Hamlet ist eine Verfilmung des gleichnamigen Shakespeare-Dramas durch die Royal Shakespeare Company (RSC) in Zusammenarbeit mit der BBC aus dem Jahr 2009. Es handelt sich um die filmische Umsetzung der hochgelobten RSC-Bühneninszenierung des Stücks am Royal Shakespeare Theatre im Vorjahr. Regie führte in beiden Fällen Greg Doran, der 2012 die Leitung des renommierten Ensembles übernahm. In der Titelrolle war David Tennant zu sehen, Patrick Stewart (Claudius/König Hamlet) und Peter de Jersey (Horatio) übernahmen weitere Hauptrollen.

Hintergrund Bühnenproduktion Die RSC-Inszenierung öffnete ihre Türen ursprünglich im ensembleeigenen Royal Shakespeare Theatre (RST) in Shakespeares Geburtsort Stratford-upon-Avon. Regie führte Gregory Doran, der 2012 Intendant des Ensembles wurde. Zu den Darstellern zählten David Tennant, Patrick Stewart, Penny Downie, Mariah Gale, Edward Bennett, Oliver Ford Davies, und Peter de Jersey.

David Tennant, der bereits kurz nach seinem Universitätsabschluss von der RSAMD 1991 sein erstes Engagement mit der RSC erhalten hatte und spätestens seit seiner Rolle als zehnter Doktor der Kult-Familienserie Doctor Who (2005–2010) zu den populärsten Schauspielern Großbritanniens zählt, kehrte noch während seines letzten Drehjahres in der Serie zur RSC zurück, welche unter Dorans Leitung im Jahr 2008 zeitgleich Hamlet und Verlorene Liebesmüh auf die Bühne brachte. In Hamlet sprach Tennant mit dem recht allgemeinen englischen Akzent (vgl. Hochdeutsch), den er zuvor auch für Doctor Who und einige andere Rollen seit der Jahrtausendwende verwandt hatte, darunter die Titelrolle in Casanova (2005), in Verlorene Liebesmüh dagegen sprach der gebürtige Schotte mit seinem eigenen Dialekt.

Sir Patrick Stewart OBE genießt bei einem ähnlichen Publikum (insbesondere Science-Fiction) ebenfalls weltweit große Bekannt- und Beliebtheit: Als Anführer der X-Men wie auch als Kommandant der Raumschiffe Enterprise-D und -E. Die außerordentliche Popularität der beiden Darsteller bei Fernsehpublikum aller Altersklassen sorgte für großes Medieninteresse im Vorfeld der Aufführungen und 6000 Tickets für die erste Spielzeit waren innerhalb von drei Stunden ausverkauft. Trotz allgemeinem Weiterverkaufsverbot durch die RSC nahmen einzelne Händler auf der Handelsplattform Ebay umgerechnet über 600 Euro pro Karte.

Nach einer vollständigen Spielzeit am RST erfolgte im Dezember 2008 ein Umzug ins Novello Theatre im Londoner West End, doch Tennant erlitt einen Bandscheibenvorfall und musste in den ersten Vorstellungen vom Einspringer Edward Bennett, der sonst den Laertes spielte, vertreten werden. Tennant übernahm die Hauptrolle Anfang Januar 2009 wieder.

Filmische Umsetzung

Die Filmproduktion durch die BBC und Illuminations kam zustande, nachdem bekannt wurde, dass Regisseur Gregory Doran die Verantwortung für das RSC-Flaggschiff der Spielzeit 2008 übernehmen würde und die renommierten Schauspieler David Tennant und Patrick Stewart die Hauptrollen von Hamlet und Claudius / King Hamlet in Dorans neuer Bühnenadaptation übernehmen würden. Tennant und Stewart sind beide nicht nur als begnadete Bühnendarsteller anerkannt und vielfach ausgezeichnet, sondern können auch (insbesondere für die Finanzierungsentscheidung einer Sendeanstalt von Bedeutung) auf eine erfolgreiche zweite Karriere in Film und Fernsehen zurückblicken und erschließen damit ein neues, für eine Fernsehausstrahlung relevantes Publikum. Greg Doran ist bekannt für seine hochwertigen, dabei aber einem modernen (auch jungen) Publikum gut zugänglichen Interpretationen der teils schwierigen Stücke und der antiquierten Sprache Shakespeares. Seit 2012 ist er Intendant des renommierten Ensembles.

