Das Kabinett Demirel VI war die 43. Regierung der Türkei, die vom 12. Dezember 1979 bis zum 11. September 1980 durch Ministerpräsident Süleyman Demirel geleitet wurde.
Die Parlamentswahl vom 5. Juni 1977 gewann die Cumhuriyet Halk Partisi (CHP) von Bülent Ecevit mit 41,38 % der Stimmen, verfehlte die absolute Mehrheit aber deutlich. Süleyman Demirels Adalet Partisi (AP) wurde dahinter mit 36,88 % zweitstärkste Kraft. Ecevit konnte 1978 mit Hilfe einiger unabhängiger Abgeordneter eine Regierung bilden. Doch bei Zwischenwahlen erlitt die CHP im Oktober 1979 eine deutliche Niederlage und Ecevit trat zurück. Demirel versuchte daraufhin eine Regierungsbildung und konnte eine Duldung durch die Millî Selamet Partisi von Necmettin Erbakan erreichen. Am 25. November 1979 gewann Demirel die Vertrauensabstimmung.Matthes Buhbe: Türkei. Politik und Zeitgeschichte. (=Band 2, Studien zu Politik und Gesellschaft des Vorderen Orients), Leske + Budrich, Opladen 1996
Inzwischen war das Land in der Krise gerutscht. Es gab ein Handelsbilanzdefizit von rund 5 Milliarden US-Dollar. Die Türkei hatte hohe Auslandsschulden von 20,9 Milliarden US-Dollar, die Inflationsrate stieg auf über 90 %, die Arbeitslosenquote lag bei rund 15 Prozent. In der Politik herrschte durch das Patt zwischen Ecevit und Demirel Stillstand. Zwischen linken und rechten Gruppierungen und Organisationen war es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen gekommen, denen mehrere Tausend Menschen zum Opfer fielen.
Ein Memorandum des Generalstabes vom 27. Dezember 1979 an den Staatspräsidenten ließ Demirel unbeachtet, in der Hoffnung, Neuwahlen gewinnen zu können. Die dafür nötige Auflösung des Parlaments konnte seine Fraktion alleine allerdings nicht veranlassen und musste so praktisch handlungsunfähig im Amt bleiben. Nach dem Ende der Amtszeit des Staatspräsidenten Fahri Korutürk konnte man sich auf keinen Kandidaten einigen, der die notwendige Zweidrittelmehrheit erreichen konnte. So wurden bis September 1980 mehr als 115 Wahlgänge durchgeführt. Demirels Unterstützer Erbakan wetterte inzwischen gegen den Westen und forderte offen eine islamische Republik Türkei. Ecevits Attacken gegen die Regierung Demirel wurden heftiger. Politische Morde waren inzwischen an der Tagesordnung. Am 12. September 1980 putschte sich das Militär an die Macht und setzte am 20. September 1980 eine neue Regierung unter dem ehemaligen Befehlshaber der Marine Bülend Ulusu ein.
Minister + 43. Regierung der Republik Türkei, Große Nationalversammlung der Türkei, abgerufen am 2. Mai 2018 Kabinett Demirel VI – 12. Dezember 1979 bis 11. September 1980 Titel Name Partei Amtszeit Ministerpräsident Süleyman Demirel AP Staatsminister Orhan Eren AP Muhammet Kelleci AP 12. November 1979 – 15. Mai 1980 Ekrem Ceyhun AP Ahmet Karahan AP Metin Musaoğlu AP Köksal Toptan AP Justizminister Ömer Ucuzal AP VerteidigungsministerAhmet İhsan Birincioğlu AP Innenminister Mustafa Gülcügil Orhan Eren AP 12. November 1979 – 21. Juli 1980 4. August 1980 – 12. September 1980 Außenminister Hayrettin Erkmen AP Finanzminister İsmet Sezgin AP Bildungsminister Orhan Cemal Fersoy AP Minister für öffentliche Arbeiten Selahattin Kılıç AP Handelsminister Halil Başol AP Minister für Gesundheit und Sozialhilfe Ali Münif İslamoğlu AP Minister für Zoll und Monopole Ahmet Çakmak AP Minister für Landwirtschaft und Ackerbau Cemal Külahlı AP Verkehrsminister Hüseyin Özalp AP Arbeitsminister Hüseyin Cavit Erdemir AP Minister für soziale Sicherung Sümer Oral AP Minister für Industrie und Technologie Kemal Bayar AP Minister für Kultur Tevfik Koraltan AP Minister für Bau und Siedlungswesen Turgut Toker AP Minister für dörfliche Angelegenheiten und Kooperativen Ahmet Karayiğit AP Minister für Forsten Hasan Ekinci AP Minister für Jugend und Sport Talat Asal AP Minister für Tourismus Barlas Küntay AP Minister für Energie und natürliche Ressourcen Esat Kıratlıoğlu AP
Einzelnachweise
Demirel #06 Kategorie:Politik 1979 Kategorie:Süleyman Demirel