mini|Ehemalige Franziskanerklosterkirche mini|Westseite der Klosterkirche und der Konventsgebäude mini|Innenhof der Klostergebäude mini|Goldberg um 1735, die Franziskanerklosterkirche hat die Nr. 3 (aus Werner, Scenographia Urbium Silesiae. Tab. V.) mini|Franziskanerkirche Goldberg um 1735 (aus Werner, Scenographia Urbium Silesiae. Tab. V.) Das Franziskanerkloster Goldberg war ein Kloster des 1209 gegründeten Franziskanerordens (, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM, auch Franziskaner-Observanten) in Goldberg, zunächst im damaligen Herzogtum Schlesien, und zuletzt im Herzogtum Liegnitz in Schlesien, seit 1945 Złotoryja in der Woiwodschaft Niederschlesien (Polen). Das Kloster wurde um 1240 (?1232) gegründet und war ab 1274 Sitz einer Kustodie der Sächsischen Franziskanerprovinz (Kustodie Goldberg). 1523 wurde die Kustodie aufgelöst und der Goldberger Konvent an die böhmische Franziskanerprovinz angeschlossen. Nach der Einführung der Reformation im Herzogtum Liegnitz und damit auch in Goldberg löste sich der Goldberger Konvent zwischen 1526 und 1530 auf. 1704 wurde das Kloster von böhmischen Franziskaner(-Observanten) wieder besiedelt; 1810 wurde das Kloster endgültig aufgelöst.
Lage Das Kloster lag am Ostrand der Altstadt von Goldberg dicht an der Stadtmauer. Die ursprüngliche Klosterkirche hatte wahrscheinlich das Patrozinium des Antonius von Padua. Die um/vor 1735 neu erbaute Klosterkirche und die ebenfalls neu erbauten Klostergebäude sind erhalten. Diese Klosterkirche hat(te) das Patrozinium der hl. Hedwig.
Geschichte Die genaue Gründungszeit dieses Klosters ist nicht zweifelsfrei bekannt, und die Angaben in der Literatur differieren z. T. deutlich. Ein erster urkundlicher Beleg der Existenz des Klosters stammt erst vom 2. Dezember 1258. Darin gibt Herzog Boleslaw II. von Schlesien im Kloster der Franziskaner zu Goldberg die Erklärung ab, dass er zur Buße der von ihm gegenüber Bischof Thomas I. von Breslau verübten Freveltaten eine Bußfahrt mit 100 Rittern nach Breslau machen werde, um die Loslösung von den kirchlichen Strafen, die Bischof Thomas gegen ihn verhängt hatte, zu erlangen. Dies setzt bereits ein weitgehend fertig gebautes Kloster voraus.
Nach einer unsicheren Überlieferung soll aber 1242 bereits ein Provinzialkapitel (Jahresversammlung) der Böhmischen Ordensprovinz in Goldberg stattgefunden haben. Nach Lucius Teichmann und seiner Arbeit im Schlesischen Klosterbuch sollen die Ordensbrüder wohl um 1245 nach Goldberg gekommen sein; er ignoriert damit, dass das oben erwähnte Provinzialkapitel möglicherweise schon 1242/43 in Goldberg stattgefunden hat, was ja ein bereits einigermaßen fertiges Kloster voraussetzt. In seiner jüngeren Publikation Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland von 1995 korrigiert er die Gründungszeit auf 1240/45. Schmies und Rakemann geben eine Gründungszeit vor 1244 an, und Eduard Mühle legt sich auf eine Gründungszeit um 1240 fest. Als Gründerin gibt er die Herzogin Hedwig an, die später heilig gesprochen wurde. Winfried Irgang hält sogar die legendenhafte Überlieferung, dass das Kloster im Jahr der Kanonisation des hl. Antonius von Padua 1232 geweiht wurde für denkbar. Das Kloster gehörte bis (wahrscheinlich) 1274 zur Böhmischen Ordensprovinz und zur Kustodie Bautzen (s. u.).
