mini|hochkant|Klaus Johannis (2022) mini|hochkant|Klaus Johannis mit Ehefrau Carmen Johannis (2023)

Klaus Werner JohannisSchlagabtausch in vollem Gange. In: Hermannstädter Zeitung vom 28. August 2014, abgerufen am 27. November 2014.Norbert Mappes-Niediek: Ein Deutscher will Präsident Rumäniens werden. In: Berliner Zeitung vom 12. August 2014, abgerufen am 27. November 2014. () (* 13. Juni 1959 in Hermannstadt, Rumänische Volksrepublik) ist ein rumänischer Politiker. Er war von Dezember 2014 bis Februar 2025 Präsident Rumäniens. Johannis, der der rumäniendeutschen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen angehört, war ab dem Jahr 2000 Bürgermeister von Hermannstadt. Im Juni 2014 wurde er Vorsitzender der Nationalliberalen Partei (PNL) und gewann die Präsidentschaftswahl 2014. Bei der Präsidentschaftswahl 2019 wurde er erneut in das Amt gewählt. Er war der bisher einzige rumänische Präsident, der einer nationalen Minderheit des Landes angehört, und somit der bisher einzige Präsident aus der deutschen Minderheit.

Leben und Familie Johannis wuchs im „kleinbürgerlichen Milieu“ seiner siebenbürgisch-sächsischen Familie auf. Sein Vater Gustav Heinz war Techniker und seine Mutter Susanne Krankenschwester.Thomas Schmid: In: Frankfurter Rundschau vom 30. Oktober 2014, abgerufen am 27. November 2014. Laut Johannis belegen Aufzeichnungen aus der Zeit um 1500 in Heltau, dass die Familie vor 850 Jahren in Siebenbürgen im Gebiet um Hermannstadt einwanderte.Mădălina Mihalache: Rădăcinile străine ale candidaţilor la Preşedinţie. In: Adevărul vom 6. August 2014, in rumänischer Sprache, abgerufen am 27. November 2014. Er bezeichnet sich selbst als „ethnischen Deutschen und rumänischen Staatsbürger“.

Er studierte von 1979 bis 1983 an der Fakultät für Physik der Babeș-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca. Nach dem Studium unterrichtete er von 1983 bis 1989 an verschiedenen Schulen in Hermannstadt, danach bis 1997 am dortigen Brukenthal-Lyzeum. Nach der rumänischen Revolution von 1989 trat Johannis 1990 in das neugegründete Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) ein, die politische Vertretung der deutschsprachigen Minderheit. Er war 1997 stellvertretender und ab 1999 leitender Generalschulinspektor des Kreises Sibiu und ließ das Amt anlässlich seines Eintritts in die Politik 2000 ruhen.Horia Plugaru, Marina Bădulescu: In: Agerpres vom 7. Februar 2014, in rumänischer Sprache, abgerufen am 27. November 2014.

Er ist seit 1989 mit Carmen Johannis verheiratet, die Englisch am Nationalkollegium „Gheorghe Lazăr“ in Hermannstadt unterrichtet. Das Ehepaar hat keine Kinder.Despre Klaus Iohannis, In: Ziare (ohne Publikationsdatum), in rumänischer Sprache, abgerufen am 27. November 2014. Nach der rumänischen Revolution 1989 wanderten seine Eltern und seine Schwester Krista nach Bayern aus und leben seither im Raum Würzburg.

Politische Laufbahn Bürgermeister von Hermannstadt 2000 mini|hochkant|Klaus Johannis als Bürgermeister (2005) Im Jahr 2000 beschloss das DFDR, einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahlen in Hermannstadt aufzustellen, und nominierte Klaus Johannis. Obwohl die deutschsprachige Bevölkerung in Hermannstadt nur noch eine Minderheit von weniger als zwei Prozent ausmachte, wurde Johannis mit 69 Prozent der Stimmen gewählt und damit der seit langem erste deutschstämmige Bürgermeister einer rumänischen Großstadt. Im Stadtrat arbeitete Johannis in der ersten Legislaturperiode mit einer von der Sozialdemokratischen Partei (PSD) getragenen Mehrheit zusammen.

2004 wurde Johannis mit 88,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Johannis konnte gute Kontakte zu ausländischen Investoren aus dem deutschsprachigen Raum und zu EU-Behörden knüpfen und erreichte, dass Hermannstadt 2007 (zusammen mit Luxemburg) Europäische Kulturhauptstadt wurde. Große Projekte, die in seiner Amtszeit bisher realisiert wurden, waren die Altstadtsanierung, die Erneuerung der gesamten städtischen Infrastruktur (Straßen, Wasser- und Stromversorgung, Abwasserentsorgung) sowie der Ausbau des Flughafens nach westeuropäischen Standards (2007 fertiggestellt). In den Jahren 2008 und 2012 wurde Johannis als Bürgermeister von Hermannstadt wiedergewählt. Er erhielt 2008 über 80 Prozent der Stimmen, 2012 knapp 78 Prozent der Stimmen.

