mini|Werbeplakat der Main-Kraftwerke AG, 1925

Die Main-Kraftwerke AG (kurz: MKW) war ein 1910 als Tochter des Elektrizitätskonzerns EAG gegründetes Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Frankfurt-Höchst. Es versorgte in erster Linie weite Teile des ehemaligen Regierungsbezirks Wiesbaden mit Strom, der in einem Kohlekraftwerk in Höchst sowie mehreren Wasserkraftwerken erzeugt wurde. 1923 wurde es mitsamt der Muttergesellschaft vom RWE übernommen und beteiligte sich am Aufbau eines Hochspannungs-Verbundnetzes. 1926 konnte erstmals durch die Anbindung der Netze des RWE und des Bayernwerks über die MKW ein Verbundbetrieb zwischen Kohlekraftwerken im Rheinland und Wasserkraftwerken in Bayern bewerkstelligt werden.

Im Jahr 2001 fusionierten die MKW mit mehreren Beteiligungsgesellschaften des RWE zur Süwag Energie AG, die bis heute ihren Verwaltungssitz am ehemaligen Standort der MKW in Frankfurt-Höchst unterhält.

Unternehmensgeschichte Gründung und Expansion mini|Aktie über 1000 RM der Main-Kraftwerke AG vom 1. April 1911

1890 gründete der Unternehmer Wilhelm Lahmeyer in Frankfurt am Main die Wilhelm Lahmeyer & Co. KG, ab 1893 Elektrizitäts-AG vormals W. Lahmeyer & Co., kurz EAG, die sich mit dem Bau und Betrieb von Elektrizitätsanlagen befasste. Die Internationale Elektrotechnische Ausstellung 1891 machte das Unternehmen als Pionier der Elektrifizierung von Städten bekannt. Durch Unternehmensbeteiligungen und Gründung von Tochtergesellschaften wurden in zahlreichen Städten Elektrizitätswerke und elektrische Straßenbahnnetze aufgebaut.

Als eines dieser Tochterunternehmen wurde am 16. August 1910 die Main-Kraftwerke AG durch die EAG und den Kölner Draht- und Kabelhersteller Felten & Guilleaume gegründet. Der Gründung voraus ging der am 4. Juli 1910 begonnene Bau des Kraftwerks Höchst, eines Steinkohle-Kraftwerks auf dem Gebiet der damals noch eigenständigen Stadt Höchst am Main durch die EAG.Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 14 Die neue Gesellschaft sollte den Betrieb dieses Kraftwerks sowie die Elektrifizierung der umliegenden Gemeinden im Gebiet zwischen Main und Taunus durchführen. Weitere Initiatoren der neuen Firma waren der Hessische Provinzialverband, die Felten & Guileaume–Lahmeyer-Werke AG und Persönlichkeiten der Frankfurter Wirtschaft, die in dieser Betätigungsmöglichkeiten sahen.Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 12 Am 28. September 1910 folgte die Eintragung der Firma ins Handelsregister des königlichen Amtsgerichts Höchst.

Das Gründungskapital betrug 2 Millionen Mark. Zweck der Gesellschaft war „Betrieb, Bau und Erwerb von Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken sowie von Straßenbahnen“. Zusammen mit der Gründung wurden Stromlieferungsverträge mit der Frankfurter Lokalbahn AG (FLAG), der Felten & Guilleaume – Lahmeyerwerke AG Dynamowerk Frankfurt und der Chemischen Fabrik Griesheim am Main geschlossen. Ende 1910 wurde das Kraftwerk Höchst im Rohbau fertiggestellt und in 40 umliegenden Gemeinden mit dem Aufbau von Drehstromnetzen begonnen.Main-Kraftwerke AG: Geschäftsbericht der Main-Kraftwerke Aktiengesellschaft zu Höchst a. Main für das Jahr 1910,. Höchst am Main, 1911 Am 14. Mai 1911 konnte in Höchst die Stromerzeugung aufgenommen werden.

