mini|Die Westfassade mit der barocken Treppe mini|Südfassade der Kathedrale mit dem neuen Glockenturm (links) und dem Apostelportal (rechts) mini|Nordfassade der Kathedrale, vorne der sogenannte "Turm Karls des Großen" mini|Grundriss der Kathedrale von Girona

Die Kathedrale Santa Maria von Girona ist die Haupt- und Bischofskirche des Bistums Girona in Katalonien, Spanien. Sie ist das absolut dominierende Bauwerk der Stadt Girona unabhängig davon, aus welcher Richtung man sie betrachtet. Sie steht außerhalb des alten Stadtzentrums auf dem Platz neben der Nordmauer, wo die Römer das Forum des alten Kastells Gerunda errichtet hatten. Sie stellt den obersten Punkt der terrassenförmigen, historischen Stadtbebauung dar, die sich über einen Felsabhang mit 60 Höhenmetern Unterschied auf 300 Metern Länge bis zum Fluss Onyar hinunter zieht.

Baugeschichte Der religiöse Bereich des römischen Forums von Gerunda ist der erste Baukomplex, der an der Stelle der heutigen gotischen Kathedrale errichtet wurde. Die wenigen Fundstücke architektonischer Dekoration dieses römischen Forums und Tempels werden in einen Bezug zu provenzalischen Werkstätten gebracht. Die Errichtung dieses Tempels wird vor diesem Hintergrund mit einiger Vorsicht auf den Beginn unserer Zeitrechnung gelegt. Prächtige Sarkophage mit christlichen Motiven aus dem 4. Jahrhundert lassen den Schluss zu, dass die tonangebenden Bürger der Stadt Girona bereits zu dieser Zeit zum Christentum übergetreten waren. Die erste Bischofskirche von Girona errichtete man wohl an der Stelle der dem heutigen Dom benachbarten Kirche Sant Feliu. Der römische Tempel wurde erst im 5. Jahrhundert als christliche Kirche genutzt.

Ab etwa 717 gehörte die Stadt Girona für höchstens 70 Jahre dem arabischen Kalifat von Córdoba an. Dieses hat aufgrund der unsicheren Grenzlage des Gebietes keine entscheidenden baulichen Neuerungen in der Stadt und am Tempeltableau unternommen. Im Jahr 785 nahmen karolingische Truppen die Stadt von den Mauren ein. Der Legende nach eroberte Karl der Große selbst dank eines Wunders die Stadt: Ein Regen aus Blutstropfen und ein leuchtendes Kreuz trieben die Mauren in die Flucht. Karl habe als Dank für diese göttliche Unterstützung eine Kathedrale errichten lassen und diese der Jungfrau Maria geweiht. Diese Legende erklärt die Verehrung Karls des Großen in der Kathedrale von Girona, die selbst auch als Thron, Turm oder Statue Karls des Großen bezeichnet wird. Die Einbeziehung Gironas in das Fränkische Kaiserreich brachte auch für den Tempelplatz bedeutende bauliche Veränderungen mit sich. Die Stadtmauern wurden um diesen Tempelplatz herum erweitert. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde der Tempel in eine christliche Kirche umfunktioniert und der Heiligen Maria geweiht. Dem noch bestehenden und modifizierten römischen Tempel wurde die Funktion einer Bischofskirche übertragen.

Erst zu Beginn des 11. Jahrhunderts ließ Bischof Pere Roger aus der Familie der Grafen von Carcassonne eine neue Kathedrale, einen Bischofspalast und eine Residenz für die Domherren bauen. Der Baubeginn der Kirche erfolgte im Jahr 1010. Die Kirche wurde am 21. September 1038 eingeweiht. Das einzige Langhaus war 60 Meter lang und wies eine äußere Breite von 14 Metern auf. Die Kirche verfügte über ein ausgeprägtes Querhaus. Sie hatte am Westeingang einen Portikus in Form einer hoch gebauten Kapelle und zwei Glockentürme. Einer dieser beiden Glockentürme, der sogenannte Turm Karls des Großen, ist heute noch erhalten. Das Bauwerk wurde mit Lang- und Querhaus noch im Stil der Romanik des 10. Jahrhunderts errichtet, obwohl eine Außendekoration der Lombardischen Romanik angebracht wurde. Dies zeigen uns heute noch die Blendarkaden, Lisenen und Zahnfriese des Turms Karls des Großen an.