Doran sieht als zentrale Elemente des Stückes die ständige Überwachung/das völlige Fehlen von Privatsphäre sowie insbesondere den Spiegel im wörtlichen und metaphorischen Sinn: „Hamlet hält der Natur den Spiegel vor. Zu seiner Mutter sagt er, er werde ihr ein Glas zeigen, durch das sie in ihr Innerstes blicken solle. Die Idee des Spiegelns fing für uns etwas ein, das wir uns bildlich umgesetzt gut vorstellen konnten.“ Obwohl Spiegel in der Filmproduktion sehr viel problematischer sind als auf der Bühne (Kamera, Lichter, Mikrofon und Filmteam dürfen sich nicht spiegeln), setzten die Mitwirkenden alles daran, möglichst viel von diesem Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung auch in die Verfilmung zu übernehmen. Ein gigantischer Spiegel macht einen großen Teil des Bühnenbildes aus, der glatte schwarze Boden ist auf hochglanz poliert. Der erfahrene DP Chris Seager erarbeitete mit Doran für jede Szene die aus filmischer und dramatischer Sicht passendste Darstellungs- bzw. Herangehensweise.

Sechs Monate nach der Schlussvorstellung von Dorans Hamlet im Novello Theatre fand sich die vollständige Besetzung sowie die Crewmitglieder der RSC-Produktion schließlich einmal zum Dreh zusammen.

Gefilmt wurde mit single-camera setup unter Verwendung der Pionier-Technologie RED-One-Kamera.David Tennant brings Hamlet to TV for Christmas In: The Times vom 20. Dezember 2009. Archiviert vom Original am 15. Juni 2011. Abgerufen am 4. Mai 2018. Wyver und Doran besuchten gemeinsam ein Dutzend möglicher Drehorte, darunter alte Fabrikanlagen, Kellergewölbe und ein altes Schulgebäude, auf der Suche nach einem Ort von „lebhafter Sachlichkeit“ (vivid neutrality). Sie entschieden sich schließlich für das schlossartige Gebäude des St Joseph’s College in Mill Hill, ein aufgelöstes und ehemaliges katholisches Priesterseminar, deren Verwalter ihnen freie Hand bei der Nutzung und Gestaltung (auch für größere Umbauten) ließen. Zum Haupthandlungsort wurde die entweihte Kapelle aus dem 19. Jahrhundert, die mit poliertem Boden und diversen Spiegeln einen ähnlichen Anklang erhielt wie das Bühnenbild im RST. Schwierigkeiten (besonders finanzieller Art) entstanden durch fehlenden Strom- und Wasseranschluss, im Gegenzug verlangten die Verwalter des alten Gebäudes nur minimale Miete.

Problematik der Soliloquies

Zu Shakespeares Zeiten war die Interaktion der Bühnenschauspieler mit dem Publikum ein selbstverständliches und sehr viel häufiger angewandtes Stilmittel als heute. Seine Stücke enthalten zahlreiche Monologe (soliloques), welche Teils als Selbstgespräche, Teils als direkte Ansprache des Publikums ausgelegt sind. Gerade in Hamlet finden sich neben den Monologen noch viele weitere eingeschobene Sätze, die als laut ausgesprochene Gedanken wahlweise als Selbstgespräch oder als Anrede des Publikums verstanden und interpretiert werden können. Die Royal Shakespeare Company legt seit jeher großen Wert darauf, Shakespeares Welt einem modernen Publikum jeden Alters möglichst greifbar zu machen. In dieser Hamlet-Inszenierung durchbrachen die Darsteller die sogenannte Vierte Wand besonders häufig und die RSC übernahm eben dieses Stilmittel auch in ihre Filmproduktion. Die Mitwirkenden beschrieben im DVD-Interview:

Ausstrahlung und Verbreitung Die Erstausstrahlung erfolgte am 26. Dezember 2009 auf BBC Two. In den Vereinigten Staaten erfolgte die Erstausstrahlung am 28. April 2010 durch PBS im Rahmen ihrer Theaterreihe Great Performances (Folge 35x09, Laufzeit 183 Minuten).Great Performances: Hamlet In: PBS.org Der britische Regionalcode entspricht dem im übrigen Europa, in den deutschsprachigen Ländern ist daher die Original-DVD erhältlich und problemlos abspielbar.

Die Verbreitung des Films nach der Fernsehausstrahlung übernahm im Vereinigten Königreich und Irland das BBC-Tochterunternehmen 2|entertain. Auf DVD ist er seit dem 4. Januar 2010, auf Blu-Ray ab dem 19. April 2010 erhältlich. In den Vereinigten Staaten und Kanada erschien er in beiden Formaten am 4. Mai 2010.

