Hirschau Keramik war eine Steingutmanufaktur, die in der Zeit von 1826 bis 1958 in Hirschau in der Oberpfalz bestand.
Geschichte Die Ära Dorfner mini|Tiersortiment aus Hirschauer Steingutproduktion, 1930 Mit dem Einzug der Industrialisierung in die Region kam es auch zur Gründung der Hirschauer Steingutfabrik. 1826 erteilte die Regierung des Regenkreises die Konzession für den Betrieb einer Steingutfabrik, die Heinrich Waffler aus Regensburg und die Brüder Martin und Färbermeister Josef Konstantin Dorfner erbauten. Zugezogene, oft evangelische Arbeitskräfte ließen die Einwohnerzahl Hirschaus im Laufe des 19. Jahrhunderts ansteigen; viele siedelten sich auch außerhalb der Stadtmauern an.Heribert Batzl: Geschichte der Stadt Hirschau. Hirschau 1968, S. 190.
1833 schied Martin Dorfner aus dem Unternehmen aus. Er war zu 25 Prozent beteiligt.
Die Situation der ersten Jahre der Hirschau Keramik sind in einem Schreiben des Ersten Magistratrats Nißl an das Landgericht Amberg aus dem Jahr 1836 dokumentiert:
1890 wurde die Steingutfabrik Dorfner & Co. infolge Uneinigkeit in der Familie per Gerichtsbeschluss aufgelöst. 1894 steigerten Ernst Dorfner, Vitus Dorfner und die Erben von Karl Michael Dorfner die Fabrik.
Ernst Dorfner leitete die unter Dorfner & Co. firmierende ManufakturGebrüder Dorfner G.m.b.H. & Co. In: steinmarks.co.uk über 50 Jahre.Adler. Expressionismus auf Schwingen. In: BR Fernsehen, Kunst + Krempel vom 12. März 2016. Unter den Erzeugnissen der Manufaktur befanden sich neben GebrauchsgeschirrKlaus Beitl, Gertraud Liesenfeld: Vergleichende Keramikforschung in Mittel- und Osteuropa: Referate des 14. Internationalen Hafnerei-Symposiums vom 7.-11. September 1981 im Ethnographischen Museum, Schloss Kittsee. Österreichisches Museum für Volkskunde, Ethnographisches Museum Schloss Kittsee, 1984, ISBN 3-900359-24-5, S. 27. vor allem Vasen, Blumentöpfe und Wandteller mit Reliefs. Zu der „alten“ Fabrik kam 1894 die an anderer Stelle im Ort von Hermann und Florian Dorfner – den Söhnen Josef Konstantin Dorfners – errichtete „neue“ Steingutfabrik hinzu; beide erwarben 1913 auch die Firma Dorfner & Co.
Die Carstens-Periode Mit dem vermehrten Angebot von Porzellan war die Steingutmanufaktur in Hirschau gegen Ende des 19. Jahrhunderts rückläufig, In: Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern daher veräußerte die Firma Gebrüder Dorfner Steingutfabrik, sowie Kaolin Dampfschlämmerei beide Fabriken 1918 an die C. & E. Carstens KG und konzentrierte sich auf die Gewinnung und Raffination des in Hirschau vorkommenden Kaolins.Gebrüder Dorfner GmbH & Co. Kaolin- und Kristallquarzsand-Werke KG Die „alte“ Fabrik wurde noch im gleichen Jahr geschlossen.
Nach 1918 verringerte sich die Produktion deutlich. Die Hirschauer Steingutfabriken С. & E. Carstens beschäftigten in den 1920er Jahren 250 Arbeiter und betrieben vier Rund- und zwei Muffelöfen.Karl H. Bröhan, Dieter Högermann: Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Industriedesign. Band 3 des Bestandskatalogs des Bröhan-Museums. K.H. Bröhan, 1985. S. 73. Obwohl sich die Konjunktur in Deutschland zwischen 1925 und 1929 erholte, setzt sich in Hirschau der Niedergangs der Steingutfabrik fort. Im Juli 1926 musste die Steingutfabrik 150 Entlassungen ankündigen und die meisten auch durchführen.Heribert Batzl: Geschichte der Stadt Hirschau. Hirschau 1968, S. 193.
Der Hamburger Künstler Siegfried Möller prägte zwischen 1923 und 1926 die Farb- und Formgebung des Geschirrs aus der Hirschauer Steingutfabrik.Juwelen der Keramik aus Hirschau. In: Mittelbayerische Zeitung vom 18. September 2016. Die Industriedesignerin Eva Zeisel entwarf ab 1930 für die Hirschauer Keramik Geschirr im Stil des Bauhauses, ihr wird das Speiseservice „Nürnberg“ zugeschrieben.Die Geschichte des „weißen Goldes der Oberpfalz“. In: Mittelbayerische Zeitung vom 24. März 2012. Andere Künstler wie Helene „Mau“ Fischer (1930) und Maria Piffl (1930/31) steuerten ihre Formgestaltung bei.Abstraktion in die Oberpfalz gebracht. In: Mittelbayerische Zeitung vom 12. Oktober 2017. Um 1930 versuchte die Manufaktur eine Variation ihrer Produktpalette und bot etwa 20 Tierplastiken an, darunter Adler, Birkhahn, Hase, Katze, Mops und andere.
Seit 1929 gehörten die Hirschauer Werke zur Christian Carstens KG. Ab 1930 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage weiter, sodass die Steingutfabrik 1931 den Betrieb vorübergehend still legen musste und danach nur mehr unregelmäßig weiterarbeitete.
Übernahme durch Alois Lukscha und Konkurs Alois Luschka übernahm 1938 die Manufaktur und betrieb sie bis 1958Steingutausstellung in der „Alten Mälzerei“ in Hirschau. In: pottpourri.net, 2016.Nicht nur Massenware produziert. Steingutplastiken – ein bedeutendes Kapitel Hirschauer Steingutproduktion. In: pottpourri.net, 2023. als Hirschau Keramik GmbH.Pat Moore, Pirco Wolfframm: Eva Zeisel: Life, Design, and Beauty. Chronicle Books, 2013, ISBN 1-4521-2959-2, S. 239. Am 6. Dezember 1956 musste Alois Luckscha, seit 1938 Geschäftsführer der Hirschau Keramik GmbH, Konkurs anmelden.
Obwohl sich die Besitzverhältnisse oft änderten, blieb die Marke HK gleich. Daher ist eine Zuordnung der Keramiken meist nur über den Produktionszeitraum möglich.Hirschau Keramik GmbH. In: lavaguys-ceramic.com.au vom 25. März 2017.
Ausstellungen In der Alten Mälzerei von Hirschau befindet sich eine permanente Ausstellung mit etwa 800 Exponaten zu Hirschau Keramik.
Weblinks Hirschau Keramik aus der Sammlung Ralf J. Schumann, mit Bildern
Einzelnachweise
Kategorie:Keramikhersteller Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Landkreis Amberg-Sulzbach) Kategorie:Unternehmensgründung 1826 Kategorie:Aufgelöst 1958 Kategorie:Unternehmen (Hirschau) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Landkreis Amberg-Sulzbach)