Kenmore (gelegentlich Kenmore by the Lake genannt) ist eine Stadt (city) im King County im US-Bundesstaat Washington, die am nördlichen Ufer des Lake Washington liegt. Als eine Mischung aus Schlafstadt, Landruhesitz und Binnen-Industriehafen bietet die Stadt als herausragende Merkmale mit Kenmore Air Harbor den landesweit größten nur für Wasserflugzeuge ausgelegten kommerziellen Flughafen, die Bastyr University, mehrere Parks am See und Marinas sowie einen einfachen Zugang zum Burke-Gilman Trail und dem Radwegenetz des King County. Orte mit Bezug zur lokalen Geschichte sind das frühere St. Edward Seminary – heutzutage der Saint Edward State Park – sowie der Log Boom Park. Kenmores offizielle Wappenblume ist die Dahlie, der Wappenvogel der Stadt ist der Kanadareiher und die offizielle Immergrüne Pflanze der Rhododendron. Zum United States Census 2020 hatte Kenmore 23.914 Einwohner.
Geschichte Gegründet 1901, stammt der Name von Kenmore aus dritter Hand vom schottischen Dorf Kenmore ab; der Stadtgründer hatte es nach seiner Heimatstadt Kenmore (Ontario) benannt. McMasters und seine Frau erreichten etwa 1889 den Puget Sound von Kanada kommend mit der Absicht, sich in der Schindelmacherei zu etablieren. Sie eröffneten eine Schindelfabrik am Nordufer des Lake Washington auf einem Grundstück, das sie von Watson C. Squire leasten. Bis 1903 wurden in Kenmore ein Schulsystem und ein Postamt etabliert,Kenmore Post Office opens on November 12, 1903. HistoryLink.org. Essay 583. Abgerufen am 24. März 2007. es wurde jedoch bis zum 31. August 1998 nicht offiziell als Stadt anerkannt.Kenmore votes to incorporate on September 16, 1997. HistoryLink.org. Essay 4092. Abgerufen am 24. März 2007.
Landleben: Holzfäller, Gärtner, Nudisten und der Suff Abgesehen vom Frachtverkehr, den die Seattle, Lake Shore and Eastern Railway seit mindestens 1887 durch das Gebiet betrieb, war die Stadt in ihren frühen Tagen hauptsächlich für Boote erreichbar; es gab ab 1906 Fähren nach Seattle, Bothell und Woodinville. Die Stadt erhielt später einen Bahn-Haltepunkt. Die erste bessere Straßenverbindung nach Seattle und Bothell – die Red Brick Road – wurde zwischen 1913 und 1914 eröffnet; der erste Bus fuhr unmittelbar nach dem Verlegen der Steine (englisch „brick“). Am Ende wurde Kenmore zur Landfrische für Wochenendgärtner, wo die örtlichen Grundstücksbesitzer gerodete „Garten-Parzellen“ an diejenigen Einwohner von Seattle (englisch „Seattlites“) verkauften, die über Autos und einen grünen Daumen verfügten. Kenmore war in den 1920er Jahren für mindestens zwei kurzzeitig existierende Nudisten-Camps attraktiv.
Wesentlich einschneidender war jedoch der Einfluss der Prohibition. Kenmore wurde in Seattle sehr schnell für sein feines Land-Essen bekannt, noch bekannter aber für sein feines Land-Trinken, als eine ausgeprägte illegale Alkohol-Industrie versuchte, den Bedarf des Nachtlebens im Seattle der Jazz-Ära zu decken. Obwohl relativ nahe am eigentlichen Seattle gelegen – dank der Washington State Route 522 („Bothell Way“) mit dem Status einer der wenigen besseren Straßen, die nordwärts aus Downtown wegführten – war Kenmore weit genug weg, um die Beamten der Steuerbehörde in den meisten Fällen zur Ignoranz zu bewegen.
Das Blind Pig, ein Gasthaus bei Shuter's Landing am Lake Washington, war wahrscheinlich das bekannteste von Kenmores Speakeasys. Auf der Seeseite konnte der illegale Fusel schnell in den See versenkt werden, was leicht notwendig werden konnte. Nur wenige Leute wurden getäuscht, war doch der Name „Blind Pig“ quasi ein Synonym für „Speakeasy“. Doch ungeachtet seines Bekanntheitsgrades war das „Pig“ nicht die anrüchigste Kneipe der Stadt. Regelmäßige Gewalt und Schlägereien in der Inglewood Tavern brachten dem Etablissement einen neuen Namen ein: „Bucket of Blood“ (dt. etwa „Eimer voll Blut“).
