Aufbruch zum Mond ist ein Historienfilm von Damien Chazelle, der am 29. August 2018 im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig seine Weltpremiere feierte. Am 12. Oktober 2018 kam der Film in die US-amerikanischen und am 8. November 2018 in die deutschen Kinos. In der Filmbiografie ist Ryan Gosling in der Rolle des Astronauten Neil Armstrong zu sehen, der Kommandant von Apollo 11 war und am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat. Der Film zeigt in erster Linie detailliert die lange Vorlaufzeit der Mondmission und damit die Fehlschläge und Entbehrungen, die dem berühmtesten Schritt der Menschheit vorausgingen.
Handlung Bei einem Flug mit einer X-15 durchbricht der Testpilot Neil Armstrong im Jahr 1961 die Grenze der Atmosphäre zum Weltraum. Beinahe gelingt ihm der Wiedereintritt nicht, da sein Flugzeug von der Erdatmosphäre abprallt. Dennoch ermöglicht ihm seine Erfahrung schließlich eine sichere Landung in der Mojave-Wüste. Armstrong und seine Frau Janet haben zwei Kinder, doch seine Tochter Karen stirbt noch vor ihrem dritten Geburtstag an einem Gehirntumor. Als Zivilist bewirbt er sich beim Gemini-Projekt, weil die NASA Piloten mit einem abgeschlossenen Studium der Luft- und Raumfahrttechnik sucht. Er wird aufgenommen und zieht samt Familie in ein Wohngebiet bei Houston, wo sie mit anderen Astronautenfamilien, wie Edward Higgins White mit seiner Frau Pat und Kindern, zusammen leben.
Jahrelang musste die NASA dabei zusehen, wie die Sowjets ihr bei jedem technischen Meilenstein in der Raumfahrt zuvorgekommen waren. Die Teilnehmer des Programms bereiten sich 1964 mittels eines Simulators auf die Missionen vor. Ein Jahr darauf startet die NASA das Gemini-5-Projekt, bei dem Armstrong zunächst als Mitglied der Ersatzmannschaft benannt wird. Seinerseits kommandiert er später den Gemini-8-Raumflug, bei dem die Kapsel an eine Agena-Trägerstufe andocken soll. Bereits in seiner Zeit als Testpilot musste Armstrong eine Reihe von Todesfällen miterleben, doch auch im Raumfahrtprogramm kommt es immer wieder zu Unfällen mit tödlichem Ausgang. Dies lässt den Astronauten nicht unberührt. Janet hingegen will einfach nur ein normales Leben leben und sorgt sich zunehmend um Neil, besonders als er sich auf die Apollo-Mission vorzubereiten beginnt, in dieser Zeit aber drei von Armstrongs Kollegen bei dem Plugs-Out-Test von Apollo 1 sterben, darunter auch Edward White.
Nach einem fast tödlich für ihn endenden Test der Mondlandefähre begeben sich Armstrong und seine Kollegen Mike Collins und Buzz Aldrin 1969 auf ihre große Mission. Von seiner Frau hierzu gezwungen, erklärt er zuvor seinen beiden Söhnen, dass er womöglich nicht zurückkommen wird. Dabei bedient er sich der gleichen Floskeln wie gegenüber Medienvertretern. Nach einer viertägigen Reise gelingt es Aldrin und Armstrong, das mitgeführte Lunar Excursion Module Eagle sicher auf der Mondoberfläche zu landen. Armstrong setzt seinen Fuß auf das Regolith und hinterlässt als erster Mensch einen Schuhabdruck auf dem Mond. Aldrin folgt ihm und springt von der geringen Anziehungskraft fasziniert umher. Die ganze Welt schaut ihnen in diesem Moment zu.
Nachdem Armstrong ein von ihm mitgebrachtes Armkettchen seiner Tochter im Gedenken an ihren frühzeitigen Tod in einen Mondkrater geworfen hat, machen sie sich auf den Weg zurück zur Erde, wo sie zunächst drei Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Dort kommt es schließlich zu einem wortlosen, jedoch emotionalen Wiedersehen zwischen Armstrong und seiner Frau Janet. Der Apollo-11-Mannschaft ist ein wichtiger Schritt im Wettlauf ins All gelungen. John F. Kennedy hatte einige Jahre zuvor in einer Rede angekündigt, dass im Rahmen des Weltraumprogramms bis zum Ende des Jahrzehnts die USA einen Menschen auf dem Mond landen und sicher zurückbringen werden.
