mini|hochkant=1.4|Stolperstein am Klienebergplatz Die Liste der Stolpersteine in Zittau enthält sämtliche Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projektes von Gunter Demnig in Zittau im Landkreis Görlitz verlegt wurden.
Hintergrund Mit diesen Gedenksteinen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Zittau lebten und wirkten. Die erste Verlegung von Stolpersteinen erfolgte am 27. Juli 2005, weitere Verlegungen erfolgten 2007, 2009 und 2014. Mit den Verlegungen von 4 Steinen am 1. August 2015, Infoladen Zittau, 4. August 2015. und 2 Steinen am 27. November 2017, Infoladen Zittau, 28. November 2017. erhöhte sich die Gesamtzahl auf 22 Stolpersteine an 13 Adressen. 2018 und 2019 folgten weitere Steine, womit sich die Gesamtzahl auf 28 erhöhte.Plan aller Stolpersteine in Zittau (pdf), Hillersche Villa e.V.
Verlegte Stolpersteine In Zittau wurden 28 Stolpersteine an 16 Adressen verlegt. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Stolperstein Inschrift StandortVerlege- datum Name, Leben 120px16px|verweis=d:Q125701039 HIER WOHNTEBETTY ADAMGEB. BIBERFELDJG. 1870DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 26.3.1944 Külzufer 16(vorm. Uferstraße) geb. Biberfeld wurde am 17. April 1870 in Lissa in der Provinz Posen geboren. Wahrscheinlich kam sie 1939 nach Zittau. Sie wohnte bei Elias Cohn, der 24. Januar 1942 im Arbeitslager Leutensdorf ums Leben gebracht wurde und für den ebenfalls ein Stolperstein verlegt wurde. Im selben Jahr, am 8. September 1942, wurde Betty Adam mit dem Transport V/6 von Dresden nach Theresienstadt deportiert. Laut Theresienstädter Gedenkbuch ist sie dort am 26. März 1944 umgekommen.Hillersche Villa: Jüdische Geschichte und Kultur am Beispiel der Region Zittau, Handreichung für Lehrer – zum Unterrichtsmaterial, abgerufen am 17. Juni 2021 120px16px|verweis=d:Q126036629 HIER WOHNTEDR. MAX BRINITZERJG. 1889VERHAFTET 1938BUCHENWALDÄRZTLICHE HILFEVERWEIGERTTOT 27.4.1946 Dr.-Brinitzer-Straße 4a wurde am 21. April 1889 in Zittau geboren. Seine Eltern waren Adolph Brinitzer und Henriette. Sie führten ein kleines Wäsche-Geschäft und wohnten auf der Inneren Weberstraße 17. Der junge Mann absolvierte 1909 das Abitur und ging dann zum Medizin-Studium nach Berlin. Im Weltkrieg diente er in einem Seuchenlazarett in Frankreich, nach dem Krieg eröffnete er eine Kassenpraxis in der Inneren Weberstraße 17, in jenem Haus, in dem die Eltern ihr Geschäft hatten. Er heiratete eine nichtjüdische Frau namens Elly, die ihm in den schweren Jahren treu zur Seite stand. 1935 übersiedelte die Praxis in der Hochwaldstraße, 1939 wurde ihm die Approbation entzogen. Er übersiedelte in die Hospitalstraße 4a (heute Dr.-Brinitzer-Straße). Das NS-Regime ließ den Arzt und seine Frau Zwangsarbeit verrichten. Max Brinitzer klebte Einlegesohlen, Elly Brinitzer wurde zur Munitionsfertigung in Eckartsberg eingeteilt. 1942 erkrankte er schwer, doch durfte er weder behandelt noch operiert werden. Am 16. Februar 1944 sollte er deportiert werden, doch wurde dies durch einen Luftangriff verhindert. Er tauchte unter und konnte bis zum Untergang des NS-Regimes überleben. Nach der Befreiung wurde er Amts- und Kreisarzt sowie Leiter des Gesundheitsamtes. Am 21. August 1946 starb er an den Folgen der während der NS-Zeit nicht behandelten Krankheitsbilder., Infoladen Zittau, 18. Dezember 2010.Dr. Max Brinitzer (Hillersche Villa)Stolpersteine Guide: Dr. Max Brinitzer, abgerufen am 19. Juni 2021