Dieser Archipel der Restauration und Unterhaltung – mehr als 30 verschiedene Restaurants, Tanzböden, Bars und Clubs in einem Gebiet von drei Häuserblocks – blieb ein wichtiger Teil der Identität von Kenmore während der 1940er Jahre.
Voucherville, der Kalte Krieg und neuer Aufschwung Als einst die Große Depression zuschlug, wurde Kenmore zur Heimstatt von einigen Arbeitern, die der von Präsident Franklin D. Roosevelt initiierten „Back-to-the-land movement“ (dt. etwa „Zurück-aufs-Land-Bewegung“) folgten. Sie wurden von der Works Progress Administration bezahlt und siedelten sich im Nordwesten, einem als „Voucherville“ bekannten Gebiet, an; die Siedlung war nach den Gutscheinen (englisch „vouchers“) benannt, welche die WPA anstelle von Geld auszahlte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in Kenmore Nike-Hercules-Raketen als Bestandteil der Verteidigung im Kalten Krieg stationiert. Diese mit nuklearen Sprengköpfen bestückten Boden-Luft-Raketen sollten Seattle und seine Umgebung vor den Angriffen sowjetischer Bomber schützen, sollte ein Krieg ausbrechen. Sie wurden 1974 wieder abgezogen.Seattle tests a super siren during the Cold War on February 27, 1952. HistoryLink.org. Essay 3688. Abgerufen am 2. April 2007.
Die Nachkriegsära hat die Innenstadt merklich verändert. Der Kenmore Air Harbor, heute einer der weltweit größten Flugplätze, die ausschließlich für Wasserflugzeuge ausgelegt sind, wurde nicht weit vom alten Blind Pig eröffnet; Kenmore Air selbst unterhält eine Flotte von Wasserflugzeugen, die verschiedene Ziele an Gewässern in „Kaskadien“ anfliegt. Zur selben Zeit wurde Kenmore aufgrund seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu Seattle – bis zur heutigen Stadtgrenze sind es nur zwei Meilen (3,2 km) – ein frühes Ziel der Suburbanisierung in der Nachkriegszeit. Die ersten Parzellen im Viertel Uplake wurden 1954 verkauft. Die Entwicklung von Wohngebieten setzte sich in Kenmore über die nächsten Jahrzehnte hin fort, meist typischerweise in Form der Vorstadtmodelle der Nachkriegszeit; industrielle und kommerzielle Entwicklung folgten bald darauf, und innerhalb weniger Jahrzehnte waren die meisten der alten Restaurants und Bars aus Kenmore verschwunden und durch Shopping-Center, Industriebauten und Wohnhäuser ersetzt. Ein Teil dieser Entwicklung hat allerdings seine eigene Geschichte: Das Jewel Box Building in Downtown Kenmore ist ein Artefakt der Weltausstellung in Seattle, es wurde nach Ende der Expo im Oktober 1962 aus dem Zentrum Seattles nach Kenmore verlegt.
Die Stadt eröffnete 1996 mit der Verlegung der Bastyr University von Seattle auf das Gelände des früheren St. Edward Seminary das erste College.
Incorporation und Wiederbelebung der Innenstadt Die Einwohner von Kenmore zogen seit der Gründung mehrfach die Anerkennung als Stadt (englisch „incorporation“) in Betracht; eine der diesbezüglichen Abstimmungen scheiterte 1954., Kenmore Heritage Society. Abgerufen am 15. April 2007. Die Idee wurde in den 1990er Jahren wieder populär, teilweise jedoch in Reaktion auf den Washington State Growth Management Act von 1990, einem Gesetz, das der Legislative die Möglichkeit gab, Schutzgebiete, Wachstumsregionen u. a. festzulegen. Die Bildung eines Untersuchungsausschusses führte kurz darauf 1995 zu einer erfolgreichen öffentlichen Abstimmung, und die Stadt wurde als solche offiziell am 31. August 1998 anerkannt, 97 Jahre nach ihrer eigentlichen Gründung.
Nach der Incorporation beschloss die neue Regierung ein lokales Set von Zonen-Codes und einen Innenstadt-Entwicklungsplan, um die traditionellen Kernzonen der Stadt wiederzubeleben und zu rekonstruieren. Ein essentieller Bestandteil dieses Plans bezog die intensive Nutzung des damals der Stadt gehörenden Landes in dem im Plan genannten Northwest Quadrant ein. Eine öffentliche Ausschreibung für Architekten und Investoren im Dezember 2005 sollte Entwicklungspläne für dieses Gebiet erbringen. Der Stadtrat beschloss im April 2006, primär mit Kenmore Partners LLC zu verhandeln. Gestaltungspläne wurden der Stadt im darauffolgenden Sommer präsentiert, die einen konzeptuellen Überblick enthielten; diese Pläne wurden der Öffentlichkeit zur gleichen Zeit zugänglich gemacht. Kenmore Partners, LLC. Abgerufen am 24. März 2007.
