Der Waltherpark (Schreibweise des Projektentwicklers WaltherPark, früher Kaufhaus Bozen-Bolzano) ist ein Gebäudekomplex mit Einkaufszentrum, Hotel, Büros und Wohnungen im Innenstadtbereich der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen. Das auf einen Entwurf von David Chipperfield zurückgehende und von der Signa Rem Italia GmbHBaubeginn für Benko-Kaufhaus rückt näher. unsertirol24.com am 30. Januar 2018 der Signa-Gruppe des Investors René Benko bzw. nach deren Insolvenz 2024 von der deutschen Schoeller Group realisierte Projekt wurde 2019 begonnen und nach fünf Jahren im Herbst 2025 fertiggestellt.

Lage mini|Areal vor Beginn der Abriss- und BauarbeitenDer Waltherpark liegt im Zentrum von Bozen zwischen Zugbahnhof und Südtiroler Straße auf dem Gelände des früheren Bahnhofsparks in unmittelbarer Nähe zum Waltherplatz. Die Gesamtnettofläche beträgt ca. 16.000 m2. Im Zuge der Bauarbeiten mussten einzelne architektonisch wertvolle Gebäude, darunter der ehemalige Busbahnhof, sowie das Hotel Alpi in der Südtiroler Straße, ein Wohnhaus in der Garibaldi-Straße sowie die ehemalige Handelskammer von Bozen im Bahnhofspark abgetragen werden.

Geschichte mini|Teilansicht der Baustelle von Osten im Februar 2023 mini|Bautafel, April 2024 Signa schloss 2011 mit den Eigentümern des Hotel Alpi einen Optionsvertrag für das erste relevante Grundstück und sicherte sich 2012 die Kontrolle über weitere Schlüsselgrundstücke. Am 5. März 2013 wurden der Stadtgemeinde Bozen die ersten Projektpläne von David Chipperfield vorgestellt.Im Fokus: Heinz Peter Hager, abgerufen am 23. Dezember 2024. Am 18. November 2013 hinterlegte die Innsbrucker Signa Holding über ihre Bozner Gesellschaft Kaufhaus Bozen GmbH den Projektvorschlag „Kaufhaus Bozen-Bolzano“ bei der Stadtgemeinde Bozen als „Plan für eine städtebauliche Umstrukturierung“ und eröffnete einen Showroom im Palais Menz in der Innenstadt von Bozen zur Information der Bevölkerung. Am 25. Juni 2014 wurde der Wettbewerb für die Requalifizierung des Viertels am Bahnhof Bozen von der Bozener Stadtregierung ausgeschrieben. Am 7. August 2014 zog die Signa sich aus dem Wettbewerb des Bahnhofsviertels zurück. Zum 8. August 2014 wurde das Projekt „Kaufhaus Bozen-Bolzano“ offiziell in der Stadtgemeinde Bozen zur Genehmigung eingereicht. Am 31. Oktober 2014 erklärte die Dienststellenkonferenz aus Experten der Gemeinde und der Landesverwaltung das „Kaufhaus Bozen-Bolzano“ zum Wettbewerbssieger. Ein konkurrierendes Projekt „Erlebnishaus“ um Unternehmer Georg Oberrauch wurde wegen Qualitätsmängeln ausgeschlossen; die Oberrauch-Gruppe reichte erste Rekurse ein. Im Frühling 2015 wurde das Projekt „Kaufhaus Bozen-Bolzano“ in „WaltherPark“ umbenannt. Im Frühling/Sommer 2015 wurde die programmatische Vereinbarung erarbeitet, in Bürgerversammlungen wurde die Bevölkerung informiert. Am 23. Juli 2015 stimmten 22 Gemeinderäte für das Projekt, 19 dagegen, drei weiße Stimmzettel wurden als „Nein“ gewertet.Bozen: Benko bei Kaufhausprojekt vorerst gescheitert Die Presse am 24. Juli 2015 Zum Jahreswechsel 2015/16 bildete sich eine breite Front gegen das Projekt aus lokalen Vereinen, Politikern, Künstlern, Architekten, konkurrierenden Unternehmern und Anrainern. Im März 2016 verklagte Heinz Peter Hager – Referent der Signa in Bozen – die Betreiber einer Satire-Website zum geplanten Benko-Kaufhaus in Bozen. Im März/April 2016 befragte Kommissar Penta die Stadtbevölkerung in einem Referendum, ob sie dem Signa-Projekt zustimmt. Rund zwei Drittel sind dafür gewesen. Anschließend wurde die programmatische Vereinbarung unterzeichnet und ratifiziert. Im Herbst 2016 war die Ausschreibung zur Veräußerung des öffentlichen Grundstücks. Im April 2017 erhielt die WaltherPark GmbH den Zuschlag für die Verbauung des Bozener Busbahnhofs und ersteigerte das Areal in Zentrumsnähe. Im Januar 2018 wurde der Kaufvorvertrag für die Gebäude und Grundstücke, auf denen das Bauvorhaben samt Kaufhaus entstehen sollte, unterzeichnet. Die Bauarbeiten für den Waltherpark begannen mit dem Abbruch des ehemaligen Busbahnhofs in der Perathonerstraße im Sommer 2019. Anfang Oktober 2023 wurde von Geschäftsführer Hager mitgeteilt, dass die Fertigstellung von Herbst 2024 auf März/April 2025 verschoben sei. Im April 2024 übernahm die Schoeller Group übernimmt die Waltherpark AG. Im Dezember 2024 gab es Untersuchungen der italienischen Justiz u. a. wegen Bestechung und einen vorübergehenden Hausarrest für den Projektleiter Hans-Peter Hager. Im Juli 2025 war die Eröffnung des Hotels Falkensteiner Waltherpark. Im September 2025 wurde eine unterirdische Zufahrt (Walther-Tunnel), die ausgehend von der Josef-Mayr-Nusser-Straße unterhalb von Verdiplatz und Südtiroler Straße zu den beiden Tiefgaragen (Waltherplatz und Falkensteiner) führt, für den Verkehr freigegeben. Einen Tag vor der Eröffnung des Waltherparks wurde René Benko am 15. Oktober 2025 zu zwei Jahren Haft verurteilt, weitere Verfahren sind anhängig. Der Waltherpark wurde am 16. Oktober 2025 eröffnet, in Anwesenheit von David Chipperfield, Heinz Peter Hager und Christoph Schoeller.

