mini|290px|Überblick vom Hill-Komplex nach Süden, 1997 mini|290px|Die Mauer der Großen Einfriedung, 2010

Groß-Simbabwe (auch Alt-Simbabwe, ) ist eine Ruinenstadt, die 25 Kilometer von Masvingo entfernt in der Provinz Masvingo in Simbabwe liegt. Der Name Simbabwe bedeutet je nach Dialekt Große Steinhäuser oder geehrte Häuser. Die Ansiedlung auf dem gleichnamigen Plateau war die Hauptstadt des Munhumutapa-Reiches (auch Monomotapa-Reich), das außer dem heutigen Simbabwe auch Teile von Mosambik umfasste. Groß-Simbabwe hatte in seiner Blütephase vom 11. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts bis zu 18.000 Einwohner, wurde von den Monarchen Simbabwes als königlicher Palast genutzt und war das politische Machtzentrum. Der Reichtum der Metropole beruhte auf Rinderzucht, Goldgewinnung und Fernhandel. Zeugnisse des spirituellen Zentrums sind die Simbabwe-Vögel aus Speckstein. Die Anlage ist der größte vorkoloniale Steinbau in Afrika südlich der Sahara und einer der ältesten.

Die Stadt war bereits verlassen und dem Verfall preisgegeben, als erstmals Europäer im 16. Jahrhundert auf sie aufmerksam wurden. Irrtümlicherweise wurde sie lange Zeit als Heimat der Königin von Saba gedeutet. Die Ergebnisse der archäologischen Forschung widerlegen diese These jedoch; als Entstehungszeit der Anlage wird die späte Eisenzeit angenommen, was in dieser Region dem 11. Jahrhundert entspricht.

Die Ruinen von Groß-Simbabwe finden sich seit 1981 im Staatswappen Simbabwes abgebildet und stehen seit 1986 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Geografie

Lage Groß-Simbabwe liegt 240 Kilometer südlich der Hauptstadt Harare und etwa 25 Kilometer südsüdöstlich von Masvingo, dem früheren Fort Viktoria, entfernt in der Masvingo-Provinz in der südlichen Hälfte von Simbabwe. Die Ruinen liegen auf einer Höhe von . Unmittelbar nördlich, etwa zwei Kilometer entfernt, beginnt der Landschaftspark Mutirikwi Recreational Park mit dem Lake Kyle und dem Lake Mutirikwi. Dieser Stausee bedeckt etwa 90 km² und wurde seit 1960 aufgestaut, als der Kyle-Damm im Fluss Mutirikwi, einem Nebenfluss des Runde, erbaut wurde.

Die Lage auf diesem PlateauInnocent Pikirayia, Shadreck Chirikureb: Zimbabwe Plateau and Surrounding Areas. In: Encyclopedia of Archaeology. S. 9–13. doi:10.1016/B978-012373962-9.00326-5 bot der Stadt einen natürlichen Schutz vor der Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis). Diese durch die Tsetsefliege verbreitete Krankheit kann Menschen und Rinder töten, jedoch sind Tsetsefliegen nur in tiefer liegenden Gebieten verbreitet.Manu Ampim: Great Zimbabwe: A History Almost Forgotten Toronto 2004.

Südwestlich der Ruinenstätte liegt die Morgenster Mission, eine 1894 im Auftrag der Dutch Reformed Church von John T. Helm errichtete Missionsstation mit Hospital.C. J. Zvobgo: Medical Missions: A Neglected Theme in Zimbabwe’s History, 1893–1957. In: Zambezia. 13(2), (1986), S. 109–118, hier S. 110 PDF Nördlich führt die Straße nach Masvingo, und im Osten liegt der kleine Ort Dorogoru.

Gliederung mini|Anordnung der Ruinen von Groß-Simbabwe

Die Stätte umfasst ein 722 Hektar großes, umzäuntes Gebiet und ist in vier Teile gegliedert: Auf der Anhöhe befindet sich die sogenannte Bergruine, in der Talebene südlich davon die Einfriedungen, östlich davon das museale Shonadorf und westlich der Einfriedungen die moderne Infrastruktur mit Hotel, Campingplatz, Verwaltungsgebäuden und Zufahrtsstraßen.