Die Kustodie Bautzen bzw. Goldberg Weil sich der Franziskanerorden im 13. Jahrhundert in Europa schnell ausbreitete und zahlreiche Klöster gegründet wurden, wechselten die Strukturen im Orden mehrfach. Schon 1262 sollte die Kustodie Bautzen von der Böhmischen(-Polnischen) Franziskanerprovinz (Bohemia) abgetrennt und an die Sächsische Franziskanerprovinz (Saxonia) angeschlossen worden. Schon vorher und auch über diesen Beschluss hinaus kam es zu nationalen Spannungen zwischen mehr (oder ausschließlich) deutschsprachigen und slawischsprachigen Franziskanerklöstern der Böhmischen Provinz. 1263 wurde der Böhmisch(-Polnischen) Provinz sogar das Recht entzogen, ihren Provinzialminister selber zu wählen. Lucius Teichmann interpretiert diesen Entzug nicht als Strafe, sondern als Hilfs- und Schutzmaßnahme, um die nationalen Spannungen zu glätten. Gerade bei den Wahlen zum Provinzialminister kämen derartige nationale Gegensätze besonders deutlich zum Vorschein. 1263 bestimmte das Generalkapitel Petrus Basztin zum Provinzialminister für die Bohemia, doch diese Maßnahme beendete die Konflikte nicht. 1268 mündeten die Spannungen sogar in einem kurzzeitigen Schisma; es wurde ein zweiter Provinzialminister durch die slawischsprachigen Klöster gewählt. Die Bohemia erhielt erst 1287 wieder das Recht, ihren Provinzialminister selber zu wählen.
Der erste Beschluss zur Abtrennung der Kustodie Bautzen und Anschluss an die Sächsische Franziskanerprovinz wurde aber zunächst nicht umgesetzt, 1266 war der Zustand Status quo ante wieder hergestellt. 1269 erfolgte ein neuer Beschluss, die Kustodie Bautzen an die Sächsische Provinz anzuschließen; auch dieser Beschluss wurde anscheinend nicht sofort umgesetzt. 1274 wurde auf dem Generalkapitel des Ordens in Lyon dann (endgültig) beschlossen, die Kustodien Breslau und Bautzen von der Böhmischen Franziskanerprovinz abzutrennen und der Sächsischen Franziskanerprovinz zuzuweisen. Die Kustodie Bautzen wurde gleichzeitig in Kustodie Goldberg umbenannt, und mutmaßlich wurde auch der Sitz der Kustodie von Bautzen nach Goldberg verlegt.
Das Franziskanerkloster in Goldberg muss zu dieser Zeit also ein relativ bedeutendes Kloster der Franziskaner gewesen sein, wenn es bereits 1274 zum Sitz einer Kustodie aufsteigen konnte. Die Kustodie Goldberg umfasste die Franziskanerkonvente in Goldberg, Bautzen, Crossen, Görlitz, Lauban, Liegnitz, Löbau, Löwenberg, Sagan, Sorau und Zittau. Kirchenrechtlich gehörten die Konvente im Land Budissin (die spätere Oberlausitz) und der Konvent in Sorau in der Mark Lausitz (die spätere Niederlausitz) zum Bistum Meißen. Die fünf schlesischen Konvente lagen kirchenrechtlich im Sprengel des Bistums Breslau.
In einem Brief vom 24. Dezember 1337 an den Kustos der Kustodie Goldberg beklagt sich der sächsische Provinzial Werner von Apenburg über den schlechten Studienbetrieb in der Kustodie Goldberg, wie er bei seiner Visitationsreise feststellen musste.
Die Kustodie Goldberg wurde 1523 nach einigem Hin und Her aufgelöst. Die Konvente Goldberg und Liegnitz wurden an die Böhmische Franziskanerprovinz angeschlossen, die restlichen Konvente der aufgelösten Kustodie wurden in der neuen Kustodie Görlitz zusammengefasst und bei der Sächsischen Franziskanerprovinz belassen (siehe auch unten).
Kustoden der Kustodie Goldberg Aus der Zeit, als sich der Kustodiensitz noch in Bautzen befand, sind keine Kustoden namentlich bekannt. Amtszeit Kustos Anmerkungen 1337 Rodiger 1342 Johannes 1345, 1347 Petrus vor 1363 Paul von Koperitz 1363 Petrus von Dippoldiswalde 1370, 1372 Johannes von Lauban er war vermutlich 1345 Guardian in Lauban 1378 Petrus (der o. g. Petrus von Dippoldiswalde?) 1433 Johannes Rasch(ke) er war 1429 Guardian des Franziskanerklosters Goldberg 1456 Jacobus 1502 Franciscus Wolpricht er war 1490 Guardian in Görlitz 1520 Johann Rapfhel
Konflikt mit Domkapitel und Bischof von Breslau Im Streit in den 1280er Jahren um die Zehnten in den neu angelegten Kolonistendörfern im Herzogtum Schlesien zwischen Herzog Heinrich IV. und dem Breslauer Bischof Thomas II. stand das Kloster auf Seiten des Herzogs.
1285 beschwerte sich das Domkapitel in Breslau auf dem Generalkapitel der Franziskaner zu Mailand über die sächsische Franziskanerprovinz. Bischof Thomas II. von Breslau hatte Herzog Heinrich IV. von Breslau mit dem Interdikt belegt. Gewisse Personen des Ordens, und zwar aus den Konventen Breslau, Neisse, Brieg, Schweidnitz, Goldberg, Löwenberg, Sagan und Namslau hätten sich jedoch gegen den Bischof gestellt und hielten zum Herzog. Das Domkapitel bat das Generalkapitel diesem Gebaren ein Ende zu setzen. Bischof Thomas II. beschwerte sich im selben Jahr auch direkt beim Generalminister über diese Konvente.
