mini|Johann Jakob Jung Johann Jakob Jung (* 19. Februar 1779 in Müsen; † 16. Januar 1847 in Steinbrücken (Dietzhölztal)) war ein deutscher Hüttenmann in Oranien-Nassau. Johann Jakob Jung legte mit seinen unternehmerischen Aktivitäten den Grundstein für den späteren von seinen Nachkommen gegründeten Hessen-Nassauischen Hüttenverein (1883), der nach Buderus zum größten Montanunternehmen im Lahn-Dill-Gebiet zählte.
Leben Die Eltern von Johann Jakob Jung waren Hüttenkommissar Johann Helmann Jung (1734–1809) in Müsen und Marie Christine geb. Meusborn (1741–1814).
Ausbildung Johann Jakob Jung folgte dem Beispiel seines Vaters und seiner drei älteren Brüder Johann Justus (1763–1799), Heinrich Wilhelm (1771–1828) sowie Johann Heinrich (1761–1832) und ergriff einen berg- und hüttenmännischen Beruf. Ab 1798 studierte er an der Philipps-Universität Marburg Metallurgie.Marburger Matrikel 1796–1810, 1798, Nr. 48, Joannes Jacobus Jung. Sein Onkel Johann Heinrich Jung-Stilling (1740–1817) lehrte dort von 1787 bis 1803 als o. Professor Ökonomie, Kameral- und Finanzwissenschaft; 1792 war er Prorektor der Universität.Jung gen. Stilling, Johann Heinrich, in: Professorenkatalog der Philipps-Universität Marburg (Stand: 1. November 2018) Sicherlich hörte Johann Jakob Jung bei seinem Onkel Vorlesungen; denn dieser beschäftigte sich im Rahmen seines Lehrgebiets auch mit den vielfältigen ökonomischen und technologischen Fragen des Stahl- und Eisengewerbes im Siegerland und in Nassau.Johann Heinrich Jung: Geschichte des Nassau-Siegenschen Stahl- und Eisengewerbes, in: Bemerkungen der Kuhrpfälzischen physikalisch-ökonomischen Gesellschaft vom Jahre 1776, Lautern 1779, S. 257–371.
Landesherrschaftlicher Montanbeamter Nach dem Examen war er zunächst Inspektor der Saline in Bad Salzschlirf. Infolge sinkenden Salzgehaltes wurde sie stillgelegt. Im Dienst von Friedrich Karl zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein war Jung anschließend Bergwerksdirektor in Saßmannshausen und Hüttenverwalter in Steinbrücken. Als Bergrat wurde er 1807 zur Leitung der Michelbacher Hütte berufen. Im Tal der mittleren Aar zwischen Aarbergen, Michelbach und Kettenbach hatte er auch die Emmershäuser Hütte und andere Eisenwerke zu überwachen. 1808 trat er schließlich die Nachfolge seines älteren Bruders Johann Heinrich Jung, der als Hofkammerrat an die Rezeptur Runkel überwechselte, als „Hütteninspektor“ der Eibelshäuser Hütte und Neuhütte (im nachmaligen Lahn-Dill-Kreis) sowie der drei Hämmer in Steinbrücken an, womit er im Dillenburger Raum Fuß fasste.Schache 1938, S. 289. Schließlich wurde Johann Jakob Jung 1815 an die Generaldomänendirektion in Wiesbaden versetzt, um von dort das Berg-, Hütten- und Hammerwesen zu leiten.