mini|Innenansicht mit Hochaltar Anfang des 14. Jahrhunderts trat wegen der drastisch gewachsenen Bevölkerung Gironas die Unzulänglichkeit dieses romanischen Kirchenbaues hervor. Bereits Ende des 13. Jahrhunderts hatte man Pläne für eine Erweiterung der Kathedrale entworfen. Ab 1312 wollte man zunächst eine neue Apsis mit Radialkapellen errichten. Noch bevor der Altar an seinen neuen Ort gebracht wurde, beschloss man 1347 weitere Um- und Neubauten der Kathedrale zunächst als moderne, einschiffige, dann als klassisch dreischiffige (1386) und schließlich doch als einschiffige (1416/17) Kirche. Die Bauarbeiten gingen nur sehr langsam voran. 1450 konnte man die ersten beiden Teilstücke des großen Gewölbes schließen. 1513 hatte man übergangsweise und provisorisch den neu erbauten gotischen Ostteil mit dem noch romanischen Westteil der Kirche verbunden. Diese seltsame anmutende Mischkonstruktion, in der sich das gotische Kirchengewölbe über die bestehende romanische Kirche schob, wurde von dem Maler Pere Mates auf einem um 1540 gefertigten Bild dargestellt. Ab 1577 konnte man den Bau zügiger fortsetzen und 1606 in einen einheitlichen Stil einer gotischen Kathedrale bringen. Dieses gotische Kirchenschiff der Kathedrale von Girona ist mit seiner Breite von 23 Metern das breiteste gotische Kirchenschiff der Welt. Es weist eine Höhe von 35 Metern auf. Nur das Mittelschiff der Sankt-Peter-Basilika in Rom übertrifft diese Höhe um drei Meter. Anschließend begann man mit dem Bau der Fassade, der schnell stockte und erst 1860 wieder aufgenommen wurde. Der Bau der Fassade konnte letztlich erst in den 1960er Jahren vollendet werden. 1701 riss man die Überbleibsel der romanischen Kathedrale im westlichen Innenhof ab. 1764 vollendete man den Glockenturm. 1975 brachte man die Archivolten am auf der Südseite gelegenen Apostelor an. Danach wurden keinerlei grundlegende Strukturänderungen an der Kathedrale mehr vorgenommen.

Die Kathedrale von außen Von der Gironeser Altstadt her kann man sich der Kathedrale aus zwei Richtungen nähern. Man kann einerseits vom Onyar her die eindrucksvolle breite, barocke Treppe in Richtung auf den Kathedralvorplatz auf die Westfassade zu hinaufsteigen. Man kann andererseits von Süden her auf das seitliche Aposteltor zulaufen. Den Blick auf Ost- und Nordfassade ermöglicht ein Spazierweg, der sogenannte Paseo Arqueológico zur ehemaligen Stadtmauer.

Die Kathedrale von Westen mini|hochkant|links|Westfassade und Treppe beim Blumenfest Temps de Flors 2015 Der Zugang von Westen bietet einen beeindruckenden Anblick auf die barocke Fassade und den Glockenturm hoch über dem gewaltigen Treppenaufgang. Der alte römische, beziehungsweise folgend der mittelalterliche Treppenaufgang wurde von 1690 bis 1694 von Bischof Miquel Pontich durch den imposanten, barocken Aufgang aus drei Abschnitten mit seitlichen Terrassen ersetzt.

Die Fassade bildet einen symmetrischen, barocken, drei-stöckigen Altar mit Säulen, Simswerk und Giebel aus. In der untersten Ebene sind rechts und links neben dem Eingangsportal die Apostel Petrus und PaulusBeide geschaffen von Josep M. Bohigas. angebracht. Darüber befinden sich der Heilige Josef mit dem blühenden Stab und der Heilige Jakob als Pilger.Beide geschaffen von Antoni Casamor. Zwischen beiden letzteren ist Muttergottes mit dem KindGeschaffen von Jaume Busquets. angebracht. In der oberen Reihe befinden sich Johannes, der Evangelist, mit dem Adler als Emblem und Heilige Narcissus,Beide geschaffen von Domènec Fita. der Schutzpatron der Stadt und der Diözese Girona. Diese Figuren wurden erst in den 1960er Jahren von zeitgenössischen, lokalen Künstlern geschaffen. Über den Statuenreihen ist die große Fensterrose positioniert. Diese wird von drei Skulpturen, die drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, umgeben.Die westliche Fensterrose und die Figuren der drei theologischen Tugenden wurden bereits 1733 geschaffen. Sieben Fenster schließen die Fassade nach oben hin ab.

