Die Rosen von Versailles (jap. , Berusaiyu no Bara) ist ein Manga von Riyoko Ikeda aus den 1970er Jahren, der in Musicals der Takarazuka-Revue, einem Anime und Filmen adaptiert wurde. Die Serie spielt in Frankreich, kurz vor der französischen Revolution. Zwar ist es eine fiktive Geschichte, aber sie enthält historisch korrekte Informationen über die Zeit und viele historische Persönlichkeiten treten auf.Patrick Drazen: Anime Explosion! - The What? Why? & Wow! of Japanese Animation, S. 93. Stone Bridge Press, 2002.

Handlung Die Hauptfigur ist Oscar François de Jarjayes, die sechste Tochter eines Generals. Da der General sich einen Sohn wünscht, der in seine Fußstapfen tritt, nennt er sein Kind „Oscar“ und lässt das Mädchen wie einen Jungen erziehen. Früh lernt Oscar die Kunst des Fechtens und Reitens, und schon mit 14 Jahren führt sie die königliche Schlosswache. Sie begleitet die junge Marie-Antoinette zum Hofe von Versailles und wird dort eine enge Vertraute von ihr.

Oscar beschützt die Königin gegen Feinde und Intrigen. Sie steht loyal zu ihr, auch wenn sie die Fehler der Königin sieht. Als Oscar Rosalie, ein verarmtes Pariser Mädchen, aufnimmt, beginnt ihre Loyalität gegenüber der Königin zu schwinden. Doch Konsequenzen zieht Oscar noch nicht. Zur gleichen Zeit verliebt sie sich in den Geliebten der Königin, Hans Axel von Fersen. Er erwidert Oscars Gefühle jedoch nicht, was sie tief verletzt. Um ihn vergessen zu können, quittiert sie den Dienst bei der Königlichen Garde und lässt sich zu den Söldnern versetzen. André, ihr bester Freund von Kindesbeinen an, steht auch weiter zu ihr, obwohl sie ihm die Möglichkeit zu einem anderen Leben gab.

Als die Generalstände einberufen wurden, soll sie mit ihren Männern das Parlament bewachen, doch bald werden die Generalstände wieder aufgelöst. Oscar bekommt den Befehl, das Parlament nötigenfalls mit Waffengewalt zu räumen. Sie weigert sich und wird daraufhin ihres Amtes enthoben. Sie und ihre Soldaten, die loyal zu ihr stehen, werden festgenommen und vor das Militärgericht gestellt. André kann Oscar aus der Gefangenschaft befreien und zusammen kämpfen sie für die Befreiung ihrer Kameraden.

Am Anfang der französischen Revolution wird Oscar klar, dass sie eigentlich André liebt und zu ihm gehört, doch den beiden bleibt nur eine Nacht. Am Vormittag des 13. Juli 1789 stellt sich die französische Garde unter Führung von Oscar auf die Seite des Volkes. In blutigen Kämpfen versuchen sie, das Volk zu schützen. Am Nachmittag des Tages lebt nicht einmal mehr die Hälfte ihrer Männer. Bei dem Versuch, zum Volk zurückzugelangen, wird André tödlich verletzt. Oscar ist nicht in der Lage, mit ihren Gefühlen fertigzuwerden. Der einzige, der ihr noch beisteht, ist Alain, ein Söldner und Freund von André.

Am 14. Juli 1789 beginnt der Sturm auf die Bastille. Das Volk hat keine Chance gegen die Kanonen der Soldaten und als Oscar mit ihren Soldaten auftaucht, ist bereits ein Blutbad angerichtet. Mit Hilfe vorhandener Kanonen versuchen sie, die Bastille einzunehmen. Der General in der Bastille weiß sofort, dass seine einzige Chance auf Rettung der Tod Oscars ist. Also befiehlt er allen Soldaten der Bastille, auf Oscar zu schießen. In einer Seitengasse nahe der Bastille stirbt Oscar, während das Volk die Bastille erstürmt und besetzt.

Konzeption Obgleich die Handlung des Manga und des Anime nicht auf tatsächlichen Begebenheiten beruht, enthalten diese viele korrekte Ereignisse und Details des Lebens des 18. Jahrhunderts; zudem treten mehrere historische Persönlichkeiten auf, so Marie-Antoinette und Hans Axel von Fersen – wenn auch in oft eher freier Darstellung. Auch Oscars Vater in der Serie, General Reynier de Jarjayes, ist eine historische Person. Daneben spielen die Beziehungen und Gefühle der Charaktere sowie Mode und Verliebtheit eine zentrale Rolle, wie dies bei vielen Manga für Mädchen ist.Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics, S. 215. Kodansha America, 1983.

