mini|hochkant=0.90|Stolperstein in Kiew

Die Liste der Stolpersteine in der Ukraine listet die Stolpersteine auf, die in der Ukraine verlegt wurden. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Kölner Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden im Regelfall von ihm selbst verlegt.

Die ersten vier Stolpersteine in der Ukraine wurden 2009 in der Stadt Perejaslaw-Chmelnyzkyj (seit Oktober 2019 Perejaslaw) verlegt, wo mittlerweile neun Stolpersteine an die Opfer des NS-Regimes erinnern.Stadtverwaltung Perejaslaw-Chmelnyzkyj: Stolpersteine - ein Projekt des deutschen Skulpteurs Gunter Demnig, 11. September 2018, (ukrainisch) abgerufen am 1. Oktober 2018. Weitere fünf Verlegungen erfolgten am 26. Juli 2018 in Riwne.radiosvoboda: „Stolpersteine“: Die Namen von fünf Opfern des Nationalsozialismus sind fortan in der Straße von Riwne eingeprägt, 27. Juli 2018 (ukrainisch), abgerufen am 3. Oktober 2018.istpravda.com.ua: Fünf Stolpersteine in den Straßen von Riwne für Nazi-Opfer, 31. Juli 2018 (ukrainisch), abgerufen am 15. Oktober 2018.retrorivne.com.ua: In Riwne werden "Stolpersteine" für die Opfer des Nationalsozialismus verlegt, 24. Juli 2018 (ukrainisch), abgerufen am 15. Oktober 2018Mnemonika: Verlegung von Stolpersteinen in Riwne am 26. Juli, 21. Juli 2018, (mit Kurzbiografien und Fotos), (ukrainisch), abgerufen am 23. Oktober 2018 Als dritte ukrainische Stadt hat sich Czernowitz dem Stolperstein-Projekt angeschlossen. Dazu übergab Gunter Demnig der Stadt im Juli 2018 eine Stolperschwelle.Czernowitz-promin: Czernowitz wird dritte Stadt, die Stolpersteine verlegt, 25. Juli 2018, Video, (ukrainisch), abgerufen am 4. November 2018bukovyna.tv: Czernowitz schließt sich dem Stolperstein-Projekt an, 25. Juli 2018, Video auf Youtube, (ukrainisch), abgerufen am 4. November 2018

Czernowitz

Jüdische Bevölkerung in Czernowitz mini|Vertreibung von Juden aus Czernowitz 1941 Erstmals wurden 1408 Juden in Czernowitz erwähnt. Im 16. und 17. Jahrhundert stieg die Anzahl an Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt an, sie waren meist als Händler tätig. Die jüdische Gemeinschaft hatte einen Rabbiner und einen eigenen gewählten Richter, ihre eigene Rechtsordnung und eine begrenzte Autonomie. Nach 1774 wurden erste repressive Maßnahmen gegenüber der jüdischen Bevölkerung umgesetzt, um so ihre Anzahl zu beschränken. Es wurden unter anderem Ehen verboten und die Verbannung befürwortet, doch die jüdische Gemeinschaft wuchs weiterhin. Ab 1775 war Czernowitz Teil der Habsburgermonarchie. Das Toleranzpatent von 1789 brachte mehr Freiheiten, z. B. das Recht der freien Berufswahl und das Recht, Ackerland zu pachten; die ersten öffentlichen deutsch-jüdischen Schulen in Czernowitz wurden eröffnet. Im Jahre 1808 wurde das Deutsche Gymnasium gegründet und ab 1855 gab es eine zweisprachige Schule, in der hebräisch und deutsch angeboten wurde. Deutsche Kultur und Sprache wurden als fortschrittlich und notwendiges Mittel der Akzeptanz angesehen.

