mini|330x330px|Lageskizze Verlauf der Stanegatestraße und des Hadrianswalls mit Kastellstandorten

Coriosopitum (oder Coria) befand sich auf dem Gebiet der heutigen Ortschaft (Parish) Corbridge/Sandhoe, District Northeast, Grafschaft (County) Northumberland, England.

Der Ort war vom 1. bis zum 5. nachchristlichen Jahrhundert einer der bedeutendsten Militärstützpunkte und Römerstädte am Hadrianswall. Die heute noch sichtbaren Überreste gehören größtenteils zur Zivilstadt an der Kreuzung der Dere Street und des Stanegate, die sich um ein Kastell und die Tynebrücke entwickelt hatte. Ein Legionsstützpunkt inmitten der Zivilstadt ersetzte später die Kastelle, die im 1. und 2. Jahrhundert dort gegründet worden waren. Nach Fertigstellung des Hadrianswalls wurde es zu einer der Nachschubbasen für die Garnisonen im Ostabschnitt des Walls ausgebaut. Im frühen 3. Jahrhundert spielte Coria noch einmal eine wichtige Rolle bei den Caledonenfeldzügen des Septimius Severus. Bis zum 4. Jahrhundert hatte es die Ausmaße einer Kleinstadt erreicht. Corbridge blieb bis in die letzten Jahre der römischen Herrschaft über Britannien ein pulsierendes Handels- und Militärzentrum. Die archäologische Stätte steht heute unter dem Schutz von English Heritage und ist für Besucher zugänglich gemacht worden. Zu den bedeutendsten Funden zählen die Bestandteile von römischen Segmentpanzerungen, anhand derer funktionstüchtige Nachbauten angefertigt werden konnten. Die Funde werden vor Ort ausgestellt. Die Artefakte des Corbridge Horts werden im Corbridge Museum und im Great North Museum in Newcastle upon Tyne gezeigt.

Name Der antike Ortsnamen scheint in den vier wichtigsten Schriftquellen des Altertums auf: Itinerarium Antonini (Corstopitum), Geographica des Claudius Ptolemäus (Coria), Vindolanda-Tafeln (Coria oder Coris), Geograph von Ravenna (Corielopocarium).

Weitere Schreibvarianten sind: Corioritum, Coriosopitum, Corsopitum, Corsobetum.

Der heutige Ortsnamen könnte noch auf das römische Corstopitum zurückgehen. Wenn dem so ist, muss Cor- eine Verkürzung des ursprünglichen Ortsnamens sein, in dem aber nur die erste Silbe erhalten blieb. Der Name stammt wohl noch aus vorkeltischer Zeit. Coria/Coris könnten dieselben Wurzeln wie das gälische Coire (= runde Vertiefung/Doline) und das walisische Cwm (= Tal) haben. Beide Begriffe würden gut zu den topographischen Merkmalen der Region um Corbridge passen. Corstopitum war möglicherweise eine Kombination seines alten britischen Namens und des lateinischen strepitum (= laut, hallend). Es könnte „das laute (geschäftige) Tal“ bedeuten, eine zutreffende Bezeichnung für einen stark frequentierten Militär- und Handelsplatz an der Nordgrenze. In der Ravenna-Kosmographie des 5. Jahrhunderts scheint Corie Lopocarium – zwischen Concangis (Chester-le-Street, Durham) und Segedunum (Wallsend, Tyne & Wear) – auf. Es wird in der Forschung mit dem Coria des Ptolemaeus gleichgesetzt. Laut dem dortigen Eintrag scheint die romano-britische Stadt ab dem 5. Jahrhundert aber wieder unter ihrem ursprünglichen Namen bekannt gewesen zu sein. Was das Suffix Lopocarium bedeutet, bleibt nach wie vor unklar. Entweder ist es ein Abschreibfehler der mittelalterlichen Kopisten, oder eine separate Siedlung, die bislang noch nicht identifiziert bzw. lokalisiert werden konnte. Vielleicht bezeichnet es auch ein Siedlungszentrum indigener Briten, der Corionototae, in diesem Fall wohl ein Zweig der Briganten, das Suffix könnte demnach deren Stammesnamen beinhalten. J. Hind hat vorgeschlagen, dass der römische Name für Kastell und Stadt in Wirklichkeit Corioritum gelautet haben könnte.Hind 1980, 165–171.