1341 fand möglicherweise ein Provinzialkapitel in Goldberg statt. Der Tagungsort ist allerdings etwas unsicher; das Kapitel könnte auch in Angermünde getagt haben.
Der Einfall der Hussiten Beim Einfall der Hussiten und der Einnahme der Stadt Goldberg 1428 gingen die Klostergebäude in Flammen auf. 1431 kamen die Hussiten wieder, konnten aber die Stadt diesmal nicht erobern. Aus Angst vor den Hussiten war ein Bruder Thomas aus dem Kloster und aus der Stadt geflohen. Dort wurde er jedoch von den Hussiten ergriffen, in einen hölzernen Käfig gesperrt und vor den Mauern der Stadt verbrannt. Der Wiederaufbau des Klosters zog sich hin und dauerte bis um 1500.
Besitz und Stiftungen Das Haus besaß nur wenige Liegenschaften aber einige feste Einkünfte in Form von Zinsen, Vermächtnissen und Messverpflichtungen. Auch hatte das Kloster diverse Kleinodien, die einen gewissen Wert darstellten.
1472 kaufte der Magistrat der Stadt Goldberg die Spitalmühle und das Vorwerk in Hermannsdorf (heute Męcinka). Auf dem Vorwerk hatten der Liegnitzer Bürger Matthias Worsegir und seine Frau 100 Gulden angelegt, die 10 Mark jährlichen Zins einbrachten. Nach dem Tode der Frau sollte ein Teil der Zinsen an das Franziskanerkloster fallen, das dafür einen Jahrtag in der Fastenzeit halten sollte. 1482 verglichen sich der Guardian Jakobus vom Goldberger Konvent und Heinze Zedlitz um einen Zins in Höhe von einer halben Mark. Anscheinend war es vorher zum Streit um die Zahlung dieses Zinses an das Kloster gekommen. 1483 war der Guardian Jakob verärgert darüber, dass Balthasar Moll sein Gut in Brockdorf (?) verkauft hatte, ohne eine Mitteilung an den Guardian zu machen. Das Gut war immerhin dem Kloster zinspflichtig. 1484 begingen drei junge Männer einen Totschlag. Der Haupttäter musste als Sühne zwei Mark zur Finanzierung der neuen Monstranz des Franziskanerklosters bezahlen, außerdem eine halbe Mark Briefgeld und 18 Scheffel Hafer an die Stadt.
Von 1489 stammt ein Verzeichnis der Kleinodien des Goldberger Klosters, darunter vier Kelche, vier silberne Humeralia (Schultertücher), zwei Pacem (oder Pacificale/Kreuze, ein drittes Pacem war verloren gegangen), zwei gute Kapseln (zum Aufbewahren der Hostien), eine davon war mit drei silbernen Schnallen versehen, zwölf gute Kaseln, vier Chorröcke, eine Chorkappe, neun geringerwertige Kaseln, fünf Missalia (Messbücher), und diverse wertvolle Bücher.
1497 erhielt das Kloster einen ablösigen Zins in Höhe von einer Mark aus dem Testament des kindes Mathie, Prancracii Schultis sone. Der Zins konnte mit 10 Mark abgelöst werden. 1498 schenkte Georg Viberg dem Kloster einen jährlichen Zins in Höhe von einer Mark; dafür sollten die Ordensbrüder jährlich eine Messe lesen.
1505 erhielten die Ordensbrüder von Sigmund von Zedlitz eine größere Stiftung in Höhe von einer Mark jährlichen Zinses, Kerzen, Kelch, kirchliche Geräte und einen Wald, den Mönchenwald genannt. Dafür sollten die Ordensbrüder Messen lesen und Fürbitten leisten für ihn, seine Eltern, seine bereits verstorbene Frau und seinen verstorbenen Sohn, sowie für seine übrigen Kinder und alle Mitglieder aus seinem Geschlecht und alle angeheirateten Personen. Nach seinem Tod sollten die Ordensbrüder jährlich an allen Samstagen in der Fastenzeit ein Requiem halten. Auf dem Wald lastete außerdem noch ein Zins in Höhe von zwei Scheffel Hafer, der nach dem Tod des Zedlitz ebenfalls dem Kloster zufiel.
Das Kloster nahm auch Pfründner auf. 1507 schenkte Margareta Tischer ihre ganze Habe dem Franziskanerkloster in Goldberg. Dafür sollte das Kloster sie bis zu ihrem Tod mit Unterkunft, Essen und Trinken versorgen.
Die Klostergebäude