Die Amerikanische Schweizer Zeitung (ASZ) wurde im Dezember 1876 von John Feierabend in New York gegründet. Er datierte die Zeitung des von Conrad Bryner am 26. August 1868 unter anderem als Organ des nordamerikanischen Grütlivereins gegründeten Grütlianers weiter, der zwar 1870 vom Grütlianer-Redaktor John Schläpfer übernommen und in Helvetia umbenannt worden war, die aber ebenfalls noch vor 1876 einging. Damit gilt das Jahr 1868 als Gründungsdatum.

Die ASZ erschien als Wochenzeitung in deutscher Sprache, später mit englischen und französischen sowie vereinzelt italienischen und rätoromanischen Beiträgen, zuletzt fast ausschliesslich in Englisch. Sie war vornehmlich eine Brücke zwischen der alten Heimat und der Neuen Welt im kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Geschehen für die Schweizamerikaner, diente aber auch als Generalanzeiger in Vereins- und Familienangelegenheiten.Linus Spuler: 100 Jahre «Amerikanische Schweizer Zeitung». In: Sprachspiegel. Nr. 23, 1967, S. 155 f. (erschienen auch in: Neue Zürcher Zeitung. 19. Dezember 1967, S. B14). 1973 wurde die Zeitung in Swiss American Review umbenannt und ab 1996 nur noch vierzehntäglich herausgegeben. 1999 wurde sie eingestellt.

Geschichte 1878 übergab John Feierabend die ASZ seinem Vater Jacob Feierabend. Im November 1881 wurde sie von Alfred Ott übernommen.

Im Dezember 1884 trat der Journalist und Jurist John Friederich (1847–1900, eigentlich Hans Friedrich Schwab, von Büren zum Hof) als Chefredaktor in die ASZ ein. Er wollte «den laufenden Tagesfragen etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, als dies bis dahin zu thun möglich war». Als Neuerung sollten künftig Illustrationen erscheinen.Die Amerikanische Schweizer-Zeitung für 1885. In: Swiss American Review. 17. Dezember 1884, S. 4. Im September 1886 wurde er alleiniger Redaktor und EigentümerDr. John Friederich †. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 17. März 1900, S. 1. und führte die Zeitung zu grossem Ansehen. Sie profitierte nun von der stark erhöhten Zuwanderung aus der Schweiz und erhob den Anspruch, 300'000 «wohlsituierte» Schweizamerikaner zu erreichen. Am 7. März 1900 starb Friederich an der Brightschen Nierenkrankheit. Die Redaktion führte danach interimsweise der bereits seit sieben Jahren als Redaktor der ASZ tätige E. A. Haefelin. Die Erben Friederichs boten die Swiss Publishing Co. und die ASZ dem Meistbietenden an. Gekauft wurde sie von F. Saxer. Er kündigte an, das «Augenmerk in etwas größerm Maßstabe als dies bislang geschehen auf das schweizerische Vereinswesen» zu richten.F. Saxer: An unsere verehrten Leser und Gönner. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 26. Mai 1900, S. 5.

mini|300px|Titelblatt der ersten Ausgabe des Grütlianers Neuer Chefredaktor wurde 1901 Louis Siebenmann, sekundiert von März 1903 bis November 1903 vom Präsidenten der Herausgebergesellschaft Swiss Publishing Co., B. Teodor. Schon am 11. September 1905 ging die Leitung der ASZ an E. Keller als Redaktor und Fred. W. Muelchi als Herausgeber über, indem sie pachtweise das gesamte Eigentum der Swiss Publishing Co. übernahmen.E. Keller, Fred. W. Muelchi: Notiz. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 23. September 1905, S. 5. Offenbar war man mit Siebenmann nicht zufrieden, denn auch die neuen Eigentümer kündigten an, sie wollten «dem Vereinsleben in New York wie in den ganzen USA mehr Aufmerksamkeit schenken, als die Verhältnisse es bisher erlaubt haben». Zudem würden sie «keine Arbeit und keine Kosten scheuen, den Amerikanischen Schweizer Kalender den früheren Jahrgängen ebenbürtig zu gestalten».E. Keller, Fred. W. Muelchi: An unsere Leser. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 30. September 1905, S. 4.

