Der Architekt Iossif Karakis ist eine von Oleg Junakow verfasste dokumentarisch-biographische Monographie, die dem Architekten Iossif Juljewitsch Karakis gewidmet ist und 2016 vom Verlag Almas veröffentlicht wurde.
Die Monographie war vom Präsidium der Ukrainischen Akademie der Architektur zur Veröffentlichung empfohlen worden. Bald nach ihrem Erscheinen fand sie bei den Lesern ein lebhaftes Echo und wurde zum Thema von Diskussionen in literarischen und architektonischen Kreisen, sowohl in der Ukraine als auch in anderen Ländern.
Entstehungsgeschichte Die Biographie von Iossif Karakis wurde zum 110. Geburtstag des Architekten geplant, konnte aber erst zu dessen 115. Geburtstag erscheinen. Der Autor des Buches, Oleg Junakow, erstellte auch das Layout. Als wissenschaftliche Konsultantin und Lektorin fungierte Irma Karakis, Kandidatin der Architektur.
Die Monographie wurde Ende 2016 in New York vom Verlag Almas herausgebracht und in Kiew (Ukraine) gedruckt.
Während der Arbeit an dem Buch besuchte Junakow Städte, wo Karakis wirkte, interviewte dessen Bekannte und Kollegen, z. B. den Schriftsteller Aleksandr Kanewskij und den Architekten Aleksandr Rappoport in Toronto. In Taschkent besuchte er die nach Karakis’ Projekt gebaute Schule Nr. 110. In Chicago traf er Michail Budilowskij, der den berühmten „Brief der Dreizehn“ mit unterzeichnet hatte. In Köln sprach er mit Aleksandr Kijanowskij, der an der Rekonstruktion des Hauses der Offiziere in Engels teilgenommen hatte. In New York machte er Aron Bleiweiß und Grigorij Kaluschner ausfindig und korrespondierte mit Pawel Wigderhaus aus Donezk. Es gelang ihm auch, das Grab des Vaters von Iossif Karakis in Usbekistan zu finden, dessen genauen Standort seine Familie nicht gekannt hatte.
Das Erscheinen des Buches fand ein starkes Echo, weil das Schaffen von Iossif Karakis, der einer der bedeutendsten Architekten der Ukraine war, bis jetzt wenig erforscht ist. Ein Interesse dafür bestand bereits lange vor dem Erscheinen.
Die Veröffentlichung des Buches wurde mehrmals in der Presse annonciert. So wurde die Monographie beispielsweise in der Literatur-Rundschau in der Ukraine und in Russland erwähnt, z. B. in der Zeitschrift Antiquar und in der Zeitung Segodnja. Sie wurde im Radio und im Fernsehen thematisiert und von verschiedenen kulturellen Einrichtungen (z. B. vom Literaturzentrum Twer), von der Zeitschrift Salon u. a.) zum Lesen empfohlen.
Nach der Veröffentlichung des Buches im Jahr 2016 fanden in Kiew mehrere Präsentationen statt: am 13. November im Klub Kiewer, am 15. November in der Zentralen Staatlichen wissenschaftlichen W.-I.-Sabolotnyj-Bibliothek für Bau und Architektur, am 17. November im Scholem-Alejchem-Museum und am 19. November im Klub Subbota u begemota der Nationalen Bibliothek der Ukraine „Jaroslaw der Weise“. Am 6. Juni 2017 fand eine Präsentation in der Nationalen Universität für Bau und Architektur Kiew statt.
Buchbeschreibung mini|hochkant|Nikolaj Djomin, Volksarchitekt der Ukraine, Doktor der Architektur und Professor mini|hochkant|Gary Berkowitsch, Kandidat der Architektur (AIA, NCARB)
Das Buch enthält über 1.100 Abbildungen, die mit wenigen Ausnahmen erstmals veröffentlicht wurden. Kritiker betonen u. a. die gute polygraphische Ausführung des Buches, die hohe Qualität des Papiers und die moderne Gestaltung. Der Vorsatz ist in Form einer Farbkollage gestaltet, die die wichtigsten, jedem Stadtbewohner wohlbekannten Bauwerke Karakis’ in Kiew zeigt.
Die Monographie ist in Form eines Bildbandes gestaltet, was sich durch die zahlreichen Abbildungen erklärt, bei denen es sich um Fotos aus dem Archiv des Architekten, Aquarelle, Archivdokumente sowie Fotos verschiedener Bauwerke und Projekte handelt. Diese Abbildungen, insbesondere Aquarelle und Landschaftsbilder, verleihen dem Buch nach Meinung J. Golubowskijs eine lyrische Note. Alle Erklärungen, Ergänzungen, Abbildungen und Fußnoten sind fast immer auf einer Doppelseite angebracht. Das Material ist chronologisch angeordnet.
