Als Gauauswahlwettbewerbe werden Fußball-Wettbewerbe bezeichnet, in denen Auswahlmannschaften der 1933 gegründeten Fußball-Gaue im Pokalmodus gegeneinander antraten. Sie ersetzten den bis 1933 ausgespielten Bundespokal, nachdem sich die Regionalverbände auf Druck der Nationalsozialisten 1933 aufgelöst hatten. Ab 1935 erfolgte die Austragung des Wettbewerbs unter dem Namen Reichsbundpokal.
Geschichte mini|Die Fußballgaue 1933
Der Bundespokal wurde 1908 als Kronzprinzenpokal eingeführt, in diesem spielten die Auswahlmannschaften der verschiedenen regionalen Fußballverbände. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 lösten sich die Regionalverbände auf und wurden durch 16 Fußballgaue ersetzt. Im Juni 1933 beschloss der Deutsche Fußball-Bund die Austragung eines Fußball-Pokalwettbewerbs um einen von Reichskanzler Adolf Hitler gestifteten Pokals, an dem Auswahlmannschaften aller nun vorhanden 16 Gaue teilnehmen sollten. Die Spiele dieses Adolf-Hitler-Pokals fanden in der Sommerpause im Juli 1933 statt. Im Sommer 1934 erfolge erneut eine Austragung dieses Gauauswahlwettbewerbs, da ab dem Halbfinale die Spiele während der deutschen Kampfspiele in Nürnberg ausgetragen wurden, trägt dieser den Namen Kampfspiel-Pokal.
Ab 1935 erfolgte die Austragung des Gauauswahlwettbewerbs während der Saison. 1935 noch als Bundespokal bezeichnet, störten sich die Nationalsozialisten an der fehlenden Übereinstimmung mit ihrem staatlichen Gebilde, so dass der Wettbewerb ab 1935/36 als Reichsbundpokal bezeichnet wurde. Der Wettbewerb wurde 1941/42 kriegsbedingt letztmals ausgetragen. Mit dem Länderpokal gab es 1949/50 nochmals ein Versuch seitens des DFBs, einen ähnlichen Wettbewerb zu initiieren.
In der Spielzeit 1938 gab es im Rahmen des Deutschen Turn- und Sportfest 1938 in Breslau einen weiteren Gauauswahlwettbewerb, der jedoch nicht als Reichsbundpokal ausgetragen wurde. Diese Spiele fanden innerhalb einer Woche im Rahmen des Sportfestes statt.
Modus Im Reichsbundpokal traten die Auswahlmannschaften im K.-o.-System aufeinander. Gespielt wurde 90 Minuten, sollte es danach Unentschieden stehen, war eine Verlängerung von maximal 2×15 Minuten, jedoch mit Golden-Goal-Regel eingeplant. Sollte es nach der Verlängerung immer noch Unentschieden stehen, wurde ein Wiederholungsspiel angesetzt. Bis 1938, als es 16 Fußballgaue gab, traten alle Mannschaften im Achtelfinale in Erscheinung. Mit der kriegsbedingten Erweiterung der Anzahl der Gaue wurden in späteren Turnieren vorherige Ausscheidungsspiele angesetzt. 1941/42 hingegen traten alle damalig existenten 20 Gaue in der Vorrunde aufeinander, die zehn Sieger spielten eine Zwischenrunde aus. Von diesen fünf Siegern mussten dann zwei Mannschaften nochmal ein Entscheidungsspiel ausspielen, um den vierten Halbfinalisten zu ermitteln. Beim Kampfspiel-Pokal 1934, sowie beim Deutschen Turn- und Sportfest 1938, gab es zu dem ein Spiel um Platz 3.
Übersicht Adolf-Hitler-Pokal Saison Sieger Ergebnis Finalist Torschützenkönig 1933 Bayern 2:2; 6:1 Berlin-Brandenburg Willi Kirsei (8)
Kampfspiel-Pokal Saison Sieger Ergebnis Finalist Torschützenkönig 1934 Südwest 5:3 (4:1) Bayern Georg Friedel (7)
Bundespokal Saison Sieger Ergebnis Finalist Torschützenkönig 1935 Mitte 2:0 (1:0) Berlin-Brandenburg Kurt Berner (4)
Reichsbundpokal Saison Sieger Ergebnis Finalist Torschützenkönig 1935/36 Sachsen 2:2 n. V., 9:0 Südwest Erwin Helmchen (9) 1936/37 Niederrhein 2:1 (0:0) Sachsen Kurt Langenbein (5) 1937/38 Nordmark 3:1 (0:0) Südwest Carstens, Noack, Simetsreiter (je 4) 1938/39 Schlesien 2:1 (1:0) Bayern Erich Hänel (6) 1939/40 Bayern 3:1 (1:0) Sachsen Erwin Helmchen (9) 1940/41 Sachsen 2:0 (1:0) Bayern Ernst Willimowski (8) 1941/42 Niederrhein 2:1 (1:1) Nordmark Conen, Panse (je 5)
Deutsches Turn- und Sportfest 1938 Saison Sieger Ergebnis Finalist Torschützenkönig 1938 Ostmark 4:1 (2:0) Niedersachsen Alfred Pawlitzki (8)
Statistiken
Rekordsieger Die erfolgreichste Auswahlmannschaft mit zwei Titelgewinnen und drei weiteren Finalteilnahmen kam aus dem Gau Bayern, dicht gefolgt von der Auswahlmannschaft Sachsens mit ebenfalls zwei Titelgewinnen. Dass ein erfolgreicher Vereinsspielbetrieb nicht unbedingt auch Erfolge im Reichsbundpokal mit sich brachte, beweist die Auswahlmannschaft Westfalens, die trotz zahlreicher Spieler des in den 1930er-Jahren dominierenden FC Schalke 04 (in dieser Zeit konnte der Verein sechsmal die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen) nicht einmal in das Halbfinale vordringen konnte. 1935/36 bestand gar die komplette Auswahlmannschaft aus Spielern von Schalke 04, was ein Novum in diesem Wettbewerb darstellte. Dennoch schied Westfalen in dieser Spielzeit bereits in der ersten Runde aus.