Der nächste Chefredaktor, Benedikt Sigbert Meier (1868–1931, von Disentis), wurde zu einem der markantesten Leiter der ASZ. Er wirkte als Professor im Kloster Sarnen, siedelte 1912 in die USA über und trat nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im Westen im Oktober 1912 in die Swiss Publishing Co. ein, um im Dezember 1912 zweiter Redaktor der ASZ zu werden. Im August 1914 wurde er Chefredaktor, am 1. September 1916 kaufte er die Zeitung.Franz X. Amrein: Zum Ableben von Redakteur Benedikt S. Meier. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 15. Januar 1931, S. 1. Die ASZ hatte bald in allen Staaten der USA Korrespondenten und mehrere schriftstellerisch begabte Mitarbeiter wie Alfred Adrian Fischer, Gottfried Arn, Oskar Kollbrunner, John G. Probst und Anita Perino. Herausgeber war Eduard Haussener, Drucker Fred. W. Muelchi.

Die Reichweite der ASZ sank mit abnehmender Schweizer Einwanderung jedoch auf 15'000 Leser im Jahr 1914, die Auflage auf nur noch 1'500 Exemplare in den Zwischenkriegsjahren. Die Zeitung machte drei Mal Bankrott.

Sigbert Meier redigierte lange Zeit auch das offizielle Organ der 1865 gegründeten North-American Swiss Alliance (NASA), Der Schweizer (später The Swiss American). Er führte den Amerikanischen Schweizer Kalender, der 1881 von Jacob Feierabend erstmals als Wegweiser für Schweizer Einwanderer herausgegeben worden war, von der Gestaltung eines Jahreskalenders zum literarisch hochwertigen Jahresband mit Originalbeiträgen. Unter seiner Mitwirkung begann John D. Hutter, langjähriger Mitarbeiter der ASZ, 1918 in San Francisco das Swiss Journal herauszugeben. Die ferne Westküste lag für die ASZ zu abseits, damals waren solche Distanzen von Raum und Zeit nur schwer zu überwinden. Dieses Schweizer Journal, bis 2004 von Mario Muschi (1924–2016) betreut, wurde zum offiziellen Organ der vereinigten Schweizervereine von Kalifornien.

Am 18. November 1930 erlitt Meier in New York einen fatalen Unfall, als ihn zwei Autos überfuhren. Er erlag seinen schweren Verletzungen am 6. Januar 1931. Seine Witwe, Anna D. Meier, verkaufte die Zeitung der neu formierten Swiss Publishing, Inc.Anna D. Meier: Mein Rücktritt. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 2. April 1931, S. 4.

Ab 1. April 1931 wirkte der bereits seit November 1923 als Mitarbeiter der Zeitung tätige Franz X. Amrein (1900–1971) als Chefredaktor der ASZ;Nebenbei bemerkt. In: Die Tat. 18. April 1951, S. 3. er wurde zu ihrem zweiten langjährigen Leiter, Herausgeber und Verleger. Auch er hatte stets mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen. Zu Beginn seiner Amtszeit verliessen mehrere Aktionäre die Gesellschaft und übergaben Amrein ihre Aktien als Kompensation für ausstehende Saläre. Bis 1943 stellten sich diese trotzdem auf 20'000 US-Dollar. Amrein war für die Führung der Zeitung auf die finanzielle Unterstützung seiner Frau Anne angewiesen, die eine Stelle als Sekretärin hatte und ihm auch bei der Herausgabe der Zeitung half. Nach 1943 stieg die Einwanderung wieder an, und die Situation besserte sich etwas. In den 1950er Jahren verschlechterte sie sich wieder, und die Auflage sank bis 1969 auf 1'000 Exemplare.Max E. Ammann: Problems of the Foreign Language Press in the United States. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 3. Januar 1973. Mitte der 1960er Jahre verstarb Amreins Frau. 1969 formte das Generalkonsulat New York zusammen mit einigen Schweizer Geschäftsleuten ein Komitee zur Rettung der ASZ. Es gelang ihm, einen Fonds von 25'000 US-Dollar zu äufnen, mit dem die Schulden gedeckt und ein Neuanfang finanziert werden konnte.