Zur Elektrifizierung der Taunusbahnen, elektrischer Überlandstraßenbahnen der FLAG von Heddernheim nach Bad Homburg bzw. Oberursel, entstand 1911 in Bommersheim eine Umformerstation. Das 1896 erbaute Gleichstrom-Kraftwerk in Bad Homburg konnte den steigenden Elektrizitätsbedarf selbst nicht mehr befriedigen. Außerdem benötigte die EAG Strom für ihre gemeinsam mit der Felten & Guilleaume AG betriebenen Fabrikationsanlagen in der Höchster Straße im Frankfurter Gallusviertel. Die FLAG, an der die EAG wiederum eine Mehrheitsbeteiligung besaß, übernahm wiederum die Aufgabe der Elektrifizierung in Oberursel. Die Stromlieferungen von Höchst aus wurden am 28. September 1911 aufgenommen. Ende 1911 war in 30 Gemeinden elektrischer Strom für 36.000 Einwohner verfügbar.

Um ihr Versorgungsgebiet nach Norden und Westen auszudehnen, schloss die Main-Kraftwerke AG 1913 einen Vertrag über den Strombezug von der Elektrizitätswerk Westerwald AG in Marienberg, die das Elektrizitätswerk in Höhn betrieb,Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 43 und übernahm den Betrieb der beiden Wasserkraftwerke Friedrichssegen und Limburg.Main-Kraftwerke AG: Geschäftsbericht der Main-Kraftwerke Aktiengesellschaft zu Höchst a. Main für das Jahr 1913,. Höchst am Main, 1914 Auch entstand die erste Fernleitung für 50 kV Spannung auf der Strecke Höchst – Sindlingen – Staffel – Holzappel – Nochern, um Energie mit dem Elektrizitätswerk Westerwald auszutauschen und die weitere Elektrifizierung des Taunus vorzubereiten. Die 56 km lange Verbindung ging 1917 in Betrieb und ermöglichte erstmals einen Energieaustausch zwischen zwei Kraftwerken. Gleichzeitig wurde das Kraftwerk Höchst in seiner Stromproduktion wiederholt ausgebaut. Nach Erweiterungen in den Jahren 1913, 1915, 1917 und 1922 fasste es 19.400 kW elektrische Leistung. Während des Ersten Weltkriegs konnte somit die Stromproduktion in Höchst weitgehend aufrechterhalten werden. 69 Gemeinden mit insgesamt 71.000 Einwohnern waren nun an die Main-Kraftwerke angeschlossen.

Durch Übernahme der Aktien der seit 1910 zur EAG gehörenden Rheingau-Elektrizitätswerke expandierte das Versorgungsgebiet der Main-Kraftwerke AG ab 1920 weiter. Diese versorgten seit 1899 den Rheingaukreis und einige westliche Stadtteile von Wiesbaden aus einem Elektrizitätswerk in Eltville. Zur Verbindung des Netzgebiets mit dem der Main-Kraftwerke wurden Abgrenzungs- und Durchleitungsverträge mit den Städten Mainz und Wiesbaden abgeschlossen. Die Realisierung einer Leitungsverbindung zwischen Höchst und Eltville wurde allerdings zunächst zurückgestellt.Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 21

Einstieg in den Verbundbetrieb

Die EAG-Tochtergesellschaft RWE entwickelte sich ab 1914 unter Hugo Stinnes zum überregionalen Energieversorger im Rheinland. Schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg gab es den ambitionierten Plan, die Kraftwerke des RWE und ihr Übertragungsnetz mit Kraftwerken der anderen Tochtergesellschaften der Gruppe zu verbinden. Unter Arthur Koepchen, seit 1917 technischer Vorstand, erwarb das RWE von der Schweizer Elektrobank die Mehrheit an der EAG, die somit von der einstigen Muttergesellschaft zur Tochtergesellschaft wurde. Dadurch kamen auch die Main-Kraftwerke in den Besitz des RWE.Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 65

Im selben Jahr entwickelte sich die Idee, die Kraftwerke der süddeutschen Tochtergesellschaften mit dem bereits entstehenden Netz um die Braunkohlekraftwerke im Rheinland zu koppeln. Durch die geografische Lage des Versorgungsgebiets der Main-Kraftwerke genau zwischen Rheinland und Süddeutschland erschien eine Kopplung auch mit diesem sinnvoll. Im Mai 1923 sah ein Plan vor, eine Leitung vom Goldenbergwerk bei Köln über Höchst und Heilbronn nach Meitingen bei Augsburg zu realisieren.Theo Horstmann, Klaus Kleinekorte: Strom für Europa – 75 Jahre RWE-Hauptschaltleitung Brauweiler 1928-2003. Klartext Verlag Essen 2003, S. 19 Da die Anbindung der Lechwerke von Württemberg aus in einem Interessenskonflikt mündete, wurden die Planungen umgeändert, zumal sich ab 1924 die RWE-Tochtergesellschaft GROWAG am Bau von Wasserkraftwerken in Vorarlberg beteiligte.