Produktion Literarische Vorlage und Stab mini|Neil Armstrong noch als Testpilot mit einer X-15 im Jahr 1960
Der Film basiert auf der autorisierten Biografie First Man: The Life of Neil A. Armstrong von James R. Hansen aus dem Jahr 2005. In einer deutschen Übersetzung wurde die Biografie unter dem Titel First Man – Neil Armstrong: Der erste Mensch auf dem Mond im Heyne Verlag veröffentlicht. Darin gewährte Hansen erstmals exklusiven Zugang zu privaten Dokumenten und persönlichen Quellen. Von Armstrongs Kindheit bis zum unfassbaren Ruhm durch die Apollo-11-Mission. Er beschreibt aber auch Armstrongs Beteiligung an der Untersuchung der Challenger-Katastrophe, und so berühmt der Astronaut war, so wortkarg und scheu in der Öffentlichkeit wird er von seinem Biografen beschrieben.First Man – Neil Armstrong: Der erste Mensch auf dem Mond. In: randomhouse.de. Abgerufen am 26. Mai 2018.
Der Historiker hatte für die NASA gearbeitet und wurde später Professor für Geschichte an der Auburn University, Alabama. Er hat bereits zehn Bücher über die Geschichte der Luft- und Raumfahrt veröffentlicht und wurde dafür vielfach ausgezeichnet.
Regie führte Damien Chazelle, der das Drehbuch zu seinem Film erstmals nicht selbst verfasste.Andrea Wöger; La La Land-Regisseur schießt Ryan Gosling zum Mond im ersten First Man-Trailer. In: moviepilot.de, 9. Juni 2018. Hansens Vorlage wurde erst von Nicole Perlman, später von Oscarpreisträger Josh Singer für den Film adaptiert, der 2016 für seine Arbeit am Film Spotlight mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film ist ein umfassendes historisches Porträt über Neil Armstrong, wirft einen intimen Blick auf ihn und bedient sich eines ganz anderen visuellen Stils als Chazelles zwei frühere Filme Whiplash und das Filmmusical La La Land.Amy Kaufman: Universal rules CinemaCon with ‘Jurassic World,’ ‘Halloween,’ Ryan Gosling and Cher. In: Los Angeles Times, 25. April 2018.
Der Regisseur sagt über den Film: „In gewisser Weise ist es die wahre Geschichte von der Geburt eines echten Superhelden.“ Armstrong sei jemand, der als normaler Mensch begann und sicherlich keine bekannte Figur war. Er habe einen Film über jemanden machen wollen, der durch Misserfolge und Verluste entstanden sei, und was ihn ähnlich wie bei Whiplash dazu gebracht habe, diese Geschichte zu erzählen, sei die Idee gewesen, zu ergründen, wie viel ein einzelner Mensch zu geben bereit ist, um ein Ziel zu erreichen. „Die Mondlandung ist das perfekte Vehikel, um diese Fragen zu stellen. Es ist eine der berühmtesten menschlichen Errungenschaften. Es ist alles sehr schillernd: diese großartige Erfolgsgeschichte.“ Zudem wollte Chazelle sehen, wie radikal, verrückt und umstritten die ganze Mission war und wie die Psyche eines Mannes aussehen muss, den diese Mission möglicherweise sein Leben kosten wird. Weiter sagte der Regisseur, er wolle mit dem Film erreichen, dass sich die Menschen Armstrongs Mondstiefel anziehen und sich alles vorstellen, was er erlebt hat.Lauren Turner: First Man has lift-off: Damien Chazelle on out-of-this-world new film. In: bbc.com vom 9. Juni 2018.
„Ich wollte wirklich die Leute kennenlernen, die diese unvorstellbare Reise unternommen haben“, sagte Chazelle. Der Regisseur lässt Aufbruch zum Mond mit Originalfilmmaterial beginnen, das Armstrong zeigt, wie dieser seiner Tochter ein Wiegenlied vorsingt. Bevor er auf seine Weltraummission geht, sehen wir Armstrong an seinem Tisch sitzen, neben seiner Frau, als sein Sohn nervös nach den Chancen fragt, dass sein Vater nach der Reise nach Hause zurückkehren wird. „Wir haben echtes Vertrauen in diese Mission“, erzählt Armstrong seinem Kind, als säße er auf einer Pressekonferenz: „Wir haben alle die Absicht, zurückzukommen.“ Armstrong hatte am 21. Juli 1969 als Kommandant von Apollo 11 als erster Mensch den Mond betreten und war wohlbehalten auf die Erde zurückgekehrt. Der Astronaut starb im August 2012 im Alter von 82 Jahren.
