Die Parlamentswahl im Libanon 2018 war die 21. Wahl zur Nationalversammlung im Libanon seit Erlangung der Unabhängigkeit. Sie fand am 6. Mai 2018 in einem Wahlgang statt.

Die Wahlbeteiligung lag bei 49,7 Prozent. Das Lager um die islamistische Hisbollah gewann die Mehrheit der Sitze und bildete in der Folge die Regierung.

Hintergrund Es war die erste Parlamentswahl seit 2009, obwohl diese im Libanon laut gesetzlicher Vorgabe alle vier Jahre stattfinden soll. Die Wahl 2013 wurde wegen Problemen, einen neuen Präsidenten zu wählen, und des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien mehrmals verschoben.Lebanon’s deadlocked parliament postpones June election. Bei: Reuters.com. 31. Mai 2013. Abgerufen am 3. Mai 2018. Als Favoriten gelten das von Saudi-Arabien und den USA unterstützte Lager von Ministerpräsident Saad Hariri und die dem Iran nahestehende Hisbollah-Bewegung. Dank eines neuen Wahlgesetzes haben unabhängige Kandidaten größere Chancen als zuvor.Björn Blaschke: Parlamentswahlen im Libanon. Zwischen Verkrustung und Aufbruch. Bei: Deutschlandfunk.de. 4. Mai 2018. Abgerufen am 4. Mai 2018.

Wahlrecht Rechtliche Grundlage ist das Wahlgesetz Nr. 44/2017 vom 17. Juni 2017. Auch libanesische Bürger mit Wohnsitz im Ausland konnten ihre Stimme bei der für sie zuständigen libanesischen Vertretung abgeben, falls sie sich vorher für die Wahl registriert hatten.Registrierung zur Teilnahme an den Wahlen im Libanon. Bei: Libanesische-Botschaft.info. Botschaft des Libanon – Berlin, 2018. Abgerufen am 5. Mai 2018. Mit dem neuen Wahlgesetz wurde der Übergang von der Mehrheitswahl zur Verhältniswahl vollzogen. Der Wähler hat eine Stimme zur Wahl einer Liste und kann einem Bewerber der gewählten Liste eine Präferenzstimme geben. Besteht ein Wahlkreis aus mehreren Distrikten, so hat die Liste für jeden Distrikt unterschiedliche Bewerber.

Eine Besonderheit des Libanon ist, dass die Religionsgemeinschaften eine feste Zahl von Sitzen im Parlament haben, deren heutige Zahl durch das Abkommen von Taif festgelegt wurde.

Die Sitzverteilung erfolgt auf Wahlkreisebene nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren, jedoch sind Listen von der Sitzverteilung ausgeschlossen, wenn ihre Stimmenzahl weniger als eine volle Hare-Quote beträgt. Die Sitze werden den Bewerbern in absteigender Reihenfolge ihres Stimmenanteils in ihrem Distrikt zugeteilt. Hat eine Liste oder Religionsgemeinschaft die ihr zustehende Sitzzahl erreicht, bleiben die übrigen Bewerber dieser Liste bzw. Religionsgemeinschaft bei der weiteren Sitzzuteilung außer Betracht.Lebanese electoral law 2017. Wahlgesetz in englischer Übersetzung (PDF; 321 kB), Art. 97 und 98. Abgerufen am 8. Mai 2018.

Kandidaten und Religionenproporz nach Wahlkreis mini|hochkant=1.5|Verteilung der Sitze auf die Wahlkreise Nach dem Bewerbungsschluss am 26. März gab das Ministerium für Inneres und Munizipalitäten bekannt, dass für die Wahl insgesamt 77 Listen mit 583 Kandidaten registriert wurden. Die meisten davon wurden für den Wahlkreis Beirut II mit neun Listen registriert, während im Wahlkreis Zahrani-Tyros zwei Listen registriert wurden. Dabei ist auffällig, dass die Blöcke des 8. März und des 14. März, die die Wahlen 2009 dominiert haben, nicht mehr funktional sind, sodass die Parteien bei der Listenaufstellung anhand lokaler Dynamiken andere Allianzen gebildet haben.