Kandidat für das Amt des rumänischen Ministerpräsidenten 2009 Nach der Abwahl des rumänischen Premierministers Emil Boc am 13. Oktober 2009 durch ein Misstrauensvotum wurde Johannis von mehreren Parteien (der Nationalliberalen Partei, der Demokratischen Union der Ungarn in Rumänien (UDMR) und anderen nationalen Minderheitenparteien) als dessen Nachfolger vorgeschlagen.Klaus Johannis soll Übergangspremier werden. In: Der Standard vom 13. Oktober 2009, abgerufen am 27. November 2014. Am 14. Oktober 2009 erklärte sich Johannis offiziell zur Kandidatur bereit. Am 15. Oktober nominierte Staatspräsident Traian Băsescu den Wirtschaftsfachmann Lucian Croitoru als neuen Premierminister.Băsescu vrea un premier economist care să-și formeze majoritatea. In: EVZ vom 14. Oktober 2009, in rumänischer Sprache, abgerufen am 27. November 2014. Die parlamentarische Mehrheit hielt an Johannis fest. Der Parteiführer der Nationalliberalen Partei und Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen in Rumänien 2009, Crin Antonescu, erklärte daraufhin, auch er wolle Johannis zum Premierminister berufen, falls er die Wahl gewinne.Johannis ready to head national union gov’t. In: Financiarul vom 15. Oktober 2009, in englischer Sprache, abgerufen am 27. November 2014. Nach dem Wahlsieg Băsescus beauftragte dieser Emil Boc mit der Regierungsbildung; dieser bildete im Dezember 2009 das Kabinett Boc II. Am 6. Februar 2012, nach Beginn der Staatskrise in Rumänien, trat dieses Kabinett zurück.

Führer der bürgerlichen Opposition 2014 Am 23. Februar 2013 wurde Johannis zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der damals mit den Sozialdemokraten mitregierenden Nationalliberalen Partei (PNL) gewählt. Anfang Februar 2014 schlug ihn die PNL für das Amt des Innenministers und Vizepremiers vor, was der Premier Victor Ponta am 7. Februar 2014 ablehnte. Nach zwei Wochen Streit in der Regierungskoalition zerbrach diese am 25. Februar 2014 durch den Abzug der liberalen Minister aus der Regierung. In: Tagesschau.de, Sendung vom 25. Februar 2014, abgerufen am 12. Juni 2014.

Nach der Europawahl in Rumänien von 2014 führte Johannis zunächst interimistisch die PNL,Johannis zum Interimschef bis zum PNL-Konvent ernannt. In: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien vom 4. Juni 2014, abgerufen am 27. November 2014. bis er beim außerordentlichen Parteikongress am 28. Juni 2014 zum Vorsitzenden gewählt wurde.Neuer Chef der rumänischen Liberalen. In: Tiroler Tageszeitung vom 28. Juni 2014, abgerufen am 5. März 2020.

Johannis und Vasile Blaga, der Vorsitzende der Demokratisch-Liberalen Partei (PD-L), sprachen sich für eine schnelle Fusion ihrer beiden Parteien sowie für den gemeinsamen Beitritt ihrer Abgeordneten zur christdemokratischen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament aus.

Wahl zum Präsidenten 2014 Johannis wurde am 11. August 2014 von der Christlich-Liberalen Allianz (ACL), einem Wahlbündnis von PNL und PDL, als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen von 2014 nominiert.Klaus Johannis kandidiert als Präsident Rumäniens. In: Siebenbürgische Zeitung vom 14. August 2014, abgerufen am 27. November 2014. Er war einer von insgesamt 14 Kandidaten für das Amt.