Die Ausgabe enthält einzigartige Materialien, die früher nur im Familienarchiv des Architekten zugänglich waren. Nach Meinung von Kritikern ist das Buch für Leser verschiedener sozialer Schichten und Altersgruppen, Berufe und sogar politischer Ansichten von Interesse.
Viele Rezensenten weisen auf die enorme Zahl von Quellenangaben und Fußnoten hin.
Inhalt Das Buch ist in vier Hauptteile mit ausführlichen Unterabschnitten gegliedert: Iossif Karakis. Seine Persönlichkeit und seine Epoche. Erinnerungen und Eindrücke seiner Freunde und Mitstreiter: N. M. Djomin, W. W. Tschepelik, M. P. Budilowskij und I. L Degen Leben und Werk. Eine etappenweise Schilderung seines Lebens und Schaffens. Eine Systematisierung zahlreicher Projekte, Dokumente und Fotos von Bauwerken. Positive und negative Bewertungen seiner Arbeiten. Künstlerisches Erbe Karakis’: Auserwählte Publikationen, die wichtigsten verwirklichten Projekte, baukünstlerische Arbeiten, unverwirklichte Pläne, unveröffentlichte Werke, Chroniken des 90. Jubiläums Iossif Karakis’ u. a.
Anhang Liste der Abbildungen und Namenregister
Im Buch werden nicht nur das Schaffen des Baumeisters, sondern auch verschiedene Etappen seines harten Schicksals beschrieben. Die Ausgabe gibt 628 Informationsquellen über Iossif Karakis an.
Filmographie Nach diesem Buch wurden mehrere Fernsehsendungen gemacht: «Києвотека. Київські портрети. Останній з київських грандів. Иосиф Каракіс» (Kiewer Porträts. Der letzte der Kiewer Granden. Iossif Karakis). Die Sendung wurde erstmals am 18. Februar 2017 um 20.00 Uhr vom ukrainischen Zentralkanal ausgestrahlt, dann, am 2. April 2017, um 18.20 Uhr auf dem Kanal Kultur gezeigt. «Останній з київських грандів. Иосиф Каракіс». Die Premiere fand am 17. März 2017 im ukrainischen Zentralkanal um 14.20 Uhr statt (затем повтор 9 апреля в 23:20). Verschiedene Materialien aus dem Buch kamen außerdem in der Sendung »ТОП Міста — Каракіс« im Kanal ТРК МІС zur Verwendung.
Kritiken Das Buch erhielt vorwiegend positive Kritik. Kritiker betonen hauptsächlich die Unvoreingenommenheit des Autors, die gute Systematisierung, die große Anzahl von Informationsquellen und Fotos sowie neue Materialien. So wurden in der Monographie beispielsweise dem breiten Publikum wenig oder gar nicht bekannte Tatsachen und Dokumente veröffentlicht, die neue, recht interessante Aspekte wohlbekannter Bauwerke aufzeigen.
Literaturwissenschaftliche Kritik mini|hochkant|Anatolij Kontschakowskij mini|hochkant|Michail Kalnizkij mini|hochkant|Sergej Karatopw Die erste Rezension über die Monographie war ein umfangreicher Artikel von Jewgenij Golubowskij in der Zeitung Wsemirnyje Odesskije nowosti. Neben einer detaillierten Beschreibung des Buches betonte Golubowskij u. a., dass der Abschnitt „Preisausschreiben für den Memorialkomplex in Babi Jar (Kiew)“ seiner Meinung nach einer der dramatischsten sei. Er erwähnte auch, dass er Jurij Assejew, einen der „Gerechten des Babij Jar“ (Ehrentitel, der Menschen verliehen wurde, die während des Zweiten Weltkrieges Juden vor der nationalsozialistischen Vernichtung retteten) persönlich kannte, den Oleg Junakow mehrmals zitiert habe. Nach Golubowskijs Meinung sei die Geschichte des Kampfes um die Erhaltung des Andenkens an die Tragödie des Babij Jar sehr ausführlich beschrieben worden. Zum Schluss bezeichnete er das Buch als „sehr bemerkenswert“.
