miniatur|Deckblatt der Oktoberausgabe 1934 des Magazins Weird Tales mit der Geschichte Black God's Kiss. Jirel von Joiry ist die Hauptfigur einer Reihe von Fantasy-Kurzgeschichten der amerikanischen Autorin Catherine L. Moore. Sie trat erstmals in der Kurzgeschichte Der Kuss des schwarzen Gottes auf. Die insgesamt sechs Erzählungen erschienen zwischen Oktober 1934 und April 1939 in dem Pulp-Magazin Weird Tales.
Hintergrund 1934 waren im Fantasygenre weibliche Helden noch selten anzutreffen, weibliche Charaktere waren oft nur Beiwerk der Handlung. Mit Jirel von Joiry führte Moore eine Heldin ein, die zwar kämpferisch handelt, jedoch nicht lediglich eine Übertragung des männlichen Helden in eine weibliche Rolle darstellt, sondern betont weibliche Charakterzüge hat. Damit wurde die Rolle der Frau in diesem Genre neu definiert.Rezension auf blackgate.com von Ryan Harvey (englisch, abgerufen am 14. April 2018).
Im Kuss des schwarzen Gottes wird Jirels Erscheinung und Gebaren folgendermaßen beschrieben:
Suzy McKee Charnas umschreibt das in ihrer Einleitung einer Sammlung der Jirel-Geschichten als „Rambo-eske Johanna von Orleans“.a Rambo-esque Joan of Arc. Vgl. Suzy McKee Charnas: Where No Man Had Gone Before. In: C. L. Moore: Black God’s Kiss. Paizo Publishing (Planet Stories #3), 2007, ISBN 978-1-60125-045-2.
In einer Nachbemerkung zu der von Lester del Rey herausgegebenen Sammlung The Best of C. L. Moore schrieb Moore:
Wie der Anthologist Karl Edward Wagner bemerkte:
Heute sind Fantasy-Amazonen und weibliche Superhelden etwas durchaus Geläufiges, doch 1934 gab es kaum etwas Vergleichbares. Es gab einige Vorbilder: die Amazonen der antiken Mythen; einige weibliche Ritter in der Literatur wie Bradamante in Ariostos Orlando furioso, die jungfräuliche Ritterin Britomartis in Spensers Versepos The Faerie Queene und die ebenfalls jungfräuliche Jungfrau von Orleans. Das Debüt von Wonder Woman lag noch sechs JahreAll-Star Comics #8, Winter 1940–1941, Verkaufsstart 22. November 1940. in der Zukunft, Sheena würde erst 1937 das Licht des Dschungels erblicken und die allenfalls vergleichbaren Figuren Robert E. Howards wie Red Sonya of Rogatino, die im Januar 1934 in der Kurzgeschichte The Shadow of the Vulture (deutsch Horde aus dem Morgenland) erschien, oder die erstmals 1936 auftretende Valeria, die Kampfgefährtin und Geliebte Conans, waren letztlich keine ausgeformten Hauptfiguren. Howards historische Erzählungen mit der ebenfalls rothaarigen Agnes de Chastillon erschienen postum erst in den 1970er Jahren.
Die Zeit war jedenfalls reif: Nachdem in den 1920er Jahren die weiblichen Protagonisten stark dezimiert worden waren, sah man gegen Ende der 1930er zahlreiche neue weibliche Hauptfiguren, darunter einige Superheldinnen wie Watt Dells mit Superkräften und Röntgenblick ausgestattete Olga Mesmer (1937, die erste Comic-Superheldin) und die im Dunkeln leuchtende Vera Ray (1940) sowie die Golden Amazon von John Russell Fearn (1939).Jess Nevins: The Evolution of the Costumed Avenger : The 4,000-Year History of the Superhero. ABC-Clio 2017, ISBN 978-1-4408-5484-2, S. 195 f.
Ein Merkmal, das Jirel von den keuschen bzw. jungfräulichen Heldinnen der Ritterromane unterscheidet, ist ihr durchaus aufgeschlossenes Verhältnis zur Sexualität. So bekennt sie im Kuss des schwarzen Gottes: „Weiß Gott, lockere Liebe ist mir nicht fremd – doch eines Mannes Spielzeug sein für eine Nacht oder zwei, bevor er dir das Genick bricht oder dich als Sklavin verkauft – und erst, wenn Guillaume dieser Mann ist!“„God knows I’m not innocent of the ways of light loving—but to be any man’s fancy, for a night or two, before he snaps my neck or sells me into slavery—and above all, if that man were Guillaume!“ Es ist also nicht Sexualität an sich, die sie ablehnt, sondern die grinsende Überheblichkeit des Macho-Eroberers Guillaume, der sie zur rasenden Furie werden lässt. Erst als Guillaume durch den dämonischen Kuss übermannt wimmernd in die Knie sinkt, kann Jirel Mitleid empfinden und zugleich sich ihre wahren Gefühle für Guillaume eingestehen.Jennifer Jodell: Mediating Moore: Uncertain Origins and Indeterminate Identities in the Work of C. L. Moore. St. Louis 2010, S. 177, Fn. 159.
