Günter Tondorf (* 8. Juli 1934 in Bonn; † 13. Juni 2023 in Mannheim) war ein deutscher Rechtswissenschaftler, Fachanwalt für Strafrecht und Honorarprofessor an der Universität zu Köln.
Werdegang Tondorfs Vater war Kaufmann, seine Mutter Hausfrau. In Bonn-Dottendorf besuchte er die Volksschule, anschließend bis 1951 das staatliche Beethoven-Gymnasium Bonn. Nach Umzug der Familie absolvierte er die letzten Jahre bis zum Abitur 1955 am Humboldt-Gymnasium Düsseldorf, anschließend studierte Tondorf Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln und der Freien Universität Berlin. 1961 trat er in den Juristischen Vorbereitungsdienst ein, der ihn in den folgenden drei Jahren zurück nach Düsseldorf und auch nach Rosenheim führte. 1965 wurde Tondorf mit einer Dissertation zum Thema Der Aufopferungsanspruch im Zivilrecht bei Hans Carl Nipperdey an der Universität zu Köln zum Dr. jur. promoviert. Am 13. Mai 1966 erfolgte seine Zulassung als Rechtsanwalt. 1967 gründete Tondorf eine eigene Anwaltssozietät in Düsseldorf. Schwerpunkte seiner Tätigkeit liegen im Straf- und Strafvollstreckungsrecht.Günter Tondorf In der Sozietät Tondorf, Böhm & Leber, Düsseldorf, abgerufen am 14. April 2018.wber: Günter Tondorf feiert seinen 80. Geburtstag. In: Rheinische Post. 15. Juli 2014.
Tondorf war 1974 Gründungsmitglied von Deutsche Strafverteidiger e.V. In: Deutsche Strafverteidiger e.V. Abgerufen am 15. April 2018. sowie 1991 von Anwälte für Ärzte e.V. und ist seit 1991 Beirat der Fachzeitschrift Strafverteidiger.Beirat. In: Strafverteidiger. Abgerufen am 14. April 2018. Bekanntheit erlangte er durch Fälle wie z. B. die von Rolf Bossi übernommene Verteidigung der Vergewaltiger von Silvia K.,Gerhard Mauz: „Ich habe nichts als meine Pflicht getan“. In: Der Spiegel. 11/1985, 11. März 1985. S. 103–112. als bestellter Sachverwalter bei der Hermann-Niermann-Stiftung,Klaus-Peter Schmid: Mit vollen Händen. In: Die Zeit. 48/1994.Südtirol ist überall. In: Der Spiegel. 45/1994, 7. November 1994. S. 86–72. als Verteidiger von Norbert Rüther in der Kölner Spendenaffäre,Pascal Beucker, Frank Überall: Müllmann Rüther. In: die tageszeitung. 22. Juni 2002. beim Drogenprozess gegen Jörg Immendorff,Hartmut Zitzen: Richter bezeichnete Angeklagte als Neger. In: Kölner Stadtanzeiger. 30. Mai 2006. beim Prozess gegen den vierfachen Frauenmörder Gerhard Manfred Börner 1989,„Eine Person der Zeitgeschichte“. In: Der Spiegel. 42/1990. S. 104–109. dem Prozess um die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen 1996.Platzt Prozess um Flughafenbrand? In: Spiegel Online. 17. August 2000. oder als Verteidiger des Ex-Konzernbetriebsratsvorsitzenden Jürgen Ladberg im Mannesmann-Prozess.Meike Nohlen, Jörn Poppelbaum: Anklage gegen ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte von Mannesmann. In: JUVE. 28. Februar 2003.
Von 1993 an war Tondorf Lehrbeauftragter für Theorie und Praxis der Strafverteidigung an der Universität zu Köln. 2000 erfolgte seine Berufung zum Honorarprofessor an der Universität zu Köln. Als SPD-Mitglied war er zudem viele Jahre Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen tätig.Sozialdemokraten ehren verdiente Mitglieder. In: Meine Woche Abgerufen am 28. September 2020.
Von 2003 bis 2009 war Tondorf wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Konfliktforschung e. V. in Köln, zu dessen Mitbegründern er 1976 zählte und das auf interdisziplinären Foren in Maria Laach unter Kriminologen, Strafjuristen, Rechtspsychologen und forensischen Psychiatern kriminalwissenschaftliche Fragen erörtert. Tondorf ist auch Mitautor des Standardwerks Beck’sches Formularbuch für den Strafverteidiger.Rainer Hamm, Klaus Leipold, Stephan Beukelmann, Ernst Burgmair, Rüdiger Deckers, Annika Dießner, Nils Fabian Gertler, Ferdinand Gillmeister, Alexander Ignor, Matthias Jahn, Heinz Kammeier, Wolfgang Köberer, Thomas Kuhn, Stefan Kirsch, Wolfgang Lesting, Regina Michalke, Anke Müller-Jacobsen, Kai Peters, Ralf Ritter, Christian Rode, Thomas Rönnau, Babette Tondorf, Günter Tondorf, Holger Zuck: Beck’sches Formularbuch für den Strafverteidiger. 6. Auflage C.H. Beck 2018 ISBN 978-3-406-68451-7 In den Jahren 1980/81 war Tondorf an der Erstellung des Musterentwurfs für ein Maßregelvollzuggesetz beteiligt, 1984 wurde er vor dem Landtag NRW zum Erlass des Maßregelvollzuggesetzes für Nordrhein-Westfalen als Sachverständiger angehört.Heribert Waider: Laudatio zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. Günter Tondorf. 8. Juli 2004.
Von 1970 bis 1974 war Tondorf Mitglied des Düsseldorfer Stadtrats. Bei der NRW-Landtagswahl 1980 kandidierte er für den Wahlkreis 49 in Düsseldorf. 1983 war er Gründungsmitglied des Initiativkreises Kultur in Düsseldorf e.V., des Initiativkreiseses Kultur in Düsseldorf e.V. dessen Vorstand er bis heute ununterbrochen angehört. Ab 1988 war er über zehn Jahre hinweg Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Düsseldorf der Arbeiterwohlfahrt.
Privates Im Mai 1964 heirateten Günter Tondorf und Ursula Geck († 2020). Die Tochter des Paares, Babette Tondorf, zählt gemeinsam mit Günter Tondorf zu den Mitverfassern juristischer Standardwerke und ist selbst als Strafverteidigerin in Hamburg tätig.
Publikationen Psychologische und psychiatrische Sachverständige im Strafverfahren. 3. Auflage C.F. Müller Verlag 2011 ISBN 978-3-8114-5714-0 mit Heinz Kammeier: Streben nach Gerechtigkeit. Lit Verlag 2004 ISBN 978-3-8258-6889-5 Staatsdienst und Ethik: Korruption in Deutschland. Nomos Verlag 1995 ISBN 978-3-7890-3865-5 Verzeichnis von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten für Rechtsberatungen und Pflichtverteidigungen im Massregelvollzug. Holger Harfst Verlag Würzburg 1996 ISBN 978-3-926557-08-7 Die Ärzteschaft im Spannungsfeld des Strafrechts. JFB-Verlag 1998 ISBN 978-3-931027-05-6
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