Die ältesten Straßen von Kenmore, inzwischen meist unter dem vom County vergebenen Nummernsystem bekannt, hatten ursprünglich eher traditionelle Namen wie die Cat's Whiskers Road (61st Avenue NE), der Squire Boulevard (später Red Brick Road, heute Bothell Way/ Washington State Route 522) und der Remington Drive (NE 181st Street). Diese traditionellen Namen wurden 2007 als sekundäre Namen in der Innenstadt reetabliert. Kenmore Heritage Society Spring 2007 Newsletter. Abgerufen am 2. April 2007.
Geographie Kenmore liegt auf ; die Grenzen umfassen das gesamte Nordufer und einen erheblichen Teil des Nordostufers des Lake Washington. Das Gelände ist typisch für das Tiefland am Puget Sound und besteht weitflächig aus sanft geschwungenen Hügeln aus glazialem Geschiebemergel, gelegentlich von ebenen Bereichen unterbrochen, typischerweise in der Nähe von Gewässern. Der größte Fluss ist der Sammamish River, der den Lake Sammamish mit dem Lake Washington verbindet und die Stadt in eine nördliche und eine südliche Hälfte teilt. Außerdem finden sich im Nordosten der Stadt von Nord nach Süd verlaufend einige Sümpfe und Marschen entlang des Swamp Creek.
Nach dem United States Census Bureau nimmt die Stadt eine Gesamtfläche von 16,21 Quadratkilometern ein, von denen 15,93 km² Land- und der Rest Wasserflächen sind.
Umgebung
Klima Das Klima von Kenmore ist dem des nahegelegenen Seattle im Grunde ähnlich und wird definiert durch den Längengrad, die Nähe zu Pazifik und Puget Sound und die Zugehörigkeit zur „Puget Sound Convergence Zone“, einem Wetterphänomen, bei dem in einem schmalen Streifen heftige Niederschläge auftreten können. Es wird üblicherweise als Seeklima der Westküste bezeichnet mit nasskalten Wintern und milden, trockenen Sommern, auch wenn die Lage nördlicher ist als die von Toronto und Montreal.
Stadtviertel Kenmore hat mehrere Stadtbezirke: 250px|mini|Der Bezirk Arrowhead in Kenmore, vom Log Boom Park über den Lake Washington hinweg gesehen
Arrowhead im Süden: Das erste Haus – eine kleine Sommerhütte – wurde 1888 an der West- (oder See-)Seite gebaut. Das älteste noch erhaltene Gebäude stammt von 1929. Inglewood im Süden wurde erstmals 1953 parzelliert und durchlief bis 1962 eine groß angelegte suburbane Entwicklung. Lower Moorlands im Osten: Das erste Haus entstand hier 1904. Die beträchtliche Entwicklung in diesem Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste auch das Objekt Charles and Elvera Thomsen House aus dem Jahr 1927.Heather MacIntosh, King County Landmarks: Charles and Elvera Thomsen House (1927), Kenmore. Der HistoryLink Essay 2360 vom 1. Januar 2000, abgerufen am 24. März 2007, benennt dies als King County Landmark. Die des King County (undatiert, zuletzt modifiziert am 26. Februar 2003, abgerufen am 8. Mai 2009), ein Dokument der Regierung des County, bezeichnet das Haus jedoch als City of Kenmore Landmark, nicht als County Landmark. Upper Moorlands im Osten: Die erste Bebauung fand 1938–1939 statt, blieb jedoch wahrhaft ländlich, da bis zur suburbanen Entwicklung Mitte der 1950er Jahre eine angemessene Wasserversorgung fehlte. Central (oder Downtown) Kenmore umschließt die Washington State Route 522 / Bothell Way und bildete den ursprünglichen Kern der Stadt. Heute findet sich hier der Kern von Industrie und Handel.
250px|mini|Nord-Kenmore und die Kaskadenkette von Uplake Terrace in Richtung Osten gesehen Northlake Terrace, ein frühes Wohngebiet gerade nördlich der Innenstadt, ist heute ein Mischgebiet mit Wohn- und Geschäftsbauten. Ein Großteil des östlichen Bereichs dieses Viertels ist Teil des neuen Plans für die Innenstadt (Downtown Plan).