mini|Verlauf des Großen Grabenbruchsystems in Ostafrika – Ostafrikanischer und Zentralafrikanischer Graben sowie Südliches Rift Der Ostafrikanische Graben (englisch East African Rift System [EARS]), auch Großer Afrikanischer Grabenbruch, ist ein geologischer Graben im Osten Afrikas. Er wurde von John Walter Gregory in den 1890er-Jahren Great Rift Valley genannt, diese Bezeichnung wird auch im Deutschen verwendet. Der kontinentale ostafrikanische Graben wird gemeinsam mit der ozeanischen Senke des Roten Meers und dem nördlich daran anschließenden Jordangraben oft als eine durchgehende Schwächezone der Erdkruste interpretiert. Die geologische Bezeichnung der Gesamtstruktur ist heute meist Syrian–African Rift system, alternativ wird auch die Gesamtstruktur Großer Afrikanischer Grabenbruch genannt.
Der Ostafrikanische Graben erstreckt sich über rund 3500 Kilometer durch Ostafrika, vom Afar-Dreieck im Norden bis etwa in das Mündungsgebiet des Sambesi im Süden, und ist meist nur 50 bis 150 Kilometer breit. Das gesamte Grabensystem besteht aus zwei getrennten Ästen. Der östliche Ast besteht südlich des Afar-Dreiecks aus zwei Hauptabschnitten, dem Äthiopischen Graben und dem Keniagraben (auch Gregory Rift genannt). Der westliche Ast beginnt nördlich am Albertsee, verläuft bis zum Tanganjikasee nach Süden, schwenkt hier nach Südosten, und am Malawisee im Süden zurück auf südliche Richtung. Im südlichsten Abschnitt wird die Grabenstruktur undeutlich und besteht aus einzelnen Segmenten und Verwerfungen. Dieses Südliche Rift erreicht in Mosambik die Küste des Indischen Ozeans.
Vor allem das Afardreieck und der östliche Ast zeigen ausgedehnten, bis heute aktiven Vulkanismus. Der westliche Ast ist jünger und tektonisch aktiver, weist aber weniger Vulkane auf. In dem tief eingebrochenen Graben liegen aufgereiht die großen ostafrikanischen Seen, mit Ausnahme des Viktoriasees.
Verlauf mini|In den Ästen des Grabens erstrecken sich Seenketten miniatur|Typische Landschaft im Kraterhochland von Tansania Der Ostafrikanische Graben ist an der Erdoberfläche (geomorphologisch) erkennbar als eine generell in Nord-Süd-Richtung über Tausende Kilometer ausdauernde lineare Abfolge von einzelnen Grabenbrüchen. Diese Einzelgräben sind jeweils etwa 100 Kilometer lang, sie können als tief eingesenktes Tal erkennbar sein, oft mit Wasser angefüllt durch einen See, oder sie sind durch Eintrag von Sedimenten aufgrund von Erosion der angrenzenden Hochländer, bzw. durch Vulkanite des mit dem Rift zusammenhängenden Vulkanismus, aufgefüllt. Die Sedimentfüllungen der Gräben können Mächtigkeiten von über 3000 Metern erreichen. Die Gräben bilden zwei langgestreckte Einzelsysteme, die gewöhnlich als zwei Äste derselben Tiefenstruktur interpretiert werden. Der östliche Ast beginnt im Norden im Afar-Dreieck und endet im Süden in der Tansanischen Divergenzzone südlich des Natronsees, er ist etwa 2200 Kilometer lang. Der westliche Ast, im Deutschen auch als Zentralafrikanischer Graben bezeichnet, beginnt im Norden am Albertsee (Uganda, Demokratische Republik Kongo) und endet mit dem Malawisee, er erreicht 2100 Kilometer Länge. Beide Äste sind oberirdisch nicht miteinander verbunden. Durch weitere Brüche und Verwerfungen, die zumindest derzeit noch keinen vollständigen Grabenbruch erkennen lassen (teilweise als Halbgraben ausgebildet) sind beide Strukturen weiter nach Süden hin verlängert, meist wird angenommen, dass sie sich in Zukunft zu ähnlichen Gräben weiterentwicken werden.
Die tief eingesenkten Grabenstrukturen sind fast auf ganzer Länge in ausgedehnte Hochländer eingesenkt, die durchweg Höhen von über 1000 Meter aufweisen. Außerdem sind die unmittelbaren Ränder (Schultern) der Gräben auf erheblicher Länge parallel zum Graben noch einmal separat zu einem Gebirge angehoben. Weiterhin liegen hier, also benachbart zu den Gräben, gewaltige Schichtvulkane und Vulkangebiete.