1849 wurde Czernowitz Hauptstadt der Bukowina. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung stieg weiterhin an; vor allem aus Galizien, der rumänischen Moldau und Bessarabien erfolgte die Zuwanderung. So lag der Anteil der jüdischen Bevölkerung 1850 bei knapp 23 % (4678 Menschen von insgesamt 20.467), 1880 waren bereits fast 32 % der in Czernowitz lebenden Menschen jüdischen Glaubens.

Die Filialen der Wiener Banken wurden zumeist von jüdischen Direktoren geleitet, die Handels- und Gewerbekammer, gegründet 1850, von jüdischen Familien geführt. Juden waren tätig als Verwaltungsbeamte, arbeiteten in den staatlichen Schulen, eröffneten mehrere Gewerbeschulen, gründeten eine Früchte- und Warenbörse; Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte waren meist jüdisch, genauso wie Drucker und Handwerker. Nach 1900 waren 90 % der Unternehmer in der Stadt Juden und nach 1910 lebten hier 28.610 Menschen jüdischen Glaubens. Damit war Czernowitz an dritter Stelle (nach Wien und Lemberg) eine der größten jüdischen Gemeinden in der Habsburger Monarchie.

1918 fiel Czernowitz an Rumänien. Die Stadt wurde „rumänisiert“, der Antisemitismus wurde stärker. Juden verloren ihre staatlichen Posten mit der Begründung, dass ihr Rumänisch nicht ausreichend wäre. Deutsch als Sprache der Lehre an der Universität wurde verboten, jüdischen Dozenten wurde gekündigt. Trotzdem lag der Bevölkerungsanteil der jüdischen Bevölkerung 1930 noch bei 37 Prozent (42.592 Juden wurden bei der Volkszählung gezählt).

Als Folge des Hitler-Stalin-Paktes wurde die Stadt 1940 von der Sowjetunion besetzt. Etwa 30.000 Volksdeutsche wurden evakuiert. 5000 Menschen wurden nach Sibirien deportiert, darunter 3000 bis 3500 Juden der bürgerlichen Elite. Am 5. Juli 1941 besetzten deutsche und rumänische Streitkräfte die Stadt. Unmittelbar darauf erreichte das SS-Einsatzkommando 10b Czernowitz. Am 7. Juli 1941 begann die Vernichtung der Juden; der Oberrabbiner Abraham Jakob Mark wurde verhaftet, die Synagoge in Brand gesteckt, Mark und weitere Gefangene wurden erschossen. 600 Juden wurden bis August 1941 ermordet, meist wurden sie am Ufer des Pruths erschossen.

Am 11. Oktober 1941 erfolgte die Einrichtung eines Ghettos, welches sich im ehemaligen jüdischen Viertel der Stadt befand. Etwa 50.000 Menschen mussten in das Ghetto, das Platz für 15.000 bot. Die Deportationen begannen einen Tag später. 28.391 Menschen wurden bis Mitte November 1941 in andere Lager in Transnistrien deportiert. Im Juli 1942 wurden weitere 4500 Menschen und im Oktober 1942 noch einmal 5000 Menschen deportiert.Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 9, C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 399

Der Bürgermeister der Stadt, Traian Popovici, überzeugte den rumänischen Diktator Ion Antonescu davon, dass die Juden für die wirtschaftliche Stabilität für die Stadt von entscheidender Bedeutung wären. 19.689 Juden konnten als „wirtschaftlich notwendige Juden“ mit Sonderausweisen vor der Deportation gerettet werden. Popovici wurde dafür 1969 als Gerechter unter den Völkern geehrt.Yad Vashem: Traian Popovici, abgerufen am 6. November 2018

1944 wurde Czernowitz von der Sowjetarmee besetzt, zu dem Zeitpunkt lebten etwa noch 30 Prozent der ursprünglichen jüdischen Bevölkerung.Gedenkstättenportal zu Orten der Erinnerung: Holocaustdenkmäler in Czernowitz, abgerufen am 6. November 2018