Gleich nach der Übernahme durch das RWE wurde das Netz der Main-Kraftwerke für den späteren Verbundbetrieb ausgebaut. Ein Stromlieferungsvertrag mit dem Bayernwerk über den Bezug von 10.000 kW elektrischer Leistung aus ihrem 110-kV-Ringleitungsnetz wurde 1924 abgeschlossen,Main-Kraftwerke AG: Geschäftsbericht der Main-Kraftwerke Aktiengesellschaft zu Höchst a. Main für das Jahr 1924. Höchst am Main, 1925 ein weiterer Vertrag sicherte den Bezug von 4.000 kW aus dem Kraftwerk Wölfersheim des Überlandwerks Oberhessen zu.Main-Kraftwerke AG: Geschäftsbericht der Main-Kraftwerke Aktiengesellschaft zu Höchst a. Main für das Jahr 1925,. Höchst am Main, 1925Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 64 Noch im selben Jahr begann der Bau der ersten Leitungen, die bereits für eine Spannung von 110 kV ausgelegt waren, aber zunächst nur mit den bisher verwendeten 50 kV betrieben wurden. Zwischen dem Kraftwerk Höchst und dem Kraftwerk Dettingen, das gleichzeitig über Aschaffenburg ans Bayernwerk-Netz angebunden wurde, entstand eine zweikreisige 110-kV-Freileitung. Über einen Leitungsabzweig wurde zusätzlich eine Reserveverbindung zum Umspannwerk der HEAG in Darmstadt hergestellt. Zusammen mit dieser Leitung entstand auch das markante Abspannportal vorm Höchster Kraftwerk, über das die abgehenden Freileitungen über den Main geführt wurden. Zunächst umfasste es drei Doppelleitungen,Main-Kraftwerke AG: Auftrag und Verpflichtung: 1910 – 1985 75 Jahre regionale Energieversorgung zwischen Main-Rhein-Lahn. Frankfurt am Main, 1985, S. 63 erst in den 1950er Jahren wurde es auf die heutigen fünf Leitungsabzweige erweitert. Zur Verknüpfung mit der „großen“ Nord-Süd-Leitung des RWE entstand bei Kelsterbach ein großes 220-kV-Umspannwerk, eines der ersten in Deutschland dieser Spannungshöhe überhaupt. Die Leitung Höchst–Dettingen wurde von beiden Seiten in dieses eingeschleift.

Die zweite 110-kV-Leitung entstand 1925–26 zwischen dem Umspannwerk Oberursel an der FLAG und dem Kraftwerk Wölfersheim, wo sie in das Umspannwerk der Preußischen Kraftwerke Oberweser AG mündete,Main-Kraftwerke AG: Geschäftsbericht der Main-Kraftwerke Aktiengesellschaft zu Höchst a. Main für das Jahr 1926. Höchst am Main, 1927 die gleichzeitig eine 110-kV-Verbindung vom Kraftwerk Borken über Gießen und Wölfersheim nach Frankfurt am Main bauten. Der gleichzeitige Bau der Nord-Süd-Leitung des RWE sorgte für Unmut seitens des preußischen States, der Frankfurt eigentlich ausschließlich über seine Leitung von Borken aus versorgen wollte. Der Staat verweigere dem RWE daher die Genehmigungen für den Bau der Leitung. Dennoch konnte der erste Leitungsabschnitt von Neuenahr bis zum Umspannwerk Mannheim-Rheinau 1926 testweise mit 110 kV in Betrieb gehen. Über die Leitung Kelsterbach–Dettingen bestand gleichzeitig erstmals eine direkte Kopplung des rheinischen 110-kV-Netzes mit dem bayerischen, somit auch ein Verbundbetrieb von Kohle- und Wasserkraftwerken.