HMS Calcutta (D82) war ein Leichter Kreuzer der C-Klasse der Royal Navy und das dritte Schiff dieser Klasse, das bei Vickers in Barrow gefertigt wurde. Das Schiff gehörte zu der fünf Schiffe umfassenden Carlisle-Unterklasse. Das 1916 bestellte Schiff wurde – wie alle dieser Untergruppe – erst nach Kriegsschluss einsatzbereit. Als, nach zwei Versuchsumbauten, die Royal Navy sich zum Umbau aller Schiffe der Klasse zu Flugabwehrkreuzern entschied, wurde die Calcutta ab 1938 als zweites Schiff umgebaut und kam im Juli 1939 noch vor Ausbruch des Weltkriegs als vierter Flakkreuzer der Klasse wieder in Dienst. Nach Einsätzen vor Norwegen, Dünkirchen und seit Mitte 1940 im Mittelmeer wurde der Kreuzer am 1. Juni 1941 von der deutschen Luftwaffe versenkt.

Geschichte der Calcutta Der im April 1916 bewilligte Kreuzer Calcutta war das fünfte Schiff in der Geschichte der britischen Marine, das nach der indischen Stadt benannt wurde. Calcutta entstand unter der Baunummer 497, wurde am 18. Oktober 1917 auf Kiel gelegt und lief am 9. Juli 1918 vom Stapel. Die Indienststellung erfolgte schließlich am 28. August 1919.Conway's All the World's Fighting Ships: 1906–1921, S. 61

Technische Details und Modifikationen Die Calcutta war 137,56 m über alles lang und 13,33 m breit, der mittlere Tiefgang lag bei 4,27 m.Friedman: British Cruisers, S. 387 Sechs ölbefeuerte Yarrow-Kessel vom 3-Trommel-Typ sowie zwei Parsons-Getriebeturbinen ermöglichten dem Kreuzer bei einer Maschinenleistung von 40.000 WPS, eine Höchstgeschwindigkeit über 29 kn (knapp 55 km/h). Bei den Testfahrten 1917 wurden 40.240 PS gemessen und damit 28,07 kn erzielt. Der Treibstoffvorrat betrug ursprünglich maximal 950 Tonnen Öl; die Seeausdauer der Calcutta betrug bis zu 5900 Seemeilen bei 10 kn Marschfahrt. Bewaffnet war der Leichte Kreuzer mit fünf 152-mm-L/45-Mk.XII-Kanonen, zwei 76-mm-L/45-Mk.I-Mehrzweckgeschützen, vier 3-pdr-(47-mm)-Hotchkiss-Geschützen sowie zwei 40-mm-L/39-(2pdr)-„pompom“-Flak zur Abwehr feindlicher Flugzeuge. Dazu kamen noch vier 533-mm-Torpedorohr-Zwillingsätze, die versetzt an den Schiffsseiten aufgestellt wurden.Conway's All the World's Fighting Ships: 1906–1921. S. 60f.

Nachdem die Royal Navy sich nach zwei Versuchs-Umbauten mit einer zehn einzelne (auch) für die Flugzeugabwehr geeignete 102-mm-Geschütze umfassenden Hauptbewaffnung entschieden hatte, alle der mittlerweile als veraltet angesehenen Leichten Kreuzer der C-Klasse zu Flugabwehrkreuzern umzurüsten, gehörte die Calcutta zum ersten Umbau-Los. Allerdings wurde die Hauptbewaffnung auf den Einbau von vier moderneren 102-mm-Doppellafetten Mk.XVI verändert und es wurden stärkere Eingriffe in die Struktur der Aufbauten vorgenommen. 1938 begann der Umbau mit den Schwesterschiffen Cairo und Calcutta, die auf den Marinewerften in Portsmouth bzw. Chatham umgebaut wurden.

Einsätze Am 2. Juli 1919 kam HMS Calcutta erstmals für Versuche der Bauwerft mit der Navy in Dienst und verlegte nach Portsmouth. Die endgültige Abnahme erfolgte vor Greenock am Clyde. Am 24. August wurde der Kreuzer als Flaggschiff für die auf der North America and West Indies Station stationierte 8th Light Cruiser Squadronin Dienst gestellt. Am 28. verließ der Kreuzer Portsmouth und lief über Devonport bis zum 9. Oktober 1919 zu seiner neuen Station Bermuda. Der Dienst dort bestand aus Besuchen in US-amerikanischen Häfen und Häfen um die Karibik. mini|links|Die aufgelaufene Raleigh. Dazu kamen Verbandsübungen auch vor der kanadischen Küste und größere Besuche in kanadischen Häfen. Im August 1922 unterstützte der Kreuzer das im Nebel bei L’Anse Amour in der Belle-Isle-Straße aufgelaufene Flaggschiff Raleigh, das nicht abgebracht werden konnte. Am 21. Oktober 1926 wurde die Calcutta bei einem schweren Unwetter in Bermuda gegen den Kai und an die Küste gedrückt und erheblich beschädigt. Nach einer behelfsmäßigen Reparatur verließ er im November die Station und wurde am 4. Dezember 1926 in Chatham außer Dienst gestellt. Die Besatzung stieg mehrheitlich auf den Kreuzer Despatch um.