Die Angelsachsen bezeichneten den Ort als Corchester, um 1050 stand dort auch wieder eine Brücke, Corebricg, auf die der heute gebräuchliche Ortsname größtenteils zurückgeht.It. Ant. 464, 3, Tablets II (Tabulae Vindolandenses II) (1994) 154. 7, Ravenna 142 (Rav. 30), Richmond 1958, S. 140, Bowman/Thomas 1994, S. 154., Mills 1998, R.C. 142, Rivet/Smith 1979, S. 322–323, Breeze 2006 Bethanie Fox 2007, Corebrig um 1050; Et Corabrige um 1130; Colebruge von 1100–1107; Corebrigge um 1158.

Lage mini|Meilenstein aus der Zeit des Maximinus Daia mini|Der Stanegate vor den Speichergebäuden, die west-östliche Hauptstraße des antiken Coria mini|Der Tyne bei Corbridge mini|Rekonstruktion des Corbridge Horts mini|Originale und rekonstruierte Artefakte des Corbridge Horts Kastelle und Stadt lagen direkt am nördlichen Flussufer, 28 km westlich von Newcastle und etwa 800 Meter westlich von Corbridge. Im Itinerarium Antonini des späten 2. Jahrhunderts werden in Iter I (Route) alle Straßenstationen vom Hadrianswall bis nach Prätorium (Bridlington) an der Nordostküste Englands angeführt. Laut dem zweiten Eintrag war Corstopitum 20 Römische Meilen von Bremenium und 9 Meilen von Vindomora entfernt. Zwei bei Corbridge aufgefundene Meilensteine stammten aus der Regierungszeit des Victorinus (269–271) und des Maximinus Daia (309–313).RIB 2296, RIB 2297

Coriosopitum stand auf einer Anhöhe über dem Tyne. Diese fällt leicht nach Süden zum Fluss und im Westen zum Cor Burn ab. Im Norden läuft sie eben aus. Sie war damit am geographisch niedrigsten Punkt des Flusstales platziert. In der Nähe vereinigte sich der North- mit dem South-Tyne. Dort überquerte die Dere Street, in jener Zeit eine der wichtigsten Nord-Süd-Routen Britanniens, den Fluss. Sie betrat die Stadt etwas weiter westlich der heute sichtbaren Überreste. Etwa 4 km nördlich stand das Portgate, ein stark frequentierter Grenzübergang am Hadrianswall. In Coriosopitum traf die Dere Street auf den Stanegate, der als Ost-West-Verbindung zwischen Pons Aelius und Luguvalium (Carlisle) und zur Versorgung der Grenzgarnisonen verwendet wurde. Jeder, der rasch an die Westküste, nach Norden oder zur Mauer gelangen wollte, musste die Stadt passieren.

Die drei wichtigsten Routen nach Nordbritannien waren zwei Nord-Süd-Straßen und der von Ost nach West verlaufende Stranegate zwischen Coria und Luguvalium (Carlisle). Von den beiden von Nord nach Süd verlaufenden Hauptstraßen verlief die östliche durch Coria, die westliche durch Luguvalium. Die Dere Street verlief östlich durch die Pennines und teilte sich bei Scotch Corner – nördlich von Cataractonium (Catterick). Sie verband dabei eine Reihe der Pennines-Kastelle – darunter Vinovia (Binchester) – mit Coria. Die andere Straße zweigte nach Nordwesten ab, überquerte die Pennines über Stainmore, Bowes, sowie Brough und führte dann nordwestlich nach Luguvalium und darüber hinaus. Alternativ konnte man auch an der Westseite der Pennines von Deva (Chester) nach Norden über Bremetennacum (Ribchester) bis nach Luguvalium reisen. Die modernen Fernstraßen im Norden Englands und im Süden Schottlands, die A1, A68 und A66 folgen an vielen Stellen noch den Trassen der einstigen Römerstraßen.

Straßenverbindungen bestanden über den Stanegate nach Cilurnum (Chesters, Northumberland), nach Washing Wells (Whickham, Tyne & Wear)

und über die Dere Street nach Onnum (Halton Chesters, Northumberland), nach Vindomora (Ebchester, Durham), zum Portgate, nach Habitancum (Risingham, Northumberland), Bremenium (High Rochester) und vielleicht auch nach Whitley Castle (Northumberland).

Forschungsgeschichte Die Antiquare John Leland und William Camden besuchten zwischen 1539 und 1599 Corbridge und sahen dort noch aufrecht stehende römische Mauern. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts beschrieb John Horsley die Stätte als schon weitgehend durch den Pflug zerstört. Alexander Gordon konnte aber noch einige Mauerstrukturen deutlich erkennen. Um 1810 waren die Ruinen schließlich durch landwirtschaftliche Tätigkeit vollständig eingeebnet.

