mini|Start zur ARC 2014 in Las Palmas de Gran Canaria
Die Blauwasserrouten oder Segelrouten über die Weltmeere sind die Strecken, die insbesondere Segelschiffe und Segelyachten bei der Überquerung der Meere bevorzugen. Seit Beginn der weltweiten Seefahrt werden Aufzeichnungen darüber geführt, welche Strecken zu welcher Jahreszeit befahren und welche Wetterbedingungen dabei angetroffen wurden. Daraus lassen sich monatliche oder jährliche Karten für den besten Wind aber die geringste Wahrscheinlichkeit schwerer Stürme entlang einer Route erstellen. Zusammen mit den ebenfalls jahreszeitlich bedingten Meeresströmungen ergeben sich einige klar bevorzugte Routen, um einen bestimmten Ozean zu überqueren. Der überwiegende Teil der Blauwassersegler wählt für eine teilweise oder vollständige Weltumsegelung entlang der sogenannten Barfußroute diese von Generationen an Seefahrern erforschten und dokumentierten Wege.
Klassischerweise beginnen Weltumsegelungen in Nordeuropa, in Norddeutschland (Wilfried Erdmann), in Südengland oder im französischen Les Sables-d’Olonne (z. B. auch die Regatta Vendée Globe) – wobei natürlich jeder andere Hafen möglich ist.
Allgemeines Dieser Artikel befasst sich hauptsächlich mit den Routen, die Segelschiffe wählen, wenn sie die Ozeane überqueren wollen. Für die Handelsschifffahrt spielen Überlegungen zu Windsystemen und Strömungen heute eine untergeordnete Rolle, denn sie kommen dank starker Maschinen fast immer dagegen an. Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Frachters beträgt wenigstens 15 Knoten, moderne Frachter erreichen 25–30 Knoten. Fahrtenyachten erreichen – abhängig von ihrer Größe, siehe Rumpfgeschwindigkeit – demgegenüber selten Geschwindigkeiten von mehr als etwa 12 Knoten. Und dies auch nur bei guten Windbedingungen und flacher See.
Segelyachten können die großen Distanzen autark zurücklegen, sind dabei aber auf Wind angewiesen. Winde in Sturmstärke oder hohe Wellen können ihnen aber gefährlich werden. Der Wind soll außerdem möglichst aus achterlichen Richtungen kommen, denn Kreuzen gegen den Wind bedeutet, dass mindestens das Eineinhalbfache der Strecke zurückgelegt werden muss. Bei Seegang ist es unter Umständen gar nicht mehr vernünftig möglich. Nur große Motoryachten können genügend Treibstoff mitführen, um einen Ozean zu überqueren. Sie fahren dabei ähnlich langsam wie Segelyachten, denn der hohe Verbrauch schließt Gleitfahrt aus.
Die Distanzen zwischen den möglichen An- und Abreisehäfen sind in Seemeilen angegeben, der üblichen Längeneinheit in der Seefahrt. Eine Weltumrundung summiert sich zu wenigstens 21.600 Seemeilen, das sind knapp über 40.000 Kilometer.
Atlantik mini|hochkant=1.5|Nord- und Südatlantik mit den bevorzugten Segelrouten in Richtung Westen.
Die Atlantiküberquerung ist die historisch bedeutendste Ozeanüberquerung, seit Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte und im Anschluss daran der Handel mit Amerika (und Afrika) aufblühte. Die zu bevorzugenden Routen über den Atlantik haben historisch auch den atlantischen Dreieckshandel begünstigt: Die „Ware“ konnte so nicht nur gewinnbringend verschifft werden, sondern auch schnell und mit relativ geringem Risiko.
Westwärts Von Nordeuropa aus führt die erste Etappe über die Biscaya nach Galicien, danach entlang der portugiesischen Westküste nach Süden und mit dem ersten großen Schlag von etwa 700 sm zu den Kanarischen Inseln, mit einem möglichen Zwischenstopp auf Madeira. Vom Mittelmeer her ist Gibraltar häufig der letzte kontinentaleuropäische Hafen vor den Kanaren.