Im Wahlkampf hatte Johannis versprochen, die Korruption in Rumänien zu bekämpfen und die Unabhängigkeit der Justiz zu verbessern,Sieger Johannis will „neues Rumänien“. In: Deutschlandfunk vom 17. November 2014, abgerufen am 27. November 2014. damit die Rechtsstaatlichkeit in Rumänien zu stärken und für eine Stabilisierung der Sicherheitslage zu sorgen.Sieg für Johannis bei Präsidentenwahl in Rumänien. In: Publikation des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr vom 17. November 2014, abgerufen am 27. November 2014. Des Weiteren warb er mit Reformen in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit und Bildung. In: Handelsblatt vom 17. November 2014, abgerufen am 27. November 2014. Die großen, der PSD seines Kontrahenten Victor Ponta nahestehenden Fernsehsender kritisierten unter anderem seine Kinderlosigkeit oder zeichneten ihn als nicht-rumänischen Provinzpolitiker. Letzteres wurde ihm von anderer Seite aber auch zugutegehalten, gelten die Deutschstämmigen in Rumänien doch als „effektive Verwalter“.Thomas Roser: Johannis in der Schlangengrube. In: Die Zeit vom 31. Oktober 2014, abgerufen am 31. Oktober 2014. Weiter wurde ihm vorgeworfen, Kinder an Organhändler verkauft zu haben, auf betrügerische Weise Immobilien erworben und öffentliche Gelder veruntreut zu haben sowie „ein ausländischer Agent und Separatist“ zu sein, der „das Land zerreißen“ wolle.Keno Verseck: Präsidentschaftswahl in Rumänien: Der „Deutsche“ lehrt die alten Kader das Fürchten. In: Der Spiegel vom 15. November 2014, abgerufen am 27. November 2014. Auch seine Zugehörigkeit zur evangelisch-lutherischen Kirche war ein Thema. Im Wahlkampf forderten Teile der rumänisch-orthodoxen Kirche die Wähler dazu auf, einen „guten orthodoxen Rumänen“ zu wählen.Enver Robelli, Oliver Jens Schmitt: „Unter Ponta wird sich Rumänien autoritären Staaten annähern.“ In: Tages-Anzeiger vom 14. November 2014, abgerufen am 27. November 2014.

Johannis gewann die Präsidentschaftswahl im zweiten Wahlgang am 16. November 2014 mit 54,5 zu 45,5 Prozent der Stimmen, nachdem er im ersten Wahlgang am 2. November noch mit 30 zu 40 Prozent hinter Ministerpräsident Victor Ponta gelegen hatte.Johannis gewinnt Präsidentschaftswahl. In: Die Zeit vom 17. November 2014, abgerufen am 27. November 2014.Karl-Peter Schwarz: Rumänien: Präsident Johannis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. November 2014, abgerufen am 27. November 2014. Die Amtsübernahme fand am 21. Dezember 2014 statt.

Amtszeit als Präsident mini|Klaus Johannis am Tag der rumänischen Marine in Constanța (2018) Im Dezember 2014 wurde Johannis kritisiert, weil er Octav Bjoza (* 1938), den Vorsitzenden der Asociația foștilor deținuți politici din România (Vereinigung der ehemaligen politischen Gefangenen in Rumänien), mit dem Orden Stern von Rumänien ausgezeichnet hatte. Bjoza hatte wiederholt Sympathien für die faschistische Eiserne Garde beziehungsweise Legionärsbewegung der 1930er und 1940er Jahre bekundetRumänien: Präsident Johannis wegen umstrittener Ehrung in der Kritik, derstandard.at, 27. Dezember 2014. und sich folgendermaßen über die vom Centrul pentru Monitorizarea şi Combaterea Antisemitismului (Zentrum für die Überwachung und Bekämpfung des Antisemitismus) vorgebrachten Vorwürfe geäußert: „Es ist empörend! Ich war, bin und werde nie Antisemit sein. Im Zuchthaus wurde mir gelehrt, die Menschen nicht unter dem Aspekt der Ethnie, Religion oder politischen Einstellung zu betrachten. Ich war dort lediglich antikommunistischer Kämpfer, ich machte keinen Unterschied darin, wer Legionär, Bauernparteianhänger, Cuza-Anhänger oder überhaupt keiner politischen Richtung angehörte.“Klaus Iohannis, criticat pentru decorarea lui Octav Bjoza. In: Cotidianul vom 26. Dezember 2014, in rumänischer SpracheKlaus Iohannis, criticat pentru decorarea lui Octav Bjoza. MCA România: „A semnat un dezamăgitor act de populism“. In: Adevărul vom 26. Dezember 2014, in rumänischer Sprache

Im März 2016 folgte Johannis der Empfehlung des „Ehrenkomitees der Ordensträger“ und erkannte László Tőkés, der Symbolfigur der Rumänischen Revolution 1989, die höchste Auszeichnung Rumäniens, den Stern von Rumänien, ab. Der Politologe Vladimir Tismăneanu von der University of Maryland nannte Johannis’ Entscheidung eine „Revanche der Securitate“ und einen „Höhepunkt der seit Jahren andauernden ungeheuerlichen Hetzkampagne gegen Tőkés“.Keno Verseck: Rumäniens Staatschef Johannis. Der Dilettant. Der Spiegel vom 12. März 2016.