mini|Das von Emil Rösler entworfene Warenhaus Julius Tietz dient seit 12. Dezember 2016 als Landratsamt. Der Vogtlandkreis ist ein Landkreis im Südwesten des Freistaats Sachsen. Kreisstadt ist die bis 2008 kreisfreie Stadt Plauen. Der Kreisname geht auf die zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert das Gebiet beherrschenden Vögte von Weida zurück.
Das historische Vogtland ist nicht deckungsgleich mit dem Kreis, sondern liegt in Sachsen, Thüringen und zu kleineren Teilen in Bayern und Böhmen. Vielmehr steht der Kreis mit Blick auf seine territoriale Ausdehnung in Tradition des Vogtländischen Kreises aus kursächsischer bzw. königlich-sächsischer Zeit. Der Vogtlandkreis ist der älteste Landkreis im Freistaat Sachsen.
Geographie Der Vogtlandkreis liegt im sächsischen Vogtland. Mit seinem südlichen Teil ist das Gebiet des Kreises Bestandteil des Naturparks Erzgebirge/Vogtland. Dort befinden sich der südwestliche Ausläufer des Erzgebirges (Westerzgebirge) und das Elstergebirge. Es ist daher durch eine Mittelgebirgslandschaft geprägt, die sich nach Westen und Norden hin abflacht. Die wichtigsten Flüsse sind die Zwickauer Mulde, die Weiße Elster und die Göltzsch. Der höchste Berg ist der Schneehübel. In Erlbach endet das Erzgebirge mit dem Hohen Stein.
Der Vogtlandkreis ist der südlichste Kreis Sachsens, und mit Schönberg am Kapellenberg in Bad Brambach liegt in ihm auch der ehemals südlichste Zipfel der DDR.
Nachbarkreise
Geschichte Der Kreisname geht auf die Vögte von Weida zurück, die die Geschichte des Vogtlandes über Jahrhunderte prägten. Sie hatten ihre Stammburg im heute thüringischen Weida. Ursprünglich von Friedrich I. Barbarossa als Verwalter für die damals östlichen Reichsgebiete eingesetzt, wurden sie später zu Territorialherrschern. Eine Nebenlinie der Vögte, die aus den Vögten von Plauen hervorgegangenen Reußen, waren mit zwei teilsouveränen Bundesstaaten sogar bis 1918 im Deutschen Kaiserreich als Herrscher vertreten. Heute ist der sächsische Teil des historischen Vogtlandes, und damit weniger als die Hälfte des gesamten Gebietes, im Vogtlandkreis organisiert. Weitere Teile liegen im Kreis Eger in Böhmen, im bayerischen Landkreis Hof und insbesondere im thüringischen Landkreis Greiz sowie im Saale-Orla-Kreis. Größte Stadt des Vogtlandes ist auch nicht die Kreisstadt Plauen, sondern Gera in Thüringen. Auch der Löwe im Kreiswappen geht auf die Vögte zurück.
mini|links|hochkant=0.7|„Herzlich Willkommen im Vogtlandkreis“
Der heutige Vogtlandkreis ist nicht deckungsgleich mit dem Vogtland, auch wenn die Begriffe oftmals synonym verwendet werden. Er entspricht bis auf kleinere Abweichungen dem Gebiet des chursächsischen Vogtländischen Kreises. Ein kleiner Teil im Nordosten, im Wesentlichen Neumark, gehörte zum Erzgebirgischen Kreis.
Der heutige Vogtlandkreis entstand am 1. Januar 1996 durch Zusammenlegung der Landkreise Auerbach, Klingenthal, Oelsnitz, Reichenbach und Plauen.
Die Bildung eines Vogtlandkreises mit dem Sitz der Kreisverwaltung in der nicht zum Vogtlandkreis gehörenden kreisfreien Stadt Plauen war bereits im ursprünglichen Gesetzentwurf der sächsischen Staatsregierung vom 29. Juni 1992 vorgesehen. Sie sollte durch die Zusammenlegung der genannten Landkreise erfolgen.
Auf Grund intensiver Einflussnahme des Auerbacher CDU-Kreisverbands und des dortigen Landrats Winfried Eichler, die auf Bildung von zwei Kreisen bestanden, wurde in Dresden festgelegt, dass die wirtschaftlich schwächere Kreisstadt Auerbach Sitz des Landkreises werden sollte. Inzwischen hatte sich Plauen aber überraschend mit der Zweikreis-Variante angefreundet.
Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens wurde nun die Bildung von zwei Kreisen, dem Elstertalkreis mit Sitz in Plauen (Landkreise Plauen Land und Oelsnitz sowie Teile des Landkreises Klingenthal) und dem Göltzschtalkreis mit Sitz in Auerbach (Landkreise Auerbach, Reichenbach sowie andere Teile des Landkreises Klingenthal) favorisiert. Diese Variante wurde auch mit dem Kreisgebietsreformgesetz vom 24. Juni 1993 beschlossen.