Bauablauf mini|Blick auf die Baustelle des Waltherparks im Mai 2022 mini|Aufnahme von Nordosten, Bauzustand 2026 Der erste Entwurf wurde von Star-Architekt David Chipperfield erstellt und seitdem von einem lokalen Büro optimiert. Im Zuge der Umgestaltung des Bozner Bahnhofsareals wurde der Entwurf im Jahr 2014 offiziell bei der Gemeinde Bozen eingereicht und dort zunächst abgelehnt, setzte sich jedoch nach weiteren Versuchen durch. Nach breiter Zustimmung bei einer rechtlich nicht bindenden Volksbefragung vom 29. März bis 4. April 2016 machte schließlich ein Gericht den Weg für die Verwirklichung des Projektes frei. Die Gemeinde Bozen schloss mit dem Projektentwickler einen als programmatische Vereinbarung bezeichneten Vertrag, der u. a. auch die Errichtung eines Tunnels unter der Südtirolerstraße beinhaltet. Er enthält eine Klausel, dass das Eigentum an sämtlichen Grundstücken auf die Gemeinde Bozen übergeht, falls der Projektträger nicht in der Lage sein sollte, die Arbeiten im Ex-Busbahnhofareal fortzuführen bzw. abzuschließen.Die Rückgabe-Klausel.

Im Sommer 2019 erfolgte der Baubeginn. Die Bauarbeiten waren zunächst mit einer Dauer von rund fünf Jahren veranschlagt, gerieten jedoch aufgrund von Bombenfunden auf dem im Zweiten Weltkrieg stark bombardierten Areal und eines großflächigen Grundwassereinbruchs in Verzug. Mehrmals mussten Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden, wodurch die Altstadt im großen Maßstab blockiert wurde, Zug und Straßenverkehr auf der Brennerstraße gestoppt und umlegende Areale evakuiert werden mussten.https://www.suedtirolnews.it/chronik/bozen-entschaerfung-der-fliegerbombe-am-morgigen-sonntag

Im Zuge des Projekts wurde der zentrale Busbahnhof für die Innenstadt Bozen verlegt und außerhalb neu errichtet. Der vielbefahrene Knotenpunkt rund um den Verdiplatz wird durch Bauarbeiten für die Einfahrt der Tiefgarage des Kaufhauses zusätzlich belastet. Das Vorhaben ordnet sich nicht in den städtebaulichen Masterplan für Bozen sowie in die Planung für die Neubebauung des Bahnhofareals ein.