Ende April 1928 begann die Reparatur des Schiffes, das als Flaggschiff zur 6th Cruiser Squadron auf der South Africa Station verlegt werden sollte. Am 18. September wurde die Calcutta wieder in Dienst gestellt, um in Südafrika die alte Birmingham zu ersetzen. Im Oktober lief der Kreuzer zu seiner neuen Basis Simonstown aus. Die Calcutta verblieb bis zum Februar 1931 auf der südafrikanischen Station. Wieder in der Heimat wurde das Schiff der Reserve zugewiesen.

Im August 1938 begann der Umbau zu einem Flugabwehrkreuzer auf dem Chatham Dockyard, der im August 1939 abgeschlossen wurde. Als sie in Dienst gestellt wurde, war die Calcutta das vierte Schiff der C-Klasse, das zum Flakkreuzer umgebaut war und kam zur Home Fleet.

Zweiter Weltkrieg Der Kreuzer kam als Luftverteidigungskreuzer nach Scapa Flow und sicherte dann Konvois in der Nordsee und Flottenbewegungen. Die Calcutta gehörte zu den schon früh nach dem deutschen Angriff auf Norwegen dort eingesetzten Einheiten. Am 16. April 1940 suchte sie zusammen mit Effingham, York und Ashanti nach deutschen Kriegsschiffen, die angeblich von Ålesund nach Trondheim verlegten. Am 20. lief sie nach Åndalsnes, um den Hafen gegen Luftangriffe zu sichern. An Bord befand sich Konteradmiral Vivian, der Befehlshaber aller Flakkreuzer, der dann in Namsos verblieb. Am 22. sicherte sie zusammen mit dem Kreuzer Birmingham und den französischen Zerstörern Bison und Foudroyant französische Landungstruppen auf dem Transporter Ville d'Alger auf dem Weg nach Namsos. Der Transporter wurde in den Küstengewässern von dem Zerstörer Maori und der Sloop Auckland aufgenommen, denen die Calcutta folgte, um die Fliegerabwehr in Namsos zu übernehmen. Ville d'Alger konnte wegen eines Schneesturms von 1100 Mann nur 750 in Namsos landen.Rohwer: Chronik des Seekriegs 1939–1945. 22.–23. April 1940, Norwegen In den folgenden Tagen wechselte der Flakkreuzer als Wachschiff im Romsdalsfjord mehrfach seinen Standort und lag zeitweise auch in Andalsnes und Molde. Als in der Nacht zum 2. Mai die Sickle-Force über Andalsnes evakuiert wurde, nahmen die Kreuzer Manchester und Birmingham noch 1500 Mann, die Calcutta und die Auckland die fast 1000 Mann der Nachhut an Bord.Rohwer: Seekrieg. 1.–2. Mai 1940, Norwegen Am 12. Mai fanden die Calcutta und der Zerstörer Zulu den norwegischen Dampfer Nord-Norge (996 BRT, 1924) zu spät vor Hamnesberget, der 300 Gebirgsjäger der deutschen Kampfgruppe Feuerstein unter Umgehung der alliierten Scissor-Force nach Norden transportiert hatte.Rohwer: Seekrieg. 10.–15. Mai 1940, Norwegen Sie versenkten den Dampfer und zerstörten von den Deutschen angelegte Lager.

Nach Sicherung des Abzuges der Alliierten von weiter nördlichen Positionen begleitete die Calcutta einen Geleitzug zurück nach Scapa Flow, der aus zwei Transportern, dem schwerbeschädigten Kreuzer Penelope sowie dem Zerstörer Isis mit Schäden an beiden Schrauben bestand. Beide Kriegsschiffe mussten geschleppt werden. Zur Sicherung gehörten auch noch der mit Radar ausgerüstete Flakkreuzer Coventry sowie die Zerstörer Zulu, Campbell und Witch.