Südlich der Bergruine öffnet sich ein relativ breites Tal, in dem die Einfriedungen stehen, von denen die Große Einfriedung das südlichste Bauwerk darstellt. Im Westen liegen – von Norden nach Süden – die Outspan-Ruine, die Lagerruine und die Hügelruine. Die übrigen, kleineren Ruinen wurden vor allem nach ihren jeweiligen Erforschern benannt: Unmittelbar nördlich der Großen Einfriedung liegen die Ruine Nr. 1, die Posselt-Ruine, die Renders-Ruine und die Mauch-Ruine. Östlich davon schließen sich die Philips-Ruine, die Maund-Ruine und die Ostruine an.

Geologie Das Areal, auf dem sich die Ruinen von Groß-Simbabwe befinden, liegt etwa 110 Kilometer östlich des Great Dyke, in dem begehrte Edelmetalle, vor allem Gold, abgebaut wurden. Der Untergrund von Groß-Simbabwe selbst besteht überwiegend aus Granit mit massiven Gneisadern, die im frühen Präkambrium durch Kontaktmetamorphose entstanden. Geologische Untersuchungen erbrachten, dass die zum Bau der Mauern verwendeten Granitblöcke vor allem auf Biotitbasis entstanden sind. Die Zusammensetzung besteht zu 35 % aus Quarz, zu 58 % aus Feldspat (Mikroklin 28 %, Plagioklase 30 %), zu 4 % aus Biotit, zu 3 % aus Muskovit und zu weniger als 1 % aus Eisenerz.Webber Ndoro: The preservation of Great Zimbabwe. Your Monument our Shrine (ICCROM Conservation Studies 4). Rom 2005, S. 22, ISBN 92-9077-199-2 Als härtere Steine zur Bearbeitung des Granits für die Bauwerke wurden Diorite verwendet.

Klima Der Ort befindet sich in einer subtropischen bis tropischen Klimazone mit feuchten, teilweise schwül-heißen Sommern und winterlicher Trockenzeit. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Groß-Simbabwe liegt zwischen 20,8 und 26,1 °C. Die wärmsten Monate sind Oktober und November mit durchschnittlich 29,2 beziehungsweise 28,7 °C, die kältesten Juni und Juli mit 5,8 beziehungsweise 5,4 °C im minimalen Mittel. Die Temperatur fällt fast nie unter den Gefrierpunkt. Der meiste Niederschlag ist im Dezember mit durchschnittlich 140 Millimetern, der geringste im Juni und Juli mit durchschnittlich 3 und 6 Millimetern zu verzeichnen. Wegen des Sommermonsuns fallen die Niederschläge besonders im Zeitraum von Mitte November bis Ende Januar; der Jahresdurchschnitt liegt bei 614 Millimetern. Nach Innocent Pikirayi, Dozent für Geschichte und Archäologie an der Universität Simbabwe und Kenner der Ausgrabungsstätte,Innocent Pikirayi: The Zimbabwe culture: origins and decline of southern Zambezian states. 2001, S. 66. sollen die Niederschlagswerte für das Gebiet rund um die Ruinen jedoch höher, nämlich bei 800 bis 1000 Millimetern jährlich liegen, was bedeuten würde, dass die Landwirtschaft ertragreicher war.

Vegetation Der Vegetation in Groß-Simbabwe, insbesondere der Mobola-Pflaume oder Muhacha (Parinari curatellifolia), einem Goldpflaumengewächs, wird eine mythische Bedeutung zugeschrieben. Exotische eingeschleppte Pflanzen, die heute den Ort beherrschen, sind der Palisanderholzbaum (Jacaranda mimosifolia), der Rote Eukalyptus (Eucalyptus camaldulensis) und das Wandelröschen (Lantana camara).Webber Ndoro: The preservation of Great Zimbabwe. Your Monument our Shrine (ICCROM Conservation studIes 4). Rom 2005, S. 57 Die Ruinen waren im Laufe der Zeit von vielen Exemplaren der Red milkwood (Mimusops zeyheri, aus der Gattung der Sapotengewächse) und von einer strauchartigen Nessel (Girardinia diversifolia) überwuchert.Herbert W. A. Sommerlatte: Gold und Ruinen in Zimbabwe. Aus Tagebüchern und Briefen des Schwaben Karl Mauch (1837–1875). Gütersloh 1987, S. 156–171.