Das enthaltene Bonusmaterial umfasst Interviews mit den leitenden Beteiligten, Making-of-Segmente und einen vollständigen dreistündigen Audiokommentar durch Regisseur Greg Doran, DP Chris Seager und Ko-Produzent Seb Grant. Untertitel (englischer Originaltext) stehen zum besseren Verständnis ebenfalls zur Verfügung.

Besetzung David Tennant: Prinz Hamlet Patrick Stewart: König Claudius / König Hamlet (Geist von Hamlets ermordetem Vater) Penny Downie: Königin Gertrude Mariah Gale: Ophelia Peter de Jersey: Horatio Edward Bennett: Laertes Oliver Ford Davies: Polonius Sam Alexander: Rosencrantz / Zweiter Totengräber Tom Davey: Guildenstern Mark Hadfield: Totengräber John Woodvine: Schauspieler (König) Ryan Gage: Osric / Schauspieler (Königin) Samuel Dutton: Dumbshow-König Jim Hooper: Dumbshow-Königin / Priester David Ajala: Reynaldo / Dumbshow-Giftmörder Keith Osborn: Marcellus Ewen Cummings: Barnardo Robert Curtis: Francisco / Prinz Fortinbras von Norwegen Roderick Smith: Voltemand Andrea Harris: Cornelia Ricky Champ: Lucianus (Schauspieler) Riann Steele: Hofdame Zoe Thorne: Hofdame

Rezeption Die Hamlet-Produktion und insbesondere Tennants Darstellung des dänischen Prinzen wurden von Theaterkritikern durchweg ausgesprochen positiv aufgenommen.

Charles Spencer, Theaterkritiker des Daily Telegraph, beschrieb die Hamlet-Inszenierung als eine der besten Hamlet-Produktionen, die er je gesehen habe, und Tennant als .

Auch der renommierte Theaterkritiker Michael Billington beschrieb die Hamlet-Produktion im Guardian unter der Überschrift als Er lobte und Tennant als (ein Hamlet von lebhafter Klugheit, mimetischer Vitalität und ausgelassener Komik: eine der witzigsten Darstellungen, die ich je gesehen habe). Stewarts Claudius beschreibt er als und später als einen . Sein einziger Kritikpunkt waren kleine, aber „durchaus absolut logische“ Änderungen Greg Dorans an der szenischen Reihenfolge (To be, or not to be bereits vor dem Stück im Stück) und die Herausnahme der kurzen Passage,

In seiner Besprechung der parallel aufgeführten Shakespeare-Komödie Love’s Labour’s Lost fügte Billington zwei Monate später seiner Wahrnehmung Tennants folgendes hinzu: „Tennant, more than any other actor in this production, shows a capacity to handle Shakespeare’s language with sensitivity. At times he falls too easily into the current Stratford habit of joshing the audience and playing off front-row spectators. But you could hear a pin drop during Berowne’s great paean to passion and the power of love over academic study. When Tennant tells us that ‘Love’s feeling is more soft and sensible than are the tender horns of cockled snails’, it is with the breathless urgency of a man who sees the image he is describing. And when, at the last, Berowne is enjoined by his lover to spend a year visiting the speechless sick, Tennant displays real shock at the idea one can ‘move wild laughter in the throat of death’. It is a performance that confirms Tennant’s Shakespearean status.“

Im Auftrag der BBC und der Royal Shakespeare Company wurde das Stück im Sommer 2009 in gleicher Besetzung verfilmt und am 26. Dezember 2009 auf BBC Two ausgestrahlt. Der dreistündige Fernsehfilm wurde an diesem Tag von 900.000 Zuschauern gesehen, eine Erfolgsquote, die die BBC zur Produktion weiterer Shakespeare-Verfilmungen und Dokumentationen für das Jahr 2012 veranlasste.

Chris Seager (Director of Photography) erhielt 2010 eine BAFTA-Nominierung für die beste Kameraführung und Beleuchtung (Sparte Fiktion und Unterhaltung).

Bei den Broadcasting Press Guild Awards im gleichen Jahr erhielt David Tennant eine Nominierung als bester Schauspieler. Die Auszeichnung ist darsteller-, nicht werkgebunden und bezog sich in jenem Jahr auf seine Darbietungen im Hamlet-Film wie auch in seinen finalen fünf Doctor-Who-Sonderfolgen in Überlänge.

Nach der US-amerikanischen Erstausstrahlung durch PBS erhielt Patrick Stewart 2010 eine Nominierung als herausragender Nebendarsteller in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm bei der 62. Emmy-Verleihung. Die Auszeichnung ging an David Strathairn für seine Darbietung als Dr. Carlock im HBO-Biopic Du gehst nicht allein über Temple Grandin.