Erzählungen Black God’s Kiss / Der Kuss des schwarzen Gottes Jirels Burg wird erobert. Sie steigt hinab in eine fantastische Unterwelt, um eine Waffe gegen den Eroberer zu finden. Als sie diesen mit einem verhängnisvollen Kuss getötet hat, bedauert sie ihre Tat. Black God’s Shadow / Der Schatten des schwarzen Gottes Jirel Meets Magic / Der Turm der Welten The Dark Land / Das dunkle Land Quest of the Starstone Hellsgarde
Bibliografie Einzelerzählungen Black God’s Kiss. In: Weird Tales. Vol. 24, Nr. 4 (Oktober 1934). Übersetzungen: Der Kuß des schwarzen Gottes. Übersetzt von Lore Straßl. In: C. L. Moore: Jirel, die Amazone. Pabel (Terra Fantasy #25), 1976. Auch als: Der Kuss des Schwarzen Gottes. In: C. L. Moore: Jirel, die Amazone. Festa (Festa Dark Fantasy #1102), 2002, ISBN 3-935822-44-8. Auch in: Frank Festa (Hrsg.): Das rote Zimmer. Festa (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens #2625), 2010, ISBN 978-3-86552-088-3. Der Kuß des schwarzen Gottes. Übersetzt von Irene Holicki. In: C. L. Moore: Der Kuß des schwarzen Gottes. Heyne SF&F #3874, 1982, ISBN 3-453-30760-7. Auch in: C. L. Moore: Shambleau. Heyne (Bibliothek der Science Fiction Literatur #77), 1990, ISBN 3-453-03929-7. Black God’s Shadow. In: Weird Tales. Vol. 24, Nr. 6 (Dezember 1934). Deutsch: Der Schatten des schwarzen Gottes. Übersetzt von Lore Straßl. In: Jirel, die Amazone. 1976. Auch in: Jirel, die Amazone. 2002. Jirel Meets Magic. In: Weird Tales. Vol. 26, Nr. 1 (Juli 1935). Deutsch: Der Turm der Welten. Übersetzt von Lore Straßl. In: Jirel, die Amazone. 1976. Auch in: Jirel, die Amazone. 2002. The Dark Land. In: Weird Tales. Vol. 27, Nr. 1 (Januar 1936). Das dunkle Land. Übersetzt von Lore Straßl. In: Hugh Walker (Hrsg.): Schwerter, Schemen und Schamanen. Pabel (Terra Fantasy #32), 1977. mit Henry Kuttner: Quest of the Starstone. In: Weird Tales. Vol. 30, Nr. 5 (November 1937). Deutsch: Das Geheimnis des Sternensteins. Übersetzt von Lore Straßl. In: Jirel, die Amazone. 2002. Hellsgarde. In: Weird Tales. Vol. 33, Nr. 4 (April 1939). Übersetzungen: Hellsgarde. Übersetzt von Ingrid Rothmann. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 25. Ullstein 2000 #45 (2964), 1973, . Auch als: Hellsgate. In: L. Sprague de Camp (Hrsg.): Schwerter und Magie. Ullstein (Ullstein Science Fiction & Fantasy #31160), 1973, ISBN 3-548-31160-1. Hellsgarde. Übersetzt von Lore Straßl. In: Jirel, die Amazone. 2002.
Sammlungen Jirel of Joiry. Paperback Library, 1969. Auch als: Black God’s Shadow. Donald M. Grant, 1977, ISBN 0-686-27900-X. Neuausgabe: Ace Books, 1996, ISBN 0-441-38570-2. Black Gods and Scarlet Dreams. Gollancz / Orion (Millennium / Gollancz Fantasy Masterworks #31), 2002, ISBN 0-575-07417-5 (Omnibus-Ausgabe von Jirel-von-Joiry- und Northwest-Smith-Geschichten, Quest of the Starstone ist nicht enthalten). Black God’s Kiss. Mit einer Einleitung von Suzy McKee Charnas (Where No Man Had Gone Before). Paizo Publishing (Planet Stories #3), 2007, ISBN 978-1-60125-045-2.
Deutsche Zusammenstellungen: Jirel, die Amazone. Pabel (Terra Fantasy #25), 1976. Jirel, die Amazone. Festa (Festa Dark Fantasy #1102), 2002, ISBN 3-935822-44-8.
Literatur Jennifer Jodell: Mediating Moore: Uncertain Origins and Indeterminate Identities in the Work of C. L. Moore. Dissertation Washington University in St. Louis 2010, All Theses and Dissertations (ETDs) #784, online.
Weblinks Series: Jirel of Joiry in der Internet Speculative Fiction Database
Einzelnachweise
Kategorie:Fantasyliteratur Kategorie:Literarische Figur Kategorie:Fiktive Person Kategorie:Catherine L. Moore