Die Calcutta sollte dann mit drei Sloops ins Mittelmeer verlegen und verlegte zur Ausrüstung nach Chatham. Dort wurde sie zur Evakuierung der britischen Truppen vom europäischen Festland herangezogenRohwer: Seekrieg. 28. Mai 1940, Kanal und evakuierte am 28. Mai 534 Mann aus Dünkirchen nach Sheerness und am 29. noch einmal 1200 Mann. Dann wurde sie nur zur Abwehr feindlicher Luftangriffe eingesetzt. mini|links|Die HMCS Fraser Nach Beendigung der Operation Dynamo beteiligte sich der Kreuzer an der Sicherung der Rettung weiterer Briten über andere französische Häfen. Zuletzt nahm sie am 23. Juni Truppen und britisches Personal in Saint-Jean-de-Luz nahe der spanischen Grenze an Bord und brachte die Passagiere nach Portsmouth. Am 25. Juni suchte sie nach Fahrzeugen mit Flüchtlingen in der Gironde zusammen mit den kanadischen Zerstörern Fraser und Restigouche. Dabei kam es am 26. bei hoher Geschwindigkeit zu einer Kollision mit der Fraser vor Bayonne, deren Vorschiff abbrach und sank.Rohwer: Seekrieg. 25. Juni 1940, Biskaya Der Kreuzer konnte noch 150 Überlebende der 216-köpfigen Besatzung retten und versenkte dann den anderen Teil des Zerstörers. Begleitet vom Zerstörer Highlander lief der Kreuzer nach Devonport, wo die Schiffbrüchigen von Bord gegeben wurden. An Deck des Kreuzer befanden sich beim Rückmarsch noch Teile der Brücke der Fraser. Der Kreuzer marschierte dann weiter zum Tyne, wo die Reparatur des Schiffes bis Mitte Juli 1940 erfolgte. Am 20. sicherte die Calcutta die Verlegung einer Minensperre durch die 1st Minelaying Squadron in South West Approaches (Operation SN31).

Ende August bereitete sich die Calcutta auf die Verlegung zur Mediterranean Fleet in Alexandria vor. Ab dem 20. August lief sie mit der Halbschwester Coventry sowie dem Schlachtschiff Valiant und dem neuen Träger Illustrious, die auch zur Mittelmeerflotte sollten, erst bis nach Gibraltar zusammen mit dem für Force H bestimmten Kreuzer Sheffield und sieben Zerstörern der 8th Destroyer Flotilla.Rohwer: Seekrieg. 20.–29. August 1940, Nordatlantik Die als Operation Hats bezeichnete Überführung von Valiant, Illustrious, Calcutta und Coventry durch das Mittelmeer von Gibraltar nach Alexandria wurde im Westmittelmeer von der Force H unter Vizeadmiral Sommerville mit dem Schlachtkreuzer Renown, Träger Ark Royal, der Sheffield und zwölf Zerstörern gesichert. Am 1. September früh griffen neun Fairey Swordfish der Ark Royal vor dem Abdrehen der Force H Port Elmas auf Sardinien an. Nach Passieren der Straße von Sizilien nahm die Mittelmeerflotte südlich von Sizilien mit den Schlachtschiffen Warspite und Malaya, dem Träger Eagle, dem 3. Kreuzergeschwader (Kent, Gloucester, Liverpool), dem 7. Kreuzergeschwader (Orion, Sydney) und 13 Zerstörern der 2nd, 10th und 14th Destroyer Flotilla. Unter Deckung der Mittelmeerflotte marschiert gleichzeitig der Versorgungskonvoi MF.2, der am 2. September Malta von Osten erreichte, während von Valiant, Calcutta und Coventry von Westen eintrafen. Auf dem Rückmarsch teilte Admiral Cunningham die Mittelmeerflotte in Force E (Malaya, Eagle, Coventry und 6 Zerstörer) und Force I (Warspite, Valiant, Illustrious, Calcutta und 7 Zerstörer). Der erste Verband lief südlich von Kreta, der zweite nördlich von Kreta in den italienischen Dodekanes.Rohwer: Seekrieg. 13.–19. September 1940, Mittelmeer

Am 15. September 1940 liefen Teile der Mittelmeerflotte aus, um mit Flugzeugen der Illustrious Bengasi anzugreifen. Am 16. traf der Verband die Flakkreuzer Calcutta und Coventry Westlich von Kreta und marschierte zum Startpunkt für die Flugzeuge, die in der Nacht zum 17. mit Minen und Torpedos den Hafen von Bengasi angriffen und einen Zerstörer und zwei Frachter torpedierten.Rohwer: Seekrieg. 29. August – 6. September 1940, Nordafrika Im folgenden Monat folgte der Versorgungskonvoi MB.6 nach Malta mit vier Transportern, gesichert von den Flakkreuzern Calcutta, Coventry, den australischen Zerstörern Stuart, Voyager, Waterhen sowie der Wryneck ab Alexandria. In Gewitterstürmen erreichte der Konvoi Malta am 11. Oktober unbemerkt.Rohwer: Seekrieg. 8.–14. Oktober 1940, Mittelmeer

Zum Monatsende begann die Landung britischer Heeres- und Luftwaffenstreitkräfte in Griechenland und auf Kreta. Am 29. Oktober verließ ein Geleitzug mit den Kreuzern Coventry, Calcutta, den Zerstörern Waterhen, Vampire, Voyager, Defender der 10th Destroyer Flotilla, den Armed Boarding Vessels Fiona und Chakla, dem Netzleger Protector sowie den Marinetankern Olna und Brambleleaf aus und setzte am 1. November britische Truppen in der Suda-Bucht ab, um einen Stützpunkt einzurichten. Zeitgleich begann die Verlegung britischer Truppen zum griechischen Festland.Rohwer: Seekrieg. 29. Oktober 1940, Mittelmeer