Bagienice [] () ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und gehört zur Gmina Mrągowo (Landgemeinde Sensburg) im Powiat Mrągowski (Kreis Sensburg).
Geographische Lage Das Dorf liegt in der Region Masuren im historischen Ostpreußen, sechs Kilometer südwestlich der Kreisstadt Mrągowo () und etwa 47 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn).
Geschichte Das kleine, um 1785 Stara Bagnowo und bis 1938 Alt Bagnowen genannte Dorf wurde 1566 gegründet.Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Althöfen Eingegliedert war ab 1928 das Gut Bagnower WaldAlthöfen (Landkreis Sensburg) (1938 bis 1945 Gut Althöfen, ).
Von 1874 bis 1945 war Alt Bagnowen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk,Rolf Jehke: Amtsbezirk Bagnowen der am 15. November 1938 in „Amtsbezirk Althöfen“ umbenannt wurde. Alt Bagnowen gehörte zum Kreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905 Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung in den Volksabstimmungen in Ost- und Westpreussen am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Alt Bagnowen stimmten 100 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 111
Am 3. Juni (amtlich bestätigt am 16. Juli) 1938 wurde das Dorf aus politisch-ideologischen Gründen der Abwehr fremdländisch scheinender Ortsnamen in „Althöfen“ umbenannt.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee erobert und nach Kriegsende von der Sowjetunion zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens – militärische Sperrgebiete ausgenommen – der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Region begann danach die Zuwanderung von Polen. Soweit die deutschen Einwohner nicht vor Kriegsende geflohen waren, wurden sie nach 1945 von der polnischen Administration vertrieben.
Das Dorf erhielt den neuen polnischen Ortsnamen „Bagienice“. Heute ist es Sitz eines Schulzenamtes () und als solches eine Ortschaft innerhalb der Gmina Mrągowo im Powiat Mrągowski. Der Ort gehörte bis 1998 zur Woiwodschaft Olsztyn, seither zur Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1946 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – sechs Feuerstellen (Haushalte) Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785. Anhang: Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 8. 1818 114 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1: A-F. Halle 1821, A, 52, Ziffer 286. 1867 126 am 3. Dezember 1871 113 am 1. Dezember, davon 97 Evangelische und 16 KatholikenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 318–319, Ziffer 6. 1910 111 davon 86 Evangelische und 25 Katholiken (69 mit deutscher und 42 mit masurischer Muttersprache)Königlich Preußisches Statistihes Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft 1: Regierungsbezirk Allenstein. Berlin 1912, S. 60–61, Ziffer 4: Alt Bagnowen. 1933 175 1939 148 + Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg Jahr 2011 Einwohner 99Wieś Bagienice w liczbach
Amtsbezirk Bagnowen/Althöfen (1874–1945) Zum Amtsbezirk Bagnowen (1938 bis 1945 Amtsbezirk Althöfen) gehörten ursprünglich sechs Dörfer: Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Bemerkungen Alt Bagnowen Althöfen Bagienice Bagnowenwolka (ab 1929:)Tiefendorf Wólka Bagnowska Bagnower Wald Gut Althöfen Bagnowski Dwór 1928 nach Alt Bagnowen eingemeindet Klein Bagnowen (ab 1929:)Bruchwalde Bagienice Małe Mertinsdorf Marcinkowo Neu Bagnowen Borkenau Nowe Bagienice
Am 1. Januar 1945 gehörten die Orte Althöfen, Borkenau, Bruchwalde, Mertinsdorf und Tiefendorf zum Amtsbezirk Althöfen.
Kirche Alt Bagnowen resp. Althöfen war bis 1945 sowohl evangelischer- als auch katholischerseits in die jeweilige Stadtpfarre Sensburg eingegliedert. Der kirchliche Bezug zur Kreisstadt ist auch nach 1945 geblieben.
Verkehr Bagienice liegt an der bedeutenden Ost-West-Achse der polnischen Landesstraße 16 (einstige deutsche Reichsstraße 127), die drei Woiwodschaften miteinander verbindet. Seit 1898 war der Ort außerdem Bahnstation an der Bahnstrecke Czerwonka–Ełk (Rothfließ–Lyck), die aber nicht mehr befahren wird.
Persönlichkeiten Aus dem Ort gebürtig Gerhard Herder (* 13. August 1928 in Alt Bagnowen), ehemaliger deutscher Diplomat, Botschafter der DDR
Literatur Allmoyen, Dorf, Kreis Sensburg, Regierungsbezirk Allenstein, Ostpreußen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Allmoyen (meyersgaz.org).
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Mrągowo Kategorie:Gegründet 1566