Gegen diese Regelung legte jedoch der Kreistag des damaligen Landkreises Reichenbach auf Bestreben einer Bürgerinitiative um den fraktionslosen Kreisrat Volker Liskowsky Verfassungsbeschwerde beim Sächsischen Verfassungsgerichtshof ein, der die Nichtigkeit dieses Beschlusses feststellte.Zur verzögerten Kreisgebietsreform im Vogtland siehe umfassend: , Kapitel Kreisgebietsreform in Sachsen: Die verfassungswidrige Neugliederung des Vogtlandes, S. 65–107.
Mit dem 2. Kreisgebietsänderungsgesetz vom 6. September 1995 wurde die Bildung des Vogtlandkreises zum 1. Januar 1996 beschlossen. Die Kreisverwaltung des Vogtlandkreises hatte ihren Sitz im kreisfreien Plauen, also außerhalb des eigentlichen Kreisgebietes.
Am 1. August 2008 erfolgte im Zuge der Kreisreform Sachsen 2008 die Vergrößerung des Vogtlandkreises durch Eingliederung der bis dahin kreisfreien Stadt Plauen. Die damit verbundene Aberkennung des Status als kreisfreie Stadt erfolgte gegen massiven Plauener Widerstand. Der Landkreis hat eine Fläche von 1412 km².
Bevölkerung Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerzahl des Vogtlandkreises seit 1996. In türkis sind die Einwohner der Vorgängerlandkreise markiert, die in der genannten Veröffentlichung des Statistischen Landesamtes bereits unter der Zeile Vogtlandkreis aufgeführt wurden. Die Daten der Jahre 1990 bis 1995 (Vorgängerlandkreise) und 1996 bis 2007 (Vogtlandkreis ohne Plauen) beinhalten zudem die Bevölkerung der damals kreisfreien Stadt Plauen.
Politik Kreistag Der Kreistag des Vogtlandkreises wurde bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 gewählt. Die 86 Sitze im Kreistag verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:
+bisherige Kreistagswahlen zum Kreistag des VogtlandkreisesParteien und Wählergemeinschaften2024201920142008in %Sitze in % Sitze in % Sitze in % Sitze AfD Alternative für Deutschland28,325 19,1 17 6,2 5 – – CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands27,424 30,4 27 37,8 33 37,1 33BSWBündnis Sahra Wagenknecht13,211–––––– FWV Freie Wähler Vogtland e. V.8,57 8,2 7 6,1 5 6,7 6 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands7,26 10,0 9 15,8 14 14,2 12 FDP Freie Demokratische Partei5,24 9,8 8 6,7 6 9,8 8 Linke Die Linke4,24 12,4 11 15,8 14 20,4 18 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen2,52 6,2 5 4,0 3 3,1 2Neue Perspektive Vogtland2,12––––––FSFreie Sachsen1,41–––––– DSU Deutsche Soziale Union–– 2,2 1 3,4 3 5,1 4 III. Weg Der III. Weg–– 1,7 1 – – – – NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands–– – – 3,6 3 3,6 3 Bürgerinitiative BITex– – 0,4 – – – ––Mühlentalfreunde––0,2–––––Gesamt10086 100 86 100 86 100 86Wahlbeteiligung65,6 %60,5 %47,8 %42,5 %
Landrat <div class="float-right" style="text-align:right; margin-left:5px">
</div class="float-right" style="text-align:right; margin-left:5px"> Bei der Landratswahl am 7. Juni 2015 setzte sich Rolf Keil (CDU) mit 56,9 % der Stimmen im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerber durch. Zuvor war seit der Bildung des Vogtlandkreises, also auch schon vor der Kreisgebietsreform 2008, Tassilo Lenk Landrat des zuvor bestehenden Landkreises ohne Plauen. Lenk wurde deshalb als „ewiger Landrat“ bezeichnet.
2022 wurde Thomas Hennig im zweiten Wahlgang zum Nachfolger Rolf Keils gewählt.