Geschichte

Name Es gibt zwei Thesen über die Herkunft des Wortes „Simbabwe“: Die erste besagt, dass das Wort von Dzimba-dza-mabwe abgeleitet ist, übersetzt vom Karanga-Dialekt der Shona als „großes Haus aus Stein“ (dzimba = die Häuser, mabwe = der Stein) oder auch großes Steinhaus/Steinpalast (das Präfix z- markiert eine Vergrößerungsform wie das italienische Suffix -one).Michel Lafon: Shona Class 5 revisited: a case against *ri as Class 5 nominal prefix. (PDF; 797 kB) In: Zambezia. 21 (1994), S. 51–80.Lawrence J. Vale: Mediated monuments and national identity. In: Journal of Architecture. 4 (1999), S. 391–408 doi:10.1080/136023699373774. Die Karanga-sprechenden Shona wohnen rings um Groß-Simbabwe; vermutlich bewohnten sie die Region bereits beim Bau der Stadt. Die zweite These geht davon aus, dass Zimbabwe eine kontrahierte Form von dzimba-hwe ist, was im Zezuru-Dialekt von Shona „geehrte Häuser“ bedeutet, ein Ausdruck, der für die Gräber und Häuser der Häuptlinge verwendet wurde.Peter Garlake: Great Zimbabwe: New Aspects of Archaeology. London 1973, S. 13. Die Stadt war Namenspatin des Staats Simbabwe (auch Zimbabwe, ehemals Südrhodesien).

Der Zusatz „Groß“ (beziehungsweise „Great“) dient der Unterscheidung von rund 150 kleineren Ruinen, genannt Simbabwes, die über das ganze Land Simbabwe verteilt sind.M. Sibanda, H. Moyana u. a.: The African Heritage. History for Junior Secondary Schools. Book 1. Zimbabwe Publishing House, 1992, ISBN 0-908300-00-X. Auch in Botswana gibt es etwa 100 Simbabwes, während sich die Zahl der Simbabwes in Mozambique noch nicht abschätzen lässt..

Eisenzeitliche Geschichte mini|hochkant|Africae tabula nova 1570:Cefala = Sofala,Manich = Manica,Simbaoe = Gr. Simbabwe,Zuama = Sambesi.

Das Gebiet um Groß-Simbabwe wurde in der Zeit von 300 bis 650 n. Chr. besiedelt. Davon zeugen Felsmalereien im etwa acht Kilometer von Masvingo entfernten Gokomere. Die Gokomere/Ziwa-Tradition mit ihrer charakteristischen Keramik und dem Gebrauch von Kupfer wird archäologisch der Eisenzeit zugeordnet.Neville Jones: Further Excavations at Gokomere, Southern Rhodesia. In: Man. Vol. 32 (Jul., 1932), S. 161 f. Die Ziwakultur errichtete jedoch keine Steinbauten.Shadreck Chirikure, Innocent Pikirayi: Inside and outside the dry stone walls: revisiting the material culture of Great Zimbabwe. In: Antiquity. 82 (2008), S. 976–993. https://www.researchgate.net/publication/273293351_Inside_and_Outside_the_Dry_Stone_Walls_Revisiting_the_Material_Culture_of_Great_Zimbabwe

Erste bäuerliche Ansiedlungen in Mapungubwe am Limpopo stammen aus der Zeit um das Jahr 900. Das dortige Königreich bestand etwa zwischen 1030 und 1290; mit seinem Niedergang aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen begann der Aufstieg Groß-Simbabwes.Thomas N. Huffman: Mapungubwe and Great Zimbabwe: The origin and spread of social complexity in southern Africa. In: Journal of Anthropological Archaeology. 28, H. 1, (2009), S. 37–54. doi:10.1016/j.jaa.2008.10.004Thomas N. Huffman: Climate change during the Iron Age in the Shashe-Limpopo Basin, southern Africa. In: Journal of Archaeological Science. 35, H. 7 (2008), S. 2032–2047. doi:10.1016/j.jas.2008.01.005 Auf dem Plateau von Groß-Simbabwe scheinen Jäger und Sammler, eisenzeitliche Ackerbaukultur und arbeitsteilige Gesellschaften direkt aufeinander gestoßen zu sein. Es entstanden teils nacheinander, teils parallel mehrere Staaten. Groß-Simbabwe war das erste Zentrum des Mutapa-Reiches, dessen Macht bis an die Küste reichte und auch nördlich und südlich über das heutige Simbabwe hinausging. Khami, ein ähnlich großer Komplex von Gemäuern sieben Kilometer westlich von Bulawayo, entstand zunächst parallel und war später Zentrum des Torwa-Reiches.

Das Königreich von Munhumutapa