In Zittau wurde die Straße, in der er zuletzt gewohnt hatte, nach ihm benannt, die Dr.-Brinitzer-Straße. 120px16px|verweis=d:Q126036689 HIER WOHNTEELIAS COHNJG. 1879VERHAFTETLAGER LEUTENDORFERMORDET 21.4.1942 Külzufer 16 am 24. Januar 1879 in Wollstein in der Provinz Posen geboren. Er wurde Kaufmann, zog nach Zittau und führte dort ab 1913 ein Textilwarenkaufhaus in der Reichenberger Straße 22. Aufgrund der judenfeindlichen Politik des NS-Regimes musste er 1935 das Kaufhaus aufgeben und das Gebäude verkaufen. Er zog in sein Wohnhaus in der Uferstraße 16, wo ab 1939 auch drei Frauen lebten: Elwina und Gertrud Cohn, mutmaßlich mit ihm verwandt, sowie Betty Adam. 1942 langte im Zittauer Einwohnermeldeamt eine Mitteilung von Oberbürgermeister Zwingenberger ein, dass Elias Cohn von der „Judenliste“ zu streichen sei, weil „er am 24. Januar 1942 in Untersuchungshaft in Leutendorf (Sud.)“ verstorben sei.Es liegt nahe, dass es sich um einen Tippfehler beim Ortsnamen handelte, denn im Sudetenland gab es nur ein Leutensdorf, heute Litvínov genannt. Die Website Hillersche Villa stellt in den Raum, dass es in Leutendorf gar kein Untersuchungsgefängnis gab, „sondern ein Arbeitslager, dessen Häftlinge vor allem im Steinbruch und im Straßenbau arbeiten mussten. Dieses Lager ähnelt dem von Groß Rosen, basierte also auf dem Prinzip ,Vernichtung durch Hunger und Arbeit'.“
Betty Adam wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und kam dort am 26. März 1944 um. Das Schicksal von Elwina Cohn und Gertrud Cohn ist nicht bekannt. 120px16px|verweis=d:Q126041085 HIER WOHNTEOLGA DIENSTFERTIGGEB. FELIXJG. 1872DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 29.12.1942 Mandauer Berg 8 geb. Felix war das erste Kind des Handelsmannes David Felix und dessen Frau Rosa geb. Werner. Sie kam am 17. Juni 1876 im böhmischen Rakonitz zur Welt. Sie heiratete einen Mann namens Dienstfertig. Das Paar bekam eine Tochter, Elsa, geboren am 6. August 1900 in Zittau. Ab 1924 wohnte Olga Dienstfertig mit ihrer Tochter bei Verwandten ihres Mannes im Haus Breite Straße 1. Sie betrieb ein kleines Textilgeschäft in ihrer Wohnung. 1937 musste die Familie die Wohnung aufgeben. Olga Dienstfertig übersiedelte zur Familie Mandelbaum am Mandauer Berg 12 (heute 8) und einige Monate später, Anfang 1938, in ein jüdisches Altersheim in Dresden, das Henriettenstift. Am 14. Juli 1942 wurden die meisten Bewohner des Stifts, auch Olga Dienstfertig, in Gewahrsam genommen und noch am selben Tag nach Theresienstadt deportiert. Laut Theresienstädter Gedenkbuch verlor sie dort am 29. Dezember 1942 ihr Leben.Olga Dienstfertig und Elsa Gückel (Hillersche Villa), Infoladen Zittau, 18. Dezember 2010.
Der „arische“ Schwiegersohn gab Anfang 1944 dem Druck der Nationalsozialisten nach und ließ sich von ihrer Tochter scheiden. Elsa Gückel wurde zu Pfingsten 1944 verhaftet, nach Auschwitz deportiert und 1945 in Bergen-Belsen ermordet. Ihre Enkeltochter Marianne, geboren 1922, konnte die Shoah überleben. 120px16px|verweis=d:Q126041127 HIER WOHNTEDOROTHEA DUNECKJG. 1924DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ Theodor-Körner-Allee 13100px|zentriert 120px16px|verweis=d:Q126041172 HIER WOHNTEERNA DUNECKGEB. FEIBUSCHJG. 1892DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ geb. Feibusch 120px16px|verweis=d:Q126041173 HIER WOHNTEJOHN DUNECKJG. 1893DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ 120px16px|verweis=d:Q126041304 HIER WOHNTELEO ELENDJG. 1896HAFT 1938KZ BUCHENWALDFREITOD 9.3.1939IN CHEMNITZ Reichenberger Straße 19 120px16px|verweis=d:Q126041215 GEORGSTRASSE 24WOHNTEJOSEF FREUNDJG. 1873FLUCHT 1938CHILE Theodor-Korselt-Straße 24(vorm. Georgstraße) wurde 1873 in Zittau geboren. Seine Eltern waren Samuel Freund, ein Müller und Kaufmann aus Jungbunzlau in Böhmen, und Maria geb. Strenitz. Er hatte fünf Geschwister, darunter die 1869 geborene Bertha, später verehelicht mit Gustav Hiller, dem Gründer einer Maschinenfabrik. Er heiratete Marguerite geb. Veit und arbeitete im Familienunternehmen Phänomen, gegründet von seinem Schwager, als kaufmännischer Direktor. 