KonfessionSitzzahlKandidatenzahlKandidatenzahlpro SitzAnteil der Konfessionsangehörigenan den Wahlberechtigtennach WahlkreisDie Prozentzahlen sind auf der Ebene der Wahlkreise angegeben, nicht für die Teilwahlkreise.Alawiten 2 11 5,5 Nord I (Akkar) 1 4 44,97 % Nord II (Tripoli) 1 7 76,04 %Armenisch-Katholische 1 5 5 Beirut I 1 5 55,57 %Armenisch-Orthodoxe 5 14 2,8 Beirut I 3 7 2,328,3 % Bekaa I (Zahle) 1 4 44,99 % Libanonberg II (Metn) 1 3 314,3 %Drusen 8 37 4,6 Beirut II 1 8 81,55 % Bekaa II (West Bekaa-Rachaya) 1 2 214,8 % Libanonberg III (Baabda) 1 4 417,6 % Libanonberg IV (Aley) 2 8 440,5 % Libanonberg IV (Chouf) 2 10 5 Süd III (Mardsch Uyun-Hasbayya) 1 5 53,65 %Evangelische 1 6 6 Beirut II 1 6 60,81 %Melkitisch-Katholische 8 33 4,1 Beirut I 1 4 49,8 % Bekaa I (Zahle) 2 8 428,3 % Bekaa III (Baalbek-Hermel) 1 5 5 5,36 % Libanonberg II (Metn) 1 5 59,83 % Libanonberg IV (Chouf) 1 5 55,18 % Süd I (Jezzine) 1 4 48,69 % Süd II (Zahrany) 1 2 2 6,81 %Griechisch-Orthodoxe 14 65 4,6 Beirut I 1 5 519,2 % Beirut II 1 7 75 % Bekaa I (Zahle) 1 5 59,54 % Bekaa II (West Bekaa-Rachaya) 1 3 37,16 % Libanonberg II (Metn) 2 8 414,6 % Libanonberg IV (Aley) 1 4 45,14 % Nord I (Akkar) 2 9 4,514,7 % Nord II (Tripoli) 1 7 76,24 % Nord III (Koura) 3 11 3,720,7 % Süd III (Mardsch Uyun-Hasbayya) 1 6 62,45 %Maroniten 34 151 4,4Beirut I 1 5 513,2 % Bekaa I (Zahle) 1 5 515,7 % Bekaa II (West Bekaa-Rachaya) 1 3 37,22 % Bekaa III (Baalbek-Hermel) 1 5 57,35 % Libanonberg I (Dschbeil) 2 10 582,1 % Libanonberg I (Kesrwan) 5 23 4,6 Libanonberg II (Metn) 4 19 4,844,8 % Libanonberg III (Baabda) 3 12 436,8 % Libanonberg IV (Aley) 2 9 4,527 % Libanonberg IV (Chouf) 3 16 5,3 Nord I (Akkar) 1 6 610,9 % Nord II (Tripolis) 1 5 53,5 % Nord III (Batrun) 2 7 3,568,1 % Nord III (Bischarri) 2 8 4 Nord III (Zgharta) 3 12 4 Süd I (Jezzine) 2 6 330,8 %Minderheiten 1 5 5 Beirut I 1 5 511,8 %Schiiten 27 102 3,8 Beirut II 2 13 6,520,6 % Bekaa I (Zahle) 1 5 516 % Bekaa II (West Bekaa-Rachaya) 1 3 314,7 % Bekaa III (Baalbek-Hermel) 6 27 4.573,3 % Libanonberg I (Dschbeil) 1 5 510,7 % Libanonberg III (Baabda) 2 7 3,525,2 % Süd II (Tyrs) 4 8 281,4 % Süd II (Zahrany) 2 3 1,5 Süd III (Bint Dschbeil) 3 13 4,380,1 % Süd III (Mardsch Uyun-Hasbayya) 2 7 3,5 Süd III (Nabatäa) 3 11 3,7Sunniten 27 154 5,7 Beirut II 6 47 7,862,1 % Bekaa I (Zahle) 1 5 518,7 % Bekaa II (West Bekaa-Rachaya) 2 5 2,548,8 % Bekaa III (Baalbek-Hermel) 2 10 513,3 % Libanonberg IV (Chouf) 2 11 5,518,7 % Nord I (Akkar) 3 18 667,5 % Nord II (Dennieh) 2 13 6,582,91 % Nord II (Minnieh) 1 7 7 Nord II (Tripoli) 5 27 5,4 Süd I (Saida) 2 7 3,544,2 % Süd III (Mardsch Uyun-Hasbayya) 1 4 46,35 %