Von den Kanarischen Inseln aus beginnt die eigentliche Atlantiküberquerung. Je nach dem Stand des Passatgürtels wird man erst noch ein bisschen weiter nach Südwesten segeln, um zwischen ungefähr 15 und 20 Grad nördlicher Breite auf die beständigen nordöstlichen Passatwinde zu treffen. Die südliche Route führt nah an den Kapverdischen Inseln vorbei, so dass dort nochmals ein Zwischenstopp möglich ist. Je nach gewählter Route sind zwischen 2660 sm (nördlichste Route) und 2900 sm (über Kapverden) zurückzulegen. Ziel sind meist die Inseln Antigua oder St. Lucia der Kleinen Antillen. Die Reisezeit ist November bis März, die beste Zeit meist Dezember oder Januar. In der Zeit zwischen Juni und November ist das Risiko tropischer Wirbelstürme relativ groß, so dass man diese Zeit zu meiden versucht. Diese Daten entstanden aufgrund der eingangs erwähnten empirischen Messwerte und Aufzeichnungen und sind natürlich keine Garantie für eine sorglose Überfahrt.
Jeden Herbst startet in Las Palmas de Gran Canaria die Atlantic Rally for Cruisers, eine Regatta, deren Hauptziel es ist, die teilnehmenden Yachten sicher über den Atlantik zu begleiten. Die Organisatoren überprüfen vor dem Start die Sicherheit der Yachten und geben unterwegs Informationen über Wetter und andere Gefahren an die Schiffe weiter.
Neben obiger „Standardroute“, die etwa 98 % aller Segler für die Atlantikpassage nehmen dürften,Blauwasserrouten, Seite 50 gibt es noch einige andere. Die zentrale Route vom Ärmelkanal und dem Absprunghafen Falmouth nach Neuschottland, Newport oder New York war die bei Passagierschiffen übliche. Das war auch die Route, auf der die Titanic unterwegs war, bevor sie für immer im Atlantik versank. Segler wählen diesen Kurs eigentlich nur, wenn sie unbedingt müssen. Denn abgesehen vom Gegenwind, mit dem man hier vermehrt rechnen muss, steht der Golfstrom gegenan und es muss vor Neufundland auch mit Nebel oder Eisbergen gerechnet werden.
Die Wikinger – heutiger Forschung entsprechend hat Erich der Rote Amerika entdeckt und nicht Christoph Kolumbus – befuhren jahrhundertelang noch nördlichere Routen, über Island oder Nuuk in Grönland nach Neufundland. Im Sommer können diese Routen auch von entsprechend ausgerüsteten Seglern befahren werden, da hier wieder mit Ostwind gerechnet werden darf. Allerdings sind die Wetter- und Eisbedingungen trotzdem ganz andere als auf der Passatroute.
Ostwärts mini|hochkant=1.5|Nord- und Südatlantik mit den bevorzugten Segelrouten in Richtung Osten.
Für die Reise von der Karibik oder der nordamerikanischen Ostküste zurück nach Europa führen die meisten Routen über die Bermudas und die Azoren. Im Frühling (März/April/Mai) bricht man von der US-Ostküste oder den Karibikinseln, auf denen man den Winter verbrachte, auf, und segelt die rund 900 sm (von Miami oder Antigua) nach Bermuda.
Zweiter wichtiger Zwischenhalt, den viele Yachten einlegen, sind die Azoren. In Horta befindet sich das Peter Café Sport, das unter Seglern bekannteste Restaurant der Welt. Die beste Route dorthin ist nicht eindeutig geklärt. Man wird zwar vorwiegend westliche Winde vorfinden und der Golfstrom schiebt von hinten, aber es ist auch mit längeren Flauten zu rechnen. Die beste Zeit für diese Reise ist im Monat Mai, zwischen Juni und November muss mit Wirbelstürmen gerechnet werden. Das letzte Stück der Reise von den Azoren an die europäische Küste oder ins Mittelmeer folgt dann im Juli oder August. Wer nach Nordeuropa will, muss bei bestehendem Azorenhoch noch eine gewisse Zeit mit Nordwind kämpfen, weshalb auch zunächst die portugiesische Küste angelaufen werden kann.
Die direkte Route von der Ostküste nach Falmouth ist ebenfalls eine Option, hier besteht allerdings wie auf dem Gegenkurs vor Neufundland die erhebliche Gefahr von Nebel und Eisgang. Kurse noch weiter nördlich wird erneut nur wählen, wer sich der Gefahren der arktischen Gewässer bewusst ist.
Südatlantik Der Südatlantik wird von Fahrtenseglern meist links liegen gelassen, da er abseits der Barfußroute liegt. Wer sich allerdings dafür entscheidet, Afrika südlich zu runden statt durch den Suezkanal zu fahren, muss auch den Weg über den Südatlantik nehmen. Man kann dabei entweder entlang der afrikanischen Westküste nordwärts Richtung Europa ziehen und so den Kreis schließen, oder den Südatlantik auf Höhe Brasiliens überqueren und der dortigen Küste entlang nach Norden in die Karibik segeln.