Eine Zählung im Jahr 2005 ergab, dass nur noch etwa 3000 Juden in Czernowitz leben.Lisa Hagen: Jüdisches Leben in Czernowitz in der longue durée, Phil.-Hist. Fakultät der Universität Augsburg. Abgerufen am 6. November 2018Andrei Corbea-Hoisie: Chernivtsi, in: The YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe, abgerufen am 6. November 2018 (englisch)

Stolperschwelle Das Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina in Czernowitz sowie der Stadtrat planten 2017 die Verlegung einer Stolperschwelle. Verlegungsort sollte der Platz des ehemaligen Stadions des jüdischen Sportvereines Makkabi sein. Das Stadion befand sich unweit des Bahnhofs Grădina Publică (heute heißt dieser Bahnhof Tscherniwzi Piwdenna). Ab 1942 war das Stadion eine Sammelstelle, von hier wurden Juden in andere Lager, vor allem nach Transnistrien, deportiert.Digitale Topographie der multikulturellen Bukowina: Makkabi, abgerufen am 7. November 2018 Die Verlegung erfolgte bisher nicht, Gunter Demnig übergab im Juli 2018 die Stolperschwelle an den Bürgermeister Oleksij Kaspruk. Sie trägt folgende Inschrift:Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina: Eine Stolperschwelle für Czernowitz, abgerufen am 7. November 2018Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina: Stolperschwelle, abgerufen am 7. November 2018Foto der Stolperschwelle, abgerufen am 7. November 2018

З ЦЬОГО МІСЦЯ (СТАДІОН ЄВРЕЙСЬКОГО СПОРТИВНОГО ТОВАРИСТВА «МАККАБІ») ВПРОДОВЖ ЧЕРВНЯ 1942 Р. ДО ТРАНСНICTPIЇ БУЛИ ДЕПOPTOВAHI TИCЯЧI ЄBPEЙCЬKИХ ЖИTEЛIB ЧEPHIBЦIB

Übersetzung VON DIESEM ORT (DEM STADION DES JÜDISCHEN SPORTVEREINS «MAKKABI») WURDEN IM JUNI 1942 NACH TRANSNISTRIEN DEPORTIERT TAUSENDE JÜDISCHE BÜRGER CZERNOWITZ'

Kiew Babyn Jar mini|links|Babyn Jar (2004) Babyn Jar (; ) war der Ort, an dem Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD am 29. und 30. September 1941 innerhalb von 48 Stunden mehr als 33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordeten. Es handelte sich um das größte einzelne Massaker an Juden im Zweiten Weltkrieg, für das die Wehrmacht verantwortlich war. Verantwortlicher Oberbefehlshaber war Generalfeldmarschall Walter von Reichenau. Babyn Jar ist eine 2,5 Kilometer lange und bis zu 30 Meter tiefe Schlucht, ein Nebental des einstigen Dneprzuflusses Potschajna. Das Tal lag damals noch außerhalb Kiews, zählt aber heute zum Stadtgebiet.Hartmut Rüß: Kiev/Babij Jar. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Primus, Darmstadt 2003, S. 102. In Kiew lebten bei Kriegsbeginn noch 220.000 Menschen jüdischer Abstammung, die meisten von ihnen konnten sich noch vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Sicherheit bringen. Etwa 50.000 waren zurückgeblieben, überwiegend ältere Männer, Frauen und Kinder.Hamburger Institut für Sozialforschung (Hrsg.): Verbrechen der Wehrmacht: Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944. Hamburg 2002, ISBN 3-930908-74-3, S. 161.

Stolpersteine Die ersten Verlegungen in Kiew betrafen laut Organisatoren zehn Stolpersteine an zehn Anschriften. Davon konnten am 20. Februar 2022 sieben verifiziert und dokumentiert werden. Diese Stolpersteine zählen zum Projekt Один камінь, одне життя | 80 каменів спотикання для Києва [Ein Stein, ein Leben | 80 Stolpersteine für Kiew] anlässlich der 80. Wiederkehr der Massaker von Babyn Jar Ende September 1941.

Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.