Kandidatenlisten und Wahlbezirke Die Amtsinhaber sind jeweils fett und kursiv dargestellt.

Beirut I (Ost-Beirut) mini|Wahlbezirk Beirut I Der erste Beiruter Wahlbezirk deckt vier Viertel im Osten der libanesischen Hauptstadt ab: Achrafieh, Saifi, Rmeil und Medawar. Das Gebiet ist überwiegend bewohnt von Christen, von denen Armenisch-Orthodoxe mit einem Anteil von 28,33 % aller Wahlberechtigten die größte Gruppe stellen. 19,2 % sind Griechisch-Orthodoxe, 13,19 % Maroniten, 9,8 % Griechisch-Katholische, 9,76 % Sunniten, 5,57 % Armenisch-Katholische, 3,95 % Syrisch-Katholische, 3 % Römisch-Katholische, 2,88 % Evangelische, 1,99 % Schiiten, 0,37 % Drusen oder Alawiten und 1,97 % sind andere Minderheiten.

In dem Wahlbezirk wurden fünf Kandidatenlisten für die Wahl registriert. Nachdem sich Zukunftsbewegung und Lebanese Forces zerstritten hatten, wurde eine gemeinsame Liste von Free Patriotic Movement, der Armenischen Revolutionären Föderation (Taschnag) und Huntschak aufgestellt („Starkes Beirut I“), unterstützt von der Zukunftsbewegung. Die Zukunftsbewegung selbst verzichtete auf die Aufstellung eigener Kandidaten. Die Lebanese Forces reichten ihren Kandidatenliste gemeinsam mit der Kata’ib, Ramkavars und Michel Pharaon ein. Die von Antoun Sehnaoui unterstützte Liste lief unter dem Titel „Beirut I“. Michelle Tueni reichte gemeinsam mit dem Abgeordneten Serge Torsarkissian von der Zukunftspartei die Liste „Wir sind Beirut“ ein.

Für den Sitz der Minderheiten stellte die Freie Patriotische Bewegung einen syrisch-orthodoxen Kandidaten auf, den früheren Brigadegeneral Antoine Pano, während die Liste Tuenis den unabhängigen römisch-katholischen Kandidaten Rafic Bazerji aufstellte, der einer Familie angehört, die historisch der National-Liberalen Partei nahestand.

