Der Fußball in München hat eine lange Tradition. Es begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts und spielte durchgängig eine wichtige Rolle im deutschen Fußball.
Geschichte mini|250px|Mitglieder von Münchens vermutlich ältestem Fußballverein „Terra Pila“ auf der Theresienwiese in den späten 1890er Jahren 1896 wurde mit dem Verein für Rasensportarten Terra Pila der vermutlich älteste Fußballverein der Stadt gegründet, der drei Jahre später von einem Teil der Mitstreiter zum 1. Münchner FC 1896 umgewandelt wurde. Die Fußballaktivitäten des mittlerweile nicht mehr bestehenden Vereins wurden allerdings bereits 1910 eingestellt. Ein Jahr nach Terra Pila wurde 1897 mit der Fußballabteilung im MTV München von 1879 die älteste noch bestehende Münchner Fußballmannschaft gegründet. Nachdem ein Teil der Fußballmannschaft sich mit dem Hauptverein überworfen hatte, weil dieser es abgelehnt hatte, dem Süddeutschen Fußballverband beizutreten, gründeten die abtrünnigen Spieler mit dem FC Bayern München einen neuen Verein. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg waren diese beiden Fußballmannschaften die großen Konkurrenten in München.Stadtarchiv München (Hrsg.): Fußball in München – Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena. MünchenVerlag 2006, ISBN 3-937090-12-6, S. 10ff
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der MTV immer mehr in die Bedeutungslosigkeit zurück, während dem FC Bayern mit dem FC Wacker und dem TSV 1860 zwei neue Konkurrenten in der Stadt erwuchsen. Dabei genoss der FC Wacker zwischen den beiden Weltkriegen die höchsten Sympathiewerte bei den Münchner Fußballfans.Stadtarchiv München (Hrsg.): Fußball in München – Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena. MünchenVerlag 2006, ISBN 3-937090-12-6, vgl. S. 49, 53, 179 Doch unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg endete die große Zeit der „Blausterne“ und es kristallisierte sich in der bayerischen Landeshauptstadt die Vormachtstellung der „Bayern“ und „Sechziger“ heraus, die etwa bis 1970 anhielt. Mit dem Abstieg der Sechziger am Ende der Saison 1969/70 in die Regionalliga Süd begann der schleichende Niedergang der Sechziger, die nach dem Lizenzentzug von 1982 in die drittklassige Bayernliga abstiegen. Dort trafen sie in der Saison 1982/83 erstmals wieder in Punktspielen auf den FC Wacker. Die Sechziger verbrachten den Rest der 1980er Jahre in der Bayernliga und spielten in der Saison 2017/18, nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga und der Lizenzverweigerung für die 3. Liga, sogar erstmals in der Vereinsgeschichte nur viertklassig in der Regionalliga Bayern. Während der Zeit des schleichenden Niedergangs der Sechziger hat der FC Bayern seine sportliche Vormachtstellung nicht nur in München, sondern längst auch in Deutschland gefestigt.mini|250px|Die Gründungsmannschaft des FC Bayern München (1900)
Trivia So war München über insgesamt 18 Spielzeiten mit zwei Vereinen in der Bundesliga vertreten und somit länger als jede andere Stadt (Hamburg folgt mit sieben gemeinsamen Jahren von HSV und FC St. Pauli mit einigem Abstand auf Platz 2). Was aber noch mehr ins Gewicht fällt: München ist die einzige Stadt, die bereits zwei Bundesliga-Meister stellte. Und 1966, im Meisterjahr der Sechziger, gewann der FC Bayern den DFB-Pokal, so dass die in der Öffentlichkeit so gegensätzlich wahrgenommenen Vereine gemeinsam das erste „Double“ für die Stadt München gewannen.
Geschichte der wichtigsten Münchner Fußballvereine miniatur|Münchner Traditionsderby zwischen FC Wacker and MTV 1879 (2018/19) Erstmals in der Saison 1901/02 wurde eine Münchner Stadtmeisterschaft ausgetragen, die in den ersten Jahren wiederholt vom FC Bayern München gewonnen wurde.Stadtarchiv München (Hrsg.): Fußball in München – Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena. MünchenVerlag 2006, ISBN 3-937090-12-6, S. 24
Mit Beginn der Saison 1904/05 wurde erstmals die Gaumeisterschaft Oberbayern ausgetragen, an der jedoch nur Münchner Vereine teilnahmen und die daher mit der Münchner Stadtmeisterschaft gleichzusetzen war. Das bis zur Saison 1908/09 alljährlich ausgetragene Turnier wurde dreimal vom MTV 1879 und zweimal vom FC Bayern gewonnen.
