefertigt. Die meisten (glatten) Fenstergewände in Erdgeschoss und Obergeschoss stammen aus dem 18. Jahrhundert. Profilierte Fenstergewände aus der Erbauungszeit finden sich noch in den Zwerchhäusern des Ostflügels, im nordöstlichen Eckbau und im Obergeschoss der östlichen Seite des Südflügels.Schriftenreihe. Heft 3. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, S. 17: Beschreibung von Schloss Forderglauchau.

Eine Inventarliste des Grafen Hans Caspar von Schönburg-Hinterglauchau (1594–1644) gibt im Jahre 1644 eine Übersicht über die Nutzung und Ausstattung der Räume im „Fördern Schlosse…“. Die darin genannten Räume waren mit reichlich Mobiliar, Teppichen, Jagdutensilien, Kleidung, Gebrauchsgegenständen, Waffen und Bettzeug ausgestattet.

Noch im 18. Jahrhundert zeigt eine Abbildung (schönburgischer Stammbaum, um 1760Schriftenreihe. Heft 3. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, S. 37: Abbildung von Forderglauchau und Hinterglauchau auf schönburgischem Stammbaum um 1760.) von Schloss Forderglauchau und Schloss Hinterglauchau – von Süden –, dass am Südflügel Forderglauchaus drei Aborterker im Obergeschoss vorhanden waren.

Durch den Familienvertrag des Hauses Schönburg vom 2. Dezember 1681 wurde der Schlosskomplex in die zwei Teilherrschaften Forderglauchau und Hinterglauchau geteilt. Das Schloss Forderglauchau wurde als eigener Adelssitz nun organisatorisch von der Ausgangsanlage abgetrennt. Zu Forderglauchau gehörten 5/9 des Stadtgebietes von Glauchau und Meerane. Die Stadt Hohenstein, die Güter Elzenberg und Thurm, sowie die Dörfer Niederlungwitz (anteilig), Lobsdorf, Lipprandis, Jerisau, Kleinbernsdorf und St. Egidien wurden durch die neue Herrschaft verwaltet. Die Zuständigkeiten endeten mit dem Rezess am 4. Mai 1740 mit dem Haus Wettin.

Während der Revolution 1848 und 1849 versuchten die Rädelsführer in Glauchau die Schlösser anzuzünden. Es misslang oder wurde verhindert.Schriftenreihe. Heft 11. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1999, S. 30. Am 1. April 1848 übergaben 1500 Bewohner schönburgischer Ortschaften im Glauchauer Schlosshof ihre schriftlichen Petitionen/Forderungen an die Herrschaft oder deren Vertreter.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, , S. 35 (Broschüre).

Um 1867 schuf der Maler Wilhelm Gebhardt (1827–1893) mehrere Aquarelle schönburgischer Schlösser, so auch die von Forderglauchau und Hinterglauchau in seinem Mappenwerk Die Schoenburgschen Schloesser.Schriftenreihe. Heft 10. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1994, Abbildung Titelseite und Beschreibung S. 90. Mit dem Aussterben der Linie Schönburg-Hinterglauchau im Jahre 1900 wurden die Herrschaften wieder vereint und die Linie Schönburg-Forderglauchau führte die Herrschaft weiter. Da Graf Joachim von Schönburg-Glauchau in Wechselburg lebte, stellte er große Teile des Schlosses dem Glauchauer Museum zur Verfügung, wodurch die Anlage 1945 vor Plünderungen geschützt war.

Während der DDR-Zeit existierten in Schloss Forderglauchau neben der Musikschule die Kreisbibliothek „Georgius Agricola“ (seit 1953), Wohnungen und eine Außenstelle des Landeshauptarchivs Dresden.Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau (Hrsg.): Schriftenreihe. Heft 1. Stadt Glauchau, 1979, S. 44: Peter Schäffler: Der Schlösserkomplex – ein geistig kulturelles Zentrum (zur Nutzung der Glauchauer Schlösser in der DDR-Zeit). Letzteres wurde später verlagert. Noch um 1991 befand sich im Schloss Forderglauchau auch das „Kreiskabinett für Kulturarbeit“.Steffen Winkler: Schönburgische Besitzungen im Überblick. In: Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, , S. 13–18, hier S. 20. Teile des Schlosses waren seit der DDR-Zeit und noch bis nach 2010 (?) bewohnt.

Unter dem Schloss Forderglauchau befindet sich eine große Gang- und Kelleranlage. Ihr Zugang ist eine Tür im Schloßhof direkt links hinter der Tordurchfahrt des Osttores. 1988 wurde sie als streckenweise zusammengestürzt beschrieben. Eine Verbindung der Gang- und Kelleranlagen von Schloss Hinterglauchau und Schloss Forderglauchau bestand zu keiner Zeit.

Der Schlossbauherr Ernst II. von Schönburg Ernst II. von Schönburg (1486–1534) war bekannt als strenger Landesherr und erbitterter Gegner der Reformation. Am 15. Mai 1525 war er Anführer der Truppen von Herzog Georg von Sachsen in der Schlacht bei Frankenhausen. Dabei wurde der reformatorische Pfarrer und Bauernanführer Thomas Müntzer gefangen genommen und in die nahegelegene sehr sichere Wasserburg Heldrungen des Grafen Ernst von Mansfeld gebracht, wo auch Ernst II. von Schönburg in Quartier lag.

Kurz nach dieser Schlacht kehrte Ernst II. in die schönburgischen Herrschaften zurück und schlug hier die Bauernunruhen im Mai 1525 nieder. Er ließ viele Anführer einkerkern, foltern, hinrichten oder durch Entzug ihres Besitzes und hohe Geldstrafen bestrafen, obwohl die Bauern recht gemäßigte Forderungen gestellt hatten, wie beispielsweise das Recht zu Fischen und die Predigt in deutscher Sprache. Hinrichtungen von Bauernanführern sind für Glauchau, Hartenstein, Lößnitz, Elterlein und Sankt Joachimsthal (hier war Ernst II. Mitbesitzer der Herrschaft) unter Ernst II. von Schönburg belegt.Steffen Winkler: Das Wappenschild der Schönburger und Der Fall des Küsters von Ponitz. In: Sagen und sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung (= Schriftenreihe Sonderheft). Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, S. 13.

Am 5. Februar 1525 wurde Ernst II. von Schönburg durch Herzog Georg von Sachsen – seinen Freund – zum herzoglich-sächsischen Geheimen Rat ernannt.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Hrsg. von Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker. Chemnitz 2005, , S. 13 (Broschüre). Dies war vermutlich ausschlaggebend für die Errichtung von Schloss Forderglauchau zwischen 1527 und 1534.

1531 wird Ernst II. zusammen mit dem Freyburger Amtmann Taubenheim mit einer Revision sämtlicher herzoglich-sächsischer Ämter in Thüringen durch Herzog Georg von Sachsen betraut. Dies beweist das besondere Vertrauensverhältnis zu Herzog Georg von Sachsen.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 107. 1534 verstarb Ernst II. von Schönburg.