Das Kabinett Çiller II war die 52. Regierung der Türkei, die vom 30. Oktober 1995 bis zum 6. März 1996 durch Ministerpräsidentin Tansu Çiller geleitet wurde.
Die Wahl im Oktober 1991 hatte die Doğru Yol Partisi (DYP) unter Süleyman Demirel gewonnen. Die DYP ging mit der Sosyaldemokrat Halkçı Parti (SHP) eine Koalition ein und DYP-Parteivorsitzender Süleyman Demirel wurde neuer Ministerpräsident. Am 16. Mai 1993 wurde Süleyman Demirel zum Nachfolger des plötzlich verstorbenen Staatspräsidenten Turgut Özal gewählt. Am 13. Juni 1993 wählte die DYP Tansu Çiller zu neuen Parteivorsitzenden und am 25. Juni wählte sie die Koalition zur neuen Ministerpräsidentin des Landes.
1992 wurde die nach dem Militärputsch 1980 verbotene Cumhuriyet Halk Partisi (CHP) wiedergegründet und Deniz Baykal zum Vorsitzenden gewählt. In der Folge schlossen sich mehrere SHP-Abgeordnete unter Baykals Führung zu einer eigenen Parlamentsgruppe zusammen. Am 18. Februar 1995 wurde die SHP schließlich aufgelöst und die Mitglieder traten zur CHP über. Baykal stellte zur Fortsetzung der Koalition harte Forderungen an die DYP. Als er sich im aufgrund einer Wirtschaftskrise eskalierenden Tarifkonflikt an die Seite der Gewerkschaften stellte, platzte die Regierung. Die CHP kündigte ihren Rückzug aus der Koalition an und Çiller reichte am 20. September 1995 ihren Rücktritt ein. Demirel beauftragte Çiller erneut mit der Regierungsbildung. Die regierende DYP setzte eine Übergangsregierung ein und verhandelte mit der MHP von Alparslan Türkeş und der Demokratik Sol Parti (DSP) für ein Minderheitskabinett, doch die Vertrauensabstimmung am 15. Oktober 1995 ging verloren. Für den Dezember wurden vorzeitige Neuwahlen angesetzt.Matthes Buhbe: Türkei. Politik und Zeitgeschichte. (= Band 2, Studien zu Politik und Gesellschaft des Vorderen Orients), Leske + Budrich, Opladen 1996, S. 147–157
Baykal erklärte sich daraufhin bereit, mit seiner CHP für eine Übergangsregierung zur Verfügung zu stehen. Die Wahl vom 24. Dezember 1995 gewann die islamische Refah Partisi (RP). Çillers DYP wurde hinter der Anavatan Partisi (ANAP) nur drittstärkste Kraft. Da sich die anschließende Regierungsbildung schwierig gestaltete, blieb die Übergangsregierung bis 6. März des folgenden Jahres im Amt.
Minister + 52. Regierung der Republik Türkei, Große Nationalversammlung der Türkei, abgerufen am 28. April 2018 Kabinett Çiller III – 30. Oktober 1995 bis zum 6. März 1996 Titel Name Partei Amtszeit Ministerpräsidentin Tansu Çiller DYP Stellvertretender Ministerpräsident Außenminister Deniz Baykal CHP Staatsminister Necmettin Cevheri DYP Cavit Çağlar DYP Abdülkadir Ateş CHP Aykon Doğan DYP Ali Dinçer CHP Ayvaz Gökdemir DYP Ali Münif İslamoğlu DYP Adnan Ekmen CHP Coşkun Kırca DYP 30. Oktober 1995 – 6. Februar 1996 Ömer Barutçu DYP Mehmet Sevigen CHP Işılay Saygın DYP 30. Oktober 1995 – 23. Februar 1996 Mehmet Alp CHP Selim Ensarioğlu DYP Bekir Sami Daçe DYP 31. Oktober 1995 – 29. November 1995 Justizminister Bekir Sami DaçeFiruz Çilingiroğlu DYPparteilos 30. Oktober 1995 – 31. November 199531. Oktober 1995 – 6. März 1996VerteidigungsministerVefa Tanır DYP Innenminister Nahit Menteşe Teoman Ünüsan DYPparteilos 30. Oktober 1995 – 31. Oktober 199531. Oktober 1995 – 6. März 1996 Finanzminister İsmet Atilla DYP Bildungsminister Turhan Tayan DYP Minister für öffentliche Arbeiten und Siedlungswesen Adnan Keskin CHP Minister für Gesundheit und Sozialhilfe Doğan Baran DYP Verkehrsminister Ali Şevki ErekOğuz Tezmen DYP parteilos 30. Oktober 1995 – 31. Oktober 199531. Oktober 1995 – 6. März 1996 Minister für Arbeit und soziale Sicherheit Mustafa Kul CHP Minister für Industrie und Handel Fuat Çay CHP Minister für Kultur Fikri Sağlar CHP Minister für Tourismus İrfan Gürpınar DYP Minister für Energie und natürliche Ressourcen Şinasi Altınel DYP Minister für Landwirtschaft und dörfliche Angelegenheiten Nafiz Kurt DYP Minister für Forsten Hasan Ekinci DYP Umweltminister Ahmet Hamdi Üçpınarlar Işılay Saygın DYP 30. Oktober 1995 – 7. Februar 199623. Februar 1996 – 6. Februar 1996
Einzelnachweise
Ciller #03 Kategorie:Politik 1995