Durch die in der Saison 1909/10 eingeführte Ostkreis-Meisterschaft trafen die Münchner Vereine in der Staffel Süd erstmals auch auf Vereine anderer Städte im Süden Bayerns, wie in diesem Fall den MTV Augsburg, sowie deren beide beste Vertreter (auch in dieser Spielzeit der FC Bayern und der MTV 1879) in der Endrunde auf die beiden besten Mannschaften der Staffel Nord, den 1. FC Nürnberg und die SpVgg Fürth. In der Endrunde 1909/10 gewann der FC Bayern alle 6 Begegnungen und somit unangefochten die erste Ostkreis-Meisterschaft. In der folgenden Saison 1910/11 spielten alle bayerischen Mannschaften in einem Rundenturnier mit zehn Mannschaften, darunter Münchens vier beste Vereine FC Bayern (der seinen Titel erfolgreich verteidigen konnte), der MTV 1879, der FC Wacker und der TSV 1860. Die folgenden Spielzeiten wurden von den beiden fränkischen Rivalen dominiert, die den Titel des Ostkreismeisters bis zum Ende des Ersten Weltkriegs unter sich aufteilten (die „Kleeblätter“ aus Fürth waren viermal erfolgreich, die „Clubberer“ zweimal), während die Münchner Vereine die einzelnen Spielzeiten beinahe regelmäßig in derselben Reihenfolge abschlossen; das heißt, der MTV 1879 war der größte sportliche Konkurrent des FC Bayern und 1860 nur die Nummer 4. Am Ende der Saison 1912/13 mussten die Sechziger mit der Bilanz von 6–22 Punkten sogar den Abstieg der inzwischen auf acht Teilnehmer reduzierten Eliteliga hinnehmen und der Vorletzte FC Wacker konnte sich mit nur einem mehr erzielten Punkt (7–21) den Klassenerhalt sichern. Kriegsbedingt wurde der Ostkreis ab 1915 wieder in eine Nord- und eine Südstaffel unterteilt und am Saisonende standen sich die jeweiligen Staffelsieger aus dem Norden (Franken) und dem Süden (München) zur Ermittlung des Kreissiegers im Finale gegenüber. In der Saison 1915/16 erzielte 1860 als Sieger der Südstaffel seinen ersten nennenswerten Erfolg, unterlag aber im Ostkreis-Finale ebenso dem Sieger der Nordstaffel (1. FC Nürnberg) wie der FC Bayern in den beiden folgenden Jahren.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann der Aufstieg des FC Wacker, der 1918/19 und 1920/21 Südbayerischer Meister wurde. Mit Beginn der Saison 1919/20 die Kreisliga Südbayern eingeführt, an der vorwiegend Vereine aus München teilnahmen. Diese Liga wurde weitgehend vom FC Bayern (bis Saison 1922/23 als TuSpV Jahn auftretend), dem FC Wacker und 1860 dominiert, während der MTV 1879 bald immer weiter an Bedeutung verlor und nicht an seine Erfolge vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen konnte. Grob klassifiziert, waren Bayern, 1860 und der FC Wacker die drei erfolgreichsten Münchner Vereine zwischen den beiden Weltkriegen. Doch innerhalb des deutschen Vereinsfußballs hinkte der Münchner Fußball lange der Konkurrenz hinterher. Denn bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs (während des Kriegs fielen die Endrundenbegegnungen aus) war es keiner Münchner Mannschaft gelungen, sich für die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft zu qualifizieren.
