mini|Carl Friedrich Weidemann als Modern Orpheus, nach einer Zeichnung von William Hogarth Carl Friedrich Weidemann, auch Charles Frederick Weidemann, Carl Friedrich Weideman, Carl Friedrich Weidmann, Carl Friedrich Wiedeman (* um 1704; † 24. Mai 1782 in London) war ein in London wirkender deutscher Flötist und Komponist.
Leben Über Carl Friedrich Weidemanns Herkunft und Ausbildung ist nichts bekannt.Grove gibt kein Geburtsdatum an Vor dem Oktober 1724 kam er nach London. Im Frühjahr 1725 spielte er als Flötist in Georg Friedrich Händels Oper Tamerlano im New Theatre, Haymarket. Als Johann Joachim Quantz 1727 nach London kam, galt Weidemann bereits als einer der führenden Flötisten der Stadt. Er spielte als Flötist und Oboist vor allem in Händels Orchester und lehrte das Spiel auf der German Flute (Querflöte). Manche Flötenpartien in Händels Werken waren auf ihn zugeschnitten. Ardal Powell meint, er könnte Teil der musical/homosexual underworld Londons gewesen sein.Ardal Powell: The Flute. Yale University Press 2002, ISBN 0-300-09498-1, S. 79.
Im April 1738 zählte er neben Michael Christian Festing zu den Begründern der Wohltätigkeitseinrichtung Fund for the Support of Decayed Musicians and their Families, die später als Royal Society of Musicians of Great Britain bekannt wurde und die auch Händel unterstützte. Für das Jahr 1751 wurde er als einer von drei Governors der Royal Society bestimmt, die für die Leitung, die Organisation und das Programm der Publick Performance am Jahresende verantwortlich waren.Pippa Drummond: The Royal Society of Musicians in the Eighteenth Century. In: Music and Letters. 59, 1978, S. 268–289; DOI:10.1093/ml/59.3.268.
Als Nachfolger des 1750 verstorbenen Giuseppe Sammartini übernahm Weidemann als music master von Friedrich Ludwig von Hannover den Flötenunterricht des späteren Königs Georg III.Hans Joachim Marx: Die Musik am englischen Hof von Georg III. In: Göttinger Händel-Beiträge. XV. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-27832-1, S. 120 Nach der Thronbesteigung von Georg III. 1760 wurde Weidemann im Königlichen Orchester The King’s Band of Musicians angestellt und war Assistant Master of the King's Musick unter William Boyce. Er war auch für die Gestaltung der Festmusiken zu den königlichen Geburtstagsfeiern zuständig und schrieb eine Reihe von Menuetten für Hofbälle.
Weidemann blieb unverheiratet. Er lebte zur Untermiete in der Nähe des St. James’s Place. Sein Erbe vermachte er dem Oboisten Peter Philip Eiffert (1711(?)–1793).Michael Talbot: Philip Peter Eiffert: a German oboist and composer in 18th-century London. In: The Musical Times. 164, 2023, Nr. 1962, S. 3–22; .Eiffert, [Peter?] Philip. In: Philip H. Highfill, Kalman A. Burnim, Edward A. Langhans: A Biographical Dictionary of Actors, Actresses, Musicians, Dancers, Managers & Other Stage Personnel in London, 1660–1800. Band 5: Eagan to Garrett. Southern Illinois University Press, Carbondale and Edwardsville 1978, ISBN 0-8093-0832-0, S. 45 f.; .
mini|The countess’s morning levee (Ausschnitt) Der Flötist in William Hogarths viertem Gemälde aus der satirischen Serie Marriage a-la-Mode, The Toilette oder The countess’s morning levee, wird traditionell als Carl Friedrich Weidemann identifiziert. Hogarths satirische Darstellungen fanden als Kupferstiche weite Verbreitung. Der Flötist ist hinter einem dickleibigen Sänger, der vermutlich den Kastraten Giovanni Carestini karikiert, und direkt unter einem Gemälde positioniert, das den Raub des Ganymed darstellt. Georg Christoph Lichtenberg schreibt darüber:
Neuerdings hält Bernd Krysmanski dies jedoch für eine satirische Darstellung Friedrichs des Großen.Bernd Krysmanski: Das einzig authentische Porträt des Alten Fritz? : entdeckt in Hogarths Marriage A-la-Mode = Is the only true likeness of Frederick the Great to be found in Hogarth's Marriage A-la-Mode. Krysman Press, Dinslaken 2015, ISBN 978-3-00-050343-6. mini|The Enraged Musician (1741) Weidemann ist auch das Sujet eines weiteren Werks von Hogarth: The Modern Orpheus zeigt ihn, wie er beim Flötenspiel auf der Straße seine Zuhörer in den Bann nimmt. Nahrungsmittel, Münzen und andere Gegenstände werden ihm zugeworfen.
Es ist auch angenommen worden, dass Weidemann die Vorlage für die Darstellung des Straßen-Oboisten in Hogarths satirischem Kupferstich The Enraged Musician lieferte.Jeremy Barlow: The Enraged Musician: Hogarth's Musical Imagery. Ashgate Publishing, London 2005, ISBN 1-84014-615-X, S. 204.
Werke op. 1: 12 Solo-Sonaten für Flöte und Basso continuo (ca. 1737)Werkliste nach Grove (→ Literatur) op. 2: 6 „Concertos in seven parts“ für 1 bis 2 Flöten und Streicher (ca. 1746) op. 3: 6 Sonaten für Flöte(n), Violine und Basso continuo (1751) op. 4: 6 Duette für 2 Flöten (ca. 1751) op. 5: Zweites Set von 12 Solo-Sonaten für Flöte und Basso continuo (ca. 1760) op. 6: 6 Duette für 2 Flöten (ca. 1765) op. 7: 6 „Concertos in eight parts“ für 2 Flöten, 2 Hörner ad libitum und Streicher (ca. 1766) op. 8: 6 Quartette für Flöte, Violine, Viola und Cello (1773)
Literatur Weideman, Charles Frederick, in: Philip H. Highfill, Kalman A. Burnim, Edward A. Langhans: A Biographical Dictionary of Actors, Actresses, Musicians, Dancers, Managers & Other Stage Personnel in London, 1660–1800. Band 15: Tibbett to M. West. Southern Illinois University Press, Carbondale and Edwardsville 1993, ISBN 0-8093-1802-4, S. 335; .
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Einzelnachweise
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