Wedesbüttel ist zusammen mit der Siedlung Martinsbüttel ein Ortsteil von Meine im Landkreis Gifhorn im östlichen Niedersachsen.
Geographie Lage Der Ort Wedesbüttel liegt mit seiner Gemarkung im östlichen Teil der leicht gewellten diluvialen Geest-Hochfläche des Papenteichs und hier speziell der „Meiner Lehmplatte“. Die Gemarkung wird durch den Mittellandkanal in eine größere östliche und eine kleinere nördliche Fläche geteilt. Das Dorf Wedesbüttel liegt östlich des Mittellandkanals auf der östlichen Terrasse der ehemaligen Hehlenriede (Höhe: 73–77 m NN), im Norden der Gemarkung liegt das Gut Martinsbüttel am Osthang der obersten Hehlenriede (Höhe: 76–73 m NN).
Ortsgliederung Wedesbüttel besteht aus den zwei Siedlungsbereichen Wedesbüttel und Martinsbüttel. Das alte Dorf Martinsbüttel fiel im Spätmittelalter wüst, die Ländereien wurden dem Gut in Wedesbüttel zugeordnet. 1863 wurde der Sitz des Gutes von Wedesbüttel nach Martinsbüttel verlagert.
Nachbargemeinden Die benachbarten Gemeinden bzw. Orte im Uhrzeigersinn sind: Wasbüttel im Norden, Edesbüttel, Allenbüttel, Brunsbüttel, Essenrode, Grassel im Süden, Abbesbüttel, Meine, Wedelheine im Westen, Ohnhorst.
Geologie Bezogen auf den tieferen Untergrund liegt Wedesbüttel im Bereich eines nordsüdlichen, rheinischen Streichens, welches vor dem subherzynischen Hügelland auftritt.Woldstedt, S. 30 Zwischen Bechtsbüttel – Abbesbüttel – Wedesbüttel scheint eine tektonische Störungszone zwischen der Kreide im Westen und dem Jura im Osten zu liegen. Da es zugleich andere geologische Phänomene gibt, die sonst in der Nähe von Salzstöcken auftreten, vermutete man einen entsprechenden Zusammenhang. Messungen bei Wedesbüttel mit der Eötvös’schen Drehwaage lieferten 1926 jedoch keinen Nachweis eines Salzstockes.Woldstedt, S. 32
An der Oberfläche ist das Gebiet um Wedesbüttel geologisch durch das Pleistozän geprägt. Obwohl im Osten bei Hondelage und Essenrode noch der Jura ansteht und im Westen bei Vordorf und Meine die jüngere Obere Kreide zutage tritt, ist das Gebiet eiszeitlich geformt.Woldstedt, S. 4; statt Pleistözän wird noch Dilivium verwendet Die eiszeitliche Geschiebemergelebene des Papenteichs durchzieht ein einheitlicher „Streifen“ von Sand und Kies zwischen Abbesbüttel und Wedesbüttel Richtung Wasbüttel und folgt damit dem Verlauf der ehemaligen Hehlenriede; diese Zone wird geologisch auch als „Abbesbütteler Senke“ oder „Abbesbütteler Tal“ bezeichnet. Sie ist, wie Bohrungen anlässlich der Planung des Mittellandkanals ergaben, seitlich mit dem Geschiebemergel verzahnt und stellt die Ausprägung einer typischen eiszeitlichen Rinne mit einer Tiefe von mehr als 20 m im Geschiebemergel dar.Woldstedt, S. 25,33 Die oben sehr feinkörnigen, unten etwas gröberen Sande dieser Rinne bilden ein einheitliches Grundwasserstockwerk, dessen Oberfläche bei Abbesbüttel bei etwa 74 m NN liegt und das mit Gefälle in nordöstlicher Richtung bei Wedesbüttel und Wedelheine bei etwa 70 m NN liegt. Das Grundwasser hat einen merklichen Gehalt an aggressiver Kohlensäure.Woldstedt, S. 33 1959 wurde das Wasserwerk Wedelheine in Betrieb genommen, welches dieses Grundwasser fördert.Hundertmark, S. 830 Als Einzugsgebiet für dieses Grundwasservorkommen gilt die Geest des Papenteichs im Westen und der obere Teil der altpleistozänen Rinne im Südsüdwesten. Die überaus mächtige und fast reine Geschiebemergelfolge am Ostrand der Rinne verhindert jeden größeren Grundwasserzustrom aus dieser Richtung. Flächen um Wedesbüttel und westlich von Martinsbüttel sind Teil des Wasserschutzgebietes.Verordnung über die Festsetzung eines Wasserschutzgebietes für die Wassergewinnungsanlage des Wasserwerkes Wedelheine des Wasserverbandes Gifhorn vom 13.3.2001, Amtsblatt für den Regierungsbezirk Braunschweig, Nr. 9, vom 17.4.2001, S.85-89 und Übersichtskarte. Vgl. Wasserverband Gifhorn - Wasserschutzgebiete - Wasserschutzverordnung Wedelheine (PDF). Dünen des Holozän sind in der Landschaft Papenteich vereinzelt vorhanden bzw. vorhanden gewesen, für Wedesbüttel jedoch trotz der altpleistozänen Rinne nicht nachweisbar.Woldstedt, S. 28; statt Holozän wird noch Alluvium verwendet In der Neuzeit ist die Geländeoberfläche vom Menschen besonders durch Geländeeinschnitte und Kippen beim Bau des Mittellandkanals sehr stark verändert worden.