Der Bau des Glockenturmes erfolgte ungefähr an derselben Stelle, an der der ursprüngliche, romanische Glockenturm stand. Im Jahr 1751 wurde erst der abschließende, achteckige Turmaufsatz mit kleinerem Grundriss aufgesetzt. Der Turm ist insgesamt 67 Meter hoch, trägt sechs Glocken, darunter die 1574 gegossene Beneta. Diese Glocke hat einen Durchmesser von 1,90 Meter, wiegt 4.800 Kilo und ist in Cis gestimmt.

Die Kathedrale von Süden Der Blick von Süden auf die Kathedrale lässt unwillkürlich das Apostelportal, mit großer Wahrscheinlichkeit der ehemalige Südeingang der romanischen Kirche, in die Augen springen. Das Portal wurde 1370 unter Leitung des Steinmetzes Pere Sacoma bis auf die Höhe der Baldachine über den Figurennischen fertiggestellt. Jedoch fehlen heute die zwölf Begleiter Jesu. Die Tonstatuen wurden in den ikonoklastischen Wirren des beginnenden Spanischen Bürgerkrieges im Jahr 1936 zerstört. Nur zwei dieser Figuren, der Heilige Petrus und der Heilige Paulus sind erhalten geblieben und stehen heute am Eingang der Kapitelsäle. Im Jahr 1975 nahm man die Arbeiten am Portal wieder auf und errichtete die riesigen Archevolten. Neben dem Aposteltor stechen die mächtigen seitlichen Strebepfeiler der gotischen Kathedrale unmittelbar in die Augen. Der auf der Südseite der Kirche gelegene Apostelplatz wird nach Osten hin durch den Bischofspalast (Palau Episcopal) abgeschlossen. Dieser mächtige, seitlich direkt an das Kirchenschiff angebaute Komplex beherbergt heute das Kunstmuseum von Girona (Museu d'Art de Girona).

Die Kathedrale von Osten mini|Apsis der Kathedrale (Ostseite) mit dem Turm Karls des Großen (rechts) Geht man über den Apostelplatz die Straße weiter Richtung Osten, die unter dem Bogen des Bischofspalastes hindurchführt, gelangt man zur gotischen Apsis. Von der Ostseite her wird die Struktur des Gesamtgebäudes deutlich. Deutlich wahrnehmbar sind zwar die vertikalen Linien der Strebepfeiler. Diese und die schmalen Fenster über dem Altarumgang vermögen aber gegen die horizontalen Linien der dazwischen angeordneten Terrasse keinen wirklich aufstrebenden Impuls zu bewirken. Man sieht die klaren Abstufungen zwischen dem Langschiff, dem Altarumgang und den Radialkapellen. Diese starke Betonung der horizontalen Bauelemente ist eine Charakteristik der katalanischen Gotik. Rechts neben der Apsis befindet sich die Klosterkapelle, die für tägliche Gottesdienste genutzt wird.

Die Kathedrale von Norden An das Längsschiff von Norden her angrenzend steht der Turm Karls des Großen (Torre de Carlemany), einer der beiden Glockentürme der romanischen Vorgängerkirche. Diesen hatte man wegen seiner besonderen Schönheit und Standfestigkeit mit in das gotische Bauwerk einbezogen. Vom nördlich gelegenen Hang des Montjuïc eröffnet sich dem Betrachter ein herrlicher Blick auf die Nordfassade der Kirche. Folgt dieser dem einleitend schon genannten Archäologischen Weg weiter, sieht er die nördliche Stadtmauer, die gleichzeitig die Begrenzung der Domanlage darstellt.

Das Innere der Kathedrale mini|Innenansicht Viele Besucher berichten vollkommen gegensätzliche Empfindungen auf das Äußere beziehungsweise auf den Innenraum der Kathedrale. Außen bietet das Bauwerk beeindruckende, schwer lastende Volumina. Betritt man dann durch das nördliche Sankt-Michaels-Tor die Kathedrale, scheinen die voluminösen Massen zu verschwinden. Dem Betrachter eröffnen sich ungewöhnlich weit geöffnete Räume, rechterhand das Langschiff, linkerhand der Altarraum der Kirche.

Das Längsschiff