mini|Lage Nicaraguas in Mittelamerika mini|Operationsgebiete und Stützpunkte der Fuerza Democrática Nicaragüense mini|Mitglieder der ARDE Frente Sur bei einer Rauchpause im südöstlichen Nicaragua, 1987 Der Contra-Krieg war ein von 1981 bis 1990 mit maßgeblicher Unterstützung der Vereinigten Staaten geführter Guerilla-Krieg der Contra-Rebellen gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung Nicaraguas. Die Contra-Rebellen operierten vor allem von Stützpunkten im Nachbarland Honduras aus. Sie führten Anschläge gegen die öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur Nicaraguas aus und töteten zahlreiche Zivilisten.
Ab 1982 verabschiedete der US-Kongress die Boland-Amendments, die der US-Regierung jegliche finanzielle oder sonstige Unterstützung der Contras gesetzlich untersagten. Die Regierung unter Ronald Reagan setzte sich unter Einsatz verschiedener geheimer und illegaler Finanzierungsmethoden darüber hinweg. Diese illegale Unterstützung der Contras wurde 1986 im Rahmen des Iran-Contra-Skandals öffentlich bekannt und führte zu einer Regierungskrise in den USA.
Die USA wurden 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme am Contra-Krieg zur Beendigung der ungesetzlichen Anwendung von Gewalt gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.Fall Nicaragua v. United States of America Sie erkannten das Urteil allerdings nicht an.
Hintergründe mini|Der damalige sandinistische Präsident Daniel Ortega (2007) Am 19. Juli 1979 wurde die von den USA unterstützte Somoza-Diktatur in Nicaragua durch die Sandinistas gestürzt und die „Sandinistische Befreiungsfront“ unter der Führung Daniel Ortegas übernahm die Regierungsgewalt.
Gegen diese neue Regierung bildete sich eine Opposition, die vor allem aus Mitgliedern der ehemaligen Nationalgarde und aus Angehörigen bürgerlich-konservativ orientierter Bevölkerungsgruppen bestand, die in den Maßnahmen der Regierung, wie etwa der Landreform, eine Gefahr für ihren Besitzstand sahen. Diese „Contras“ (vom spanischen contrarevolucionario – Konterrevolutionär) waren zu Beginn der sandinistischen Herrschaft unter der Bevölkerung weitgehend unpopulär. Sie wurden jedoch von den USA, dort vor allem von der CIA unterstützt, die in dem neuen Regime eine Gefahr für ihre strategische Sicherheit und auch ihre wirtschaftlichen Interessen sahen. Diese Unterstützung ermöglichte es letztlich, dass sich die politischen Differenzen zwischen Regierungsanhängern und Opposition zu einem Bürgerkrieg ausweiten konnten.
Im Rahmen der Dominotheorie und der Kirkpatrick-Doktrin wollte die US-amerikanische Regierung die Möglichkeit nicht hinnehmen, dass sich ein weiterer Staat in Lateinamerika nach kubanischem Vorbild mit dem Ostblock verbündete. Aus ehemals als geheim eingestuften, heute jedoch freigegebenen Planungsdokumenten der US-Regierungen der 1950er-Jahre geht hervor, dass US-Strategen schon frühzeitig Pläne entwickelten, um ihre Vormachtstellung in Lateinamerika zu sichern, wobei diesen Staaten eine Rolle als Rohstofflieferanten und Dienstleister zugewiesen wurde. In den Dokumenten wird insbesondere auf Trends zur Bildung nationalistischer Regime in Lateinamerika verwiesen und die Notwendigkeit betont, Maßnahmen zur Sicherung der US-amerikanischen Interessen zu ergreifen, sei es durch wirtschaftliche Einflussnahme oder militärische Maßnahmen.N.S.C. [National Security Council Memorandum] 144/1, „United States Objectives and Courses of Action With Respect to Latin America,“ March 18, 1953Foreign Relations of the United States, 1952–1954, Vol. IV („The American Republics“), Washington: United States Government Printing Office, 1983Noam Chomsky: Understanding Power, 2. Kapitel, Fußnote 52; abgerufen am 11. November 2016. Die US-Regierung unter Präsident Jimmy Carter hatte bereits 1978 verdeckte CIA-Operationen zur Stärkung oppositioneller Gruppierungen autorisiert, um eine gemäßigte Alternative zu den Sandinisten zu schaffen.Newsweek 8. November 1982, S. 44 Kritische Beobachter der US-Außenpolitik bewerten den Contra-Krieg daher als weiteres Beispiel für die seit 1945 von US-amerikanischen Regierungen durchgeführten Eingriffe in die staatliche Souveränität von Ländern wie Iran (Operation Ajax), Chile, Guatemala, Vietnam, Haiti, Kuba und weiteren Staaten.William Blum: Killing Hope – U.S. Military and CIA Interventions Since World War II Black Rose Books, Montreal/New York/London, ISBN 1-55164-097-X