Östlicher Ast Afar-Dreieck
Das Afar-Dreieck wird es begrenzt von den randlichen Gebirgsketten des Somali-Hochlands, die etwa 3000 Meter Höhe erreichen. Das Plateau ist am Rand des Grabenbruchs am höchsten und senkt sich nach Südosten hin kontinuierlich ab. Östlich des Grabenbruchs liegt das Äthiopische Hochland (Hochland von Abessinien), mit Höhen von über 3600 Metern Höhe, überragt von Einzelgipfeln von über 4000 Meter Höhe. Der Westrand fällt zum Graben hin abrupt von etwa 3700 Meter Höhe am Plateaurand auf etwa 500 Meter Höhe im Graben ab. Das Afar-Dreieck selbst bildet eine dazwischen liegende tiefe Senke.
Der östliche Ast des Grabenbruchs beginnt hier im Afar-Dreieck. Die Region bildet einen Tripelpunkt (Triple Junction) dreier Gräben, von denen zwei, im Roten Meer und im Golf von Aden (festländisch im Golf von Tadjoura endend), in Meeresarmen liegen und ozeanische Kruste bilden, während der dritte Ast, der Afrikanische Grabenbruch, in kontinentaler Kruste liegt. Die feinere Grabenstruktur innerhalb des Afar-Dreiecks ist kompliziert. Von Norden tritt ein Ast der ozeanischen Grabenstruktur des Roten Meeres parallel zu dessen Westküste (ein mittelozeanischer Rücken ist hier nicht ausgeprägt) am Golf von Zula in das afrikanische Festland ein. Der Hauptgraben des Roten Meeres verläuft mitten im Meer, parallel dazu weiter östlich. Beide sind durch einen abgesplitterten kontinentalen Krustenblock, der eine Mikroplatte bildet, den sogenannten Danakil-Block (als niedriges Gebirge ausgebildet), voneinander getrennt. Die an den Golf von Zula anschließende Grabensenke, die 220 Kilometer lange Danakil-Senke (oder Danakil-Depression) liegt dann bis zu 125 Meter tiefer als der Meeresspiegel. Hier verhindern heute Riegel aus jungen Vulkaniten, dass das Meer eindringen kann, etwa 2 Kilometer mächtige Decken aus Evaporiten zeigen aber frühere Meerestransgressionen an. Der mitten in der Senke liegende Schildvulkan Erta Ale ist bis heute aktiv. Von Osten her setzt sich das ozeanische Rift im Golf von Aden im Golf von Tadjoura in die festländische Kruste fort. Beide Grabensysteme bilden eine komplexe Struktur aus meist nordwest-südost-orientierten parallelen Gräben, in deren Mitte der eigentliche Tripelpunkt zu vermuten ist, erkennbare Plattengrenzen sind hier aber (noch) nicht auszumachen. Die Fortsetzung des Äthiopischen Grabens innerhalb des Afar-Dreiecks ist davon durch eine Störungszone abgesetzt. Die Einzelgräben innerhalb des Afar-Dreiecks sind teilweise bis heute tektonisch aktiv, erkennbar etwa durch regelmäßige Erdbeben. Andere zeigen ausgeprägten Vulkanismus. Neben der Grabenbildung im Zentrum des Afar-Dreiecks erstreckt sich eine, geomorphologisch und seismisch feststellbare, weitere Grabenstrutur parallel zum Ostrand des Äthiopischen Hochlands, die im Süden in den Äthiopischen Graben überleitet. Die Geologie ist insgesamt komplex, neben Dehnungsbewegugen, die den Graben verbreitern, sind Transformstörungen und Rotationsbewegungen von Krustenblöcken beteiligt. Die heutige Dehnung im Afar-Dreieck erfolgt zu erheblichen Anteilen nicht an den tektonischen Verwerfungen, sondern durch schmale vulkanisch aktive Spalten, in denen grabenparallel basaltische Kruste neu gebildet wird. Besonders vulkanisch und tektonisch aktiv ist zurzeit die Region Dabbahu, mit zahlreichen Erdbeben, die morphologisch erkennbare Spalten hinterlassen, und Vulkanausbrüchen. Im Tendaho-Graben, einer der nordnordwest-südsüdost-orientierten Teilstrukturen nahe des Tripelpunkts, konnten grabenparallel Streifen basaltischen Gesteins unterschiedlichen Alters nachgewiesen werden, die nach außen hin Streifen unterschiedlicher Magnetisierung des Gesteins zeigen, eigentlich typisch für mittelozeanische Rücken. Außerdem zeigt sich, dass sich die vulkanisch und tektonisch aktive Grabenstruktur immer weiter auf eine Zentralzone hin verengt, je jünger sie ist. Möglicherweise ist hier, als einziger Region der Erde, exakt der Übergang zwischen kontinentaler und ozeanischer Grabenbildung festzustellen.