mini|300px|Zeitungskopf von 1876 Am 1. August 1969 trat Max E. Ammann (* 1938), auf der Website von network4events.Die «Schweizer Zeitung» Amerikas stellt um. In: Die Tat. 25. Juni 1970, S. 3. davor Auslandkorrespondent mehrerer schweizerischer, deutscher und österreichischer Zeitungen, darunter Basler Nachrichten, Solothurner Zeitung, Thurgauer Zeitung, Schaffhauser Nachrichten und Tat, in die Zeitung ein und leitete sie bis Ende März 1973, bis Ende 1969 noch zusammen mit Franz X. Amrein. Nachher zeichnete Amrein als «Senior Editor» und Ammann als «Executive Editor», bis Amrein am 14. April 1971 infolge eines Schlaganfalls verstarb. Ammann gelang es, die Werbeeinnahmen zu verdoppeln und die inzwischen wieder 2'000 Exemplare betragende Auflage auf 3'000 Exemplare zu steigern. Die ASZ sollte, wie er vor seinem Amtsantritt ankündigte, rund 50 % Meldungen aus der Schweiz, 25 % Meldungen aus New York, den USA und der Welt sowie 25 % Berichte über und für die Schweizerkolonie enthalten. Unter anderem sollten in der ASZ Sportarten zu Worte kommen, über die in den amerikanischen Tageszeitungen zu wenig steht (wie Handball und Reiten), und Zusammenfassungen über Sportarten erscheinen, über die in den amerikanischen Zeitungen zu viel steht (wie Baseball).Max E. Ammann: Unsere Pläne. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 20. Mai 1970. Verdient um die ASZ machten sich in dieser Zeit vor allem Hans Lacher, 1963 bis 1968 Generalkonsul in New York und danach Botschafter in Deutschland, Anton «Toni» Maier, Präsident der Swiss Society, und Richard Anderegg, als Nachfolger von Heiner Gautschy Korrespondent von Schweizer Radio DRS in New York und später Chefredaktor der ASZ-Nachfolgezeitung Swiss American Review.

Nach dem Austritt von Max E. Ammann, der anschliessend von 1973 bis 1978 Chefredaktor des Luzerner Tagblatts war, leiteten der Amerikaner Calvin McMahan und seine Partnerin Kathrin Beyeler die Zeitung. Sie stellten am 4. April 1973 von Buchdruck auf Offsetdruck um, änderten das Format in Tabloid und modernisierten den Zeitungskopf mit neu einem Untertitel The Weekly Voice of Switzerland in America. Die beiden, die inzwischen geheiratet hatten, wurden schon nach 17 Wochen, am 25. Juli 1973, entlassen nach Auseinandersetzungen mit den Herausgebern der Zeitung wegen der Berichterstattung über den Watergate-Skandal.Editor’s note. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 25. Juli 1973, S. 1. Die Zeitung hatte in kurzer Zeit stark an Auflage verloren und stand kurz vor dem finanziellen Kollaps. mini|300px|Zeitungskopf der ASZ-Nachfolgezeitung (1973)

In dieser schwierigen Situation übernahm Anton Maier die Swiss Publishing, Inc. und die Zeitung,Anton Maier retires as SAR President. In: Swiss American Review. 25. Dezember 1991, S. 1. benannte sie im November 1973 in Swiss American Review (SAR) um (den Untertitel in The Voice of Switzerland in America verkürzend), strich die vollamtliche Redaktionsstelle und setzte ein Editorial Board aus freiwilligen Journalisten ein, darunter Markus Löw (Direktor Corporate Art von Ciba-Geigy), später Arturo Truninger, Bernard J. Bochatay und Rudolf Brühlmann (Europartners Securities Corporation), und Korrespondenten von Schweizer Zeitungen wie Joseph Mannheim (sda/Schweizer Radio DRS), Rudolf Hafter (NZZ) und Karl Kränzle (Tages-Anzeiger)New editorial board begins with this issue. In: Amerikanische Schweizer Zeitung. 1. August 1973, S. 1. sowie dem Grafiker Hubert Graf, die sich unentgeltlich zur Verfügung stellten. Zudem wurde der amerikanische Journalist Frank X. Wamsley als Produzent der Zeitung eingestellt. Ihn ersetzte 1974 noch bis Mitte 1975 seine Frau und bisherige Assistentin, Betty D. Wamsley, danach wurde auch diese Stelle gestrichen, und das Editorial Board übernahm die Redaktion bis 1991, als das Executive Committee unter Anton Maier das langjährige Mitglied des Board Markus Löw zum Editing Manager ernannte.Dear Reader. In: Swiss American Review. 25. Dezember 1991, S. 1.

Ende 1979 wurde Joseph Mannheim, seit 1973 Mitglied des Editorial Board, ehrenhalber zum Editor Emeritus ernannt.Dr. Joseph Mannheim Honored as SAR Editor Emeritus. In: Swiss American Review. 12. Dezember 1979, S. 1. Am 3. Oktober 1984 starb Mannheim, 80-jährig.Joseph Mannheim, Editor Emeritus, Dies. In: Swiss American Review. 17. Oktober 1984, S. 1.