Was man heute vom antiken Coria weiß, umfasst nur einen kleinen Abschnitt seiner Gesamtfläche. Zwischen 1861 und 1862 legte William Coulson das nördliche Ende der römischen Brücke und noch einige andere Strukturen innerhalb der Römerstadt frei. Die wissenschaftlichen Untersuchungen begannen im Jahr 1906 (Francis Haverfield, J. P. Bushe-Fox, Robert Forster). Foster leitete, zusammen mit dem Architekten W.H. Knowles (Newcastle) von 1907 bis 1914 die Ausgrabungen in Corbridge. Zwischen 1910 und 1911 wurde ein Teil der Substrukturen der Getreidespeicher zur Konservierung mit einer Mörtelauflage versehen. Der zentrale Teil des Bodendenkmales gelangte auf Initiative von David Cuthbert (Beaufront Castle), Robert Forster und Eric Birley ab 1933 unter staatlichen Schutz und befindet sich heute in der Obhut von English Heritage. Dieser Bereich ist seit 1914 Gegenstand kontinuierlicher Forschungsmaßnahmen. Charles Anderson konsolidierte von 1935 bis 1936 die Horreumwände und den Steinplattenboden sowie die Säulen und das Mauerwerk am südlichen Ende der Speichergebäude. In den Lüftungskanälen der Kornspeicher stieß er auf zahlreiche römische Münzen. Die Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts wurden in den 1940er und 1970er Jahren erforscht. Ian Richmond grub in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs in Corbridge, aber erst nach dem Krieg begann eine große Serie von Ausgrabungen, die bis in die frühen 1970er Jahre andauerte. Es wurden zwischendurch auch immer Rettungsgrabungen durchgeführt, zum Beispiel als die Umgehungsstraße A69 angelegt und das örtliche Museum eingerichtet wurde. 1951 erstellte John K. St. Joseph Luftaufnahmen vom Grabungsareal. Das Badehaus wurde im Südosten der Red House Farm bei der Anlage einer Drainage zwischen Silagegruben und dem Red House Burn im Jahr 1955 entdeckt. Ausgrabungen fanden dort in den Jahren zwischen 1956 und 1957 statt. Die Funde bestanden aus samischer Keramik und grob ausgeführter Keramik aus dem späten 1. Jahrhundert, mehreren Bronzebroschen und einer Münze des Vespasian. Brian Dobson führte in Corbridge in den 1960er und 1970er Jahren Ausgrabungen durch. Das agricolanische Kastell wurde 1974 beim Bau der Umfahrungsstraße A69 entdeckt. Die Ausgrabungen wurden durch die Society of Antiquaries of Newcastle im Vorfeld der Bauarbeiten vorgenommen. Bei Ausgrabungen im Jahr 1980 – westlich der Kornspeicher – stieß man auf den Westwall der agricolanischen Festung. Ein 1988 von Michael Bishop und John Dore abgefasster Bericht über die Ausgrabungen in Corbridge in den Jahren 1947–1980 beschreibt auch die Entwicklung der beiden Holz-Erde Kastelle.Alexander Gordon 1726, S. 176, Grew 1981, S. 322, Willmott 2000, S. 50, Leach/Whitworth 2011

Fundspektrum mini|Silbertablett, das den Gott Apollo darstellt (4. Jahrhundert), die so genannte Corbridge Lanx. Gefunden am Tyneufer, wahrscheinlich Teil eines Hortfundes (British Museum)

Mit rund 34.000 Artefakten ist die archäologische Sammlung im Corbridge Museum die mit Abstand größte von römischen Alltagsgegenständen aus der Wallzone. Das zwischen 1906 und 1914 sowie 1934 und 1973 ausgegrabene Material stammte z. T. auch von weit entfernten Provinzen des Reiches und bot Einblicke in viele Aktivitäten und Aspekte des römischen Lebens in Corbridge. Sie enthält zahlreiche Skulpturen, Inschriften, Keramik, militärische Ausrüstung, römische Werkzeuge, Glasgefäße, Tierknochen (wild und domestiziert) und einen 1911 entdeckten Bronzekrug, gefüllt mit 160 Goldmünzen aus der Zeit zwischen 64 und 160. Die Inschriften sind Gottheiten aus dem gesamten Römischen Reich gewidmet. Beweise für den Wohlstand des römischen Corbridge liefern auch dort aufgefundene persönliche Gegenstände, wie zum Beispiel Haarnadeln und kunstvoll ausgeführte Webkämme. Andere Funde deuten auf eine umfangreiche Keramik- und Metallverarbeitung hin.Birley 1954, S. 1–31.

Corbridge Hort mini|Rekonstruktionszeichnung einer Lorica Segmentata, Corbridge Typ A mini|Rekonstruktionszeichnung einer Lorica Segmentata, Corbridge Typ B