Stanislaw Zalik meinte, ein guter Architekt müsse zwei Mal Glück haben: zuerst mit der Entfaltung seines Talents und dann mit dem Biographen. Iossif Karakis habe mit dem Biographen Glück gehabt, dem gelungen sei, was nur wenigen gelinge. Zalik erwähnte nicht nur die enorme Arbeit des Autors beim Sammeln des Materials. Junakow habe überdies die einzig richtige Arbeitsmethode gefunden, die in einer Distanzierung von der Hauptgestalt des Buches und vom Geschehen sowie in einer objektiven, parteilosen Schreibweise besteht. Er sympathisiere zwar mit Iossif Karakis, halte jedoch strikte Neutralität ein, zwinge dem Leser nicht seine Meinung auf, sondern lasse ihn selbst Schlüsse ziehen. Vom Neutralitätsprinzip sei er nur einmal abgegangen, als er die unverdienten Vorwürfe gegenüber dem bereits verstorbenen Architekten widerlegte, was er allerdings nüchtern und sachlich getan habe, indem er sich auf objektive Tatsachen stützte. Positiv bewertet wurden das Vergleichen alter Fotos von Bauwerken mit denen von heute sowie speziale, sehr informative Texte in Form von ausführlichen Anmerkungen zu den Fotos und die enorme Zahl von Quellenangaben, die die Gründlichkeit der Arbeit des Autors bestätigen. Zalik schrieb, es wäre interessant, in Erfahrung zu bringen, wer in den von Karakis errichteten Häusern wohnte. Er verwies außerdem auf einige Entdeckungen des Autors, auf Tatsachen, die von Historikern übersehen worden seien, wie beispielsweise die Zusammenarbeit von Karakis und A. Gorskaja. Er äußerte sich schließlich positiv zur Information über die Teilnahme Karakis’ am Wettbewerb für das beste Projekt eines Memorialkomplexes in Babij Jar. Zum Schluss brachte Zalik seine Begeisterung für das „großartige Buch“ zum Ausdruck.
Die Zeitung der KNUSA (Kiewer Nationaluniversität für Architektur und Bauwesen), wo Karakis einige Jahrzehnte lang gearbeitet hatte, brachte eine Reihe von Rezensionen über die Monographie heraus. Michail Kalnizkij schrieb: „Diese Arbeit verdient die höchste Wertschätzung. Das Buch hat Hand und Fuß, es enthält viel Neues“. Anatolij Kontschakowskij erzählte, das Buch habe großes Interesse bei Mitgliedern des Kiewer Klubs der Bibliophilen „Subbota u Begemota“ ausgelöst.
Sergej Karatow ist der Meinung, die Monographie könne durchaus in die Buchserie „Das Leben herausragender Persönlichkeiten“ aufgenommen werden, zumal darin im Unterschied zu typischen Büchern dieser Serie, die keinen wissenschaftlichen Apparat aufweisen, zahlreiche Dokumente und Informationen enthalten seien. Der Kritiker betonte die Unvoreingenommenheit des Autors, der das in der Ausgabe veröffentlichte Material erforscht habe und sich auch auf Meinungen anderer Architekten sowie auf Archivdokumente und über 500 Publikationen berufe. Er ging auf die Objektivität und Unparteilichkeit Junakows ein und meinte, eine solche Herangehensweise sei heute, unter recht komplizierten Bedingungen in der Ukraine, besonders wichtig. Karatow analysierte die Monographie und riet den Lesern, das Buch zu lesen. Das Schicksal Iossif Karakis’ beeindruckte ihn dermaßen tief, dass er ihm ein Gedicht widmete.
Die Literaturkritikerin Tatjana Kajssarowa pflichtete Karatow darin bei, dass Junakows Tatsachentreue und peinliche Genauigkeit beim Sammeln von echten Materialien dessen charakteristische Eigenschaft, das Buch aber selbst für den unvorbereiteten Leser zugänglich und interessant sei. Sie äußerte sich auch positiv über die zahlreichen Erinnerungen von Zeitgenossen an den Architekten. Das biographische Material aus den Abschnitten 5 – Anhang – und 2.1. – Frühe Jahre – sollte allerdings nach ihrer Meinung lieber in einer Extra-Monographie verwendet werden. Kajssarowa fand das Bildband-Format am geeignetsten und meinte, solche akribischen Forschungen, gewidmet dem Leben und Werk von herausragenden Kulturschaffenden und deren Erbe, könnten die moderne Kultur vor Auflösung im Nichts retten.
Nach Sergej Arutjunows Meinung stellt das Buch eine fundierte Forschung dar, die ein Künstlerschicksal zeigt, und ist gegen voreingenommene Kritiken durch zahlreiche Materialien aus dem Familienarchiv abgesichert. Er betonte, dass die Monographie sich von vielen ähnlichen Büchern über Architekten durch eine wichtige Besonderheit vorteilhaft unterscheidet: „Sie beantwortet tiefgreifend und anschaulich die Frage, welche Elemente in der Biographie eines herausragenden Baumeisters grundlegend sind“.