Besetzung und Dreharbeiten Ryan Gosling übernahm im Film die Rolle von Neil Armstrong. Gosling war auch in Chazelles letztem Film La La Land in einer Hauptrolle zu sehen. Claire Foy übernahm die Rolle seiner Ehefrau Janet. Lukas Haas und Corey Stoll sind in den Rollen von Armstrongs Missionskollegen Mike Collins und Buzz Aldrin zu sehen. Pablo Schreiber spielt Jim Lovell, Kommandant des Raumflugs Apollo 13, der wegen einer Explosion auf dem Weg zum Mond abgebrochen werden musste. Christopher Abbott übernahm die Rolle von Dave Scott, der an zwei Apollo-Missionen beteiligt war. Jason Clarke spielt den Astronauten Edward Higgins White, Kyle Chandler ist in der Rolle des NASA-Flugdirektors Deke Slayton zu sehen. Die Rolle von Elliot See wurde mit Patrick Fugit besetzt. Der Astronaut des Gemini-Programms war bei einem Flugzeugabsturz gestorben, bevor er mit Gemini 9 seinen ersten Raumflug durchführen konnte. Zudem wurde er am 17. September 1962 als Mitglied der zweiten Astronautengruppe der Öffentlichkeit vorgestellt, darunter befand sich auch Neil Armstrong. Shea Whigham übernahm die Rolle von Gus Grissom, der wie Ed White bei einem Test des Raumschiffs Apollo 1 ums Leben kam. Cory Michael Smith spielt Roger Chaffee, der ebenfalls bei der Apollo-1-Katastrophe starb. Brian d’Arcy James übernahm die Rolle des Testpiloten Joseph Albert Walker.
Die Dreharbeiten fanden in Atlanta, Georgia statt und wurden im Februar 2018 beendet.Linus Sandgren, FSF and his team wrap Damien Chazelle’s „First Man“. In: camtec.tv, 23. Februar 2018. Als Kameramann fungierte der Oscarpreisträger Linus Sandgren, mit dem Chazelle schon seinen letzten Film La La Land realisierte. Den Filmschnitt übernahm wie bei Chazelles vorherigen beiden Filmen Tom Cross, der ebenfalls bereits mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Als Szenenbildner fungierten Nathan Crowley und Kathy Lucas. Für die Gestaltung der Kostüme war Mary Zophres verantwortlich.
Anke Sterneborg von epd Film sagt über das Ergebnis, gleich in den ersten Bildern werde der Zuschauer durchgerüttelt und geschüttelt, als säße er selbst in einem Raumschiff, das unter dem Druck der Atmosphäre jeden Moment nachgeben könnte: „Damien Chazelle überträgt die Erfahrungen des Weltraumfluges, den ohrenbetäubenden Maschinenlärm, die physische und psychische Belastung, die Einsamkeit und den Druck ganz direkt und unmittelbar ins Kino.“ Die mit 65-mm-IMAX-Kameras gedrehten Mondsequenzen, aber auch die diversen Testflugszenen entwickelten dabei eine erhabene, lyrische Schönheit, und der Zuschauer werde für gut zwei Stunden selbst zum Astronauten, so Sterneborg.Anke Sterneborg: Kritik zu Aufbruch zum Mond. In epd Film, 26. Oktober 2018.
Owen Gleiberman von Variety erklärt zur Eröffnungssequenz, in der Armstrong 1961 als Testpilot eine X-15 in die Wolken steuert, bis ihn die Missionskontrolle zum Ausstieg auffordert, diese beinhalte alles, was die Männer bei den Missionen erlebten. Durch Sandgrens Kameraarbeit und Cross’ hypnotischen Schnitt werde der Film in seiner Authentizität so eindringlich, dass ein Weltraum-Drama wie Apollo 13 wie ein Puppenspiel aussehe.Owen Gleiberman: Film Review: ‘First Man’. In: Variety, 29. August 2018. David Rooney von The Hollywood Reporter findet, Chazelle beschwöre in dieser nervenaufreibenden Eröffnungssequenz mit dem Höllenlärm, der einem den Magen verdreht und in der die Maschine wie eine Blechdose aussieht, die in der Leere schwebt, sofort Erinnerungen an große Weltraumforschungsfilme wie The Right Stuff und Gravity herauf. Momente, in denen Chazelle die Schönheit der plötzlichen Stille nutzt, wie die bewegende Ruhe im Zwischenspiel, als Armstrong die atmosphärische Barriere durchdringt, hätten eine gewaltige Wirkung, so Rooney.https://www.hollywoodreporter.com/review/first-man-venice-2018-1138214