Hochtemperaturspeicher, genauer Hochtemperaturwärmespeicher, sind eine Untergruppe der Wärmespeicher und werden in der Literatur als HTS (High Temperature Storage/Hoch-Temperatur-Speicher) oder HTES (High Temperature Energy Storage/Hochtemperaturwärmespeicher) bezeichnet.

Materialklassen Phasenwechselmaterialien, auch Latentspeichermaterialien genannt, finden hier ebenso Anwendung wie Sensible Speichermaterialien. Klassisch werden Speichersalze als PCM und Feststoffe (BetonBeton-Wärmespeicherfähigkeit. Abgerufen am 20. April 2018., Speichergranulate, Aluminiumoxid, Schotter, Kies, …) als Sensible Speichermaterialien eingesetzt.

Phasenwechselmaterialien (PCM, Phase Changing Materials) Die wichtigste Gruppe der Speichersalze sind Salzhydrate. Für den Hochtemperaturbereich werden nur wasserfreie Salze bzw. deren Mischungen eingesetzt. Bis ca. 600 °C (maximale Einsatztemperatur) wird großtechnisch vor allem eine Mischung aus Kaliumnitrat und Natriumnitrat verwendet. Diese Mischung hat einen Schmelzpunkt von 290 °C und kann 170MJ/t an thermischer Energie aufnehmen. Carbonatsalze arbeiten zwischen 450 °C und 850 °C und sind somit die Gruppe der Salze mit den höchsten Einsatztemperaturen.

Sensible Speichermaterialien Sensible Speichermaterialien haben zwar eine niedrigere Wärmekapazität, unterliegen aber nicht den Beschränkungen der Salzspeicher. Sensible Speichermaterialien lassen sich theoretisch bereits ab Raumtemperatur einsetzen. Die maximale Anwendungstemperatur ist wiederum materialabhängig. Metalle wie Stahl oder Gusseisen lassen sich bis ca. 800 °C nutzen, Mineralien wie Magnesiumgesteine bis 1.200 °C, und künstlich hergestellte Materialien sogar bis über 1.300 °C.

Aufgrund der unterschiedlichen Charakteristiken der PCM- und Sensiblen Speichermaterialien werden oft auch die Anwendungen entsprechend eingegrenzt.

Vor- und Nachteile der Speichermaterialien Parameter Salzspeicher sensible Speicher Vorteile Anwendungstemperatur Breiter Temperaturbereich in der Anwendung (bis > 1.300 °C) Speicherdichte Hohe Speicherdichte in einem definierten Temperaturbereich Materialkosten gering gering Verfügbarkeit hoch hoch Wärmeträger Speichermaterial kann gleichzeitig als Wärmeträgermedium genutzt werden Viele Wärmeträger (Salze, Öl, Dampf, Gase) möglich Bauform Ein- oder Zweitanksysteme kompakt und einfach spezifisches Invest 50–150 €/kWh 20–30 €/kWhExergieniveauhoch Nachteile Enger Temperaturbereich, beispielsweise 270 °C – 550 °C für Nitratsalze Im mit Salzen vergleichbaren Temperaturbereich ca. 30 % niedrigere Speicherkapazität Einfrieren der Anlage Eingesetzte Salze können sich thermisch zersetzen Investitionskosten für die komplette Anlage Viele Salze wirken korrosiv auf Behältermaterialien, die entsprechend hochwertig sein müssen und damit teuer sind mini|Stahlwerk Phönix-West, mit 3 Cowpern

Anwendung mini|Funktionsschema „Andasol“, Salzspeicher integriert. CSP, solarthermische Kraftwerke: Hier werden i.d.R Salzspeicher eingesetzt. Eines der ersten CSP-Kraftwerke, welches einen solchen Speicher fährt, wird in Spanien betrieben: Andasol Stahlindustrie: In sogenannten „Cowpertürmen“. werden Gichtgase verbrannt. Dabei erhitzen sie die im Turm eingebauten Steine. Wird der Hochofen erneut angefahren, wird kalte Luft durch die Cowper geblasen und das gesamte Brennsystem auf 800–900 °C vorgewärmt. Regeneratoren als Hochtemperaturspeicher Mobile Hochtemperaturspeicher Netzstabilisierung und Sektorenkopplung: als Teil sog. dezentrale Speichersysteme (Carnot-Batterien) z. B. in Quartierslösungen. Dabei wird Überschussstrom aufgenommen, in Wärme gespeichert und in Bedarfszeiten über eine Rückverstromung wieder ins Stromnetz gespeist.

Literatur Fisch u. a.: Wärmespeicher, hrsg. vom Fachinformationszentrum Karlsruhe, BINE Informationsdienst, 4., überarbeitete Aufl. 2005, DIN A5, kartoniert, 120 Seiten, TÜV Verlag 2005, ISBN 3-8249-0853-0. Andreas Hauer, Stefan Hiebler, Manfred Reuß: Wärmespeicher. 5., vollständig überarbeitete Auflage, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8167-8366-4 (Grundlagen verschiedene Speichertechnologien, Speichermedien, Wirtschaftlichkeit) Michael Sterner, Ingo Stadler (Hrsg.): Energiespeicher. Bedarf, Technologien, Integration. 2. Auflage, Berlin Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-48893-5.

Einzelnachweise

Kategorie:Wärmespeicher