Äthiopischer Graben An der Südspitze des Afar-Dreiecks wird der Grabenbruch fortgesetzt vom Äthiopischen Graben (auch Abessinischer Graben, englisch main Ethiopian rift). Dieser erstreckt sich etwa 330 Kilometer nach Süden, bei einer Breite von etwa 50 Kilometer. Hier ist der Talboden schon 750 bis über 1000 Meter hoch, begrenzt von abrupt zum Graben abfallenden Randgebirgen von 2500 bis 3000 Meter Höhe im Osten und 1800 bis 3500 Meter Höhe im Westen. Der Einschnitt ist zu großen Teilen durch vulkanische Gesteine angefüllt, also viel tiefer angelegt. Der Graben ist asymmetrisch, mit der Grabenachse entlang des Ostrands. Der Äthiopische Graben endet im Süden etwa am Awasasee. Der Äthiopische Graben beginnt im Norden in Nordost-Südwest-Orientierung, die südlicheren Abschnitte schwenken mehr und mehr auf Nord-Süd-Richtung ein. Es sind dementsprechend keine durchgehenden Randverwerfungen ausgebildet, sondern der Grabenrand besteht aus einer Abfolge von Abschnitten, zwischen denen die Störungen bis zu etwa einem Kilometer gegeneinander versetzt sind. Im Inneren der Grabenstruktur entsprechen diese jüngeren, tektonisch aktiven Verwerfungen, die nicht parallel zur Grabenachse ausgerichtet sind, sondern etwas gegen den Uhrzeigersinn gedreht, die Region wird als Wonji (oder Wonje) Fault Belt bezeichnet. Daran bildet sich in der Grabenmitte eine Abfolge bis in jüngste Zeit aktive vulkanische Zentren aus, darunter der Dofan, Fantale, Kone, Gedemsa, Boset-Bericha, Alutu und Corbetti. Der Vulkanismus ist bimodal, mit sauren Vulkaniten, die Calderen und Schichtvulkane hervorgebracht haben, und basischen, die überwiegend aus Spalten und Schlackenkegeln dazwischen entstammen. Nach Modellen geht die Grabenbildung hier jeweils zum Teil auf tektonische Aktivität entlang der Verwerfungen und magmatische Aktivität mit Verbreiterung vulkanischer Regionen durch Neubildung aus. Es ist aber wahrscheinlich, dass die heutige Dehnung überwiegend entlang der vulkanischen Zonen in der Grabenmitte stattfindet, nicht an den Randverwerfungen. Im südlichsten Abschnitt gabelt sich der Graben in zwei Äste, zwischen denen ein Horst, der Amaro-Horst, eingeschachtelt ist. Südlich davon wird die Grabenstruktur undeutlich. Der Vulkanismus im Südabschnitt ist älter als im Norden und hält bis in rezente Zeit an, aber weniger aktiv als im Norden. Ob die Grabenbildung im Äthiopischen Graben im Süden begann und sich nach Norden fortsetzte, oder im Norden startete, ist dabei bis heute umstritten. Einige Geologen nehmen sogar an, ein initiales Rift im Norden und im Süden seien hier zuletzt zusammengewachsen.
Turkana-Tiefland Weiter südlich wird die Grabenstruktur undeutlich, die angrenzenden Höhen erreichen kaum 400 Meter Höhe, die Region wird als Omo-Turkana-Tiefland bezeichnet. Das Rift Valley ist morphologisch nicht erkennbar, bei geologischen Kartierungen sind aber nach Norden bis Nordosten streichende Verwerfungen und Halbgräben erkennbar, die die Struktur unterirdisch fortsetzen. Die Sedimentfüllung der Halbgräben erreicht bis zu 7 Kilometer Mächtigkeit.
Kenia-Graben