mini|Ehemaliges Kurhaus Jastrzębie-Zdrój [; ], deutsch: Bad Königsdorff-Jastrzemb, ist eine Stadt in Oberschlesien im Süden Polens. Sie liegt rund 100 km westlich von Krakau und etwa 30 km nordöstlich von Ostrava in unmittelbarer Nähe der tschechischen Grenze.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt 45 km südwestlich von Katowice im oberschlesischen Hügelland an den Bächen Jastrzębianka und Szotkówka, die der Olsa zufließen. Vom Stadtzentrum sieht man die Hauptgebirgszüge der Schlesischen Beskiden, der Kleinen Beskiden und der Mährisch-Schlesischen Beskiden, die 30 bis 35 km Luftlinie von Jastrzębie entfernt sind. Sichtbar sind insbesondere der Große Czantory-Berg, der Rauhkogel und der Kahlberg. Das Stadtgebiet grenzt im Südwesten an die tschechische Gemeinde Petrovice u Karviné an, zu deren Ortsteil Dolní Marklovice in der südlichen Nachbargemeinde Marklowice Górne ein Grenzübergang besteht. Seit 1998 gehört Jastrzębie-Zdrój zur Euroregion Teschener Schlesien.
Bäche und Flüsse Auf dem Gebiet der Stadt entspringen acht Flüsse und Bäche: Jastrzębianka, Ruptawka, Gmyrdek, Plesse, Pająkówka, Bzianka, Dębinka und Cisówka. Durch das Stadtgebiet verläuft die Wasserscheide zwischen Weichsel und Oder.
Naturdenkmäler Auf dem Stadtgebiet gibt es 23 Bäume, die als Naturdenkmäler geschützt sind, darunter Rotbuchen, Stieleichen, Winterlinden und eine Rosskastanie.
Tiere An Vögeln kommen vor Elstern, Eichelhäher, Buntspechte, Türkentauben, Dohlen, Amseln, Stare und Fasane, Seidenschwänze, Saatkrähen und Kuckucke. In den Randgebieten kommen vor Kiebitze, Flussregenpfeifer, Blässhühner, Stockenten, Haubentaucher, Schwarzhalstaucher, Höckerschwäne, Falken und Turmfalken. Dazu kommen Vogelarten, die in Oberschlesien als gefährdet gelten wie Uferschwalbe, Grauspecht, Schwarzkehlchen, Gartenrotschwanz, Braunkehlchen, Grauammer, Feldschwirl, Turteltaube, Eisvogel und Rohrweihe.
In und in der Nähe der sauberen Gewässer leben mehrere Amphibienarten wie Teichmolch, Erdkröte, Wechselkröte, Europäischer Laubfrosch und die Gelbbauchunke. An Reptilien gibt es Zauneidechse, Blindschleiche und die Ringelnatter.
Zu den in der Region vom Aussterben bedrohten Arten gehören die Haselmaus, das Europäische Eichhörnchen und das Hermelin. In den Fischteichen gibt es Karpfen, Karauschen, Schleie, Rotfedern, Hechte, Zander und den Ukelei.
Gemeinde Das Stadtgebiet von Jastrzębie-Zdrój gliedert sich in die 15 Siedlungen Arki Bożka, Barbary, Bogoczowiec, Chrobrego, Gwarków, Morcinka, Pionierów, Pszczyńska, Przyjaźń, Staszica, Tuwima, 1000-lecia, Zdrój, Złote Łany und Zofiówka.
Hinzu kommen noch die sechs Schulzenämter Borynia, Bzie, Moszczenica, Ruptawa i Cisówka, Skrzeczkowice und Szeroka.
Eingemeindungen Die Stadt Jastrzębie-Zdrój umfasst 10 ehemals selbstständige Gemeinden, die 1963 eingemeindet worden sind und jetzt teilweise Stadtteile bilden: Borynia (Borin) Bzie, bestehend aus Bzie Zameckie (Schloß Goldmannsdorf), Bzie Górne (Ober Goldmannsdorf), Bzie Dolne (Nieder Goldmannsdorf) und Pniówek Cisówka (Cissowka) Jastrzębie Górne (Ober Jastrzemb), Jastrzębie Dolne (Königsdorff-Jastrzemb, Nieder Jastrzemb) mit Jastrzębie-Zdrój (Bad Königsdorff-Jastrzemb) und Zofiówka (Sophienthal),Sophienberg? Vgl. Moszczenica (Moschczenitz), Ruptawa (Ruptau), Skrzeczkowice (Skrzetzkowitz, 1940–1945 Eichendorf) und Szeroka (Timmendorf).
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl 1825 202 1864 262 1905 608 1931 ca. 400 1961 3.256 1970 24.395 1999 102.294 2005 96.009
Die Zahlenangaben vor dem Zweiten Weltkrieg beinhalten nur das Dorf Königsdorff-Jastrzemb. 1864 lebten in Ober Jastrzemb mit dem Vorwerk Neuhof 1064 Menschen. Für 1885 wird eine Gesamteinwohnerzahl von 1568 genannt, die auch das damals zugehörige Dorf, Bad und Rittergut Königsdorff-Jastrzemb einschließlich der Kolonie Sophienthal mit einschloss. Die Bevölkerung war fast ausschließlich polnischer Nationalität.
Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Jaskrzambie stammt aus dem Jahre 1467. Es wird angenommen, dass das 1305 bestehende Friczonis villa ein und derselbe Ort war. Jastrzemb war ursprünglich Teil des schlesischen Herzogtums Ratibor, seit 1437 des davon abgetrennten Herzogtums Rybnik und seit 1464 des Herzogtums Loslau. Nach der 1483 erfolgten Abtrennung der Herrschaft Loslau, die 1515 zur Minderstandesherrschaft erhoben wurde, gehörte es zu deren Territorium.
Der preußische Ort 1742 wurde Jastrzemb preußisch. Der zuvor zum Kreis Pleß gehörende Ort ging 1818 an den neu errichteten Kreis Rybnik über. Jastrzemb blieb ein unbedeutendes Dorf, bis 1859 bei Untersuchungen nach Salz- und Steinkohlenlagerstätten dort heilkräftige Sole mit Iod-, Brom- und Kohlensäuregehalt erbohrt wurden. Der damalige Besitzer des Rittergutes Nieder Jastrzemb, Emil Freiherr von Schlieben, errichtete ein Rheumabad. Wegen der Wirksamkeit des Mineralwassers ließ Felix von Königsdorff, der das Gut 1861 erworben hatte, zwischen 1861 und 1862 zwei Kurhäuser und weitere Badeanlagen zur Behandlung von Rheumatismus, Skrofulose, Gicht, Rachitis und Leberkrankheiten erbauen. Jastrzemb wurde so Kurort. 1862 erfolgte die Umbenennung des Dorfes Nieder Jastrzemb in Königsdorff-Jastrzemb. 1890 wurde der Berliner Bankier Eugen Landau neuer Besitzer; er errichtete 1891 die Kinderheilstätte Marienheim. 1895 kaufte der polnische Arzt Mikołai Witczak das Gut Königsdorff-Jastrzemb und führte moderne Kurverfahren ein. In seiner Zeit entstanden die Herz-Jesu-Kirche, eine Konzertmuschel und ein Trinkhaus.
Das polnische Kurbad Nach der Volksabstimmung in Oberschlesien und der 1922 erfolgten Übergabe Ostoberschlesiens wurden das Gut Königsdorff-Jastrzemb und die zugehörigen Dörfer polnisch. 1928 eröffnete ein Sanatorium und Bad Königsdorff-Jastrzemb wurde zu einem der bekanntesten europäischen Kurbäder. Nach dem Überfall auf Polen und der folgenden deutschen Besetzung wurde Jastrzemb 1939 völkerrechtswidrig Teil des Deutschen Reiches.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Ort zu Polen zurück und wurde dem neu gebildeten Powiat Wodzisławski zugeordnet.
1951 wurden geologische Untersuchungen der Gegend um Jastrzębie und Moszczenica aufgenommen, bei denen umfangreiche Fettkohlelagerstätten aufgefunden wurden. 1955 erhielt der Kurort den Status einer stadtartigen Siedlung. Zwischen 1962 und 1974 nahmen fünf Steinkohlenbergwerke den Betrieb auf. Dies waren die Grube Jastrzębie im Jahre 1962, 1965 die Grube Moszczenica, 1969 die Manifest Lipcowy, 1971 die Borynia und 1974 die Pniówek. Durch den Bergbau veränderte sich der Ort, der 1963 Stadtrecht erhielt, vom ruhigen Kurort zu einer Wohnstadt für Bergarbeiter, deren Einwohnerzahl sprunghaft anstieg. In der gleichen Zeit erfolgte die Eingemeindung der umliegenden Dörfer – noch im Jahre 1961 hatte die Gemeindefläche lediglich 8,36 km² betragen.
Der Kurbetrieb wurde zwar bis in die 1960er Jahre weitergeführt, jedoch ging die Zahl der Kurgäste immer mehr zurück und die Kuranlagen verkamen. Infolge des Abteufens weiterer Gruben kam es zum Versiegen der Heilquellen. 2007 verlor der Ort die Bezeichnung Kurort, die er seit 1948 hatte.
Am 3. September 1980 kam es während der Streiks in Polen auf der Grube Manifest Lipcowy zum Abschluss der Vereinbarung von Jastrzębie, die nach den zuvor in Danzig und Stettin geschlossenen Abkommen ein wichtiger Schritt der Solidarność-Bewegung im Kampf um Demokratie und Unabhängigkeit gegen das kommunistische Regime war.
Jastrzębie-Zdrój ist Sitz einer Zweigstelle der Schlesischen Universität Kattowitz und besitzt außerdem ein Lehrerbildungsseminar für Fremdsprachen. Die historischen Kuranlagen wurden saniert und teilweise unter Denkmalschutz gestellt.
