Böhmer & Petrich waren eine Architektengemeinschaft von Franz Böhmer (Straßburg 17.6. 1907 – Erlangen 22.9. 1943) und Georg Petrich (Braunschweig 29.6. 1908 - Dijon 5.6. 1944) in Berlin. Sie konnten in den 1930er Jahren vielfältige Bauten sowohl für Privatpersonen als auch für Politiker und Unternehmen realisieren und führten umfangreiche Umbauarbeiten an verschiedenen Gebäuden durch. Die Arbeit des Büros endete, als beide Inhaber ihren als Kriegsteilnehmer im Zweiten Weltkrieg erlittenen Verletzungen erlagen. Ihre Hauptauftraggeber waren Nationalsozialisten.

Geschichte Böhmer studierte zuerst an der TH Karlsruhe.Studium in Karlsruhe geht aus einer Eintragung auf Studienarbeiten im Jahr 1927 hervor: siehe Projektblatt unten links. Er wechselte als Schüler von Hans Poelzig an die Technische Hochschule Charlottenburg und schloss seine Diplomarbeit 1933 ab.Angaben auf dem Projektblatt zur Alten Wasserkunst Merseburg, unten rechts: „cand.arch.“ Franz Böhmer, Gegenzeichnung/Unterschrift von Poelzig, Aufgabe Stadterweiterung, Sommersemester 1932, ebenfalls noch „cand.arch.“ Er nahm anschließend seine Wohnung in Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 47, wechselte bald darauf aber nach Schöneberg, Innsbrucker Straße 7. Böhmer hatte um 1936 mit dem ebenfalls an der Hochschule Charlottenburg ausgebildeten und zu dieser Zeit im selben Haus wohnenden Georg Petrich ein gemeinsames Architekturbüro gegründet. Sie machten ihre Karriere in den 1930er und 1940er Jahren und führten bald auch in Posen (Adresse Schlossfreiheit 13) eine Filiale.Detailangabe auf den Bauplänen der SS-Standarte in Posen, abgerufen im März 2018. Um 1940 war Franz Böhmer nochmals umgezogen, und zwar in die Goethestraße 10 in Charlottenburg, wo er mit Hilfe seines Sozius das Architekturbüro total erneuert hatte. Petrich hatte inzwischen mehr eine akademische Laufbahn eingeschlagen, denn er trug im Jahr 1943 den Titel eines Doktors und besaß ein Wohnhaus in Berlin-Westend, Stallupöner Allee 22. Böhmer und Petrich hatten ihr Architekturstudium mit dem Titel Dipl. Mgr. abschlossen.Angabe zu den Architekten auf der Darstellung zum Neubau des Hauses des Reichspropagandaministers (unten rechts); um 1937. Nach erfolgreichem Studienabschluss traten sie als Büro Böhmer & Petrich gemeinsam auf. Beide waren mit Ehefrauen aus der Familie von Bothmer verheiratet.

Bauten und Planungen - chronologisch - 1925–1933 (nur Böhmer): Umbau und Erneuerung der im Jahr 1907 errichteten Wasserkunst in MerseburgProjekt Alte Wasserkunst in Merseburg im Architekturmuseum der TU Berlin. 1934 (nur Böhmer): Belegschaftsgebäude der Standard-Lack-Werke, Berlin-Plötzensee, gelegen am Nordufer 24/25

1934–36 Thingstätte Annaberg

1935: Gemeinschaftshaus für die Ertüchtigung junger Menschen im Sinne des Nationalsozialismus in Mehrow (geplant)Projekt Gemeinschaftshaus Mehrow im Bestand des Architekturmuseums der TU Berlin.

1935–1937(nur Böhmer): Wohnhaus Ministerialrat Dr. Walter Blümich, Berlin-Zehlendorf, Rappoltsweiler Straße 13 1936/1937: Kunstgewerbliche Werkstätten Walter Brendel, Berlin 1936/1937: Haus von Walther Darré, Berlin-Dahlem. Umbau des Wohnhauses mit Innenausbau (mit den Anton Pössenbacher Werkstätten für Innenausbau, München) und – unter Hinzuziehung des Landschaftsarchitekten N. Hinz – Neugestaltung des Gartens 1937: Umbau des Hauses der 109. SS-Standarte in Posen, Robert-Koch-Straße um 1937: Neubau des Hauses des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels, Berlin-Mitte 1938: Umbau der Villa von Joachim von Ribbentrop in Berlin-Dahlem 1938–1941: Umbau der Dienstwohnung von Ribbentrop in Berlin-Mitte, Dorotheenstadt; zwischen Wilhelmstraße und [damaliger] Hermann-Göring-Straße gelegen, einschließlich eines großen Empfangssaals, Speisesaals, Tanzsaals; eines Adjutantenhauses, eines Gartenflügels, eines Schwimm- und Tennishauses sowie eines Kinderspielplatzes. Bei einigen Ausstattungsplanungen wurden die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk aus München, auch die Marmor-Industrie Kiefer, Oberalm, hinzugezogen. 1939: Feierstätte Runow mit einer Friedhofskapelle und GlockenturmBei dieser Planung handelte es sich offensichtlich um eine Art Heldenfriedhof für verstorbene Nazigrößen im Ortsteil Runow der Gemeinde Bülow (bei Crivitz) in Mecklenburg, wie den Skizzen und Detailzeichnungen zu entnehmen ist. Ob es zur Ausführung dieses Projektes kam, ist nicht bekannt. 1939–1941: Auswärtiges Amt, Berlin-Mitte. Umbau 1939–1941. Auch hier wurden Arbeiten durch die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk aus München sowie die Marmor-Industrie Kiefer, Oberalm, mit geplant. 1940/1941: Umbau und Neuausstattung des Baubüros von Franz Böhmer in der Goethestraße 10, Berlin-Charlottenburg 1941: Neugestaltung des Eingangsbereichs mit Tor und Halle zum Haus des Reichsinnenministers Wilhelm Frick, Berlin-Mitte

Literatur Arbeiten der Architekten Franz Böhmer und Georg Petrich. Aus: Baugilde; 1936, 2 (1936)

Weblinks (über 6000 Pläne und Fotos) im Architekturmuseum der TU Berlin

Einzelnachweise

Kategorie:Architekturbüro (Berlin) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Berlin) Kategorie:Architektur im Nationalsozialismus