1906 wurde seine Tochter Ilse geboren, 1908 sein Sohn Franz. Die Firma entwickelte sich äußerst erfolgreich, doch 1913 verstarb Gustav Hiller. In enger Absprache mit seiner Schwester, mit welcher er privat und beruflich engen Kontakt pflegte und welche auch in seiner Nähe wohnte, übernahm er die Leitung der Firma, wandelte sie mitten im Weltkrieg in eine Aktiengesellschaft um und hielt das Unternehmen auch in der krisengeschüttelten Nachkriegszeit über Wasser. Als das Fabrikgebäude komplett ausbrannte, kümmerte er sich um die Fortführung der Produktion und den Bau einer neuen Halle. Er vertraute seinem Neffen Rudolf Hiller, geboren 1894, nach dessen Studium die technische Leitung an und war ihm ein erfahrener Mentor am Weg zum Vorstandsvorsitz. Er zog sich in der Folge in den Aufsichtsrat zurück, wurde jedoch von seinem Neffen – wie weitere jüdische Mitglieder des Aufsichtsrates – entlassen. Rudolf Hiller versuchte offensichtlich als sogenannter „Mischling 1. Grades“ die Existenz der Firma und das Erbe des verstorbenen Vaters zu sichern, was nicht gelang. Die Firma wurde „arisiert“. Josef Freund lebte noch einige Jahre mit seiner Familie als Zwangs-Pensionär in Zittau. Der Neffe drängte ihn zur Emigration. 1938 floh er mit Familie nach Santiago de Chile, wo bereits ein Schwager lebte. Er konnte zwar überleben, aber im Exil nie Fuß fassen, wie aus Briefen in die Heimat ersichtlich ist.Stolpersteine Guide: Josef Freund, mit einem Porträt und einem Foto der Familie in Chile, abgerufen am 17. Juni 2021
Drei Schwestern starben während der NS-Zeit, Bertha 1942 im Hausarrest in Zittau, Jenny im selben Jahr in Treblinka und Grete 1943 in Theresienstadt. Sein Bruder Emil konnte rechtzeitig nach Kuba flüchten. 120px16px|verweis=d:Q126041375 HIER WOHNTEERNA GESSLERGEB. MEYERSOHNJG. 1885UNFREIWILLIG VERZOGEN1938 BERLINDEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ Äußere Weberstraße 79100px|zentriert geb. Meyersohn 120px16px|verweis=d:Q126041416 HIER WOHNTEHANS 'JAN' GESSLERJG. 1922UNFREIWILLIG VERZOGEN1938 BERLINKINDERTRANSPORT 1939ENGLAND , genannt Jan, wurde 1922 geboren. 120px16px|verweis=d:Q126041421 HIER WOHNTEOTTO GESSLERJG. 1925UNFREIWILLIG VERZOGEN1938 BERLINDEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ 16px|verweis=d:Q126041464 120px16px|verweis=d:Q126041500 HIER WOHNTEELSA GÜCKELGEB. DIENSTFERTIGJG. 1900DEPORTIERT 1944AUSCHWITZERMORDET 1945 INBERGEN-BELSEN Nordstraße 15 , geboren am 6. August 1900 in Zittau, war das einzige Kind von Olga Dienstfertig und ihres Ehemannes. Sie heiratete einen Mann namens Gückel und bekam 1922 eine Tochter, Marianne. Die behüteten Kindheit der Tochter endete 1935 mit den Nürnberger Gesetzen, denn Elsa Gückel durfte als Volljüdin nicht mehr ins Kino oder ins Theater gehen, durfte keine Ausstellungen besuchen. Ihrer Tochter war als „Halbjüdin“ der Besuch der Höheren Schule verwehrt. 1938 mussten die Gückels die Familiewohnung auf der Breite Straße verlassen und in eine wesentlich kleinere „Sozialwohnung“ in der Nordstraße 15 übersiedeln. Ihre Mutter wurde im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 29. Dezember 1942 ermordet. Ihr „arischer“ Ehemann gab Anfang 1944 dem Druck der Nationalsozialisten nach und ließ sich scheiden. Damit verlor Elsa Gückel den Status einer sogenannt privilegierten Mischehe. Sie wurde zu Pfingsten 1944 verhaftet, nach einer Nacht im Gestapo-Keller des Zittauer Rathauses nach Bautzen gebracht und schließlich nach Auschwitz deportiert. Sie wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit 1945 in Bergen-Belsen ermordet. Das letzte Lebenszeichen war eine Geburtstagskarte an ihre Tochter, am 6. August 1944 in Neisse abgestempelt, offensichtlich aus dem Deportationszug geschmuggelt.Stolpersteine Guide: Elsa Gückel, abgerufen am 17. Juni 2021