Unternehmer Johann Jakob Jung nutzte die Möglichkeit zu unternehmerischer Tätigkeit, als die herzoglich nassauische Regierung nach dem Wiener Kongress 1816 begann, die landesherrschaftlichen Hütten- und Hammerwerke privatwirtschaftlich betreiben zu lassen. So schrieb sie seit Februar 1816 die Michelbacher und Emmerhäuser Hütte einschließlich der dortigen Hämmer mehrfach zur Verpachtung aus.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 8 den 24. Februar 1816, S. 77–78, Num. 10. den 9. März 1816, S. 83–84 u. Num. 11. den 16. März 1816. Es folgte im Mai 1816 die Ausschreibung zur Verpachtung der Ebersbacher Hütte (Neuhütte), des Hammers vor dem Teich, des Steinbrücker Zain- und Stabhammers sowie der Eibelshäuser Hütte, die unter der Steinbrücker Hütteninspektion von Johann Jakob Jung standen, und der Haigerschen Hütte mit dem Stabhammer bei Haiger und dem Niederschelder Hammer, die von der Haigerischen Hütteninspektion unter der Leitung von Daniel Kretzmüller verwaltet wurden. Der anvisierte Verpachtungszeitraum betrug 20 Jahre, wobei die Hütten einzeln, die beiden Steinbrücker Hämmer und der Teichhammer jedoch geschlossen abgegeben werden sollten.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 20 den 18. May 1816
Johannes Nassauer von Ebersbach gründete unter Beteiligung von Johann Jakob Jung im August 1816 eine Gewerkschaft (Bergbau) zur Übernahme der Eibelshäuser und Ebersbacher Hütte sowie der beiden Steinbrücker Hämmer sowie des Teichhammers. Nassauer und seine Gewerkschaft konnten sich gegenüber ihrem Mitbewerber Friedrich Karl zu Sayn-Wittengestein Hohenstein (1766–1837) [Verweis auf Wikipedia] durchsetzen. Der Übernahmevertrag kam am 5. August 1816 zustande und die jährliche Pachtsumme betrug 5.030 Gulden.Schache 1938, S. 209. Die Herzoglich Nassauische Rezeptur in Dillenburg versteigerte im Januar 1818 die noch aus der Zeit der Dominalverwaltung befindlichen restlichen Eisenvorräte der Eibelshäuser und Ebersbacher Hütte.Frankfurter Ober Postamts Zeitung No 13. Dienstag, den 13. Januar 1818
J.J. Jung leitete nun als privater Unternehmer das bislang von ihm als landesherrschaftlicher Hütteninspektor geführte Hochofenwerk zu Eibelshausen sowie die Steinbrücker- und den Teichhammer. Er konzentrierte in der Folgezeit seine Arbeit auf die Eibelshäuser Hütte, deren Zustand und Betrieb mehrfach in amtlichen Berichten lobend hervorgehoben wurden:Schache 1938, S. 225: „Dieses Werk darf wohl als ein Muster einer zweckmäßig angelegten, vorzüglich erhaltenen und mit hoher Intelligenz betriebenen Hütte angesehen werden.“Schache 1938, S. 209–210.
Die unter seiner Leitung stehenden Einrichtungen verzeichneten einen unternehmerischen Erfolg, wohingegen die Ebersbacher Hütte (Neuhütte) unter der Aufsicht von Nassauer und der weiteren Gesellschafter erhebliche Mängel aufwies, die das Betriebsergebnis des Gesamtunternehmens negativ belasteten.Schache 1938, S. 290. Die Gewerkschaft löste sich infolge dieser wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder auf. Die Ausschreibung zum Kauf oder zur Verpachtung der Neuhütte bei Straßebersbach erfolgte im Juli 1821 und am 20. August sollte die öffentliche Versteigerung unter der Leitung des zuständigen Schultheißen Wilhelm Christian Speck in Straßebersbach stattfinden. Speck bewarb sich mit seinem Geschäftspartner Carl Groos selbst um diese Hütte und beide erhielten von der Herzoglich Nassauischen Rezeptur in Dillenburg den Zuschlag.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 30. den 28. Juli 1821, S. 430.
Johann Jakob Jung führte schließlich seit 1821 die Eibelshäuser Hütte und den Teichhammer sowie die Stab- und Zainhämmer zu Steinbrücken alleine, womit er den unternehmerischen Grundstein für den späteren Hessen-Nassauischen Hüttenverein legte. Eine öffentliche Ausschreibung scheint es nicht gegeben zu haben, da das Nassauer Intelligenzblatt als offizielles Behördenorgan keine entsprechende Anzeige enthält. J.J. Jung erwarb zusätzliche Gruben auf den ausgedehnten Roteisensteinlagern des Schelder Waldes. Zudem besaß Jung ein Anrecht auf Eisensteinlieferungen aus den Dominalgruben.