Der Südatlantik gilt als eines der sichersten Meere der Erde, denn die Sturmhäufigkeit ist sehr gering, und tropische Wirbelstürme gibt es hier nicht – bisher wurde eine einzige Wetterbeobachtung eines potentiellen Zyklons im Südatlantik gemacht.Blauwassersegeln, Seiten 135f Lediglich vor der argentinischen Küste treten gelegentlich stärkere Winde und Böen auf.
Nach Norden und Westen Der erste Teil, vom Kap der Guten Hoffnung entlang der Westküste bis Namibia ist, bis auf die Gefahr von Küstennebel relativ unproblematisch. Der Benguelastrom setzt mit bis zu 2 Knoten in Fahrtrichtung und auch der Wind kommt vorwiegend aus Südwesten. Die meisten Segler steuern danach eine oder gar beide der mitten im Atlantik liegenden Inseln St. Helena und Ascension an, denn diese liegen sowohl im Benguelastrom, der nach Brasilien führt, als auch annähernd auf der direkten Route nach Europa. Bis rüber an die brasilianische Küste läuft der Strom mit und die Windrichtung ist meist achterlich. Dies ermöglicht schnelle Überfahrten, mit dem einzigen Nachteil großer Rollbewegungen während der Fahrt. Dies kann das Material stark belasten und begünstigt Seekrankheit. Die Fahrt von Brasilien aus in die Karibik ist ganzjährig möglich, sofern man sich zur Wirbelsturmsaison südlich der üblichen Zugrouten hält. Venezuela und Trinidad beispielsweise können ganzjährig angelaufen werden.
Um von Ascension aus Europa zu erreichen, wird eine Route auf etwa 25° West empfohlen, die direkt zu den Azoren führt. Der Grund ist, dass die Kalmenzone im Westen schmaler ist und so weniger motort werden muss. Auf der Breite der Kanaren oder Kapverden Höhe nach Osten gutzumachen ist wegen des dort bereits vorherrschenden Ostpassats sehr unangenehm. Auch so ist nördlich der Passatzone mit einer längeren Strecke Amwind-Segeln zu rechnen. Auf Höhe des Äquators setzt der äquatoriale Gegenstrom ostwärts.
Nach Süden und Osten Die Strecke von den Kanarischen Inseln nach St. Helena ist etwas mühsam, da man viel am Wind segeln muss. Die Empfehlung ist, sich an der afrikanischen Küste entlang zu halten und erst im Golf von Guinea den Kurs Richtung St. Helena abzustecken. Um von St. Helena aus nach Kapstadt zu kommen, muss in der Regel intensiv gekreuzt werden, denn Kapstadt liegt genau in Luv der allgemeinen Windrichtung. Stürme im Südatlantik können die Windrichtung nach Südwest oder Nordwest drehen, was in diesem Fall hilfreich ist. Wegen des Benguelastroms, der auf der Reise nach Norden hilft, sollte man sich bei der Reise nach Süden aber nicht zu nah an der Küste bewegen.
Von Südamerika nach Kapstadt kann man einer fast direkte Route auf zwischen 30° Süd (Südwinter) und 37° Süd (Sommer) folgen. Strom und Winde kommen dann meist von achterlich, allerdings muss auch bereits mit dem Auftreten antarktischer Stürme gerechnet werden. Das Sturmrisiko lässt sich reduzieren, wenn man nördlich von 30° Süd bleibt, bis man den Nullmeridian in östlicher Richtung gequert hat. Von Piriápolis in Uruguay nach Kapstadt loggt man rund 3560 Seemeilen. Die abgelegene, aber bewohnte Inselgruppe Tristan da Cunha liegt entlang der Route.
Karibik Nach Ankunft in der Karibik wird man für gewöhnlich zunächst einige Wochen oder Monate Pause einlegen und nötige Reparaturen an Schiff und Ausrüstung durchführen. Die empfohlene Zeit für die Weiterreise von den Windward Islands zum Panamakanal ist erst zwischen März und Mai. Die direkte Route kann wegen starker Passatwinde sehr stürmisch sein und hoher Seegang kann die Überfahrt erschweren.vgl. Sebastian Pieters; Auf acht Metern um die Welt; Aequator Verlag; Karlsruhe 2015; ISBN 978-3-95737-003-7; Seiten 64ff Die Strecke ist nicht zu unterschätzen, sind es doch über 1100 Seemeilen bis nach Colón.