Dies gelang als erstem Münchner Verein 1922 dem FC Wacker, nachdem dieser (ebenfalls als erster Münchner Verein) im selben Jahr die süddeutsche Fußballmeisterschaft gewonnen hatte. In den Endrundenspielen setzten sich die „Blausterne“ zunächst mit 5:0 gegen Arminia Bielefeld durch, unterlagen dann aber im Halbfinale dem Hamburger SV mit 0:4 beinahe ebenso deutlich. Als nächstem Münchner Verein gelang dem FC Bayern 1926 der Einzug in die Endrundenspiele, wo man jedoch bereits im Achtelfinale gegen Fortuna Leipzig ausschied. 1860 machte es im nächsten Jahr besser und konnte nach Siegen gegen Schalke 04 (3:1) und den VfB Leipzig (3:0) bis ins Halbfinale vorstoßen, wo man allerdings gegen den späteren Meister 1. FC Nürnberg (1:4) chancenlos war.
Ein besonderes Ausrufezeichen setzte der Münchner Fußball 1928, als sowohl der FC Bayern als auch der FC Wacker das Halbfinale erreichten und ein reines Münchner Finale um die deutsche Fußballmeisterschaft in greifbarer Nähe schien. Doch die Bayern wurden vom späteren Meister Hamburger SV (2:8) deklassiert und auch die Blausterne unterlagen, wenn auch nur knapp (1:2), gegen Hertha BSC.
So blieb es 1931 den Sechzigern vorbehalten, als erster Münchner Verein ins Finale um die deutsche Fußballmeisterschaft vorzudringen. Im Finale gegen den Titelverteidiger Hertha BSC waren die „Münchner Löwen“ die bessere Mannschaft und hätten es verdient gehabt, erstmals den Meistertitel nach München zu holen. Allein Schiedsrichter Fissenewerth hatte die Münchner Mannschaft um den Erfolg gebracht. Nahezu die gesamte deutsche Presse bedauerte die unglückliche 2:3-Niederlage der Sechziger und bejubelte München als die eigentliche Fußballhauptstadt Deutschlands.Stadtarchiv München (Hrsg.): Fußball in München – Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena. MünchenVerlag 2006, ISBN 3-937090-12-6, S. 54 Die Geschehnisse der zweiten Halbzeit (zur Pause führten die Löwen mit 2:1) lesen sich in Axel Poldners Vereinsbiografie Mein Club: TSV 1860 München wie folgt: „Sechs Tore – darüber ist man sich im Rund einig –, sechs Tore für die Münchner hätten mindestens schon fallen müssen. Da setzt Mittelstürmer Huber in todsicherer Position zum dritten Tor an. In letzter Sekunde säbelt ihm die Berliner Abwehr die Beine weg. Elfmeter. Keine Frage. Wie das personifizierte Schicksal schreitet Schiedsrichter Fissenewerth zum Ort der Tat. Lachner bereitet sich auf den Elfmeter vor. Da – nein – Breunig (Anm.: der Trainer von 1860) schlägt die Hände vors Gesicht. Das Publikum tobt. Abstoß für Berlin.“ Doch die junge Löwen-Mannschaft zeigt sich wenig beeindruckt und spielt weiter nach vorn, so dass das 3:1 nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Da führen die Berliner einen Gegenstoß. „Dabei stehen zwei der Berliner, Torschütze Lehmann und Sobek, meterweit im Abseits. Die Sportpresse sieht es, die Trainer sehen es, das Publikum sieht es. Schiedsrichter Fissenewerth sieht es nicht. Und das ist entscheidend. Auch die Meinung des Linienrichters, der wie besessen immer wieder die Fahne schwenkt, kümmert den Mann im schwarzen Trikot nicht. Tor. 2:2. Als ob ihnen selbst nicht ganz wohl wäre, laufen die Berliner in die eigene Hälfte zurück. Das Publikum ist fassungslos. Das war doch Abseits. Ganz klar! … Zwanzig Sekunden vor Schluß bringt Schiedsrichter Fissenewerth das Faß schier zum Überlaufen. Er erkennt ein weiteres klares und unzweideutiges Abseitstor an. Die wütenden Proteste der Zuschauer verfolgen ihn in die Kabine.“Axel Poldner: TSV 1860 München, Goldmann Verlag, München 1977, ISBN 3-442-10585-4, S. 39ff Nach dieser bitteren Niederlage blieb es ein Jahr später dem FC Bayern vorbehalten, durch einen 2:0-Finalsieg gegen Eintracht Frankfurt als erster Münchner Verein die deutsche Fußballmeisterschaft an die Isar zu holen.