In einem Epilog wird gezeigt, wie sich die Revolution weiterentwickelt und was mit der Königsfamilie, von Fersen, Robespierre und allen wichtigen Personen der Französischen Revolution geschieht. Die Serie endet mit dem Tod Marie-Antoinettes am 16. Oktober 1793.

Veröffentlichung des Manga Der Manga erschien in Japan von 1972 bis 1973 im Manga-Magazin Margaret, das sich an ältere Mädchen richtet. Die Geschichte wurde vom Verlag Shūeisha auch in zehn Sammelbänden herausgegeben. Der Manga wurde unter anderem ins Koreanische, Französische, Spanische und Italienische übersetzt.

Auf Deutsch erschien der Manga unter dem Titel Die Rosen von Versailles beim Carlsen Verlag, allerdings in sieben Bänden, da eine Neuauflage von 1987 als Vorlage für die deutsche Version diente. Seit März 2025 erscheint bei Planet Manga mit dem Titel Lady Oscar: Die Rose von Versailles eine überarbeitete Fassung des Mangas in bisher neun von geplanten zehn Bänden (Stand Juli 2026). Auf eine Unterteilung in Kapitel wurde verzichtet.

Adaptionen Takarazuka-Musical Eine Theater- und Musicalumsetzung der Takarazuka-Revue, in der sowohl weibliche als auch männliche Rollen ausschließlich von Frauen dargestellt werden, wurde erstmals im Jahre 1974 inszeniert. Traditionell wird die Geschichte in zwei Stücke aufgeteilt, welche jeweils zwei der Hauptcharaktere/Liebespaare belichten: Oscar Et André Hen und Fersen Et Marie-Antoinette Hen. Das Stück wird auch heute noch aufgeführt, zuletzt 2014 mit Ouki Kaname als Oscar. Das Titellied Ai Areba Koso gilt als Evergreen.

Anime

Serie 1979 produzierte das Studio Tōkyō Movie Shinsha eine 40-teilige Fernsehserie auf Grundlage des Mangas. Bis zur achtzehnten Folge war Tadao Nagahama Regie, danach übernahm Osamu Dezaki. Für das Charakterdesign waren Shingo Araki und Michi Himeno verantwortlich; die künstlerische Leitung oblag Ken Kawai, Tadao Kubota, Toshibaru Minako und Toshiharu Mizutani. Die Serie wurde erstmals vom 10. Oktober 1979 bis zum 3. September 1980 von Nippon TV in Japan ausgestrahlt.

Es folgten Ausstrahlungen in Frankreich, Spanien, Lateinamerika und Italien sowie dem arabischen Raum. Die Anime-Serie lief ab 25. Juli 1994 unter dem Titel Lady Oscar – Die Rose von Versailles erstmals auf dem deutschen Fernsehsender RTL II. 2003 strahlte Tele 5 die ersten zehn Episoden von Lady Oscar aus, beließ es aufgrund von Lizenzstreitigkeiten allerdings dabei. Die Firma KSM Film hat die Rechte an diesen Folgen erworben. Die DVDs sind im September 2006 erschienen, allerdings nur mit deutschem Ton.

Episodenübersicht

Folge Titel Japanische Erstausstrahlung Deutsche Erstausstrahlung 1 Das Duell 10. Oktober 1979 25. Juli 1994 2 Abschied von Wien 17. Oktober 1979 26. Juli 1994 3 Rivalinnen 24. Oktober 1979 27. Juli 1994 4 Vergifteter Wein 31. Oktober 1979 28. Juli 1994 5 Die Demütigung 7. November 1979 29. Juli 1994 6 Zwischenfall in Paris 14. November 1979 1. August 1994 7 Die Fälschung 21. November 1979 2. August 1994 8 Oscar in meinem Herzen 28. November 1979 3. August 1994 9 Der König stirbt, es lebe der König 5. Dezember 1979 4. August 1994 10 Zwei Schwestern 12. Dezember 1979 5. August 1994 11 Die Königin von Frankreich 19. Dezember 1979 8. August 1994 12 Intrigen 26. Dezember 1979 9. August 1994 13 Die Begegnung 9. Januar 1980 10. August 1994 14 Oscar ergreift Partei 16. Januar 1980 11. August 1994 15 Der Erbe der Bourbonen 23. Januar 1980 12. August 1994 16 Die fremde Schwester 30. Januar 1980 15. August 1994 17 Das Attentat 6. Februar 1980 16. August 1994 18 Heiratsabsichten 13. Februar 1980 17. August 1994 19 Rosalies Mutter 20. Februar 1980 18. August 1994 20 Der Schmerz der Liebe 27. Februar 1980 19. August 1994 21 Falsches Spiel 5. März 1980 22. August 1994 22 Die Kette 12. März 1980 23. August 1994 23 Die Kettenaffäre 19. März 1980 24. August 1994 24 Adieu, du Lenz meiner Jahre 26. März 1980 25. August 1994 25 Menuett der unerwiderten Liebe 2. April 1980 26. August 1994 26 Der schwarze Ritter 9. April 1980 29. August 1994 27 Die Maske fällt 16. April 1980 30. August 1994 28 Liebesqual 30. April 1980 31. August 1994 29 Der neue Befehlshaber 14. Mai 1980 1. September 1994 30 Ein Heiratsantrag 21. Mai 1980 2. September 1994 31 Die Vorboten der Revolution 4. Juni 1980 5. September 1994 32 Der Sturm beginnt 18. Juni 1980 6. September 1994 33 Wir sind das Volk 2. Juli 1980 7. September 1994 34 Unter Arrest 9. Juli 1980 8. September 1994 35 Die Macht des Volkes 23. Juli 1980 9. September 1994 36 Der Sturm bricht los 30. Juli 1980 12. September 1994 37 Erfüllte Liebe 6. August 1980 13. September 1994 38 Scheideweg des Schicksals 20. August 1980 14. September 1994 39 Der Sturm auf die Bastille 27. August 1980 15. September 1994 40 Die französische Revolution 3. September 1980 16. September 1994