ListeArmenisch-Orthodoxe, 3 SitzeMaroniten, 1 SitzGriechisch-Orthodoxe, 1 SitzGriechisch-Katholische, 1 SitzArmenisch-Katholische, 1 SitzMinderheiten, 1 Sitz„Starkes Beirut I“Hakop Terzian(Taschnaq)Alexander Matossian(Taschnag)Sebouh Kalpakian(Huntschak)Massoud Achkar(Union für Libanon)Nicolas ChammasNicolas Sehnaoui(FPM)Serg Gukhadarian(Taschnag)Antoine Pano(FPM)„Beirut I“Carole BabikianAvedis Dakessian(Ramkavar)Elena Cloxian(Ramkavar)Nadim Gemayel(Kata’ib)Emad Wakim(Lebanese Forces)Michel PharaonJean TalouzianRiad Akel(Libanesische Kräfte)„Wir sind All-National“Paula Yacoubian(Saaba)Laury Haytayan(LiBaladi)Levon Telvizian(LiBaladi)Gilbert Doumit(LiBaladi)Ziad Abs(Sah)Lucien Bourjeily(Talaat Ritkm)Yorgui Teyrouz(LiBaladi)Joumana Haddad(LiBaladi)„Wir sind Beirut“Seybou Makhjian Georges SfeirMichelle TueniNajib LianSerge TorsarkissianRafic Bazerji„Loyalität für Beirut“ Rojah ShuiriRobert Obeid Antoune QalaijianGina ChammasACE Project, Ministerium für Inneres und Munizipalitäten

Beirut II (West-Beirut) mini|Wahlbezirk Beirut II Der Wahlbezirk Beirut II umfasst acht Stadtviertel in West-Beirut: Ain El Mreisseh, Bachoura, Mazraa, Minet El Hosn, Moussaitbeh, Port, Ras Beirut und Zuqaq al-Blat. Die Wählerschaft besteht überwiegend aus Sunniten (62,1 %). 20,6 % sind Schiiten, 5 % Griechisch-Orthodoxe, 3,41 % gehören Minderheiten an, 1,86 % sind Maroniten, 1,65 % Armenisch-Orthodoxe, 1,63 % Griechisch-Katholische, 1,55 % Drusen, 1,31 % Juden, 0,81 % Evangelische und 0,03 % Alawiten.

In diesem Wahlbezirk wurden neun Kandidatenlisten registriert. Bei den Wahlen 2009 hatte die Zukunftsbewegung in West-Beirut gewonnen. 2018 trat eine Reihe von Listen an, diese Dominanz über die sunnitische Wählerschaft zu brechen: „Beirut al-Watan“ (eine Allianz von al-Jamaa al-Islamiah und Al-Liwaa-Herausgeber Salah Salam), „Beiruti Opposition“ (von Aschraf Rifi), „Lebnan Herzen“, „We are All Beirut“ und „Dignity of Beirut“ (geführt von dem ehemaligen Richter Khaled Hammoud).

Der frühere Block des 8. März spaltete sich in zwei Listen. Hisbollah, Amal, Al-Habasch und die Freie Patriotische Bewegung bildeten die Liste „Einheit von Beirut“, während Harakat Al-Schaeb und Al-Murabitun die Liste „Stimme des Volkes“ (Sawt al-Nas) aufstellten. Omar Ghandour, Kandidat der Islamischen Aktionsfront, prominenter Geschäftsmann und früherer Präsident des Nejmeh Sporting Club, führte die „Einheit von Beirut“ an. Die SSNP von Ali Haidar stellte einen Kandidaten der Liste „Stimme des Volkes“. Naamat Badruddin, auch auf dieser Liste, war einer der Anführer während der Beiruter Müllproteste 2015.

Unter dem zuvor geltenden Wahlrecht konnte die Zukunftsbewegung in West-Beirut leicht erdrutschartig gewinnen, doch das neue Wahlrecht kostete die Zukunftsbewegung eine Reihe von Mandaten. Neben der gemeinsamen Liste von Hisbollah, Amal, Al-Ahbasch und Freier Patriotischer Bewegung, die sich vor allem die Stimmen der schiitischen Wahlberechtigten holen würde, sind die Hauptkonkurrenten die Liste „Beirut al-Watan“ und die Liste „Lebnan Herzen“ des prominenten Geschäftsmannes Fouad Makhzoumi. Allerdings befinden sich auf der Liste von „Beirut al-Watan“ mehrere Personen, die der Hariri-Familie nahestehen, und Salam bekannte sich dazu, dafür einzutreten, dass Hariri Ministerpräsident des Libanon bleibt.