Auswahlmannschaft Titel Jahr Zweitplatzierter Bayern 2 1933, 1940 1934, 1939, 1941 Sachsen 2 1936, 1941 1937, 1940 Niederrhein 2 1937, 1942 Südwest 1 1934 1936, 1938 Nordmark 1 1938 1942 Mitte 1 1935 Ostmark 1 1938 (Turnfest) Schlesien 1 1939 Berlin-Brandenburg 0 1933, 1935 Südwest 0 1936, 1937 Niedersachsen 0 1938 (Turnfest)
Spielerstatistiken + Rangliste PokaleinsätzeSpieler mit mindestens 20 Einsätzen Rang Spieler Auswahlmannschaft(en) Spiele 1 Willibald Kreß Sachsen 28 Walter Rose Sachsen 28 3 Ernst Lehner Bayern, Berlin-Brandenburg 22 4 Erwin Helmchen Sachsen 21 Willi Munkelt Sachsen 21 Hans Rohde Nordmark 21 Heinz Werner Mitte 21 8 Albert Conrad Südwest, Baden 20+ Rangliste TorschützenSpieler mit mehr als 10 Treffern Rang Spieler Auswahlmannschaft(en) Tore 1 Erwin Helmchen Sachsen 26 2 Alfred Pawlitzki Schlesien, Niederschlesien 14 Erich Hänel Sachsen 14 4 Herbert Weigel Sachsen 13 5 Wilhelm Hahnemann Ostmark 12 Rudolf Noack Nordmark 12 7 Kurt Langenbein Baden 11 Josef Fath Südwest 11
Zuschauer Spielzeit Gesamt Spiele 1933 130.600 16 8.163 1934 182.300 16 11.394 1935 176.000 15 11.733 1935/36 248.000 17 14.588 1936/37 193.500 15 12.900 1937/38 199.000 17 11.706 1938 291.500 28 10.410 1938/39 198.000 16 12.375 1939/40 158.000 17 9.294 1940/41 224.000 21 10.667 1941/42 262.500 27 9.722 Gesamt 2.263.400 205 11.040
Platzierungen nach Mannschaft Mannschaft Saison 33 34 35 35/36 36/37 37/38 38/39 39/40 40/41 41/42 Baden AF VF HF VF HF HF AF AR HF AF Bayern 1 2 AF HF AF VF 2 1 2 AF Berlin-Brandenburg 2 AF 2 HF HF AF AR AF ZR HF Danzig-Westpreußen VR AR Elsaß AR Generalgouvernement AR Hessen HF VF AF AF AF AF AF AF VR Hessen-Nassau AR Köln-Aachen VF Kurhessen VF Mitte HF AF 1 AF VF AF VF AF VR VF Mittelrhein VF VF AF VF VF AF AF AR VR Moselland AR Niederrhein VF HF AF AF 1 VF VF HF VR 1 Niedersachsen AF AF VF VF VF VF AF AF VR VF Niederschlesien AF Nordmark AF HF HF AF AF 1 AF AF ZR 2 Oberschlesien AF Ostmark VF HF VR HF Ostpreußen AF AF AF VF AF AF VF AF ZR AF Pommern VF AF AF AF AF AF AF VF ZR AR Sachsen VF VF VF 1 2 HF HF 2 1 AF Schlesien AF AF AF AF AF VF 1 VF AS Sudetenland AF VR AR Südwest AF 1 AF 2 AF 2 AF VF HF Wartheland VR AR Westfalen AF AF VF AF VF AF AF VF VR AF Westmark AR Württemberg AF AF VF AF AF AF HF AF ZR AF
HF = Halbfinale; AS = Ausscheidungsspiel; VF = Viertelfinale; ZR = Zwischenrunde; AF = Achtelfinale; VR = Vorrunde; AR = Ausscheidungsrunde
Ewige Tabelle Berücksichtigt sind alle ausgetragenen Spiele der Gauauswahlwettbewerbe. Die Tabelle richtet sich nach der damalig gültigen Zweipunkteregel.
Literatur
Weblinks