Politik Stadtpräsident An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Stadtpräsident. Seit 2014 war dies Anna Hetman, die bei ihrer ersten Kandidatur als parteilose Kandidatin für die PO antrat und sich gegen den seit 2002 amtierenden Amtsinhaber Marian Janecke durchsetzte. Bei der turnusmäßigen Wahl im Oktober 2018 trat sie mit ihrem eigenen Wahlkomitee an, das auch vom Wahlbündnis KO aus PO und Nowoczesna sowie der PSL und lokalen Organisationen unterstützt wurde.„Anna Hetman, prezydent Jastrzębia-Zdroju oficjalnie: będę kandydować. I przedstawia koalicjantów“ auf jastrzebiezdroj.naszemiasto.pl, abgerufen am 16. August 2020. Bei der Wahl 2024 wurde sie von Michał Urgał (PiS) abgelöst. Die Wahl 2024 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 9. Juni 2024. Michał Urgał (Prawo i Sprawiedliwość) 43,7 % der Stimmen Anna Hetman (Wahlkomitee „Koalition Anna Hetman“) 40,5 % der Stimmen Damian Gałuska (Wahlkomitee „Lokaler Selbstverwaltungsverein Jastrzębie-Zdrój“) 10,2 % der Stimmen Tomasz Maron (Wahlkomitee „Jastrzębie 2.0“) 5,6 % der Stimmen
In der damit notwendigen Stichwahl wurde Urgał mit 54,7 % der Stimmen gegen Amtsinhaberin Hetman zum neuen Stadtpräsidenten gewählt.
Die Wahl 2018 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 16. August 2020. Anna Hetman (Wahlkomitee „Koalition Anna Hetman“) 50,7 % der Stimmen Łukas Kasza (Prawo i Sprawiedliwość) 35,9 % der Stimmen Jakub Gruszka (Kukiz’15) 6,5 % der Stimmen Jarosław Ligas (Sojusz Lewicy Demokratycznej / Lewica Razem) 3,8 % der Stimmen Janina Szymańska (Wahlkomitee „Selbstverwaltungsverein Jastrzębie“) 3,2 % der Stimmen
Damit wurde Hetman bereits im ersten Wahlgang als Stadtpräsidentin wiedergewählt.
Stadtrat Der Stadtrat umfasst 23 Mitglieder, die direkt gewählt werden. Die Wahl im April 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 9. Juni 2024. Wahlkomitee „Koalition Anna Hetman“ 39,2 % der Stimmen, 11 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 39,7 % der Stimmen, 10 Sitze Wahlkomitee „Lokaler Selbstverwaltungsverein Jastrzębie-Zdrój“ 13,9 % der Stimmen, 2 Sitze Wahlkomitee „Jastrzębie 2.0“ 7,2 % der Stimmen, kein Sitz
Die Wahl im Oktober 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 16. August 2020. Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 33,7 % der Stimmen, 10 Sitze Wahlkomitee „Koalition Anna Hetman“ 30,6 % der Stimmen, 9 Sitze Wahlkomitee „Lokale Gemeinschaft Jastrzębie-Zdrój“ 12,7 % der Stimmen, 3 Sitze Wahlkomitee „Selbstverwaltungsverein Jastrzębie“ 10,1 % der Stimmen, 1 Sitz Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) / Lewica Razem (Razem) 6,8 % der Stimmen, kein Sitz Kukiz’15 6,0 % der Stimmen, kein Sitz
Städtepartnerschaften Jastrzębie-Zdrój listet sieben Partnerstädte auf: Liste auf der Webseite der Gemeinde StadtLandseitBorschtschiw 15px 2017Havířov 15px 1995Ibbenbüren 15px 2007Karviná 15px 1995Prievidza 15px 2009Tourcoing 15px 1997Šalčininkai 15px
Sehenswürdigkeiten Architektur Folgende Gebäude stehen unter Denkmalschutz: Die Kirche der Heiligen Barbara und des Heiligen Josef (Kościół św. Barbary i Józefa) ist ein religiöses Holzgebäude aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es stand ursprünglich in Jedłownik (einem Stadtteil von Wodzisław Śląski). Nach Jastrzębie-Zdrój, genauer in die Wohnsiedlung Przyjaźń, wurde es in den 1970er Jahren transportiert. Es ist das älteste Kirchengebäude in Jastrzębie-Zdrój, es liegt am Holzarchitekturweg der Woiwodschaft Schlesien. Allerheiligenkirche (Kościół Wszystkich Świętych) liegt im Ortsteil Szeroka. Die barock-klassizistische Kirche wurde in den Jahren 1796–1801 erbaut. Das Gebäude wurde vom Maurermeister Andreas Langer aus Braciszów mit zehn Arbeitern errichtet. Im Inneren sind eine Kanzel mit einem Pelikan, ein Tabernakel, ein spätbarocker Hauptaltar aus dem Jahr 1810 und im Chor eine Orgel aus dem Jahr 1785.Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. München 2005, S. 377, ISBN 3-422-03109-X