Gleyböden, darunter besonders Pseudogleye und örtlich Parabraunerde-Pseudogleye, überwiegen. Die Gleye in den Bachniederungen basieren auf den Wechsel- und Überlagerungen feinsandiger Tone und toniger Grobsande.Hundertmark, S. 838
Klima Der Ort liegt im Übergangsbereich zwischen atlantischen und kontinentalen Luftmassen und entsprechend zweier Klimatypen. Im Jahresmittel überwiesen West- und Südwestwinde, besonders von November bis Januar und von Juni bis August, die für ein Klima mit maritimem Einschlag stehen. Für Februar bis April liefert das feuchte kontinentale Klima häufig Ost- und Südostwinde.Oberbeck, S. 16–17 Das ganze Jahr über treten Niederschläge auf, maximal bei rund 71 mm im Juni und im trockensten Monat Februar rund 37 mm bei einem Jahresniederschlag von rund 620 mm. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 8,8 °C, wobei Juli mit 17,5 °C der wärmste und Januar mit rund 0,2 °C der kälteste Monat sind. Entsprechend ist die Klima-Klassifizierung nach Köppen und Geiger: „Seeklima“ Cfb.Klimadaten auf Climate-Data.org (Web-Abfrage am 6.6.2018) von Gifhorn, Braunschweig, Wolfsburg und Peine für Wedesbüttel anisotropisch gemittelt.
Geschichte Der Ort wurde erstmals 1022 in einer Urkunde des Königs Heinrich II. erwähnt.Hundertmark, S. 835 Als -büttel-Dorf wurde es wahrscheinlich in der Binnenkolonisierung im Papenteich im 10. Jahrhundert gegründet. Der Name besteht aus den zwei Namenteilen eines männlichen Vornamens und der Endung „büttel“ in der allgemeinen Bedeutung für Ansiedlung.
Das Dorf wuchs als Bauerndorf nur wenig, 1489 werden 6 Halbhöfe (als buhove = Bauernhöfe) und 3 Kötner, 1678 werden 6 Ackerhöfe und 7 Kötner registriert, ebenfalls 1777. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg steigerte sich die Zahl der Wohngebäude und Einwohner. Die Höfe hatten bis zur Auflösung der Grundherrschaft im 19. Jahrhundert (1841) verschiedene Grundherren.
Der Alternativname und die Schreibweise des Ortsnamens Wedesbüttel als „Wäsebüddel“ verdeutlicht die Aussprache im Dialekt des Papenteicher Platt. Das lange e wird als langes ä und die Konsonantendoppelung tt als dd ausgesprochen.Vgl. auch: Wesche, S. 31
2022 feierte Wedesbüttel das 1000-jährige Ortsjubiläum, zu diesem Anlass wurde im Juni 2022 ein Gedenkstein enthüllt.Der Startschuss für das Ortsjubiläum ist gefallen. In: Gifhorner Rundschau. Ausgabe vom 20. Juni 2022.
Rittergut Wedesbüttel mini|Haupthaus des Ritterguts Wedesbüttel, ehemalige Försterei, erbaut um 1654 mini|hochkant|Kreuz an der Gutskapelle Wedesbüttel mit Inschrift: „Erbbegräbnis für die Familie des Freiherrn Wilhelm Grote Herr auf Wedes- und Martinsbüttel“ Am Nordwestrand des ursprünglichen Dorfes befand sich ein Gut, das der seit 1338 in Wedesbüttel begüterten Familie von Campe gehörte. Das Gut scheint relativ spät entstanden zu sein, denn in den mittelalterlichen Urkunden wird niemals ein bevorrechtigter Hof in Wedesbüttel erwähnt und die Wirtschaftsfläche des Gutes war auch nicht besonders groß.99 1/2 Morgen Ackerland = 25 ha, dies entspricht rund drei Hufen
Nachdem die Wedesbütteler Familienlinie der Familie von Campe mit dem Tod des Heinrich von Campe im Jahr 1639 ausgestorben war, wurden die Söhne von Otto Grote mit Wedesbüttel belehnt. Dabei wird ein adelig-freier, landtagsfähiger Hof erwähnt, bei dem es sich um eine ehemalige Burganlage gehandelt haben dürfte. 1643 erhielt Thomas Grote (1594–1657) das Gut allein. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm Thomas Grote um 1651 den Neuaufbau des Gutes vor. 1656 kaufte Thomas Grote zudem das Lehen von Martinsbüttel und löste dann endgültig von Campe als Lehnsherrn ab. Nachfolger auf dem Gut Wedesbüttel waren sein ältester Sohn Otto Grote (1636–1693) und anschließend bis 1753 einer seiner Enkel, danach kam das Gut an Grotes aus Wrestedt und anschließend an die Familie Grote aus Breese. 1816 erbte Wilhelm von Grote das Gut, 1850 folgte ihm sein Sohn Carl Friedrich August Ferdinand Grote (1813–1868) auf Wedesbüttel nach. Nachdem Carl Friedrich August Ferdinand Grote von 1862 bis 1864 auf dem Gut Martinsbüttel, das zusammen mit Wedesbüttel in seinem Besitz war, ein neues Herrenhaus erbaut hatte und dorthin umgezogen war, ließ er 1866 das massive Wohnhaus auf dem Gut Wedesbüttel abreißen. Letzter Lehnsträger des Gutes Wedesbüttel aus der Familie Grote war bis zu seinem frühen Tod dessen Sohn Wilhelm Freiherr Grote (1863–1902).