Synchronisation Rolle SerieFilmJapanischer Sprecher (Seiyū)Deutscher SprecherJapanischer Sprecher Oscar François de Jarjayes Reiko Tajima Diana BorgwardtReiko Toda André Grandier Taro Shigaki Oliver RohrbeckYū Mizushima Louis XV. Yoshito Yasuhara Helmut Krauss Louis XVI. Hisashi Katsuta Frank Schröder Hans Axel von Fersen Katsunosuke HoriNachi Nozawa Gerald SchaaleKei Tomiyama Alain Keaton Yamada Johannes BerenzKeaton Yamada Victore de Girodelle Keiji Mishima David Nathan Marie-Antoinette Miyuki Ueda Marie BierstedtMiyuki Ueda Rosalie Rihoko Yoshida Daniela Reidies Sophie Glacé Kakuko Motoyama Hannelore Schüler Madamme Du Barry Ryōko Kinomiya Karin David General de Jarjayes Kenji Utsumi Stefan StaudingerKenji Utsumi Madame De Noailles Gisela Fritsch

Musik Die Musik der Serie wurde komponiert von Kōji Makaino. Der Vorspanntitel Bara wa Utsukushiku Chiru () und das Abspannlied Ai no Hikari to Kage () wurden von Hiroko Suzuki gesungen.

Die deutschen Liedtexte stammen von Michael Kunze.

Filme Der Film Versailles no Bara: Inochi Aru Kagiri Aishite () mit einer Laufzeit von 90 Minuten wurde am 21. Mai 1987 auf Video veröffentlicht und kam am 19. Mai 1990 in die japanischen Kinos. Regie führten Kenji Kodama und Yoshio Takeuchi.

Am 6. September 2022 wurde anlässlich des 50. Jahrestages der Veröffentlichung der Manga-Serie eine neue Anime-Verfilmung von Die Rose von Versailles angekündigt.https://www.animenewsnetwork.com/news/2022-09-06/rose-of-versailles-manga-gets-new-anime-film/.189390 Der Film wird von MAPPA produziert und von Ai Yoshimura inszeniert, wobei Tomoko Konparu das Drehbuch schrieb, Mariko Oka die Charaktere entwarf und Hiroyuki Sawano und Kohta Yamamoto die Musik komponierten. In Japan kam der Film am 31. Januar 2025 in die Kinos, der internationale Filmstart ist für den 30. April 2025 bei Netflix geplant.https://www.animenewsnetwork.com/news/2024-10-07/new-the-rose-of-versailles-anime-film-reveals-january-31-opening/.216419https://www.anime2you.de/news/886392/netflix-lizenziert-the-rose-of-versailles/

Realfilm 1979 drehte der französische Regisseur Jacques Demy als japanische Produktion einen Spielfilm unter dem Titel Lady Oscar mit Catriona MacColl als Oscar François de Jarjayes und Barry Stokes als André Grandier. Die Filmmusik zu diesem Kinofilm schrieb Michel Legrand. Die Handlung weicht in vielen Punkten gravierend vom Manga ab. So stirbt am Ende des Films nur André, und auch die Rolle Oscars in der Revolution ist wesentlich unbedeutender. Oscar als Kind wird von Patsy Kensit gespielt.

Analyse und Rezeption Lady Oscar gilt als Manga-Klassiker und hat das Shōjo-Genre (für Mädchen) mit Themen wie Geschichte revolutioniert. Der Manga brachte dem Genre auch erstmals Aufmerksamkeit außerhalb seiner Zielgruppe, bei männlichen Lesern wie in gebildeten Kreisen.Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics, S. 100 f. Kodansha America, 1983.