Unterstützung der USA für den Guerillakrieg Frühphase Bereits kurz nach der Machtübernahme der Sandinisten am 19. Juli 1979 bewilligte US-Präsident Jimmy Carter finanzielle und politische Unterstützungen für Gegner der Sandinisten. Gleichzeitig wurde Druck bezüglich der personellen Besetzung der Regierungsposten auf die nicaraguanische Regierung ausgeübt.George Black: Triumph of the People: The Sandinista Revolution in Nicaragua. Zed Books Ltd, London 1981, S. 177 Die noch fließenden US-amerikanischen Hilfeleistungen unter Carter gingen fast ausschließlich an Nichtregierungs-Organisationen und private Einrichtungen wie die AIFLD (American Institute for Free Labor Development), die mit der CIA zusammenarbeitete.New York Times 15. Januar 1981, S. 10 Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Ronald Reagan im Januar 1981 wurde die Hilfe an die Sandinisten fast vollständig eingestellt (siehe Reagan-Doktrin). Nicaragua wurde von US-Regierungsprogrammen zur Unterstützung von Investitionen und Handel ausgeschlossen. US-Importe von Zucker aus Nicaragua sanken daraufhin um 90 %. Washington übte weiterhin Druck auf den IMF, den IDB, die Weltbank und den europäischen Markt aus, Kredite an Nicaragua zurückzuhalten.The Times (London): Economic measures. 1. Oktober 1984New York Times 11. Oktober 1984The Guardian (London) 1. Juli 1983/30. Mai 1984/8. März 1985, 1. Mai 1985 Um die Erdölversorgung des Landes zu stören, wurden im Rahmen von Contra/CIA-Operationen mehrere Angriffe gegen Öl-Depots gestartet, Pipelines gesprengt, Umladehäfen vermint und den Hafen anlaufenden Öltankern mit der Sprengung selbiger gedroht. Insbesondere Nicaraguas Häfen wurden mit Schnellbooten attackiert und aus der Luft bombardiert, um Exporte zu blockieren.The Guardian (London) 8. Oktober 1983/13. Oktober 1984/9. März 1984/22. März 1984/9. April 1984 Im Oktober 1983 gab der Exxon-Konzern bekannt, dass seine Tanker keine weiteren Öl-Transporte von Mexiko, dem nicaraguanischen Hauptlieferanten, nach Nicaragua transportieren werden.The Guardian (London) 17. Oktober 1983 Ein weiteres bevorzugtes Ziel waren landwirtschaftliche Einrichtungen. Contra-Truppen zerstörten Getreidesilos und Tabaklager, Bewässerungsanlagen, Farmen, Straßen, Brücken, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Transportfahrzeuge. Zahlreiche staatliche Farmen und Kooperativen wurden lahmgelegt. Viele noch intakte Farmen wurden daraufhin verlassen.The Guardian (London) 18. Mai 1983/6. Juni 1983/30. Mai 1984 Die Standard Fruit Company (heute Dole Food Company) gab im Oktober 1982 unter Verletzung eines bis 1985 gültigen Vertrages mit der nicaraguanischen Regierung bekannt, alle Bananengeschäfte mit Nicaragua einzustellen.Barricada International (englischsprachige Wochenzeitschrift der SNLF Managua) 8. November 1982, S. 12
Verstärkung des US-Engagements, verdeckte Kriegsführung der CIA Ab 1982 wurde die US-Infrastruktur für die Luftwaffe, Aufklärung und Kommunikation massiv ausgebaut. In Florida und Kalifornien wurden gleichzeitig tausende Contras trainiert.The Guardian (London) 12. Mai 1984, Covert Action Information Bulletin (Washington DC) Nr. 22, Herbst 1984Eddie Adams: How Latin Guerrillas Train on Our Soil. Parade Magazine (Washington Post), 15. März 1981, S. 5ffNew York Times 17. März 1981 Die Contras, auch „Freedom fighters“ genannt, rekrutierten sich hauptsächlich aus früheren Mitgliedern der gefürchteten Nationalgarde des gestürzten Diktators Somoza. Ab diesem Zeitpunkt waren auch US-Piloten direkt an Operationen gegen nicaraguanische Truppen sowie für Versorgungsflüge für die Contras im Einsatz. An Bord eines 1986 über Nicaragua abgeschossenen amerikanischen Frachtflugzeuges fand man Waffen und weitere militärische Ausrüstung. Eugene Hasenfus, der einzige Überlebende des Absturzes, sagte nach seiner Festnahme durch die nicaraguanische Regierung aus, für die CIA zu arbeiten.Northwest Citizen: Where are they now: Eugene Hasenfus Amerikanische Kongressabgeordnete wurden von einigen Contras informiert, dass sie Anweisung hatten, die Verantwortung für die von der CIA organisierten und Söldnern geflogenen Bombeneinsätze zu übernehmen.The Guardian (London) 4. Mai 1984
mini|Lockheed SR-71 „Blackbird“ mini|USS New Jersey beim Abfeuern der Hauptgeschütze Eher aus Gründen der psychologischen Kriegsführung denn zur Aufklärung kam 1984 die Lockheed SR-71 „Blackbird“ über Nicaragua zum Einsatz, die auf Spanisch populär als El pájaro negro (Der schwarze Vogel) bezeichnet wurde. Dies gilt auch für den Einsatz des Schlachtschiffs New Jersey vor der nicaraguanischen Westküste im Juli 1983.
Im September 1983 begann die CIA unter Verwendung von lateinamerikanischen Militärspezialisten (so genannte Unilaterally Controlled Latin Assets = UCLAs), mit Hilfe von Schnellbooten, die von einem Mutterschiff abgesetzt wurden, nicaraguanische Häfen wie Corinto und Puerto Sandino anzugreifen. Diese Art der verdeckten Kriegführung wurde bis ins Frühjahr 1984 fortgesetzt, wobei vorzugsweise die Energieversorgung Nicaraguas wie die Treibstofftanks in Corinto attackiert wurden. Die Verminung nicaraguanischer Häfen sollte außerdem dazu dienen, Handelspartner der sandinistischen Regierung abzuschrecken und ihre Lieferung über See einzustellen. Bei den UCLAs handelte es sich nicht um Contras, da diese nicht über die entsprechende militärische Spezialausbildung verfügten. Um wen es sich bei den UCLAs im Einzelnen handelt, ist bis heute (2017) ungeklärt.
Systematische Menschenrechtsverletzungen der Contras