mini|250px|Rettenbach am Auerberg mit Weichberg (967 m) mini|Kapelle und Sender auf dem Weichberg (967 m) mini|Rettenbach a. A. und Frankau von Norden mit Auerberg und Tannheimer Berge Rettenbach am Auerberg (amtlich: Rettenbach a.Auerberg) ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Stötten am Auerberg. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie Es gibt nur die Gemarkung Rettenbach a.Auerberg. Der Auerberg selbst gehört nicht zum Gemeindegebiet von Rettenbach, sondern zu Bernbeuren und Stötten a.Auerberg. Die höchste Erhebung in Rettenbach ist mit 967 Metern die Kappelhöhe bei Weichberg. Auf der Kappelhöhe befindet sich neben einer Kapelle ein Fernmeldeturm.

Die Gemeinde hat sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Birkenberg (Einöde) Frankau (Dorf) Oberlöchlers (Weiler) Rettenbach am Auerberg (Kirchdorf) Unterlöchlers (Weiler) Weichberg (Einöde)

Daneben bestehen die Einödhöfe Höllbauer und Rupprechts, die jedoch beide keine amtlich benannten Gemeindeteile sind.

Geschichte

Bis zur Gemeindegründung Rettenbach wurde um 1100 erstmals urkundlich erwähnt. Ulrich von Frechenried schenkte dem Kloster Ottobeuren 1167 das ganze Dorf und zahlreiche Güter um Rettenbach. Daraus entstand die Herrschaft Rettenbach. Sie blieb bis 1280 im Besitz des Klosters.

Um 1228 wurde die vom Kloster Ottobeuren gegründete Kirche St. Vitus erstmals erwähnt. Ein spätgotischer Neubau erfolgte 1500, und am 9. November 1508 wurde sie mit drei Altären vom Augsburger Weihbischof Heinrich von Adranyt geweiht. Im Jahr 1650 wurde der Bau nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg wieder instand gesetzt und 1685 mit neuer Ausstattung erweitert.Dehio-Handbuch: Bayern III. Schwaben. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 2008, ISBN 978-3-422-03116-6, S. 232–233.

Das Hochstift Augsburg erwarb 1453 die Gerichtsbarkeit und alle Herrschaftsrechte des Dorfes Rettenbach. Der Ort kam im Jahr 1803 durch die Säkularisation an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Rettenbach.

Eingemeindung und erneute Selbständigkeit Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 Rettenbach nach Stötten am Auerberg eingemeindet. Nach zähen Auseinandersetzungen ist Rettenbach seit dem 1. Januar 1994 wieder selbstständig.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994 Seitdem besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit Stötten.

Im Jahre 2007 beauftragte der damalige 2. Bürgermeister Reiner Friedl den Südtiroler Komponisten Gottfried Veit, über diese politische Situation ein Lied zu komponieren. Die verschiedenen dargestellten Themen sind:

Motiv der Freiheit der ungetrübte Alltag die Zwangseingliederung zu Stötten Depression macht sich im Dorf breit. Erinnerungen an glückliche Tage Gedanken an die Freiheit die russische Zuwanderung der Kampf um die Selbständigkeit Freudenglocken (symbolisieren die Kirchenglocken, die am Tag der wiedergewonnenen Selbstständigkeit durch den Beschluss des Landtags, 6. Oktober 1993, stundenlang im Dorf läuteten) Hymnus der Freiheit (Hauptthema). Das Freiheitsthema wurde auch am Eingang zur Weichberghalle (oberhalb des Weichbergmarktes) an die Wand gemalt, als Symbol der wiedergewonnenen Selbstständigkeit.

Einwohnerentwicklung Die Gemeinde wuchs zwischen 1995 und 2015 um 52 Einwohner bzw. ca. 7 %. Bevölkerungsentwicklung Jahr 1995 2000 2005 2008 2010 2012 20152016 2018 2020 Einwohner 775 732 766 792 810 805 827845 896 922

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Reiner Friedl (Dorfgemeinschaft); dieser wurde am 15. März 2020 mit 88,4 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Gemeinderat Für die Wahl am 15. März 2020 lag nur der Wahlvorschlag der Dorfgemeinschaft Rettenbach mit 16 Bewerbern vor. Die 8 Bewerber dieser Wählergruppe mit den höchsten Stimmenzahlen bilden für Mai 2020 bis April 2026 zusammen mit dem Ersten Bürgermeister den Gemeinderat. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,10 %.

Wappen

mini|Pfarrkirche St. Vitus

Baudenkmäler

Pfarrkirche St. Vitus

Wirtschaft Die Wirtschaft von Rettenbach ist einerseits landwirtschaftlich geprägt; andererseits haben hier auch mehrere mittelständische Gewerbebetriebe (Maschinenbau) ihren Sitz, etwa der Forstmaschinenhersteller Pfanzelt Maschinenbau oder der Kommunalmaschinenhersteller Kugelmann. Rettenbach besitzt die deutschlandweit erste SB-Tankstelle für reines Pflanzenöl.

Zur Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe wurde ein neuer Dorfladen, der „Weichbergmarkt“, gebaut und am 14. Juni 2007 feierlich eröffnet. Auch belegte Rettenbach jeweils in der Saison 2003/04, 2004/05, sowie 2006/07 und 2007/08 den ersten Platz in der Solarbundesliga, in der sich Gemeinden in der installierten Photovoltaik- und Solarthermieleistung messen.

Im Jahr 2022 erzielte Rettenbach Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 250 % zählt die Gemeinde zu den steuerlich attraktivsten Standorten Deutschlands. So ist Rettenbach steuerlich deutlich günstiger als die Landeshauptstadt München (Gewerbesteuerhebesatz 490 %). Im Landkreis Ostallgäu sind Rettenbach und Untrasried die Gemeinden mit dem niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz von jeweils 250 %.

Persönlichkeiten Anton Geiß (1858–1944), Politiker (SPD), Staatspräsident des Freistaates Baden 1918–1920

Weblinks

Rettenbach am Auerberg Bilder vom Weichberg und der Kappelhöhe (PDF; 1,05 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Ostallgäu Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemeindegründung 1994 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)