Die Kühlung der Gebäude am Waltherpark erfolgt aus dem Eisack. Dazu wurden durch Flusswasser gekühlte Wärmetauscher installiert. Um diese Anlage anzubinden, wurde Ende Februar 2024 eine 70 Tonnen schwere Rohrbrücke neben der Bozner Loretobrücke über den Eisack errichtet.70 Tonnen, 500.000 Euro: „Waltherpark“-Brücke in Bozen wurde montiert, abgerufen am 23. Dezember 2024. Diese Kühlung spart etwa 2.000 Megawattstunden Strom im Jahr und führt zu einer Flusserwärmung um 0,1 Grad. Dies wird von Fischern als unkritisch angesehen, solange nicht durch eine Vielzahl weitere ähnlicher Projekte das Wasser stärker erwärmt wird.

Im Laufe des Jahres 2023 kam die Signa-Gruppe, zu der damals auch der Projektentwickler Waltherpark AG gehörte, in wirtschaftliche Schieflage, und div. Bauprojekte der Gruppe wurden gestoppt. Zugleich wurde Ende Oktober für diese Bauprojekte mitgeteilt, sie würden planmäßig weitergeführt.https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2023/11/signa-pleite-karstadt-kaufhof-bauprojekt-hermannplatz-kurfuerstendamm.html Anfang November wurde mitgeteilt, man plane den Eröffnungstermin nun für 2025 und die Bauarbeiten würden planmäßig weiter laufen. Am 29. November 2023 rutschte die Holdinggesellschaft des Projektentwicklers in Insolvenz,https://www.tageszeitung.it/2023/11/30/kein-weltuntergang/ genau einen Monat später die Muttergesellschaft Signa Prime Selection AGhttps://www.rainews.it/tgr/tagesschau/articoli/2023/12/signa-prime-reicht-insolvenzantrag-ein-1cede53a-22e2-4810-8099-b24c0e370762.html Signa Prime reicht Insolvenzantrag ein. und kurz darauf deren Tochter Signa Real Estate Management GmbH, die Alleininhaberin der den Bau leitenden Signa Rem Italia GmbH ist.https://www.rainews.it/tgr/tagesschau/articoli/2024/01/signa-pleiten-rucken-immer-naher-an-bozen-heran--8ba8db0d-8353-47ce-b56e-aaae2d41fb25.html Im April 2024 übernahm die deutsche Schoeller Group die Waltherpark AG aus der Insolvenzmasse und führt das Projekt weiter.https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/heinz-peter-hager-freue-mich-fuer-bozen-und-den-waltherpark

Anfang Dezember 2024 wurden Untersuchungen der italienischen Anti-Mafia-Behörden bekannt, weil Bauaufträge und Abrissarbeiten teilweise ohne die dafür benötigten Unterlagen und Unterschriften genehmigt worden seien. Auch sei entgegen der Bauordnung die Nutzung bestimmter Flächen durch städtische Angestellte ganz einfach umgewidmet worden. Es steht der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung im Raum, und Hans-Peter Hager, Präsident der Waltherpark AG und Vorstandschef von Benkos Privatstiftung Laura, wurde unter Hausarrest gestellt.https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-12/rene-benko-haftbefehl-italien-signa-ermittlunghttps://www.diepresse.com/19145558/abgehoert-so-sprach-signa-manager-hager-ueber-politiker Das 4-Sterne-Superior-Hotel im Waltherpark, das Hager gekauft hatte, gehört ihm nicht mehr.Hager verliert Luxushotel im WaltherPark, abgerufen am 23. Dezember 2024.

Bewertung Das architektonische Großprojekt war seit seiner Initiierung von zahlreichen Kontroversen begleitet. Zustimmung und Ablehnung standen sich teilweise schroff gegenüber, ehe sich in einem im Frühjahr 2016 abgehaltenen Referendum die überwiegende Mehrheit der Stadtbevölkerung für die Umsetzung des Bauvorhabens aussprach. Aus stadtsoziologischer Sicht wurde auf die Aufgabe eigenen städtischen Planungswillens verwiesen, so dass der Waltherpark »auch die Folge jahrzehntelangen Stillstands der kommunalen Politik, die ihre ureigenen Planungsaufgaben massiv vernachlässigt hatte und sich auf den bescheidenen Erfolgen der 1980er- und 1990er-Jahre ausruhen wollte«, sei.

Weblinks

Website des Projektentwicklers zum Waltherpark Website von David Chipperfield Architects e-architect: Waltherpark Bolzano Building by David Chipperfield, 3. März 2026

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Bozen Kategorie:Signa Holding