Die Grote’sche Gutsherrschaft in Wedesbüttel endete 1909 durch Verkauf des Gutes an Karl von Schwartz. Zu diesem Zeitpunkt sollen noch Reste der alten Burggebäude vorhanden gewesen sein. Reste der Grabenbefestigung wurden 1928/29 beim Bau des Mittellandkanals zerstört, die letzten Reste wurden in den folgenden Jahrzehnten verfüllt. Von der Gestalt der Burg zeugt nur ein Plan, der vor ihrer Zerstörung angefertigt wurde. Nach dieser war das ungefähr rechteckige Burgareal außer im Westen und Südwesten von einem 15 m breiten und 3 m tiefen Graben umgeben. Frühere Karteneinträge und Beobachtungen während des Kanalbaus zeugen ebenfalls von der Burg.Die topografische Erfassung verzeichnet in der Urkarte von 1901 eine künstliche Aufschüttung gegenüber dem Gut auf dem Westhang sowie eine deutliche Erstreckung der Höhenlinie 71,25 m quer zum Hangverlauf am Osthang der obersten Hehlenriede (Urkarte). Beides widerspricht einer natürliche Struktur oder Beschaffenheit des Tals oder der Senke eines Fließgewässers und deutet auf absichtsvolle Veränderung z. B. für eine sicherere und gegebenenfalls kontrollierbare Querung einer feuchten Niederung hin. 1931 wird die damals noch nach Osten offene und von einem Wassergraben umgebene Dreikantanlage, auf dem der Wohnsitz des Gutsherren lag, als "Burgstelle" und der Graben als "ehemaliger Burggraben" bezeichnet (Kiecker u. Lütgens 1931). Zeitzeugen (z. B. Erich Köstel, Willi Ahrens, Heinrich Bosse) berichteten über massive Eichenhölzer, die in den 1920er Jahren beim Bau des Mittellandkanals an dieser Stelle zu entfernen waren, und Bauarbeiter berichteten über harte Eichenbohlen, die als Hindernis bei der Verbreiterung des MLK in den 1970er Jahren durch Vertiefung das Einrammen der Ufer-Stahlwände behinderten, so dass die Stähle nicht vollständig eingerammt werden konnten und man das überstehende Material abschweißen musste. Auf dem unzerstörten Teil der Burgfläche im Südosten steht heute eine um 1654 erbaute Försterei, das heutige Herrenhaus, das in den 1990er Jahren umfassend saniert wurde. Durch die Heirat von Marie Bibrette Eleonore von Schwartz, einer Enkelin des Karl von Schwartz, mit Hans-Dietrich Heinrich Egon von Knobelsdorff ging das Gut an die Familie von Knobelsdorff über. Noch heute gehört das Gut Wedesbüttel zur Ritterschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg.
Östlich des Burggrabens befindet sich wohl im ehemaligen Vorburgbereich die Gutskapelle aus der Zeit um 1500.
Eingemeindungen Wedesbüttel war bis 1970 ein selbständiges Dorf. Teil von Wedesbüttel war das voraussichtlich im 15. Jahrhundert wüst gewordene Martinsbüttel, dessen Fläche danach Teil der Gemarkung von Wedesbüttel wurde. Mit der niedersächsischen Gebiets- und Gemeindereform 1970 wurde das Dorf Ortsteil der Gemeinde Meine, diese wiederum Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Papenteich.
Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1925 1933 1939 2018 2022 Einwohner 155 170 329 268 559 581 z. B.: 550 Einwohner, Stand: 20.2.2018; in: Papenteicher Nachrichten, März 2018, S.6 - 559 Einwohner, Stand: 13.11.2018; in: Papenteicher Nachrichten, Dezember 2018, S. 6 Der Startschuss für das Ortsjubiläum ist gefallen. In: Gifhorner Rundschau. Ausgabe vom 20. Juni 2022.
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