Als sein Vertrag 1833 auslief, schrieben die nassauischen Behörden im Oktober desselben Jahres die Eibelshäuser Hütte zur erneuten Verpachtung für eine Laufzeit von zwanzig Jahren aus.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 43. Samstag den 26. October 1833, S. 546. Es folgten im März des darauffolgenden Jahres 1834 zwei weitere öffentliche Bekanntmachungen.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 10. Samstag den 8. März 1834, S. 159 u. Num. 11. Samstag den 15. März 1834. Die überlieferten Quellen enthalten allerdings keine Informationen, warum die Hütte mehrfach zur Verpachtung annonciert wurde. Vielleicht hofften die nassauischen Behörden, den Bewerberkreis durch die wiederholten Ausschreibungen erweitern zu können, um möglichst vorteilhafte Konditionen herausholen zu können. J.J. Jung gelang es schließlich am 24. März 1834, die Hütte und die angeschlossenen Steinbrücker Hämmer erneut für zwanzig Jahre zu pachten.Schache 1938, S. 223. Als der Vertrag Anfang der 1850er Jahre auslief, setzte sich die Familie Jung bei den Neuverpachtung gegen ihre Mitbewerber von der Adolphshütte Frank & Giebler durch. Die Eibelshäuser Hütte und die Steinbrücker Hämmer gingen schließlich 1865 in den vollständigen Besitz der Familie Jung über.
J.J. Jung konnte aufgrund seiner unternehmerischen Fähigkeiten die Eibelshäuser Hütte und Steinbrücker Hämmer erfolgreich durch die konjunkturell wechselhaften Zeiten der 1820er, 30er und 40er Jahre führen. Andere Pächter der vormaligen landesherrlichen Hütten und Hämmer hatten weniger wirtschaftlichen Erfolg. Der Sohn und Nachfolger als Hütteninspektor seines ehemaligen Kollegen und Hütteninspektors zu Haiger Daniel Kretzmüller Carl Kretzmüller, der das Gelände bei der ehemaligen die Eisenhütte bei Burg gepachtet und dort ein Hochofenwerk mit einem Band- und Stabhammer errichtet hatte,Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 37. den 14. September 1816, S. 352 ging bereits 1821 völlig überschuldet in Konkurs und sein Privatvermögen bestehend aus einem dreistöckigen Wohnhaus, einer dreistöckigen Stallung und einer großen Scheune reichte keineswegs zur Deckung der angelaufenen Schulden aus.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 9. den 3. März 1821, S. 228 u. Num. 36 den 8. September 1821
Auch Wilhelm Christian Speck und Carl Groos mussten hoch verschuldet 1845 die Neuhütte wieder aufgeben.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 5. Samstag den 30. Januar 1847, S. 70. Sie wurde im November und nochmals im Dezember des Jahres zur weiteren Verpachtung ausgeschrieben.Herzoglich Nassauisches allgemeines Intelligenzblatt. Num. 48. Samstag den 29. November 1845, S. 780. u. Num. 52. Samstag den 27. Dezember 1845, S. 830. Obwohl J.J. Jung bei der ersten Ausschreibung den Zuschlag von den regionalen Behörden im Dezember des Jahres erhielt, lehnte die übergeordnete Herzogliche General-Domänendirektion eine Übernahme aus bisher nicht bekannten Gründen durch Jung ab. Er ließ sich, trotz dieses Rückschlages, nicht entmutigen, sein Unternehmen um eine weitere Hütte zu erweitern. Johann Jakob Jung plante nun, ein neues Hüttenwerk im noch waldreichen Fürstentum Wittgenstein zu errichten. Nach seinem Ableben im Januar 1847 führte seine Ehefrau Amalie als alleinige Erbin des Jung’schen Unternehmens mit der Unterstützung ihrer Söhne und Schwiegersöhne dieses Vorhaben zielgerichtet zum Erfolg. Das neue Hochofenwerk entstand 1849/50 auf dem Gelände des Niederlaaspher Hammers, den die Familie Jung im Oktober 1847 aus dem Besitz des Fürsten Alexander von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1801–1874) für 4.695 Taler erwerben konnte. Der erste Abstich erfolgte am 16. Februar 1850 in Anwesenheit von Amalie Jung, und ihr zu Ehren erhielt die Hüttenanlage den Namen Amalienhütte, die den vorhandenen Hammer mit Roheisen versorgte.Fessner 2013, S. 221–228. Fessner 2016, S. 47–51.
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