+Historische LandratswahlergebnisseBewerber fett: AmtsinhaberVorschlagStimmenAnteil in %gewähltStimmenAnteil in %gewählterster Wahlgangzweiter Wahlgang [Anm. 1]12. Juni 2022 Wahlbeteiligung: 42,7 %3. Juli 2022Freie Presse vom 14. Juni 2022. "Auerbacher Zeitung" S. 11. Autor: Nicole Jähn. Titel: "Wahlniederlage: Vize-Landrat Drechsel zieht zurück""Freie Presse" vom 18. Juni 2022. Autor: von unseren Redaktionen. S. 1. Titel: "Landratswahl: Die Kandidaten stehen fest" Wahlbeteiligung: 32,5 %Thomas HennigCDU32.78142,0keiner: 2. Wahlgang nötig37.81463,4×Roberto RinkAfD/DSU18.32023,415.75926,4Janina PfauDie Linke7.5379,66.09710,2Thomas FiedlerSPD6.9818,9nicht angetretenUwe DrechselDrechsel12.50716,0nicht angetreten7. Juni 2015 Wahlbeteiligung: 34,6 %Rolf KeilCDU37.91956,5×Michael SchieboldDie Linke14.66321,9Gunnar GemeinhardtGemeinhardt14.44921,68. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 42,5 %Tassilo LenkCDU59.06965,8×Monika RungeDie Linke17.87719,9Lutz KätzelSPD12.77414,227. Oktober 2002 Wahlbeteiligung: 32,0 %Tassilo LenkCDU42.35280,3×Hans-Günther LangeSPD5.1739,8Jürgen JahnPDS5.1889,83. Dezember 1995Tassilo LenkCDU?52,0×?SPD?19,2?PDS?15,6?DSU?7,6?F.D.P.?5,612. und 26. Juni 1994Elstertalkreis: Tassilo Lenk (CDU) mit 67,2 %[Anm. 2]Göltzschtalkreis: Winfried Eichler (CDU) mit 51,5 %[Anm. 2] [Anm. 1] Ein zweiter Wahlgang wird nötig, wenn kein Kandidat aus dem ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt hat und damit direkt gewählt ist. Im zweiten Wahlgang ist die relative Mehrheit für die Wahl zum Landrat ausreichend. Bewerber, die im ersten Wahlgang antreten, können vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidaturen zurückziehen. Ein zweiter Wahlgang wurde bisher 2022 nötig.
[Anm. 2] Aufgrund eines Gerichtsurteils sind Elster- und Göltzschtalkreis nie gegründet worden. Die Wahlergebnisse sind deshalb nichtig.
Bundes- und Landesebene Von 630 Abgeordneten des Deutschen Bundestages kommt einer aus dem Vogtlandkreis: +Mitglieder des Bundestags aus dem VogtlandkreisWahlkreis/ListenplatzMandatarParteiseitBundestagswahlkreis Vogtlandkreis (43,3 %)Mathias WeiserAfD2025 Im Sächsischen Landtag sind sechs von 120 Abgeordneten aus dem Vogtlandkreis. Bis zur Landtagswahl 2019 gab es im Kreis vier Wahlkreise. +Mitglieder des Landtags aus dem VogtlandkreisWahlkreis/ListenplatzMandatarParteiseitWahlkreis Vogtland 1 (38,4 %)Jörg SchmidtCDU2024Wahlkreis Vogtland 2 (41,1 %)Sören VoigtCDU2014Wahlkreis Vogtland 3 (36,2 %)René StandkeAfD2024SPD-Listenplatz 5Juliane PfeilSPD2021 (2014–2019)BSW-Listenplatz 9Janina PfauBSW2024 (2014–2019)CDU-Listenplatz 27Andreas HeinzCDU1991 Wappen
Wirtschaft und Tourismus mini|Göltzschtalbrücke als Wahrzeichen für das sächsische Vogtland
Die Göltzschtalbrücke zwischen Mylau und Netzschkau ist die größte Ziegelstein-Brücke der Welt. Das so genannte „Achte Weltwunder“ gilt als Wahrzeichen des Vogtlands.
Neben dem Bäderwesen in den Kurorten Bad Elster und Bad Brambach spielen in einigen anderen Orten der Musikinstrumentenbau im so genannten Musikwinkel sowie der Wintersport in den höheren Lagen eine wichtige Rolle. Im Raum Plauen ist auch die Textilindustrie (Plauener Spitze), der Druckmaschinenbau und die Fahrzeugindustrie (Autobusse) von Bedeutung.
Im Jahr 2009 wurde der Vogtlandkreis als „Kommune des Jahres“ im Wettbewerb Großer Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Vogtlandkreis Platz 342 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“. Im Zukunftsatlas 2019 erhält der Landkreis mit Rang 322 eine deutlich bessere Position, ihm werden nur noch „leichte Zukunftsrisiken“ attestiert.
In der ZDF „Die große Deutschland Studie 2018“ belegte der Vogtlandkreis Platz 97 von 401 Landkreisen und Städten in Deutschland.
Gesundheitswesen mini|Bad Elster ist die Stadt mit den meisten Rehakliniken in Sachsen Im Vogtlandkreis befinden sich 13 Krankenhäuser, darunter ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung und eine Fachklinik. Der Vogtlandkreis versucht mit dem Programm „Ärzte fürs Vogtland“ Ärzte in die Region zu locken. Krankenhaus der Schwerpunktversorgung Helios Vogtland-Klinikum Plauen GmbH Krankenhäuser der Regelversorgung Klinikum Obergöltzsch Rodewisch mit Brustzentrum Paracelsus-Klinik Adorf/Schöneck Fachkliniken Sächsisches Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch Krankenhaus Bethanien Plauen Reha-Kliniken Celenus Deutsche Klinik für Integrative Medizin und Naturheilverfahren Bad Elster Vogtland-Klinik Bad Elster Paracelsus-Klinik Am Schillergarten Bad Elster für Onkologie, Gynäkologie sowie Orthopädie Mediclin Klinik am Brunnenberg Bad Elster für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Orthopädie und Rheumatologie